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Roter Holunder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Roter Holunder
Datei:20140406Sambucus racemosa1.jpg

Roter Holunder (Sambucus racemosa, blühend)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
Gattung: Holunder (Sambucus)
Art: Roter Holunder
Wissenschaftlicher Name
Sambucus racemosa
L.

Der Rote Holunder (Sambucus racemosa), auch Hirsch-Holunder, Traubenholunder oder Berg-Holunder genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Holunder (Sambucus) innerhalb der Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae).

Beschreibung

Datei:56 Sambucus racemosa par Pierre-Joseph Redouté.jpeg
Illustration aus Pierre-Joseph Redouté
Datei:Sambucus racemosa 20090629.jpg
Roter Holunder (Sambucus racemosa)
Datei:Roter Holunder Oberösterreich.jpg
Geteilte Laubblätter und Früchte des Roten Holunders
Datei:Arboretum Habichtsborn 01.jpg
Früchte des Roten Holunders
Datei:0 Sambucus racemosa - Vallorcine.JPG
Blätter und Blütenknospen des Roten Holunders

Der Rote Holunder wächst als laubabwerfender, großer Strauch, der Wuchshöhen von 1 bis 3, selten bis zu 8 Meter erreicht. Die Laubblätter sind (selten zweifach) unpaarig fiedrig geteilt. Der Blattrand ist gesägt.

Die auch schon an relativ jungen Sträuchern gebildeten, endständigen, aus zymösen Teilblütenständen zusammengesetzten schirmrispigen Gesamtblütenstände enthalten viele Blüten. Die relativ kleinen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kronblätter sind weiß oder cremefarben bis gelblich-grün. Drei bis fünf Fruchtblätter sind zu einem drei- bis fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer enthält nur eine Samenanlage. Der kurze Griffel endet in drei bis fünf Narben.

Die Steinfrucht enthält drei bis fünf Samen. Die Früchte von Sambucus racemosa lassen sich ebenso wie die deutlich größeren Beeren des Schwarzen Holunders verwerten. Die Fruchtstände des Roten Holunders stehen aufrecht, während die des Schwarzen Holunders aufgrund ihres Eigengewichts in der Regel nach unten hängen. Die Früchte reifen im Juli bis August leuchtend rot.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.<ref name="Oberdorfer2001" />

Unterscheidung zu anderen Arten

Der Rote Holunder ist bereits beim Austrieb leicht vom Schwarzen Holunder zu unterscheiden, da seine Blätter anfangs bronzefarben bis rot sind und dann erst vergrünen. Außerdem zeigen sich seine Fruchtansätze bereits mit dem Blattaustrieb. Sie sind kegelig-rundlich und nicht wie beim Schwarzen Holunder tellerförmig-flach.

Vorkommen

Der Rote Holunder (Sambucus racemosa subsp. racemosa) wächst gerne an schattigen Orten in Wäldern und Waldrändern in Europa und Westasien, auch in Gebüschen und auf Lichtungen ist er zu finden. Er ist eine Charakterart des Sambucetum racemosi aus dem Verband Sambuco-Salicion.<ref name="Oberdorfer2001" /> In Mitteleuropa ist er vorwiegend in höheren Lagen zu finden. Die Vorkommen in Österreich sind sehr häufig und erstrecken sich auf alle Bundesländer.<ref name="ExkursionsfloraA2008" /> Mit seinen Unterarten besiedelt er jedoch auch große Teile Nordamerikas und Asiens. In den Allgäuer Alpen steigt er bis zu einer Höhenlage von etwa 1800 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Ökologie

Er ist resistent gegen Kälte und Wind; Trockenheit oder Kalk schaden ihm. Er bevorzugt Standorte mit viel Stickstoff und wenig Salz.

Systematik

Sambucus racemosa wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 270 erstbeschrieben.<ref name="SpPl" /> Innerhalb dieser Art werden mehrere Unterarten, Varietäten und Formen unterschieden:<ref name="GRIN" />

