Veggieday
Ein Veggieday, Veggietag oder vegetarischer Tag (englisch meat free day) ist ein Tag in der Woche, an dem sich Kommunen und öffentliche bzw. private Einrichtungen verpflichten, in ihren Großküchen kein Gericht mit Fleisch, sondern nur vegetarisches Essen anzubieten.
Hintergrund
Begründungen
Für vegetarische oder vegane Tage in Kantinen werden umwelt- und ernährungspolitische Gründe angeführt, wie vor allem die unter diesen beiden Gesichtspunkten relevanten Probleme der Tierproduktion. So führen die Befürworter an, dass die Fütterung von Tieren zur Gewinnung von Fleisch energetisch und wirtschaftlich ineffizient sei, da die Futtermittel (u. a. Getreide, Soja, Mais, Reis) bei direkter Verarbeitung und Verzehr sehr viel mehr Menschen ernähren könnten, oder anders betrachtet Anbauflächen einnehmen, die so für die ohnehin unzureichende Ernährung von Menschen verloren gingen. Außerdem bringe die intensive Viehzucht und insbesondere die Massentierhaltung eine starke Belastung der Umwelt, u. a. durch einen hohen Wasser- und Landverbrauch mit sich, sowie Emissionen, die auch das Klima beeinflussen.
Des Weiteren wird auf die Seuchengefahr hingewiesen, die durch Massentierhaltung verstärkt bestünde und schwieriger zu kontrollieren sei, wie auch auf den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, die resistente Bakterienstämme befördern können.<ref>Debatte über "Veggie Day": Grüner Trittin kritisiert "Drogenhandel im Stall", Spiegel online, 11. August 2013.</ref> Zudem werden gesundheitliche Aspekte fleischreicher Ernährung angeführt<ref name="za-ct2010"> City to launch ‘one meat-free day a week’ campaign. 27. Juli 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. August 2010; abgerufen am 3. August 2010. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. </ref><ref>South Africa scores for farm animal welfare, the environment and human health. Compassion in World Farming, 12. April 2010, abgerufen am 3. August 2010.</ref> und auf Grundlage der Ernährungsphysiologie angenommene oder von Vegetariern behauptete Vorteile für die menschliche Gesundheit durch pflanzliche Ernährungsstile betont.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Argumentationspapier ( des Vorlage:IconExternal vom 27. Januar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 4,9 MB) der Ethical Vegetarian Alternative. (präsentiert auf der Homepage des Vegetarierbundes Deutschland)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Why Meatless ( des Vorlage:IconExternal vom 13. September 2011 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei meatlessmonday.com.</ref>
Die meisten Veggieday-Initiativen distanzieren sich von einer ethischen Argumentation für Veganismus oder Vegetarismus.<ref name="abo">Zu einer Ideologiekritik von Tierschutz und neuem Tierschutz siehe Gary L. Francione: Rain without thunder: The ideology of the animal rights movement. Temple Univ Pr, 1996, ISBN 1-56639-461-9. Speziell zu vegetarischen Tagen Mylène Oullet: Should Vegans Endorse Meatless Monday? 2009, abgerufen am 7. Oktober 2011. und Gary L. Francione: Vegan Mondays? 2010, abgerufen am 7. Oktober 2011.</ref> Veggieday-Initiativen sind daher eher in den Umweltbewegungen als in tierethischen Bewegungen zu finden. Veggieday-Initiatoren aus dem Neuen Tierschutz teilen zwar häufig fundamental-ethische Motive des Vegetarismus, tragen sie aber nicht oder stark untergeordnet in den politischen Diskurs.<ref name="abo" />
Christian Rauffus, Geschäftsführer von Rügenwalder Mühle und damit eines der größten einheimischen Wurstproduzenten Deutschlands, unterstützte den Vorschlag des „Veggie Day“.<ref name="flex" /> Die Süddeutsche Zeitung führte dazu ein Interview Rauffus’ mit dem Handelsblatt an. Es sei der SZ zufolge ein Trend zum Flexitarismus auszumachen, viele Menschen wollten Fleisch in Maßen und mit gutem Gewissen verspeisen, ebenso werde gelegentlich vegetarisches Essen immer beliebter.<ref name="flex" /> Der Konzern plane angesichts des schrumpfenden Fleischmarktes, künftig fleischlose Produkte wie Sojaschnitzel anzubieten.<ref name="flex">Vorschlag der Grünen, Wursthersteller lobt Veggie Day Süddeutsche vom 26. August 2013.</ref>
Wochentag
Als „Veggietag“ wird der Montag oder der Donnerstag vorgeschlagen. Dem gegenüber ist im Christentum der Freitag als wöchentlicher Fisch- oder Mehlspeisentag bereits traditionell eingeführt, insbesondere in der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen. Auch die protestantischen Konfessionen beziehen Fasten (wieder) in die religiöse Praxis ein, wobei Widerstand gegen einheitliche Fastenvorgaben wie beim Zürcher Wurstessen mit zur reformatorischen Geschichte gehört.
