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Salbei-Gamander

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Teucrium scorodonia)

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Salbei-Gamander
Datei:Teucrium scorodonia 07 ies.jpg

Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Ajugoideae
Gattung: Gamander (Teucrium)
Art: Salbei-Gamander
Wissenschaftlicher Name
Teucrium scorodonia
L.

Der Wald-, Salbei- oder Salbeiblättrige Gamander (Teucrium scorodonia)<ref name="BiolFlor" /><ref>Vgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 154 (Salvia sylvestris „Waldsalbei“).</ref> ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gamander (Teucrium) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Außerhalb der Blühzeit kann der Wald-Gamander aufgrund von Blättern und Wuchsform mit Schwarznessel, Brennnesseln und Taubnesseln (Lamium spp.) verwechselt werden.<ref>Wald-Gamander – Ein Heilkraut der traditionellen Volksheilkunde, In: naturerlebnis-kalis.de</ref>

Beschreibung

Datei:Teucrium scorodonia — Flora Batava — Volume v1.jpg
Illustration aus Flora Batava, Band 1
Datei:Lamiaceae - Teucrium scorodonia.JPG
Laubblätter
Datei:Teucrium scorodonia RF.jpg
Blütenstand
Datei:Lamiaceae - Teucrium scorodonia-2.JPG
Blüten
Datei:Teucrium scorodonia kz11.jpg
Fruchtkelch

Vegetative Merkmale

Der Salbei-Gamander ist eine ausdauernde krautige Pflanze<ref name="BiolFlor" /> und erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 60 Zentimetern. Sie besitzt unterirdische Ausläufer. Der Stängel ist oben meist ästig verzweigt und allgemein kurzabstehend-zottig behaart.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 1 bis 2 Zentimeter lang. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 3 bis 7 Zentimetern sowie einer Breite von 1,5 bis 4,5 Zentimetern herz-eiförmig bis länglich mit herzförmigem oder gestutztem Spreitgrund und dicht kerbig gesägten Blattrand. Die Blattspreite ist stark netznervig und etwas runzlig.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juli bis September.<ref name="BiolFlor" /> Die Blüten sitzen einzeln oder zu zweien in den Achseln sehr kleiner Hochblätter und stehen in einem mehr oder weniger einseitswendigen, lockeren, 5 bis 15 Zentimeter langen scheintraubigen Blütenstand zusammen. Die Blüten sind bei einer Länge von 9 bis 12 Millimetern zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist röhrig-glockig, herabgebogen und helmförmig zweilippig geformt. Der Kelch ist dadurch helmförmig zweilippig, weil der obere, aufgebogene, breit eiförmige Zahn viel größer ist als die anderen.<ref name="HegiGams1964" /> Die Krone ist blass-grünlich-gelb, die Röhre rötlich gefärbt. Die Kronröhre ragt weit vor, die Unterlippe ist herabgekrümmt.<ref name="HegiGams1964" /> Ihr Mittellappen ist stark konkav und viel größer als die kleinen, aufrecht abstehenden Seitenlappen.<ref name="HegiGams1964" /> Die Staubblätter sind behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Die Klausenfrucht (Bruchfrucht) zerfällt in Klausen. Die Klausen (Teilfrüchte, Nüsschen) sind bei einem Durchmesser von 1 bis 1,5 Millimetern<ref name="BiolFlor" /> kugelig und fast glatt.<ref name="HegiGams1964" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32 oder 34.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="BiolFlor" />

Ökologie

Der Salbei-Gamander ist in mildem Klima ein krautiger Chamaephyt<ref name="BiolFlor" /> und sonst auch ein Hemikryptophyt und eine Schaftpflanze. Vegetative Vermehrung erfolgt durch unterirdische Ausläufer.<ref name="Düll2011" />

Die Diasporen sind die Klausen zusammen mit dem haltbaren Kelch. Der Kelch übernimmt die Funktion einer biologischen Kapsel. Die Klausen breiten sich als Tier- und Windstreuer aus sowie als Regenschwemmlinge, daneben erfolgt eine Bearbeitungsausbreitung durch Vögel. Die Fruchtreife liegt zwischen Juli und September. Die Früchte sind Wintersteher. Die langlebigen Samen sind Lichtkeimer.