  • Roter Holunder (Sambucus racemosa <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. racemosa, Syn.: Sambucus tigranii <templatestyles src="Person/styles.css" />Troitsky): Die Heimat reicht von Südeuropa und Mitteleuropa bis nach Armenien.<ref name="GRIN" />
  • Sambucus racemosa subsp. kamtschatica (<templatestyles src="Person/styles.css" />E.L.Wolf) <templatestyles src="Person/styles.css" />Hultén (Basionym Sambucus kamtschatica <templatestyles src="Person/styles.css" />E.L.Wolf, Syn.: Sambucus coreana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Nakai) Kom. & Aliss.): Die Heimat ist Korea, Japan und der russische Ferne Osten mit Sachalin, Kamtschatka und den Kurilen.<ref name="GRIN" />
  • Stinkender Holunder (Sambucus racemosa subsp. pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Michx.) House, Basionym: Sambucus pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />Michx., Sambucus pubescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Pers.): Das weite, ursprüngliche Verbreitungsgebiet liegt mit vier Varietäten in Nordamerika.
    • Sambucus racemosa <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Michx.) House var. arborescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Torr. & A.Gray) A.Gray (Basionym: Sambucus pubens var. arborescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Torr. & A.Gray, Syn.: Sambucus callicarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />Greene): Die Heimat ist das westliche Nordamerika.<ref name="GRIN" />
    • Sambucus racemosa <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Michx.) House var. melanocarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />(A.Gray) McMinn (Basionym: Sambucus melanocarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />A.Gray): Die Heimat ist das westliche Kanada und die nordwestliche, südlichzentrale und südwestliche USA.<ref name="GRIN" />
    • Sambucus racemosa <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Michx.) House var. microbotrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rydb.) Kearney & Peebles (Basionym: Sambucus microbotrys <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb.): Die Heimat ist die nordwestliche, südlichzentrale und südwestliche USA.<ref name="GRIN" />
    • Sambucus racemosa <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Michx.) House var. pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Michx.) Koehne: Die Heimat ist das östliche und westliche Kanada sowie die nordöstliche, nördlichzentrale und südöstliche USA.<ref name="GRIN" />
  • Sambucus racemosa subsp. sibirica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Nakai) H.Hara (Basionym: Sambucus sibirica <templatestyles src="Person/styles.css" />Nakai): Das weite Verbreitungsgebiet reicht vom russischen Fernen Osten, Sibirien, China und der Mongolei bis zum europäischen Russland.<ref name="GRIN" />
  • Japanischer Holunder (Sambucus racemosa subsp. sieboldiana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Miq.) H.Hara, Basionym: Sambucus racemosa var. sieboldiana <templatestyles src="Person/styles.css" />Miq., Syn.: Sambucus sieboldiana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Miq.) Blume ex Graebn.): Die Heimat ist Japan und Südkorea.<ref name="GRIN" />
    • Sambucus racemosa <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. sieboldiana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Miq.) H.Hara f. nakaiana <templatestyles src="Person/styles.css" />Murata (Syn. Sambucus sieboldiana f. xanthocarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Nakai) Rehder, Sambucus sieboldiana var. xanthocarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />Nakai): Die Heimat ist Honshu.<ref name="GRIN" />
    • Sambucus racemosa <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. sieboldiana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Miq.) H.Hara f. stenophylla <templatestyles src="Person/styles.css" />(Nakai) H.Hara (Basionym: Sambucus sieboldiana var. stenophylla <templatestyles src="Person/styles.css" />Nakai, Syn.: Sambucus buergeriana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Nakai) Blume, Sambucus racemosa var. miquelii <templatestyles src="Person/styles.css" />Nakai, Sambucus sieboldiana var. buergeriana <templatestyles src="Person/styles.css" />Nakai, Sambucus sieboldiana var. miquelii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Nakai) H.Hara): Die Heimat ist Honshu.<ref name="GRIN" />

Verwendung und Inhaltsstoffe

Wie der Schwarze Holunder lassen sich die Früchte zu Gelee, Marmelade, Saft und ähnlichem verarbeiten. Sie sind jedoch nicht jedem zuträglich.

Die roten Früchte sind reich an Karotinoiden (beispielsweise an Provitamin A), Vitamin C und fettem Öl (trocken bis zu 35 %). Letzteres gibt ein gutes Speiseöl, wenn durch Raffination die harzigen, stark die Schleimhaut reizenden Wirkstoffe entfernt worden sind.

Auch als Heilkraut findet der Rote Holunder Verwendung.

Toxikologie

Roh und unreif sind die Früchte des Roten Holunders giftig. Sie führen zu Brechdurchfall und wurden deshalb früher volkstümlich auch als Brech- und Abführmittel eingesetzt. Auf jeden Fall müssen die Steinkerne entfernt werden, da das Gift der Samen nicht durch Kochen unschädlich gemacht wird.

Pharmakologie

Ein In-vitro-Experiment mit dem Extrakt des Roten Holunders weist auf eine hemmende Wirkung gegen HIV-1-Reverse Transkriptase hin.<ref name="Mlinarič"/>

Geschichte

Datei:Wald Holder b.jpg
«Wald Holder» – Sambucus racemosa. Hieronymus Bock 1546

Erstmals erwähnt wurde der Rote Holunder im Kleinen Destillierbuch des Hieronymus Brunschwig:

„… Holder des geſtalt dryer hand iſt als ſambucus<ref> = Schwarzer Holunder</ref> ebulus<ref>= Zwerg-Holunder</ref> vnd ſambucus rubeus<ref> = Roter Holunder</ref> / doch etlich doctores ſchriben ſint von ſambuci agreſte oder ſilvestre<ref> = Roter Holunder</ref> gantz vnbekant.“<ref> Hieronymus Brunschwig. Kleines Destillierbuch. Straßburg 1500, Blatt 55v (Digitalisat)</ref>

Eine genaue Beschreibung vom Habitus des von ihm „Wald Holder“ genannten Roten Holunders gab erstmals Hieronymus Bock in der zweiten Ausgabe (1546) seines Kräuterbuchs. Bock hatte auch selbst beobachtet, dass Hirsche die Blätter der Schwarzen Tollkirsche und des Roten Holunders gern fressen.<ref>Hieronymus Bock. Kräuterbuch. Straßburg 1546, Buch III, Cap. 24 (Digitalisat)</ref><ref>Philipp Lorenz Geiger: Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen & zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker & Droguisten. Wolters, Stuttgart, 2. Band, 1. Hälfte 1830, S. 662: Sambucus racemosa (Digitalisat)</ref><ref>Vgl. hingegen auch Claudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 47 (zur Hirschbeere).</ref>

Quellen

Einzelnachweise

<references> <ref name="ExkursionsfloraA2008"></ref> <ref name="GRIN">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1. Stockholm 1753, S. 270 (OnlineSambucus racemosa eingescannt bei Biodiversity Heritage Library).</ref> <ref name="Oberdorfer2001"></ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 518.</ref> <ref name="Mlinarič">Mlinarič, A., Kreft, S., Umek, A., Štrukelj, B. (2000). Screening of selected plant extracts for in vitro inhibitory activity on HIV-1 reverse transcriptase (HIV-1 RT). Pharmazie, 55, 1:75–77, PMID 10683878.</ref> <ref name="InfoFlora">Sambucus racemosa L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Roter Holunder (Sambucus racemosa) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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