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Trinkhalm

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(Weitergeleitet von Trinkröhrchen)
Datei:Eight drinking straws (4273846588).jpg
Trinkhalme
Datei:Trinkhalme.jpg
Strohhalme, ca. 1960

Ein Trinkhalm (auch Getränkehalm oder Trinkrohr), aufgrund seiner ursprünglichen Fertigung aus Stroh auch Strohhalm genannt, ist ein Hilfsmittel, mit dem sich Flüssigkeiten ansaugen lassen, um diese zu trinken.

Der Durchmesser beträgt zum Beispiel 6 mm und die Länge reicht etwa von 15 bis über 30 cm. <references responsive />Trinkhalme sind als Einwegprodukte dünnwandig und bestehen dann typischerweise aus Polyethylen oder Polypropylen.

Trinkröhrchen werden auch aus dickwandigen Kunststoffen, Edelstahl, bruchfestem Glas, Maisstärke (Nudeln), Silikon, Papier oder Bambus hergestellt.

Strohhalme wurden schon von den Sumerern gebraucht. Ein Trinkhalm wurde 1888 von Marvin C. Stone patentiert.

Geschichte

Datei:Twistringen Strohmuseum Küche.JPG
Küche aus den 1950er Jahren im Museum der Strohverarbeitung: Trinkhalmfertigung in Heimarbeit
Datei:Bundesarchiv Bild 183-94511-0005, Steinhausen, Kindergartenkind.jpg
Kind trinkt mit Trinkhalm (1962)

Die ersten bekannten Trinkhalme wurden von den Sumerern zum Trinken von Bier hergestellt. Vermutlich sollte so die Aufnahme von festen Nebenprodukten der Fermentation, die zu Boden sinken, vermieden werden. Der älteste noch existierende Trinkhalm wurde in einem sumerischen Grab aus der Zeit von 3000 v. Chr. gefunden, er besteht aus einem Goldrohr mit einem eingelassenen Lapislazuli. In Argentinien und den Nachbarländern wurden ähnliche metallische Gegenstände namens Bombilla verwendet, die beim Trinken von Mate-Tee gleichzeitig sowohl als Strohhalm wie auch als Sieb dienten.<ref name="thompson2011">"The Amazing History and the Strange Invention of the Bendy Straw", Derek Thompson, The Atlantic, November 22, 2011.</ref> Trinkrohre fanden auch im Mittelalter Verwendung.<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 450 (zu ror ‚Röhre, Kanüle‘: „trinck das durch ein ror, daz die zen nicht naß werden“).</ref>

In den 1800er Jahren kamen Trinkhalme aus Lolch (Weidelgras) in Mode, da diese günstig und weich waren. Unglücklicherweise wurden sie in Flüssigkeiten mit der Zeit weich. Aus diesem Grund patentierte Marvin C. Stone 1888 den modernen Trinkhalm aus Papier.<ref>Patent US375962: Artificial straw. Erfinder: Marvin Stone.</ref> Er hatte diese Idee an einem heißen Tag während er einen Mint Julep trank, da der Cocktail beim Trinken einen grasigen Beigeschmack hatte. Für den Trinkhalm wickelte er einen Streifen Papier um einen Bleistift und klebte das Ende an. Später verbesserte er die Herstellung mit einer einfachen Maschine, die die Außenseite des Strohhalms mit Wachs beschichtete, damit sich der Klebstoff nicht mehr im Bourbon löste.<ref name="thompson2011" />

Typische Form

Datei:Drink with straw.jpg
Getränk mit Knicktrinkhalm

Die Trinkhalme für den Massengebrauch sind Wegwerfartikel und praktisch in jeder vorstellbaren Farbe und Länge sowie mit unterschiedlichsten Durchmessern erhältlich. Auch diverse Verzierungen, beispielsweise mit Leuchtstoffen, sind für den Partybedarf zu finden. Es gibt sie in Form von Knoten, Spiralen, Wellen etc. Die häufigsten Formen sind gerade und starr oder sind im oberen Bereich durch einen Balgen zum Abknicken geeignet. Am unteren Ende sind die Halme entweder gerade abgeschlossen oder schräg abgeschnitten, um Getränkekartons an einer vorgegebenen Stelle zu durchstoßen.