In den überwiegend protestantischen Vereinigten Staaten wird der fleischlose Montag präferiert.<ref>Mike Smith: The Johns Hopkins Meatless Monday Project. In: jhsph.edu. 9. November 2012, abgerufen am 12. Februar 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>meatlessmonday.com: Why Monday?, abgerufen am 26. Juni 2019.</ref>
Umsetzungen
Deutschland
In Deutschland wird die Kampagne zur Einführung eines Veggietages vom Vegetarierbund Deutschland (ProVeg) getragen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Projektdarstellung auf vebu.de ( des Vorlage:IconExternal vom 3. Februar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 3. Februar 2016</ref> Zu den Partnern des ProVeg zählen die Albert Schweitzer Stiftung, Peta, Vier Pfoten und der Global Marshall Plan.<ref>Kampagnensite</ref>
Im Januar 2010 hat Bremen als erste Stadt in Deutschland den fleischfreien Donnerstag eingeführt.<ref name="Städte"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Übersicht über teilnehmende Städte in Deutschland auf donnerstag-veggietag.de ( des Vorlage:IconExternal vom 7. September 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Das Projekt wurde von der Bürgerstiftung Bremen umgesetzt und wird vom rot-grünen Senat unterstützt. In die Bremer Koalitionsvereinbarung 2011 zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen Bremen ist die Unterstützung des Veggieday explizit eingegangen. Die Grünen hatten bereits Mitte 2010 mit einem Antrag in der Bürgerschaft die Einführung eines Veggieday in Bremer Großküchen und Kantinen gefordert.<ref>Antrag von Bündnis 90/Die Grünen in der Bremischen Bürgerschaft 2010 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot (PDF; 53 kB)</ref>
Seitdem haben mehrere Stadträte beschlossen, sich der Initiative anzuschließen. Besonders breit ist die Unterstützung von Großküchen und Restaurants in Münster,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Website der Veggietag-Initiative Münster ( des Vorlage:IconExternal vom 11. August 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Marburg<ref name="Städte" /> und Göttingen.<ref>Website der Veggietag-Initiative Göttingen</ref> Vor allem Unimensen haben in größerer Zahl vegetarische Tage eingeführt.<ref>"Veggie-Day" belebt den lustlosen Wahlkampf, Wirtschaftswoche online, 7. August 2013.</ref>
Im Wahlkampf vor der Bundestagswahl 2013 sorgte die drei Jahre bestehende Forderung der Grünen, den Veggietag als Standard einzuführen, für Aufregung und Empörung in Reihen der Unionsparteien und der FDP sowie in Teilen der Presse,<ref>Fleischloser Tag: Heftiger Widerstand gegen „Veggie Day“ der Grünen, Spiegel online, 5. August 2013.</ref> sie wurde auch als Lachnummer des Wahlkampfs bezeichnet.<ref>Quiz zum „Veggie Day“: Gemüse ist mein Fleisch von Bertolt Hunger und Nicolai Kwasniewski SPON vom 20. September 2013.</ref> Die Resonanz war in sozialen Netzwerken besonders groß;<ref name="wiwo">So wählt das Netz „Veggie-Day“ belebt den lustlosen Wahlkampf, von Oliver Voß, Wirtschaftswoche vom 7. August 2013.</ref> das Thema wurde in kurzer Zeit zum Wahlkampfschlager. Der Veggietag wurde zu einer Darstellung der Grünen als „lustfeindlich“, „Spaßverderber“ oder „Partei der Verbote“ benutzt.<ref name="wiwo" /> Befürworter verwiesen darauf, dass der Vorschlag auch nach den Vorstellungen der Grünen überhaupt nicht gesetzlich durchgesetzt werden könne und solle.<ref name="Fleischlos in den Wahlkampf">Fleischlos in den Wahlkampf, Zeit Online, 5. August 2013.</ref> Insbesondere wurde der Veggieday von Katrin Göring-Eckardt und Renate Künast im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 propagiert.