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Tüfingen

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Tüfingen
Gemeinde Salem
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Höhe: 490 m
Fläche: 9,11 km²
Einwohner: 288 (31. Dez. 2024)<ref name="Kommunaldaten">Einwohnerzahl und Fläche Gemeinde Salem. Abgerufen am 22. Oktober 2025.</ref>
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 88682
Vorwahl: 07553
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Tüfingen ist ein Ortsteil der Gemeinde Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Geographie

Lage

Tüfingen liegt im Linzgau in der Bodenseeregion, rund drei Kilometer westlich des Ortszentrums von Salem. Das Dorf liegt zwischen dem Salemertal und Überlingen in einer Mulde des Moränenhügellandes.<ref>Tüfingen auf Landeskunde entdecken online – leobw</ref>

Gliederung

Zur Gemarkung gehören das Dorf Tüfingen, der Weiler Baufnang, das Hofgut Mendlishausen, der Ralzhof und der Berghof.<ref>Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen 2009</ref>

Schutzgebiet

Die Salemer Klosterweiher sind Europäisches Vogelschutzgebiet. Einige dieser Weiher liegen auf der Gemarkung Tüfingen: Engelsweiher, Nellenfurter Weiher und Kaltbrunner Weiher. Sie stehen darüber hinaus in der Gesamtheit unter Denkmalschutz.<ref>Regierungspräsidium Tübingen Referat26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem-Tüfingen (Bodenseekreis) 2012.</ref>

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Tüfingen gehört zu den frühen Orten der alemannischen Landnahme im Linzgau. Die Dörfer mit der Endung -ingen sind in der Regel Siedlungen des 5./6. Jahrhunderts.<ref>Kuratorium Heimat und Arbeit (Hrsg.) (1972): Alemannische Besiedlung, S. 121, in: Der Kreis Überlingen / Überlingen und der Linzgau am Bodensee.</ref>

Mittelalter und frühe Neuzeit

Der Ort Tüfingen wird im Jahre 1161 erstmals erwähnt. Das Kloster Salem erwarb dann ab dem 13. Jahrhundert verschiedene Rechte im Ort:

Im Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1634 wurden 22 Häuser in Tüfingen von schwedischen Truppen niedergebrannt, vermutlich aus Versehen, weil das Dorf als Überlinger Besitz angesehen wurde.<ref>Staiger, F. X. Conrad: Tüfingen, S. 313, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008).</ref>

Mendlishausen wird im Jahr 1128 erstmals urkundlich erwähnt. 1183 als Schenkung der Grafen von Heiligenberg an Kloster Salem. Seit etwa 1200 Grangie, später Lehnshof des Klosters. Mendlishausen blieb als Kameralhof im Besitz der Standesherrschaft Salem bzw. Markgräflichen Verwaltung. Heute befindet sich dort der Affenberg Salem.

Der Name Baufnang wird 1116 erstmals in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen genannt. Vor 1200 gelangte es in den Besitz des Klosters Weißenau, 1267 an das Kloster Salem, welches dort wohl eine Grangie betrieb. Ab dem Jahr 1678 befand sich bis 1802 im Vorgängerbauten des Gasthauses „Zum Schwert“ die Wohnung des Salemer Scharfrichters.<ref>Koch, Rudolf: Meine Begegnung mit dem Scharfrichter, in: FGO-Circular 7-2021</ref>

Der Berghof ist seit 1387 als Lehnshof von Kloster Salem bezeugt.

Moderne

Nach der Enteignung des Klosters Salem im Rahmen der Säkularisation 1803 gehört der Ort zunächst zum markgräflichen Oberamt, ab 1813 zum großherzoglichen Bezirksamt Salem im Seekreis und ab 1857 zum Bezirksamt Überlingen im Großherzogtum Baden, das 1939 in Landkreis Überlingen umbenannt wurde. Bis 1972 war Tüfingen selbständige Gemeinde.<ref></ref>

Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg schloss sich Tüfingen 1972 mit sieben weiteren Orten zur Gemeinde Salem zusammen.<ref> Statistisches Landesamt BW: Gemeindeliste III - Herkunft und Verbleib der Gemeinden nach Abschluss der Kreis- und Gemeindereform, Stuttgart 1999 </ref>

Gesellschaft

Bevölkerung

Datei:Einwohner Tüfingen 1834-2024.png
Einwohnerentwicklung von Tüfingen 1834–2024

Die Zahl der Einwohner von Tüfingen hat sich in den letzten 150 Jahren kaum verändert.<ref>Tüfingen auf Landeskunde entdecken online – leoBW</ref>

Religion

Datei:Salem-Tüfingen PK1920.tif
Postkarte von Tüfingen mit Ansicht und Kapelle (um 1920)

Die Bevölkerung war bis zur Aufhebung der Klosterherrschaft 1803 ausschließlich katholisch. Dies ändert sich im 19. Jahrhundert nur geringfügig. In den 1950er Jahren ist ein deutlicher Anstieg der evangelischen Bevölkerung auf etwas über 16 % zu verzeichnen.<ref>[1]</ref> Bis zum Jahr 1630 gehörte Tüfingen zur katholischen Pfarrei Seefelden, ab dann zur neugeschaffenen Pfarrei Mimmenhausen.<ref>Staiger, F. X. Conrad: Tüfingen, S. 313, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008).</ref>

Die 1763 eingeweihte Sankt Sebastianskapelle wurde 1973 abgebrochen. Sie musste dem Straßenbau weichen. Gottesdienste finden heute im Dorfgemeinschaftshaus statt.

