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Tatarischer Meerkohl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tátorján-Meerkohl)

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Tatarischer Meerkohl
Datei:Crambe tataria sl60.jpg

Tatarischer Meerkohl (Crambe tataria), vollblühend

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Brassiceae
Gattung: Meerkohl (Crambe)
Art: Tatarischer Meerkohl
Wissenschaftlicher Name
Crambe tataria
Sebeók
Datei:Crambe tataria sl89.jpg
Blütenstand, mit Detailansicht der Einzelblüten
Datei:Crambe tataria sl8.jpg
Blätter
Datei:Crambe tataria sl19.jpg
Frucht mit stielartigem unteren und kugeligem oberen Glied
Datei:Tátorján - Balatonkenese 2012 (9).JPG
Sogenannter Steppenroller zur Samenverbreitung

Der Tatarische Meerkohl<ref name="GRIN" /> (Crambe tataria), auch Tátorján-Meerkohl oder Tatarenkohl genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Meerkohl (Crambe) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).<ref name="Euro+Med" /> Sie ist ein Florenelement in der südsibirisch-pontisch-pannonischen Florenregion.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Der Tatarische Meerkohl wächst als ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 60 bis 120 Zentimetern erreicht.<ref name="Markgraf1958" /> Die Wurzel ist bis zu 120 Zentimeter lang und bis zu 5 Zentimeter dick.<ref name="Markgraf1958" />

Die sehr großen, dicklichen Grundblätter sind fiederlappig bis doppelt fiederlappig<ref name="Markgraf1958" />, im Umriss rhombisch und unterseits steif behaart. Die oberen Stängelblätter sind kleiner und weniger stark geteilt.<ref name="Markgraf1958" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von April bis Mai oder bis zum Juni. Die Einzeltrauben des Gesamtblütenstands sind fast ebensträußig, sie enthalten 10 bis 20 Blüten und verlängern sich später.<ref name="Markgraf1958" /> Die zwittrige Blüte ist vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier Kelchblätter sind 2 bis 3 Millimeter lang.<ref name="Markgraf1958" /> Die vier weißen Kronblätter sind 4,5 bis 5,5 Millimeter lang und in Platte und Nagel gegliedert. Ihre Platte ist länglich-elliptisch und plötzlich in einen kurzen oft violetten Nagel verschmälert.<ref name="Markgraf1958" />

Die Fruchtstiele sind 7 bis 20 Millimeter lang.<ref name="Markgraf1958" /> Das untere Fruchtglied ist stielartig und 1 bis 1,5 Millimeter lang, das obere ist bei einem Durchmesser von 4 bis 5 Millimetern kugelig.<ref name="Markgraf1958" /> Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 30<ref name="IPCN" />, 60 oder 120.<ref name="Markgraf1958" />

Ökologie

Der Tatarische Meerkohl ist ein Steppenroller: Das Pflanzenexemplar bricht zur Reifezeit an der Basis ab und wird durch den Wind verweht. Auf diese Weise können die Samen über größere Distanzen ausgebreitet werden.

Vorkommen

Es gibt Fundortangaben für Österreich, im nordöstlichen Italien, die Slowakei, Slowenien, Kroatien Tschechien, im östlichen Bulgarien, Ungarn, Moldawien, Rumänien, Nowaja Semlja, Franz-Joseph-Land, Serbien, Kosovo, die Ukraine sowie die Krim,<ref name="Euro+Med" /> in der Türkei, Ciskaukasien, Dagestan.<ref name="GRIN" /> Das Verbreitungsgebiet reicht vom südukrainischen und südrussisch-pontischen Steppengebiet nördlich des Schwarzen Meeres bis nach Niederösterreich und Südmähren. In den beiden letzteren Fällen handelt es sich um Kältesteppenrelikte aus dem letzten Glazial, die vom Hauptverbreitungsgebiet im Osten räumlich weit entfernt auftreten: Während der Eiszeit breitete sich Crambe tataria nach Westen aus und konnte im Postglazial dort nur vereinzelt an konkurrenzschwachen Trockenstandorten überleben.

Vorlage:Hinweisbaustein In Österreich tritt der Tatarische Meerkohl ausschließlich im Naturschutzgebiet Zeiserlberg bei Ottenthal mit etwa 600 Individuen sowie vereinzelt in der Umgebung auf und gilt als „stark gefährdet“. In Österreich gedeiht der Tatarische Meerkohl in der collinen Höhenstufe auf Halbtrockenrasen, Straßenböschungen und Ackerrändern über Löß.

