Internationale Fernmeldeunion
| Internationale Fernmeldeunion International Telecommunication Union | |
|---|---|
| Datei:ITU-Gebäude.jpg ITU-Gebäude in Genf | |
| Organisationsart | Sonderorganisation |
| Kürzel | ITU, UIT, МСЭ (MSE) |
| Leitung | Doreen Bogdan-Martin<ref>Office of the Secretary-General. Abgerufen am 17. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Datei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten |
| Status | aktiv |
| Gegründet | 17. Mai 1865 |
| Hauptsitz | Genf Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Oberorganisation | Datei:Flag of the United Nations.svg Vereinte Nationen |
| www.itu.int | |
„Union Télégraphique Internationale fondée à Paris en 1865 sur l’initiative du gouvernement français. Érigé par décision de l’Union Télégraphique prise à la conférence internationale de Lisbonne en 1908.“
Übersetzung:
„Internationale Fernmeldeunion, 1865 zu Paris auf Anregung der französischen Regierung gegründet. Errichtet gemäß Beschluss der Fernmeldeunion anlässlich der internationalen Konferenz zu Lissabon 1908.“
Die Internationale Fernmeldeunion (engl. International Telecommunication Union, ITU; spanische und französische Abkürzung UIT; deutsch auch Weltnachrichtenverein) mit Sitz in Genf ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und die einzige völkerrechtlich verankerte internationale Organisation, die sich offiziell und weltweit mit technischen Aspekten der Telekommunikation beschäftigt. Sie ist Veranstalter der Weltfunkkonferenz (engl. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), WRC), die die Vollzugsordnung für den Funkdienst (engl. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), RR) fortschreibt, sowie der Weltweiten Konferenz für internationale Fernmeldedienste (World Conference on International Telecommunications, WCIT), die die Vollzugsordnung für internationale Fernmeldedienste (engl. International Telecommunication Regulations, ITR) fortschreibt.
Die ITU bildet zusammen mit der ISO und der IEC für Normung die World Standards Cooperation.
Geschichte
Die ITU geht zurück auf den am 17. Mai 1865 gegründeten Internationalen Telegraphenverein und ist damit – nach der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (gegründet 1815) und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (1863 gegründet) – die drittälteste heute noch bestehende internationale Organisation. Heute hat sie als UN-Sonderorganisation 191 Mitgliedstaaten. Ihr Gründungstag wurde von 1969 bis 2006 jährlich als Weltfernmeldetag oder Weltkommunikationstag ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) gewürdigt. Nachdem die Generalversammlung der Vereinten Nationen im März 2006 beschlossen hatte, den 17. Mai ebenfalls als Welttag der Informationsgesellschaft ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) zu begehen, beschloss im November 2006 die Konferenz der Regierungsbevollmächtigten bei der ITU, fortan den 17. Mai als Welttag der Kommunikation und der Informationsgesellschaft ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), WTISD) zu feiern.<ref>ITU-Seite zu WTISD. Abgerufen am 18. Dezember 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Ziele
Die Ziele der ITU sind Abstimmung und Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Nachrichtenwesen durch:
- Internationale Regelungen für die Nutzung von Frequenzen
- Internationale Zuweisung und Registrierung von Sende- und Empfangsfrequenzen
- Internationale Zuweisung von Rufzeichenblöcken, das ITU-Präfix
- Koordinierung der Entwicklung von Telekommunikationsanlagen
- Koordinierung von Bemühungen zur Störungsbearbeitung im internationalen Funkverkehr
- Vereinbarungen von Leistungsgarantien und Gebühren
In ihrem Rahmen arbeiten Staatsregierungen, Unternehmen des privaten Sektors, sowie weitere regionale und nationale Organisationen zusammen. Grundlage der ITU ist die Konstitution und Konvention der Internationalen Fernmeldeunion (Genf 1992), die Aufgaben, Rechte und Pflichten der ITU-Organe festlegt.
Die Amts- und Arbeitssprachen der ITU sind Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch, wobei in Streit- oder Zweifelsfällen der französische Wortlaut maßgebend ist. Entsprechend hat die Union auch sechs verschiedene Namen, unter denen sie Dokumente veröffentlicht.
