TÜV Nord
| TÜV NORD AG
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| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | TUEV-NORD Logo Dark-Blue sRGB.svg | |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1869 |
| Sitz | Hannover, Datei:Flag of Germany.svg Deutschland |
| Leitung |
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| Mitarbeiterzahl | 15.781 (2025)<ref>TÜV NORD GROUP: Bilanz 2025: TÜV NORD GROUP treibt Wachstum in sicherheitsrelevanten Märkten voran. In: Presseportal. 9. April 2026, abgerufen am 10. April 2026.</ref> |
| Umsatz | 1,795 Mrd. Euro (2025)<ref>TÜV NORD GROUP: Bilanz 2025: TÜV NORD GROUP treibt Wachstum in sicherheitsrelevanten Märkten voran. In: Presseportal. 9. April 2026, abgerufen am 10. April 2026.</ref> |
| Branche | Technische Prüforganisation |
| Website | www.tuev-nord.de |
| Stand: 9. April 2026 | |
Die TÜV Nord AG (Eigenschreibweise: TÜV NORD) ist ein international tätiges deutsches Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Hannover. Trotz der Herkunft der Abkürzung („Technischer Überwachungsverein“) ist sie heute kein Verein, sondern eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft.
Der TÜV Nord ist eine technische Prüforganisation, die mit Prüfung und Zertifizierung als Schwerpunkt ein weites Feld von Dienstleistungen anbietet. 2025 wurde ein Jahresumsatz von knapp 1,8 Milliarden Euro mit über 15.000 Mitarbeitern erzielt.
Geschichte
Ursprünge der technischen Überwachung
Der Motor der Industrialisierung in Deutschland im 19. Jahrhundert war die Dampfmaschine, die zu einem wesentlichen Rationalisierungsschub führte. Zur Erzeugung des Dampfes wurden Dampfkessel entwickelt, deren Betriebsdrücke und Dampfleistungen stetig gesteigert wurden, was aber immer wieder zu verheerenden Dampfkesselexplosionen führte. Begründet waren die Unfälle in mangelnden Kenntnissen bezüglich der Auslegung von drucktragenden Bauteilen, nicht standardisierten Werkstoffen, Mängeln an Ausrüstungsteilen und auch fehlenden Kenntnissen bei dem Betriebspersonal (Kesselwärter).
Zur Gewährleistung eines sicheren Betriebes erfolgte Ende der 1860er-Jahre die Gründung regionaler Dampfkessel-Überwachungsvereine als Selbsthilfegemeinschaften der Dampfkesselbetreiber, so 1869 in Altona und 1872 in Siegen. Sie sollten Unfälle durch unabhängige Inspektionen vermeiden helfen. Die Zahl der Unfälle ging dadurch stark zurück. Im Laufe der Jahre erhielten diese „Dampfkessel-Überwachungs- und Revisions-Vereine“ (DÜV) weitere Aufgaben vom Staat übertragen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Prüfung von Elektrotechnik hinzu. Aus den DÜV entstanden so Technische Überwachungsvereine (TÜV) als beliehene Unternehmer. In der Bundesrepublik waren die staatsentlastenden Tätigkeiten der TÜV in der Gewerbeordnung festgeschrieben. Der Staat hatte somit hoheitliche Überwachungstätigkeiten auf Vereine übertragen, die dadurch eine Monopolstellung erhielten. Mittlerweile ist das Monopol der TÜVs durch entsprechende Änderungen in den relevanten Verordnungen (z. B. Betriebssicherheitsverordnung) aufgehoben worden.
