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Schleichenartige

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Varanomorpha)

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Schleichenartige
Datei:Anguis fragilis (curled up).jpg

Blindschleiche (Anguis fragilis)

Systematik
ohne Rang: Amnioten (Amniota)
ohne Rang: Sauropsida
Überordnung: Schuppenechsen (Lepidosauria)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
ohne Rang: Toxicofera
ohne Rang: Schleichenartige
Wissenschaftlicher Name
Anguimorpha
Fürbringer, 1900

Die Schleichenartigen (Anguimorpha) sind ein Taxon der Schuppenkriechtiere (Squamata), zu der fast 200 unterschiedliche Echsenarten<ref name="Conrad et al."/> und so verschiedene Formen wie die heimische Blindschleiche (Anguis fragilis) und der große indonesische Komodowaran (Varanus komodoensis) gehören. Alle in Europa vorkommenden Schleichenartigen gehören zur Familie der Schleichen (Anguidae). Neben der (Westlichen) Blindschleiche sind das die Östliche Blindschleiche (Anguis colchica) in Osteuropa, die Griechische Blindschleiche (Anguis graeca), die Peloponnes-Blindschleiche (Anguis cephallonica), die Italienische Blindschleiche (Anguis veronensis) und der Scheltopusik (Pseudopus apodus) auf dem Balkan.<ref>Dieter Glandt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Liste der Amphibien und Reptilien Europas und der angrenzenden Atlantischen Inseln (Memento des Vorlage:IconExternal vom 7. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.karch.ch. Februar 2014. (PDF; 134,39 kB).</ref>

Merkmale

Die meisten Schleichenartigen haben eine typische Echsengestalt. Es gibt aber auch langgestreckte Formen, deren Beine zu kleinen Stummeln verkümmert sind, und schlangenartige beinlose Arten. Alle Schleichenartigen haben feste, an der Basis nicht hohle Zähne. Neue Zähne wachsen alternierend, das heißt zwischen – und nicht unterhalb – der alten Zähne heran. Die Zunge der Schleichenartigen ist durch eine Falte in einen vorderen und hinteren Abschnitt geteilt. Der vordere Teil ist, wie bei den Schlangen, bei vielen Arten tief gespalten und kann in den hinteren Teil zurückgezogen werden.

Systematik

Das Taxon der Schleichenartigen wurde 1900 durch den deutschen Anatomen Max Fürbringer aufgestellt und umfasst heute acht rezente Familien echsenartiger Schuppenkriechtiere. Innerhalb der Schuppenkriechtiere gehören die Schleichenartigen zusammen mit den Leguanartigen (Iguania) und den Schlangen (Serpentes) zu den Toxicofera, die die Fähigkeit haben Toxine zu bilden. Dabei sind die Schleichenartigen und die Leguanartigen Schwestergruppen, die unbenannte, von beiden Taxa gebildete Klade, ist die Schwestergruppe der Schlangen. Toxine wurden bei den Schleichenartigen bisher jedoch nur bei den Krustenechsen und bei einigen Waranen nachgewiesen.

Innerhalb der Schleichenartigen lassen sich zwei Kladen unterscheiden, eine mit Schleichen, Ringelschleichen, Doppelzungenschleichen und den Höckerechsen, die in vielen Systematiken als Anguioidea oder Diploglossa bezeichnet wird, und die zweite mit Waranen, Taubwaran und den ausgestorbenen Mosasauriern, die die Namen Platynota oder Varanoidea erhielt. Untersuchungen auf molekulargenetischer Grundlage zeigen, dass auch die chinesische Krokodilschwanzechse, die früher zu den Höckerechsen gehörte, zu dieser Gruppe gehört. Die Position der Krustenechsen bleibt umstritten.

Äußere Systematik<ref name="Pyron et al."/><ref name="Vidal et al."/><ref name="Zheng&Wiens 2016" />
 Squamata 

Schlangenschleichen (Dibamidae)


   

Geckoartige (Gekkota)


   

Skinkartige (Scincoidea)


   
 Lacertoidea 


Schienenechsen (Teiidae)


   

Zwergtejus (Gymnophthalmidae)


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Echte Eidechsen (Lacertidae)


   

Doppelschleichen (Amphisbaenia)


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 Toxicofera 


Schleichenartige (Anguimorpha)


   

Leguanartige (Iguania)


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Schlangen (Serpentes)


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Innere Systematik nach morphologischen Gesichtspunkten<ref name="Conrad et al."/> Innere Systematik nach molekularbiologischen Gesichtspunkten<ref name="Zheng&Wiens 2016" />
 Anguimorpha 
 Diploglossa 

Höckerechsen (Xenosauridae)


   

Doppelzungenschleichen (Diploglossidae)


   

Schleichen (Anguidae)


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Mosasaurier + Aigialosaurier (Mosasauria) †


   

Krokodilschwanzechsen (Shinisauridae)


 Platynota 

Krustenechsen (Helodermatidae)


   

Taubwaran (Lanthanotidae)


   

Warane (Varanidae)


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 Anguimorpha 


Krustenechsen (Helodermatidae)


   

Höckerechsen (Xenosauridae)


   

Doppelzungenschleichen (Diploglossidae)


   

Schleichen (Anguidae)


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Krokodilschwanzechsen (Shinisauridae)


   

Taubwaran (Lanthanotidae)


   

Warane (Varanidae)


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Stammesgeschichte

Die fossile Überlieferung der Schleichenartigen reicht 130 Millionen Jahre bis in die Unterkreide zurück und umfasst alle rezenten Familien sowie zahlreiche ausgestorbene Gruppen, darunter die riesigen marinen Mosasaurier aus der Oberkreide.<ref name="Conrad et al."/>

Literatur

  • Wolfgang Böhme: Squamata, Schuppenkriechtiere. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie. Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere. Spektrum – Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2004, ISBN 3-8274-0307-3, S. 358 ff.
  • Hans-Eckard Gruner, Horst Füller, Kurt Günther: Urania Tierreich. Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag, Leipzig 1991, ISBN 3-332-00491-3.

Einzelnachweise

<references>

  • <ref name="Conrad et al.">Jack L. Conrad, Jennifer C. Ast, Shaena Montanari, Mark A. Norell: A combined evidence phylogenetic analysis of Anguimorpha (Reptilia: Squamata). In: Cladistics. Bd. 27, Nr. 3, 2011, S. 230–277, doi:10.1111/j.1096-0031.2010.00330.x.</ref>
  • <ref name="Pyron et al.">Robert Alexander Pyron, Frank T. Burbrink, John J. Wiens: A phylogeny and revised classification of Squamata, including 4161 species of lizards and snakes. In: BMC Evolutionary Biology. Bd. 13, 2013, 93, doi:10.1186/1471-2148-13-93.</ref>
  • <ref name="Vidal et al.">S. Blair Hedges, Nicolas Vidal: Lizards, snakes and amphisbaenias (Squamata). In: S. Blair Hedges, Sudhir Kumar (Hrsg.): The Timetree of Live. Oxford University Press, Oxford u. a. 2009, ISBN 978-0-19-953503-3, S. 383–389, Digitalisat (PDF; 474,18 kB).</ref>

<ref name="Zheng&Wiens 2016"> Yuchi Zheng, John J. Wiens: Combining phylogenomic and supermatrix approaches, and a time-calibrated phylogeny for squamate reptiles (lizards and snakes) based on 52 genes and 4162 species. Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 94, Part B, Januar 2016, doi: 10.1016/j.ympev.2015.10.009</ref> </references>