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Tindūf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
تندوف
ⵜⵉⵏⴷⵓⴼ
Tindūf
Tindūf (Algerien)
Tindūf (Algerien)
Koordinaten 27° 40′ N, 8° 9′ WKoordinaten: 27° 40′ N, 8° 9′ W
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Basisdaten
Staat Algerien
Vorlage:Info ISO-3166-2/admtypelink Tindūf
Datei:Tindouf - Le Mouggar dans les années 1970.jpg

Tindūf (arabisch تندوف Tindūf, tamazight ⵜⵉⵏⴷⵓⴼ Tinduf) ist eine Stadt im Westen von Algerien und gleichzeitig die Hauptstadt der Provinz Tindūf. Außerdem hat die Exilregierung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara in Tindūf ihren Sitz.

Datei:Béchar-Tindouf de.jpg
Region Béchar-Tindouf, mit Tindouf links unten

Bevölkerung

Tindūf hat 58.128 Einwohner (Berechnung 2012).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 27. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/bevoelkerungsstatistik.de</ref>

Die Bevölkerungsentwicklung im Überblick:

Jahr Einwohner
1977 (Zensus) 6.044
1987 (Zensus) 13.084
2008 (Zensus) 45.966
2012 (Berechnung) 58.128

Geschichte

Tindūf wurde 1852 von Berbern gegründet. 1934<ref>Bernard Lugan: Histoire des Algériens : Des origines à nos jours. Éditions Ellipses, Paris 2025, ISBN 978-2-340-09958-6, S. 144.</ref> marschierte die französische Kolonialarmee in Tindūf ein und das Gebiet wurde ein Teil Algeriens. Nach der Unabhängigkeit Algeriens 1962 wuchs die Stadt und wurde durch ihre Nähe zur marokkanischen und mauretanischen Grenze bedeutend. Im Algerisch-Marokkanischen Grenzkrieg (1963–1964) beanspruchte König Hassan II. von Marokko das Gebiet um Tindūf, gab die Ansprüche jedoch 1972 auf. Östlich von Tindūf leben seit ihrer Vertreibung im Westsaharakonflikt die Sahrauis in mehreren Flüchtlingslagern, deren Verwaltung die Frente Polisario übernommen hat.

Am 2. Februar 2026 eröffnete der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune hat eine 950 Kilometer lange Bahnverbindung von der riesigen Eisenerzmine in Gara Djebilet in der Sahara nahe Tindūf in den Norden Algeriens. Die neue Linie in die Stadt Bechar im Norden des Landes wurde vom algerischen Staat finanziert und teilweise von einem chinesischen Konsortium gebaut. Das Erz wird dann noch weiter in den Norden zu einem Stahlwerk nahe Oran gebracht werden. Laut Schätzungen der staatlichen Gruppe Feraal, die das Gelände verwaltet, soll die Mine anfangs 4 Millionen Tonnen Eisenerz pro Jahr fördern, 2030 sind 12, langfristig 50 Mio. jato geplant.<ref>Algerien: 1.000 Kilometer Zugsstrecke zu Mine in der Sahara. In: orf.at. 2. Februar 2026, abgerufen am 2. Februar 2026.</ref>

Flüchtlingslager

Nahe Tindūf existieren fünf Flüchtlingslager (Awserd, Boujdour, Dakhla, Laayoune und Smara), in denen etwa 173.600 Personen (2017) leben. Davon ist Smara das größte mit 51.000 Personen. Zusätzlich existieren auch noch Flüchtlinge, die sich außerhalb der Camps hier aufhalten.<ref>Anonymus: Sahrawi Refugees in Tindouf, Algeria: Total In‐Camp Population. UNHCR-Bericht März 2018, auf www.usc.es (englisch, PDF).</ref>

Die Organisation der Flüchtlingslager spiegelt sie soziale Struktur im Herkunftsgebiet und ist in Willayas (Provinzen) und Daïras (Gemeinden) eingeteilt. Eine dieser Willayas ist beispielsweise die Willaya von Boujdour, wo Menschen aus Boujdour leben. Mehrheitlich handelt es sich nicht um feste Konstruktionen, dies soll zeigen, dass die Bewohner der Lager nicht beabsichtigen, dort dauerhaft zu bleiben, sondern mit der gemeinsamen Rückkehr in ihr Herkunftsland rechnen. Wegen Starkregen und Hochwasser entstanden aber mehrere solide konstruierte Gemeinschaftsbauten. Ein großes Problem stellen Antipersonenminen dar.<ref name=":0">Christiane Perregaux: Cinq parlementaires suisses se rendent dans les camps de réfugiés sahraouis à Tindouf (19–23 janvier 2025). In: Nouvelles sahraouies. Nr. 195. Comité de soutien au peuple sahraoui, 1. Juni 2025, ISSN 1016-7730, S. 6–12.</ref>

Große Teile der Verwaltungsaufgaben werden von Frauen übernommen. So gibt es die Union der sahrauischen Frauen. Trotz geringer finanzieller Möglichkeiten und zuletzt einem Rückgang der Hilfen durch die Verlagerung zugunsten der Ukraine und Gaza, sorgen sie für funktionierende öffentliche Dienste.<ref name=":0" />

2025 besuchte eine Schweizer Parlamentsdelegation unter der Leitung von Fabian Molina Tindūf.<ref name=":0" />

Einzelnachweise

<references />