Der TÜV Nord hat seinen Namen seit 1938.<ref>Historie - Unternehmen | TÜV NORD GROUP. Abgerufen am 1. April 2021.</ref> Im Jahr 1992 erfolgte der Zusammenschluss von TÜV Norddeutschland, Hamburg, und TÜV Nord, Rostock, zum TÜV Nord. 1997 kam es zur Vereinigung des TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt und TÜV Nord zur TÜV-Nord-Gruppe, die im Jahre 2004 mit dem RWTÜV und dessen Tochtergesellschaft TÜViT zur neuen TÜV-Nord-Gruppe, der heutigen TÜV Nord AG, fusionierte.<ref>Tüv Nord Prüfdienstleister aus Hannover in der Firmendatenbank wer-zu-wem.de. Abgerufen am 1. April 2021.</ref>
Aufgrund der verabschiedeten Wachstumsstrategie wurden 2006 neben anderen Unternehmen die koreanische Prüfgesellschaft Inkoc und der belgische Lebensmittelzertifizierer Integra übernommen.<ref>Lebens- und Futtermittelsicherheit: TÜV NORD Gruppe und Integra beschließen strategische Partnerschaft. Abgerufen am 1. April 2021.</ref> 2007 gab es Bestrebungen zu einer Fusion der beiden Konzerne TÜV Süd und TÜV Nord, die Ende August 2007 eingestellt wurden.<ref name="Keine Fusion TÜV Süd / TÜV Nord">Carsten Knop: Prüfgesellschaften: TÜV Süd und TÜV Nord bleiben eigenständig. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. September 2019]).</ref> In den folgenden Jahren wurden unter anderem die Unternehmen DMT GROUP (Rohstofferkundung, Ingenieurdienstleistungen), Verebus (Niederlande: Bahn-Signalwesen, Ingenieurdienstleistungen und technisches Dokumentationswesen), Delphos Akademie (Security) und die Alter Technology Group (Spanien) erworben.<ref>Historie - Unternehmen | TÜV NORD GROUP. Abgerufen am 1. April 2021.</ref>
Im Jahr 2011 übersprang der Konzern erstmals die Umsatz-Milliardengrenze. Steigerungen wurden vor allem bei Dienstleistungen mit erneuerbaren Energien erzielt.<ref>Dank Energiegeschäft: TÜV Nord knackt erstmals die Milliardenmarke. Abgerufen am 10. September 2019.</ref>
Im April 2014 wurde die neue Konzernzentrale in Hannover bezogen. Der Bau des nachhaltig gebauten Gebäudes, das Platz für 100 Mitarbeiter bietet, hat sieben Millionen Euro gekostet.<ref>TÜV mit neuer Zentrale in Döhren. Abgerufen am 1. April 2021.</ref>
Mit dem Gewinn an Bedeutung der Digitalisierung prüfte TÜV Nord 2015 erste Industrie-4.0-Anwendungen.<ref>Historie - Unternehmen | TÜV NORD GROUP. Abgerufen am 1. April 2021.</ref>
Unternehmensstruktur
Neben der Konzernzentrale in Hannover befinden sich die Hauptstandorte in Hamburg und Essen.<ref>Unsere Standorte – TÜV NORD GROUP. Abgerufen am 30. März 2022.</ref> Eine Konzernrepräsentanz befindet sich in Berlin. Die Konzernmarken (TÜV Nord, DMT, Alter Technology, TÜViT) sind unter der Dachmarke TÜV Nord Group vereint. Das Unternehmen ist eine technische Prüforganisation und agiert mit seinen Tochtergesellschaften in den Geschäftsbereichen Mobility, Industry, Energy & Resources, Certification, Digital & Semiconductor sowie People & Empowerment. Es beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 15.700 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern weltweit.
Aktionäre sind der TÜV Nord e. V. (36,1 %), RWTÜV e. V. (36,1 %) und TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt e. V. (27,8 %).<ref>TÜV Nord Fragen und Antworten</ref>
Arbeitsfelder und Geschäftsbereiche
Der TÜV-Nord-Konzern ist ein privatwirtschaftliches, rechtlich selbständiges Unternehmen. Er hat weder einen Behördenstatus noch ist er mit dem Staat verbunden. Bei Fahrerlaubnisprüfungen in mehreren Bundesländern üben seine Sachverständigen zwecks Staatsentlastung hoheitliche Tätigkeiten aus und erfüllen insoweit den funktionellen Behördenbegriff.<ref>Steffen Detterbeck: Allgemeines Verwaltungsrecht: mit Verwaltungsprozessrecht. Verlag C.H.BECK oHG, 2021, ISBN 978-3-406-77722-6, Randnummern 192, 201, doi:10.17104/9783406777226 (beck-elibrary.de [abgerufen am 27. Mai 2022]).</ref> Alle anderen Arbeitsgebiete unterliegen dem Wettbewerb mit anderen nationalen und internationalen Prüforganisationen. Ein Viertel des Umsatzes wird außerhalb Deutschlands erzielt.
Seit 2013 ist Dirk Stenkamp im Vorstand, der zunächst die strategische Ausrichtung aller Auslandsgesellschaften sowie die Geschäftsbereiche Industrie Service und IT verantwortete,<ref>Dirk Stenkamp stärkt internationale Ausrichtung: TÜV NORD AG erweitert den Vorstand (BILD). Abgerufen am 1. April 2021.</ref> bevor er 2017 im Zuge einer Verkleinerung des Vorstands Vorstandsvorsitzender wurde.<ref>Dirk Stenkamp folgt Guido Rettig als Vorstandsvorsitzender des TÜV NORD Konzerns. In: tuev-nord-group.com. 29. Dezember 2016, abgerufen am 23. Oktober 2020.</ref>
TÜV Nord ist neben TÜV Süd, TÜV Rheinland, TÜV Saarland und TÜV Thüringen eine der fünf im Wettbewerb stehenden TÜV-Unternehmen in Deutschland. Weitere nationale und internationale Wettbewerber sind u. a. DEKRA (Deutschland), SGS (Schweiz) und Bureau Veritas (Frankreich).
TÜV Nord sieht seinen Schwerpunkt der kommenden Jahre im Bereich der Digitalisierung, etwa bei der Sicherheit von Unternehmens- und Verbraucherdaten, dem Schutz vor Hackerangriffen, dem Internet der Dinge (IoT) und Car-IT.