Die übergeordneten Gremien der ITU, die Plenipotentiary Conference und die World Conference bearbeiten allgemeine Prinzipien und generelle Konventionen. Die Studiengruppen der ITU hingegen leisten die eigentliche Arbeit: Sie bearbeiten technische Fragestellungen, die sie in regelmäßigen Sitzungen diskutieren. Die Ergebnisse werden als Empfehlungen (Recommendations) veröffentlicht und haben erst durch die Übernahme durch normative Organisationen wie der ISO, ANSI oder ETSI oder durch nationale Regulierungsbehörden wie der Bundesnetzagentur in Deutschland den Charakter von Normen. Die Zusammenarbeit der ITU-T mit Foren und Konsortien wird insbesondere in den Empfehlungen A.4, A.5, A.6 und A.23 (zusammen mit A.23, Annex A) geregelt.
Die ITU organisiert die Fachmessen ITU Telecom, mit Weltmessen seit 1971 und Regionalmessen in Asien, Afrika und Lateinamerika seit 1985.
Bei der zunehmenden Nutzung des Weltraumes durch staatliche und private Akteure wie SpaceX hat die ITU eine entscheidende Rolle inne. Sie erteilt den jeweiligen Anträgen für neue Erdsatelliten, die über die nationalstaatlichen Vertreter eingereicht werden, die Zulassung.
Struktur
Die ITU teilt sich auf in
- ITU-D (Telecommunication Development Sector)
- ITU-R (Radiocommunication Sector), früher Comité Consultatif International des Radiocommunications (CCIR)
- ITU-RRB (Radio Regulations Board), früher International Frequency Registration Board (IFRB)
- ITU-T (Telecommunication Standardization Sector), gegründet am 1. März 1993, früher CCITT
ITU-R
Der ITU-R-Sektor ist beauftragt über die technischen und betrieblichen Fragen, speziell Funkkommunikation betreffend, Studien durchzuführen und Empfehlungen zu erlassen, ohne Beschränkungen hinsichtlich der Frequenzbereiche.<ref>INTERNATIONALER FERNMELDEVERTRAG, NAIROBI, 1982; 1984 deutsche Übersetzung; Herausgeber BMPT, Bonn; … BMV, Generaldirektion PT, Wien; Regierung Fürstentum Liechtenstein, Vaduz; Generaldirektion Schweiz PTT, Bern; Artikel 11, Paragraph: 83.</ref> Dabei umfasst die Zuständigkeit dieses Sektors die Bereiche Weltraumfunkdienste, terrestrische Funkdienste und die Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO-Funk), einschließlich der zugehörigen Studiengruppen.
ITU-T
Die meisten Standards (streng genommen „Empfehlungen“, englisch „recommendations“) werden innerhalb der ITU von der ITU‑T (Telecommunication Standardization Sector) verabschiedet. Diese Empfehlungen werden im Gegensatz zu nationalen Normen wie DIN, RS oder ANSI weltweit anerkannt.
Die Bereiche der ITU-T sind:
- A Organization of the work of ITU-T
- B Means of expression: definitions, symbols, classification
- C General telecommunication statistics
- D General tariff principles
- E Overall network operation, telephone service, service operation and human factors
- F Non-telephone telecommunication services
- G Transmission systems and media, digital systems and networks
- H Audiovisual and multimedia systems
- I Integrated services digital network
- J Cable networks and transmission of television, sound programme and other multimedia signals
- K Protection against interference
- L Construction, installation and protection of cables and other elements of outside plant
- M TMN and network maintenance: international transmission systems, telephone circuits, telegraphy, facsimile and leased circuits
- N Maintenance: international sound programme and television transmission circuits
- O Specifications of measuring equipment
- P Telephone transmission quality, telephone installations, local line networks
- Q Switching and signalling
- R Telegraph transmission
- S Telegraph services terminal equipment
- T Terminals for telematic services
- U Telegraph switching
- V Data communication over the telephone network
- X Data networks and open system communications
- Y Global information infrastructure and Internet protocol aspects
- Z Languages and general software aspects for telecommunication systems
Empfehlungen sind mit einem Buchstaben für den Bereich, einem Punkt und einer Nummer gekennzeichnet. Ähnliche Versionen werden z. B. durch ein nachgestelltes „bis“ oder „ter“ gekennzeichnet. Bekannte Beispiele für ITU-T-Empfehlungen sind V.24 (Schnittstellenleitungen für die Datenübertragung), JPEG (Bildkompression), H.264 (Videokompression) oder E.164 (internationales Telefonnummernschema).