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Crambe tataria erfolgte 1779 durch Sándor Sebeók de Szent-Miklós in Sebeók: Tatarica Hung. 7.<ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" /><ref name="Tropicos" /> Synonyme für Crambe tataria <templatestyles src="Person/styles.css" />Sebeók ist Crambe pinnatifida <templatestyles src="Person/styles.css" />W.T.Aiton.<ref name="Euro+Med" />

Die Art Crambe tataria gehört zur Sektion Crambe sect. Crambe aus der Gattung Crambe.<ref name="Prina2009" />

Bei Anibal Oscar Prina 2009 gibt es zwei Varietäten:<ref name="Prina2009" />

  • Crambe tataria var. aspera <templatestyles src="Person/styles.css" />(M.Bieb.) Boiss. (Syn.: Crambe aspera <templatestyles src="Person/styles.css" />M.Bieb., Crambe litwinowii <templatestyles src="Person/styles.css" />Grossh., Crambe gibberosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Rupr., Crambe tataria var. buschii <templatestyles src="Person/styles.css" />O.E.Schulz, Crambe buschii <templatestyles src="Person/styles.css" /> (O.E.Schulz) Grossh.)<ref name="Prina2009" />
  • Crambe tataria <templatestyles src="Person/styles.css" />Sebeók var. tataria, Crambe laciniata <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam., Crambe tatarica <templatestyles src="Person/styles.css" />Pall. nom. nud., Crambe caspica <templatestyles src="Person/styles.css" />Raeuschel, Crambe tataria var. hungarica <templatestyles src="Person/styles.css" />DC., Crambe tataria var. taurica <templatestyles src="Person/styles.css" />DC., Crambe biebersteinii <templatestyles src="Person/styles.css" />Janka, Crambe tataria var. biebersteinii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Janka) O.E.Schulz: Dieser Endemit gedeiht im Wüstengebiet zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer in der unteren Wolga-Region.<ref name="Prina2009" />

Trivialnamen

Für den Tatarischen Meerkohl bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen Hieronymuswurz (Mähren bei Auspitz), Tatarka (Mähren bei Erlau), Tatarkenya (Mähren bei Erlau) und Tatorya (Siebenbürgen).<ref name="Pritzel1882" />

Nutzung

Der Tatarische Wildkohl wurde niemals kultiviert, spielte allerdings wahrscheinlich bereits in der Antike eine Rolle als Wildgemüse.<ref name="Honermeier2006" />

Literatur

  • Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.
  • Luise Schratt-Ehrendorfer: Die Pflanzenwelt der Steppen Niederösterreichs: Flora und Vegetation, Standortsvielfalt und Gefährdung. In: Heinz Wiesbauer (Hrsg.): Die Steppe lebt – Felssteppen und Trockenrasen in Niederösterreich, St. Pölten 2008, S. 63, ISBN 3-901542-28-0.
  • Anibal Oscar Prina: Taxonomic review of the genus Crambe sect. Crambe (Brassicaceae, Brassiceae). In: Anales del Jardin Botánico de Madrid, Volume 66, Issue 1, 2009, S. 7–24. doi:10.3989/ajbm.2186

Einzelnachweise

<references> <ref name="Tropicos"> Crambe tataria bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IPCN"> Crambe tataria bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Brassicaceae. Datenblatt Crambe tataria In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Pritzel1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 116. (eingescannt). </ref> <ref name="Honermeier2006"> B. Honermeier: Crambe. In: Klaus-Ulrich Heyland, Herbert Hanus, Ernst Robert Keller: Ölfrüchte, Faserpflanzen, Arzneipflanzen und Sonderkulturen. Handbuch des Pflanzenbaus Band 4, Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8001-3203-4, S. 179–184. </ref> <ref name="Markgraf1958"> Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. S. 497–498. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Verlag Carl Hanser, München 1958. </ref> <ref name="Prina2009"> Anibal Oscar Prina: Taxonomic review of the genus Crambe sect. Crambe (Brassicaceae, Brassiceae). In: Anales del Jardin Botánico de Madrid, Volume 66, Issue 1, 2009, S. 7–24. doi:10.3989/ajbm.2186 </ref> </references>

Weblinks

Commons: Tatarischer Meerkohl (Crambe tataria) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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