Industry, Certification
Die Geschäftsbereiche Industry und Certification führen Prüfungen, Zertifizierungen und weitere sicherheits- und qualitätsrelevante Bewertungen in den Arbeitsfeldern Industrie, Energie, Infrastruktur sowie Mensch und Umwelt (Resources4Life) durch. Zu den Arbeitsgebieten gehören auch Umwelttechnologie sowie Arbeitsschutz und Gesundheit.
Das Geschäft umfasst die klassischen Prüfungen von Industrieanlagen, Kraftwerken, Druckbehältern und Aufzügen. Arbeitsfelder sind Erneuerbare Energien und Bahntechnik, ebenso wie die Nahrungs- und Futtermittelsicherheit. Die Food-Labore im indischen Pune und in Kuala Lumpur wurden 2016 erweitert.
Mobility
Zum Dienstleistungsangebot gehören Fahrzeug- und Fahrerlaubnisprüfungen, Fahrzeugbegutachtungen, aber auch die entwicklungsbegleitende Beratung für die Automobil- und Zulieferindustrie. Ärzte und Psychologen im Medizinisch-Psychologischen Institut des Unternehmens begutachten Menschen, die ihre Fahrerlaubnis verloren haben.
People & Empowerment
Im Geschäftsbereich Bildung bieten mehrere Tochtergesellschaften des TÜV Nord berufliche Fort- und Weiterbildungen, Lehrgänge und Umschulungsmaßnahmen an. Die Themen umfassen beispielsweise technische Sicherheit, Qualität, Unternehmensführung, Logistik, Umweltschutz oder Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Energy & Resources
Die DMT ist eine globale Unternehmensgruppe mit 14 Ingenieur- und Consultingunternehmen in den Märkten Bergbau, Öl und Gas, Infrastruktur und Bauwesen sowie Anlagenbau an weltweit 30 Standorten.<ref>DMT - Zahlen und Fakten. In: dmt-group.com. Abgerufen am 8. November 2022.</ref> Angeboten wird insbesondere die Suche nach Energieträgern und Mineralien im Boden.<ref>Theresa Langwald: Vom Bergbau zum Engineering-Konzern: DMT gelang der Wandel. In: waz.de. 14. April 2019, abgerufen am 8. November 2022.</ref> Pro Jahr werden etwa 10.000 Projekte betreut. DMT war bisher in 150 Ländern tätig.
Innerhalb der Business Unit Energy & Resources ist auch die Wasserstoffinitiative HydroHub angesiedelt, die alle Beratungs- und Engineering-Dienstleistungen der TÜV NORD GROUP entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Wasserstoff bündelt.
Digital & Semiconductor
Die TÜV Informationstechnik GmbH (TÜV IT) ist ein Prüf- und Zertifizierungsdienstleister auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik.
Vorlage:Hinweisbaustein Mit ihrem Tochterunternehmen Alter Technology mit Sitz in Madrid (Spanien) ist die TÜV Nord im Bereich Raumfahrt tätig. Alter Technology bietet Dienstleistungen für Beschaffung, Modifizierung, Prüfung und Zertifizierung von Elektronikkomponenten in der Luft- und Raumfahrtindustrie an. Das Unternehmen ist in den Arbeitsfeldern der Luft- und Raumfahrt, Sicherheit, Transport, Emergency Service, im Gesundheitsbereich, Automotive und vielen weiteren tätig. Alter Technology ist international an Raumfahrtprojekten beteiligt und feierte 2016 sein 30-jähriges Bestehen.<ref>Alter Technology Group: Alter Spain: Headquarters in Madrid & Seville. In: altertechnology-group.com. Abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Jahr 2023 übernahm TÜV Nord die in Bensheim ansässigen Unternehmen HTV und HTV Conservation mit zusammen rund 130 Mitarbeitern.<ref>Jeweilige Jahresabschlüsse der übernommenen Unternehmen für 2023, abgerufen über unternehmensregister.de.</ref> Nach Angaben von HTV ging es dabei vor allem um den Erwerb von Fähigkeiten zum Testen und Programmieren von Halbleiterchips sowie Sensoren und optischen Komponenten und um ein Verfahren, das den Alterungsprozess von mikroelektronischen Bauteilen stoppt und bis zu 50 Jahre funktionsstabil konservierte Halbleiterchips ermöglicht.<ref>Pressemitteilung von HTV vom 3. Februar 2023, online verfügbar.</ref> Seit Mitte 2024 nutzen Alter und HTV einen gemeinsamen Markenauftritt.<ref>Pressemitteilung von TÜV Nord vom 13. Mai 2024 online verfügbar.</ref>
Literatur
- TÜV Nord Gruppe (Hrsg.): Die Geschichte der technischen Überwachung in Norddeutschland, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2003, ISBN 3-8334-0322-5
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 52° 20′ 4,2″ N, 9° 46′ 37,6″ O
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