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Sonderformen

Das obere Ende kann Löcher statt einer großen Öffnung aufweisen (sog. Sensory Straw), womit sich das Getränk gleichmäßiger im Mund verteilt.

Datei:Stèle Mercenaire syrien 18ème dynastie Neues Museum image éclaircie et perspective corrigée.jpg
Bemalte Stele aus Kalkstein, die einen syrischen Söldner darstellt, der Bier durch einen Trinkhalm trinkt. Neues Reich, 18. Dynastie, Echnaton (Amenophis IV)., 1351-1334, v. Chr. Ägyptisches Museum Berlin
Datei:BombillaParaguay.JPG
Siebtrinkhalm (Bombilla)

Eine weitere Variante ist das Anformen einer Art Löffel am unteren Ende des Trinkhalms. Dadurch kann man sowohl umrühren als auch trinken, ohne mehrere „Hilfsmittel“ im Glas zu haben.

Es werden weiterhin Trinkhalme hergestellt, die sich teleskopartig auf die nahezu doppelte Länge ausziehen lassen.

Manche Trinkhalme sind nicht gerade, sondern im oberen Teil mehrmals gewunden.

Halme können auf der Innenseite mit Vitaminen und Aromen ausgerüstet werden; beim Trinken werden diese dann gelöst und mit dem Getränk aufgenommen.

In Südamerika wird Mate-Tee durch ein metallenes Löffel-Sieb-Trinkröhrchen (Bombilla) getrunken, dessen Sieb am unteren Ende verhindert, dass die Teeblätter des Matetees mit eingesogen werden.

Umweltschutz und rechtliche Situation

In der Europäischen Union (EU-28) wurden 2018 nach einer Schätzung der Umweltorganisation Sea at Risk jährlich etwa 36,4 Milliarden Trinkhalme weggeworfen.<ref>seas-at-risk.org Seas At Risk: Single-use Plastics and the Marine Environment – Leverage points for reducing single-use plastics, Seite 7, abgerufen am 30. Mai 2020</ref>

Im Dezember 2018 wurde daher im Europäischen Parlament eine Richtlinie beschlossen, nach der Kunststoffeinwegprodukte, also auch Trinkhalme, ab 2021 in der Europäischen Union nicht mehr erlaubt sind.<ref>Initiative gegen Mikroplastik – wo uns Großbritannien, Italien und Schweden voraus sind. 5. Februar 2019, abgerufen am 5. Februar 2019.</ref><ref>Alternative Strohhalme im Test – 07/2019 – Plastikverbot in der EU. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Mai 2019; abgerufen am 27. Mai 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/askgeorge.com</ref> Durch die Richtlinie sollen bis 2030 Umweltschäden in Höhe von 22 Milliarden Euro vermieden werden.

In Taiwan wurde ein Verbot von Einwegkunststoffstrohhalmen für große Restaurantketten ab 2019 und eine generelle Reduzierung von Einwegkunststoffstrohhalmen bis zum Jahr 2030 beschlossen.<ref>Bayerischer Rundfunk: Strohhalm: So viel Müll verursachen Strohhalme. 24. April 2018 (br.de [abgerufen am 5. Februar 2019]).</ref>

Das Europaparlament hat strikte Regelungen im zukünftigen Umgang mit Kunststoffmüll verabschiedet, die viele Hersteller nun unter Druck setzen. Um die Verschmutzung der Weltmeere mit Kunststoffmüll zu verringern, wurden unter anderem folgende gesetzliche Regelungen erlassen:

