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Tanz der toten Seelen (1962)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1962
Länge 84 Minuten
Altersfreigabe

</ref>

Stab
Regie Herk Harvey
Drehbuch John Clifford
Produktion Herk Harvey
Musik Gene Moore
Kamera Maurice Prather
Besetzung

Tanz der toten Seelen (Carnival of Souls) ist ein Low-Budget-Film aus dem Jahre 1962, der von Herk Harvey gedreht wurde. Der Handlungsablauf ist einer Geschichte von Ambrose Bierce mit dem Titel Zwischenfall auf der Eulenfluß-Brücke entlehnt.

Harvey drehte fast nur Kurzfilme, von denen viele als Bildungsmaterial eingesetzt wurden, während Tanz der toten Seelen sein einziger Langfilm war. Zu seiner Zeit wenig erfolgreich, gilt der für nur 30.000 US-Dollar gedrehte Psychothriller heute als Filmklassiker, der sowohl in die Criterion Collection aufgenommen,<ref>Herk Harvey. Carnival of Souls The Criterion Collection, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> als auch vom British Film Institute empfohlen wurde.<ref>Carnival of Souls (1962) British Film Institute, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref><ref name="Kansas">Kenneth Spencer Research Library Archival Collections. Papers of Herk Harvey. University of Kansas, abgerufen am 15. Januar 2026.</ref>

Handlung

Datei:Saltair.jpg
Der Saltair-Pavillon, bevor er zur ikonischen Filmkulisse wurde

Mary Henry, eine junge Organistin, überlebt auf geheimnisvolle Weise einen Autounfall, bei dem ihre zwei Freundinnen in einem Fluss ertrinken. Mary fährt nach Salt Lake City, wo sie eine neue Stelle als Organistin in einer Kirche angenommen hat. Als sie auf dem Weg dorthin an einem alten, verlassenen Rummelplatz vorbeifährt, erscheint ihr das erste Mal das Gesicht eines Mannes als Spiegelung im Fenster ihres Wagens. Die Erscheinung dieses Untoten (gespielt von Herk Harvey selbst) sucht sie von nun an immer wieder und mit wachsender Intensität heim.

In Salt Lake City nimmt sie sich ein Zimmer zur Untermiete und tritt ihre neue Stelle an. Aber durch ihre Visionen entfernt sie sich immer mehr von ihrer Umgebung, die ihr immer bedrohlicher erscheint. Zeitweise hat sie die Empfindung, für ihre Mitmenschen unsichtbar und unhörbar zu sein. Ein Arzt, der ihr helfen will, thematisiert die Möglichkeit eines traumatischen Schocks aufgrund des Unfalls und versucht darüber hinaus, einen Zusammenhang der erschreckenden Imagination mit der früheren Lebensgeschichte zu erfragen. Ihm erzählt sie, dass sie sich noch nie für die Geschicke anderer interessiert habe. In ihrer Not ist sie sogar bereit sich auf die Avancen des benachbarten Untermieters einzulassen – obwohl der alkoholisierte Lebemann, ihr im Grunde zuwider ist. Doch selbst ihr Nachbar scheint sich plötzlich in den Untoten zu verwandeln – und ergreift die Flucht, nachdem sie einen entsetzten Schrei ausgestoßen hat. Es ist niemand da, der sie versteht; nach und nach verliert sie den Anschluss an die reale Welt.

Immer wieder fühlt sie sich vom Pavillon des Rummelplatzes magisch angezogen. Sie sieht dort jene tanzenden Untoten, die auch nachts in ihren Visionen aus dem Wasser auftauchen und sie verfolgen. Plötzlich sieht sie sich selbst, wie sie mit dem Untoten, der ihr bereits so oft erschienen ist, tanzt. Am Ende kann sie den Toten, die sie von allen Seiten verfolgen, nicht mehr entrinnen.

An der Stelle, wo Mary zuletzt im Sand lag, werden am nächsten Tag Fußspuren gefunden, die nirgendwohin führen. Die Schlussszene zeigt, wie das Auto des anfänglichen Verkehrsunfalls aus dem Wasser geborgen wird. In dem Auto befinden sich die Leichen der drei Frauen – auch die von Mary.