Diese Empfehlungen wurden ursprünglich jeweils nach Ende einer Studienperiode (im Rhythmus von vier Jahren) in einzelnen Bänden geordnet nach Themen und Zuordnung zu Studiengruppen veröffentlicht; alle Bände hatten jeweils die gleiche Farbe. Der inoffizielle Sprachgebrauch benutzt deshalb die Begriffe „Yellow Book“ (1972–1976), „Orange Book“ (1976–1980), „Red Book“ (1981–1984) und „Blue Book“ (1985–1988). Danach wurden die Empfehlungen jeweils einzeln veröffentlicht und zwar frühestens nach zwei aufeinanderfolgenden Plenarsitzungen der zuständigen Studiengruppe (in der Regel neun Monate). Derzeit werden die Empfehlungen entweder nach dem TAP- (Traditional Approval Process) oder dem AAP-Verfahren (Alternative Approval Process) veröffentlicht. Das TAP-Verfahren (nach zwei aufeinanderfolgenden Plenarsitzungen) wird benutzt, wenn neben technischen zusätzlich regulatorische Aspekte berührt werden. Das AAP-Verfahren wird bei rein technischen Empfehlungen benutzt; eine Veröffentlichung ist dann schon nach vier Wochen (nach der Plenarsitzung der zuständigen Studiengruppe) möglich.
Direktoren und Generalsekretäre
| Direktoren der ITU | |||
|---|---|---|---|
| Name | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Land |
| Louis Curchod | 1. Januar 1869 | 24. Mai 1872 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Karl Lendi | 24. Mai 1872 | 12. Januar 1873 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Louis Curchod | 23. Februar 1873 | 18. Oktober 1889 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| August Frey | 25. Februar 1890 | 28. Juni 1890 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Timotheus Rothen | 25. November 1890 | 11. Februar 1897 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Emil Frey | 11. März 1897 | 1. August 1921 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Henri Étienne | 2. August 1921 | 16. Dezember 1927 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Joseph Raber | 1. Februar 1928 | 30. Oktober 1934 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Franz von Ernst | 1. Januar 1935 | 31. Dezember 1949 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz |
| Generalsekretäre der ITU | |||
| Léon Mulatier | 1. Januar 1950 | 31. Dezember 1953 | Datei:Flag of France (1794–1815, 1830–1974, 2020–present).svg Frankreich |
| Marco Aurelio Andrada | 1. Januar 1954 | 18. Juni 1958 | Vorlage:ARG-1861 |
| Gerald C. Gross | 1. Januar 1960 | 29. Oktober 1965 | Datei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten |
| Manohar Balaji Sarwate | 30. Oktober 1965 | 19. Februar 1967 | Datei:Flag of India.svg Indien |
| Mohamed Ezzedine Mili | 20. Februar 1967 | 31. Dezember 1982 | Datei:Flag of Tunisia (1959–1999).svg Tunesien |
| Richard E. Butler | 1. Januar 1983 | 31. Oktober 1989 | Datei:Flag of Australia (converted).svg Australien |
| Pekka Tarjanne | 1. November 1989 | 31. Januar 1999 | Datei:Flag of Finland icon.svg Finnland |
| Yoshio Utsumi<ref>pressinfo: Biography of the Secretary-General Yoshio Utsumi. In: www.itu.int. Abgerufen am 9. Juni 2016.</ref> | 1. Februar 1999 | 31. Dezember 2006 | Datei:Flag of Japan.svg Japan |
| Hamadoun Touré<ref>Biography – Hamadoun Touré. In: ITU. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. September 2019; abgerufen am 9. Juni 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> | 1. Januar 2007 | 31. Dezember 2014 | Datei:Flag of Mali.svg Mali |
| Houlin Zhao<ref>Biography – Houlin Zhao. In: ITU. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. April 2016; abgerufen am 16. April 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> | 1. Januar 2015 | 31. Dezember 2022 | Datei:Flag of the People's Republic of China.svg Volksrepublik China |
| Doreen Bogdan-Martin<ref>Biography – Doreen Bogdan-Martin. In: ITU. Abgerufen am 13. Dezember 2022.</ref> | 1. Januar 2023 | Datei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten | |
Literatur
- Christian Henrich-Franke: Globale Regulierungsproblematiken in historischer Perspektive: Der Fall des Funkfrequenzspektrums 1945–1988. Baden-Baden 2006, ISBN 3-8329-1799-3.
- Peter Cowhey: The international telecommunications regime: The political roots of regimes for high technology. In: International Organization. 1990, S. 169–199.
- Andreas Tegge: Die Internationale Telekommunikations-Union – Organisation und Funktion einer Weltorganisation im Wandel. Baden-Baden 1994, ISBN 3-7890-3230-1.
- George Codding, Anthony Rutkowski: The International Telecommunication Union in a Changing World. Washington 1982, ISBN 0-89006-113-0.
Weblinks
- Offizielle Website der ITU
- Geschichte der ITU
Zeitschriften-Artikel
Einzelnachweise
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