Takbīr
Takbīr (arabisch تَكْبِير) ist im Islam das Aussprechen der Formel Allahu akbar (الله أَكْبَر, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ‚Gott ist überaus groß‘), die in prägnanter Form die absolute Überlegenheit des monotheistischen Gottes zum Ausdruck bringt. Die Formel wird im muslimischen Leben in verschiedenen Situationen gebraucht, so während des rituellen Gebets, beim Haddsch und in allen Situationen, in denen „der Gedanke an Allāh, seine Grösse und Leitung sich aufdrängt“.<ref>A. J. Wensinck: Takbīr. In: Enzyklopädie des Islam. Brill, Leiden 1934. Bd. IV, S. 679. Digitalisat</ref>
Grammatik
Allah ist das arabische Wort für Gott (heidnische Götter werden ilāh genannt).<ref>Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 4., unveränderte Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1968, OCLC 247926989, S. 21.</ref> {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ist die Elativ-Form des Adjektivs كبير {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ‚groß, alt, bedeutend‘ (ass. kabru „groß, riesig“).<ref>Francis Brown (Hrsg.): A Hebrew and English lexicon of the Old Testament. 1906, כָּבַר, S. 460 (archive.org).</ref>
Der arabische Elativ umfasst sowohl die Bedeutung des indogermanischen Komparativs (größer als) als auch die des Superlativs (am größten), ähnlich dem französischen le plus grand. Der Steigerungsgrad ergibt sich aus dem Kontext.<ref>Hans Wehr: Der arabische Elativ. 1952, doi:10.25673/32133.</ref>
Der artikellose Elativ erfüllt vor allem die Funktion als Prädikat oder als Apposition zum indeterminierten Regens: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), d. h. Gott ist (unvergleichlich) groß.<ref>Wolfdietrich Fischer: Grammatik des klassischen Arabisch. Wiesbaden 1972. S. 69.</ref> Der Elativ erfüllt jedoch nur in der Kombination mit der Präposition {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) die Funktion eines Vergleichs. Zum Beispiel: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Ansonsten entspricht die Bedeutung dem Superlativ („am größten“).<ref>Carl Brockelmann: Arabische Grammatik. Leipzig 1974. S. 69.</ref>
Ein verwandtes Epitheton Gottes und Elativ im Koran ist akram (von karuma) „gütig, edel, wertvoll“.
Verwendung
Takbīr scheint im Koran zwei Mal auf, in Sure 17, Vers 111, und in Sure 74, Vers 3, der zu den ältesten Versen des Korans gehört.<ref>Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorāns. 2. Auflage bearbeitet von Friedrich Schwally. Erster Teil: Über den Ursprung des Qorāns. S. 85–86. Leipzig 1909</ref>
Der Takbir wird zu Beginn der täglichen Pflichtgebete (salāt) gesprochen (تكبيرة الإحرام / {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / ‚Takbir des Ihrāms‘). Während des Gebets wird er zur Prostration (rakʿa) fünf Mal wiederholt.<ref>The Encyclopaedia of Islam. 2. Auflage. Band 10, 2000, TAKBĪR, S. 110.</ref> Auch der Gebetsruf (adhān) beginnt mit einem Takbir.
Dem Hadith zufolge soll Mohammed bei einer Beerdigung das Takbir vier Mal gerufen haben. Ebenso soll er ihn oft während des Haddschs gesprochen haben, beim Anblick der Kaʿba und zu Beginn, während und am Ende der Reise. Einigen Hadithen zufolge ist es ebenfalls Prophetensunna, den Takbir beim Anblick des Neumondes (hilal) zu Beginn des Fastenmonats Ramadan zu rufen.<ref>al-mausu'a al-fiqhiyya (Enzyklopädie des islamischen Rechts). Kuwait 2002, Bd. 13, S. 214–216.</ref>
Der arabische Schriftzug „Allāhu akbar“ ist Teil der Flaggen des Iraks, Irans und Afghanistans.
Arabische Armeen, islamistischen Milizen und Terroristen verwenden den Takbir als Schlachtruf. Durch mediale Berichterstattung ist „Allahu akbar“ im Westen oft mit dem Terrorismus konnotiert.<ref></ref><ref>A. Radtke: Offenbarung zwischen Gesetz und Geschichte: Quellenstudien zu den Bedingungsfaktoren frühislamischen Rechtsdenkens. Harrassowitz, 2003.</ref>
Auch arabische Christen und Juden verwenden die Phrase als Ausdruck der Freude, des Erstaunens und der Bestürzung.<ref>„Allahu Akbar“ – Ausruf von Extremisten oft missbraucht. In: Schwetzinger Zeitung / Hockenheimer Zeitung. Abgerufen am 29. Oktober 2020.</ref>
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
<references />