Ab 2021 sollen Einwegkunststoffstrohhalme in der ganzen EU verboten werden. Auch Einweggeschirr aus Kunststoff, wie Teller, Becher und Besteck, soll bis zu diesem Zeitpunkt verboten werden. Wattestäbchen und Getränkerührstäbchen dürfen dann nicht mehr aus Kunststoff bestehen.<ref>Einweg-Plastik wird verboten. Abgerufen am 17. August 2021.</ref><ref>Wegwerfprodukte aus Plastik: Parlament stimmt für Verbot ab 2021 | Aktuelles | Europäisches Parlament. 27. März 2019, abgerufen am 17. August 2021.</ref>

29 Millionen Tonnen Kunststoffmüll verursachen die Europäer im Jahr 2018.<ref>Kunststoff: Abfallaufkommen und recycelte Menge in Europa bis 2018. Abgerufen am 17. August 2021.</ref> Allein in Deutschland fielen 2019 6,3 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an.<ref>Kunststoffabfälle in Deutschland. NABU e. V., abgerufen am 17. August 2021.</ref>

In den Vereinigten Staaten kündigte Präsident Joe Biden im Juli 2024 eine nationale Strategie zur graduellen Reduzierung bis zur vollständigen Vermeidung von Einweg-Plastikutensilien, wie Plastik-Trinkhalmen bis zum Jahr 2035 an.<ref>Maria Rachal: Biden announces goal to phase out federal procurement of single-use plastics. packagingdive.com, 22. Juli 2024, abgerufen am 11. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sein Amtsnachfolger Donald Trump unterzeichnete am 10. Februar 2025 eine executive order, mit der Regierungsinstitutionen angewiesen wurden, den Kauf von Papiertrinkhalmen zu stoppen. Sein Ziel sei es, so Trump, deren Verwendung ganz zu beseitigen, da sie „nicht funktionierten“ und sich „abscheulicherweise“ im Mund des Konsumenten auflösten.<ref name="Trump">Bernd Debusmann Jr: Trump signs order shifting US back toward plastic straws. In: BBC News. 11. Februar 2025, abgerufen am 11. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Papertrinkhalme, beispielsweise aus Papier, Bambus oder Bagasse, wurden in einigen Studien kritisch gesehen, da sie mitunter signifikante Anteile an biologisch schwer abbaubaren Chemikalien, wie per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) enthielten.<ref name="Trump" /><ref>Pauline Boisacq, Maarten De Keuster, Els Prinsen, Yunsun Jeong, Lieven Bervoets, Marcel Eens, Adrian Covaci, Tim Willems, Thimo Groffen: Assessment of poly- and perfluoroalkyl substances (PFAS) in commercially available drinking straws using targeted and suspect screening approaches. In: Food Additives & Contaminants: Part A. Band 40, Nr. 9, 2023, S. 1230–1241, doi:10.1080/19440049.2023.2240908.</ref>

Auswirkungen bei Alkoholkonsum

Es existiert die unbelegte Hypothese, dass man schneller betrunken werde, wenn man ein alkoholisches Getränk durch einen Trinkhalm trinkt. Hierfür gibt es vermutlich zwei Gründe: Zum einen wird das Getränk durch den Trinkhalm in kleineren Schlucken durch den Mund befördert, so dass ein größerer Teil des Alkohols schon im Mund durch die Mundschleimhaut ins Blut gelangen kann. Zum anderen wird Alkohol im Magen durch das Enzym Alkoholdehydrogenase zu einem gewissen Teil abgebaut. Für den Alkohol, der über die Mundschleimhaut direkt ins Blut gelangt, kann dieser Abbauprozess aber nicht wirken.<ref>Christoph Drösser (Stimmt’s?): @1@2Vorlage:Toter Link/www.zeit.deRausch durchs Rohr (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive ). In: Die Zeit. Nr. 52/1997</ref> Eine dritte Hypothese behauptet, dass mit Halm vermehrt Alkoholdämpfe eingeatmet und über die Lunge beschleunigt aufgenommen würden.

Literatur

  • Dirk Wüstenberg: Neue Unternehmerpflichten nach der Einwegplastik-Richtlinie, in: Europäische Zeitschrift für Wirtschaftsrecht (EuZW) 2019, S. 633–638.

Weblinks

Commons: Trinkhalm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Trinkhalm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

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