<ref>merkur-online.de</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Katrin Göring-Eckardt fordert Ende der Massentierhaltung ( vom 14. September 2014 im Internet Archive)</ref> Die Veggietagforderung wurde mehrfach, neben einer fehlerhaften Wahlkampagne, auch von führenden Grünen für die gegenüber den Umfrageergebnissen seit 2011 dramatisch schlechtere Wählerzustimmung verantwortlich gemacht. Insbesondere aus Baden-Württemberg kamen kritische Stimmen, so von Silke Krebs,<ref>Staatsministerin Krebs kritisiert grüne Wahlkampagne www.schwaebische.de, auch DPA, 9/2013.</ref> Boris Palmer<ref>Palmer im Focus 9/2013.</ref> und Winfried Kretschmann, unter anderem in der Schwäbischen Zeitung. „Nehmen wir den ‘Veggie-Day’. Da wird eine Bevormundung auch noch mit einem Anglizismus ausgedrückt und zugleich infantilisiert. Mit so etwas geht man den Leuten auf die Nerven.“<ref>laut SZ in einem Interview mit Die Zeit</ref>
Weitere Staaten
Seit Mai 2009 gibt es in der belgischen Stadt Gent offiziell einen „vegetarischen Donnerstag“, an dem in Kantinen und Restaurants das vegetarische Angebot im Vordergrund steht. Die Stadtverwaltung lieferte personelle und finanzielle Unterstützung, etwa hundert Restaurants beteiligten sich freiwillig.<ref name="Global"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Übersicht über teilnehmende Städte in Deutschland auf donnerstag-veggietag.de ( des Vorlage:IconExternal vom 20. Oktober 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Andere belgische Städte wie Hasselt und Mechelen haben sich der Initiative angeschlossen.<ref name="Global" />
Dänemark gehört in Europa zu den Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Fleischkonsum und einem geringen Anteil an Vegetariern. Die Partei Alternativet, die sich für einen ökologischen Wandel einsetzt, setzte sich im Wahlkampf 2015 auch für einen Vegetariertag ein.<ref>Wahl in Dänemark: Rechtspopulisten mit Rekordergebnis. In: taz.de. 19. Juni 2015, abgerufen am 30. Januar 2024.</ref>
In Israel gibt es den Meatless Monday (Montag).
Bei Swissveg wurde der Donnerstag zum Vegi Tag definiert. Diese Aktion wird von verschiedenen Personen und Städten in der Schweiz unterstützt.
In Singapur gibt es den Meatless Monday (Montag)<ref>Facebook-Seite des Meatless Monday (englisch)</ref> sowie den VeggieThursday (Donnerstag), der von der Vegetarischen Vereinigung (Singapur) organisiert wird.
In den Vereinigten Staaten geht die Kampagne für einen vegetarischen Tag von der The Monday Campaigns Inc. aus. Washington, D.C., San Francisco und Los Angeles gehören zu den Städten in den USA, die ebenfalls die Einführung eines fleischlosen Wochentages beschlossen haben.<ref name="Global" /> In den Vereinigten Staaten wurde ein fleischfreier Montag bereits als Meatless Monday im Rahmen der kriegsbedingten Rationierungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingeführt. Aufgrund der von Herbert Hoover bei der US-Lebensmittelverwaltung 1917–1919 geführten Kampagnen wurde er sehr bekannt.
In anderen Ländern haben Städte wie São Paulo und Kapstadt einen inoffiziellen fleischlosen Wochentag.<ref name="Global" />
Die Norwegischen Streitkräfte führten im November 2013 einen Meatless Monday (Montag) ein. In den Presseerklärungen wird betont, dass die Maßnahme nicht der Geldeinsparung, sondern dem „Kampf gegen den Klimawandel“ dient.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Norwegian army goes vegetarian as it goes to war against climate change by cutting ‘ecologically unfriendly’ foods.] Daily Mail, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. Januar 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Norwegian army placed on strict vegetarian diet.] The Independent, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. Januar 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Weblinks
- Kampagnenseite „Donnerstag ist Veggietag“
- Donderdag Veggiedag is overal (niederländisch). EVA (Ethical Vegetarian Alternative) Belgium, abgerufen am 12. September 2011.
- meatfreemondays.com
Einzelnachweise
<references />