Die Blüten werden von Apiden, seltener von Schwebfliegen oder Schmetterlingen besucht.<ref name="HegiGams1964" />

Vorkommen

Der Salbei-Gamander kommt von Westeuropa bis ins südliche Skandinavien, im westlichen Mitteleuropa und im westlichen Mittelmeerraum bis in die südliche Balkanhalbinsel vor.<ref name="WCSP" /> Er ist ein subatlantisches Florenelement. Die Vorkommen auf Madeira wurden 2008 abgetrennt als Teucrium francoi <templatestyles src="Person/styles.css" />M.Seq., Capelo, J.C.Costa & R.Jardim. In Europa fehlt er nur in den Ländern Spanien, Dänemark, Island, Finnland, Russland, im Baltikum, in Belarus, Ukraine, Moldau, Rumänien, Bulgarien, Albanien, Griechenland und in der Türkei. In Nordafrika kommt er nur in Tunesien vor. Eingeschleppt kommt er in Schweden und in Nordamerika vor.<ref name="POWO" />

In Österreich ist er zerstreut bis sehr selten zu finden, in der Schweiz ist er verbreitet.

Der Salbei-Gamander ist im westlichen und südlichen Teil Deutschlands meist verbreitet, im Norden zerstreut bis selten vorkommend. Nach Osten ist er zerstreut bis Thüringen, Sachsen und den Bayerischen Wald zu finden; im deutschen Teil der Alpen ist er sehr selten. In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern an der Jochstraße zwischen Hindelang und Oberjoch bis zu einer Höhenlage von 1100 Metern auf,<ref name="Dörr-Lippert" /> im Tessin bis 1500 Meter und im Bergell bis 1430 Meter.<ref name="HegiGams1964" />

Der Salbei-Gamander wächst in lichten Laub- und Nadelwäldern, Waldschlägen und Heiden. Er gedeiht am besten auf nicht zu trockenen Böden und ist auf kalkarmem Untergrund etwas häufiger als auf kalkreichem. Er gedeiht oft auf mäßig trockenen bis frischen, nährstoff- und basenarmen, sauren, modrig-humosen, meist sandig-steinigen Lehmböden in wintermild-humider Klimalage. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Quercion roboris, kommt aber auch im Pruno-Rubion fruticosi-Verband vor. Im Norden und Osten Mitteleuropas kommt er in Gesellschaften des Verbandes Trifolion medii vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie und Systematik

Der Salbei-Gamander wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 564 als Teucrium scordonia erstbeschrieben.

Frühere Unterarten werden heute oft als eigenständige Arten angesehen:

  • Teucrium scorodonia subsp. baeticum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Reut.) Tutin => Teucrium pseudoscorodonia <templatestyles src="Person/styles.css" />Desf.
  • Teucrium scorodonia subsp. euganeum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Vis.) Arcang. => Teucrium siculum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Raf.) Guss.
  • Teucrium scorodonia subsp. siculum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Raf.) Nyman => Teucrium siculum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Raf.) Guss.
Datei:Gardenology.org-IMG 2823 rbgs11jan.jpg
Habitus als Kulturpflanze

Nutzung als Heilpflanze

In manchen Gegenden wird der Salbei-Gamander ähnlich wie die Salbei-Arten zum Beispiel als Wundmittel verwendet.

Als „Wirkstoff“ findet der Salbei-Gamander Verwendung in homöopathischen Arzneimitteln.<ref name="ApothekenUmschauDe" /> Er soll besonders gegen Tuberkulose helfen, was wissenschaftlich nicht bestätigt ist.

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="BiolFlor"> Salbei-Gamander. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 388.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="ApothekenUmschauDe"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Apotheken Umschau: Arzneimittelinformationen zu Lymphomyosot N Tropfen (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive).</ref> <ref name="HegiGams1964">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2534–2537.</ref> <ref name="InfoFlora"> Teucrium scorodonia L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="POWO">Teucrium scorodonia. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> </references>

Weblinks

Commons: Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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