Bewertung und Kritiken

Auf der internationalen Plattform Rotten Tomatoes, fallen 87 Prozent der 67 Fachkritiken für „Carnival of Souls“ positiv aus.<ref>Carnival of Souls, 1962. Rotten Tomatoes, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>

Auf der Internet Movie Database wurde Tanz der toten Seelen über 30.000 bewertet und erreichte einen Durchschnitt von 7 von 10 möglichen Sternen.<ref>Tanz der toten Seelen. Bewertungen. IMDb, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> Bei MUBI erreichte der Film, basierend auf über 6.200 Abstiummungen, in der Zuschauerbewertung sogar 7,8 von 10 möglichen Sternen (Stand: Februar 2026).<ref>TANZ DER TOTEN SEELEN. Carnival of Souls. Mubi, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>

Carnival of Souls ist, so absurd das angesichts eines No-Budget-Movies klingt, ein perfekter Film. Er erreicht größtmögliche Effekte mit den einfachsten Mitteln, ohne dass diese je nur Mittel zu diesen Effekten wären. Der Mehrwert, der den Bildern das Entsetzen einjagt, ist ein Effekt des Verzichts auf die unmittelbare Verrechnung von Mitteln in Effekte. Kein Bild zielt nur auf den Schrecken, den es hat. Der Schock verliert sich in der Unerbittlichkeit, die in den Bildern steckt, von Anfang an.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ekkehard Knörer: Filmzentrale<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rezension von Ekkehard Knörer bei filmzentrale.com (Memento vom 28. Januar 2023 im Internet Archive)</ref>

„Die große Kunst dieses Films ist es, eine Lebende als Tote und wiederum als Lebendigere als alle Lebenden zu zeigen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Elfriede Jelinek

„Ein mit Mini-Budget produzierter, vergleichsweise fantasievoller Gruselfilm.“

Filmdienst<ref>Tanz der toten Seelen. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 19. Oktober 2025.</ref>

Trivia

  • Das Script verfasste John Clifford, im Auftrag von Herk Harvey, dessen Idee dazu, von dem stillgelegten Freizeitpark im Saltair-Pavillon inspiriert wurde.<ref>10 great films by one-time directors. British Film Institute, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
  • Der Film existiert in verschiedenen Schnittfassungen, die zwischen 78 und 84 Minuten lang sind.
  • Der Film wurde in nur drei Wochen in Lawrence und Salt Lake City gedreht.
  • Die Hauptdarstellerin Candace Hilligoss hatte bei Lee Strasberg einen Kurs in Method Acting besucht, die übrigen Darsteller waren größtenteils Amateure. Der Film enthält eine Reihe von Anschlussfehlern, die gemeinhin auf Harveys nicht vorhandene Erfahrung im Spielfilmbereich zurückgeführt werden.
  • Herk Harvey war ursprünglich ein Produzent von Schulungs- und Werbefilmen. Bei einem Aufenthalt in Salt Lake City war er von der Stimmung des verlassenen Saltair-Pavillon so beeindruckt, dass er zusammen mit John Clifford das Konzept zu einem Film auf der Geschichte von Ambrose Bierce entwickelte. Das rege Interesse an der DVD-Veröffentlichung erlebte der 1996 an Krebs Verstorbene nicht mehr.
  • Herk Harvey und John Clifford verzichteten auf ihre Gage, um Produktionskosten zu sparen.
  • Für den Schaden an der Brücke der Eingangssequenz musste Harvey 17 US-Dollar bezahlen.
  • Wahrscheinlich wurde Harvey durch zwei Episoden von Rod Serlings Twilight Zone zu Aspekten des Filmes inspiriert: In The Hitch-Hiker (Januar 1961) fährt ein junges blondes Mädchen von New York nach Kalifornien und wird von einem Anhalter verfolgt, der ständig wieder auftaucht, wenn sie ihn abgehängt wähnt. In Mirror Image (Februar 1961) geht es ebenfalls um ein blondes Mädchen, das überzeugt davon ist, dass eine Doppelgängerin aus dem Spiegel einer Busstation ihre Fahrkarte, ihr Gepäck und schließlich ihre gesamte Identität stiehlt.
  • In Deutschland wurde der Film erst in den 90er Jahren im Auftrag des ZDF synchronisiert. Die deutsche Premiere erfolgte während des Fantasy Filmfest 1991.
  • Wes Craven veröffentlichte 1998 ein lose auf dem Film basierendes Remake (Wes Craven's Carnival of Souls).<ref>Wes Craven's Carnival of Souls, 1998 IMDb, abgerufen am 15. Januar 2026.</ref>
  • In dem Lied 13 Beaches auf Lana Del Reys Album Lust for Life (2017) ist eine Originalaufnahme des Films von Candace Hilligoss zu hören.<ref>Lana Del Rey – Lust For Life. Publishing information. Discogs, abgerufen am 15. Januar 2026.</ref>

Einfluss

Literatur

  • Thomas Gaschler, Eckhard Vollmar: Interview mit Harold „Herk“ Harvey. In: HOWL Nr. 11, München 1991.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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