Politik

Der Gemeinderat von Salem wurde von 1972 bis 2008 durch eine unechte Teilortswahl gewählt. Dieses Wahlsystem garantierte jedem Ortsteil eine bestimmte Anzahl von Sitzen. In der Gemeinde Salem gibt es für jeden Ortsteil einen Ortsreferenten. Der letzte Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Tüfingen war Georg Raible.

Wappen

Blasonierung: „Gevierte, das Ganze überlegt von schräglinks liegendem, ausgebogenem goldenem Krummstab; 1 und 4 in drei Reihen geschacht von Silber und Blau; 2 und 3 Rot (Silber).“

Das Wappen spiegelt die Besitzverhältnisse wider. Der gevierte Schild mit silbern-blauem Schach im ersten und vierten Feld sowie rotem zweiten und dritten Feld entspricht dem Wappen der Herren von Vatz. Der in das Wappen eingebundene Krummstab bekundet die lange Herrschaft des Klosters Salem über Tüfingen.<ref>Hugo Gommeringer: Tüfingen, S. 73-74, in: Salemer Wappen, 2000.</ref>

Infrastruktur

Öffentliche Einrichtungen

Die Gemeinde erhielt 1923 den Anschluss an das Stromnetz, 1952 eine öffentliche Wasserversorgung. Das neue Rathaus wurde 1970 gebaut und 1997 die Kanalisation. Das Tüfinger Dorfgemeinschaftshaus wurde 2000 in der Dorfmitte errichtet, um für die Bürger einen Treffpunkt für Feste und Gottesdienste zu schaffen.

Verkehr

Tüfingen liegt an der historischen Landstraße (heute L 200a) von Überlingen nach Salem. Die Baufnager Straße verbindet Tüfingen über den Berghof mit Baufnang. Über Mendlishausen führt eine Straße nach Oberuhldingen. Zudem liegt es am sogenannten Prälatenweg, der Kloster Salem mit dem Bodenseehafen Maurach bzw. der Wallfahrtskirche Birnau verband. Die Buslinie 7381 führt von Salem über Tüfingen nach Überlingen.

Wirtschaft

Datei:Tüfingen-PK1919 Totale-Möhrle-Rettig.tif
Postkarte Tüfingen um 1920 mit Gasthaus Möhrle und Geschäft Rettig

Die relativ große Gemarkungsfläche von 912 ha wird je zur Hälfte land- und forstwirtschaftlich genutzt.

In den 1920er Jahren gab es mit „Manufaktur- und Kolonialwaren Franz Rettig“ ein Einzelhandelsgeschäft in Tüfingen. In den 1930er Jahren war es dann die „Handlung L. Siebenrock“, die Artikel für den täglichen Bedarf anbot. Das „Gasthaus von Josef Möhrle“ (1920) wurde umbenannt in „Wirtschaft z. Rose“ (1930) und existiert noch heute. Aus dem ehemaligen Scharfrichterhaus in Baufnang wurde das „Wirtshaus zum Schwert“.<ref>Hugo Gommeringer: Tüfingen, S. 73-74, in: Salemer Wappen. 2000</ref>

Kultur

Sehenswürdigkeiten

Ein besonderer Touristenmagnet ist der Affenberg Salem. Er ist auf dem ehemaligen Lehnshof Mendlishausen des Klosters Salem und den umgebenden Wäldern angesiedelt. Unter Denkmalschutz stehen neben der Hofanlage Mendlishausen der Gasthof Schwert in Baufnang und das ehemalige Salemer Jagdhaus.<ref>Regierungspräsidium Tübingen Referat26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem-Tüfingen (Bodenseekreis) 2012.</ref>

Bildung

Schulisch gehörte der Ort Tüfingen und der Hof Mendlishausen – wohl seit 1787 – zur Schulgemeinde von Salem. Der Weiler Baufnang und der Berghof gehörten zur Schulgemeinde von Lippertsreute, der Ralzhof zur Schulgemeinde von Deisendorf.<ref >Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen 2009</ref>

Literatur

  • Kuratorium Heimat und Arbeit (Hrsg.): Die Gemeinden im oberen und unteren Linzgau, Tüfingen, in: Der Kreis Überlingen. 1972. ISBN 3-8062-0102-1. S. 341
  • Gemeinde Salem (Hrsg.): Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen, 2009.
  • Hugo Gommeringer: Tüfingen in: Salemer Wappen. 2000. ISBN 3-929551-09-8. S. 73 f
  • F. X. Conrad Staiger: Tüfingen, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008). S. 313 ff
  • Regierungspräsidium Tübingen Referat 26 Denkmalpflege Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale in Baden-Württemberg Bodenseekreis – Salem – Tüfingen
  • Hugo Gommeringer: Kirchen und Kapellen in der Seelsorgeeinheit Salem , 2004, ISBN 3-7954-6483-8
  • Benvenut Stengele: Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Pfarrei Lippertsreute im Linzgau, in: FDA 22/1892.
  • Rudolf Koch: Meine Begegnung mit dem Scharfrichter, in: FGO-Circular, 2021.
  • Dorfgemeinschaft Baufnang 900 (Hrsg.): Baufnang 900 / 1116–2016.

Weblinks

Commons: Tüfingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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