Zum Inhalt springen

Südseemyrte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Südseemyrte
Datei:Common Tea-tree flower (6692403213).jpg

Blüten von Leptospermum scoparium

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Myrtengewächse (Myrtaceae)
Unterfamilie: Leptospermoideae
Gattung: Leptospermum
Art: Südseemyrte
Wissenschaftlicher Name
Leptospermum scoparium
J.R.Forst. & G.Forst.
Datei:Leptospermum scoparium nichollii 138-8419.jpg
Illustration von Leptospermum scoparium
Datei:Starr 010419-0041 Leptospermum scoparium.jpg
Leptospermum scoparium
Datei:Starr-110615-6747-Leptospermum scoparium-fruit-Crater Rd Haleakala Ranch-Maui (25003886241).jpg
Früchte von Leptospermum scoparium

Die Südseemyrte (Leptospermum scoparium), auch Neuseelandmyrte oder Manuka (von Māori: Mānuka) genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Sie ist in den bergigen Regionen Neuseelands und des südöstlichen Australiens (New South Wales) beheimatet. Aus ihr werden insbesondere Manukaöl und Manuka-Honig gewonnen.

Beschreibung

Die immergrüne Südseemyrte wächst strauch- oder baumförmig bis 6–8 Meter Höhe. Die Zweige und jungen Blätter sind von silbrigen Haaren mehr oder weniger dicht umhüllt, bei den älteren Teilen löst sich die Borke in langen Streifen ab. Die wechselständigen bis wirteligen, fast sitzenden, steifen, ledrigen, spitzen bis zugespitzten, stachelspitzigen, aufgerichteten oder waagerecht abstehenden, ganzrandigen, aromatischen Laubblätter sind lanzettlich, elliptisch oder eiförmig, -lanzettlich bis verkehrt-eiförmig, -eilanzettlich, sie sind 4–12 (selten bis 22) mm lang und bis 4(6) mm breit. Sie besitzen durchsichtige Öldrüsen.

Die Südseemyrte ist meist andromonözisch, also mit zwittrigen und männlichen Blüten auf einem Exemplar. Die männlichen Blüten besitzen einen unfruchtbaren Pistillode. Selten sind die Pflanzen rein männlich. Die duftenden, meistens weißen oder auch rötlichen Blüten mit doppelter Blütenhülle stehen in der Regel einzeln in den Blattachseln, gelegentlich auch am Ende von Zweigen und sind kurz gestielt bis sitzend. Sie besitzen einen kleinen, breit kreiselförmigen, kahlen und leicht kantigen Blütenbecher mit dreieckigen, früh abfallenden, kleinen Kelchzipfeln. Die kurz genagelten, ausgebreiteten Kronblätter sind etwa rundlich, ca. 6 mm lang und weiß, selten rosa oder rötlich. Die kurzen Staubfäden der ungefähr 20–25, gruppierten Staubblätter sind deutlich dünner als der kurze, dickliche Griffel mit großer, kopfiger Narbe. Am Konnektiv der Antheren ist eine Drüse, ein Nektarium, vorhanden. Es ist jeweils ein Diskus vorhanden. Aus dem oberseits unbehaarten, unterständigen, mehrkammerigen Fruchtknoten entwickelt sich eine fünfkammerige, -teilige, holzige, kahle, halbkugelförmige und rötlich-braune, vielsamige Kapselfrucht mit anfangs Griffel- und Staubblattresten von 3–7 × 4–10 mm Größe, die über den Blütenbecher hinausragt.<ref name=FloraNZ>Flora of New Zealand: 2 L. scoparium Forster et Forster f., Char. Gen. Pl. 72, t. 36, figs f-l (1776), abgerufen am 22. August 2009.</ref> Die Kapseln bleiben ein Jahr lang oder länger stehen. Die feinen, länglichen und rötlich-braunen Samen sind 2–3 mm lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.<ref name="IPCN" />

Leptospermum scoparium und Kunzea ericoides (Kanuka) werden als äußerlich ähnliche Arten oft verwechselt. Die Blätter von Kunzea ericoides sind jedoch weich, die von Leptospermum scoparium stechen.<ref>John Dawson, Rob Lucas: Nature guide to the New Zealand forest. Godwit, 2000, ISBN 1-86962-055-0.</ref> Die Blüten, Kapseln und Samen der kleineren Leptospermum scoparium sind größer und die Kapseln bleiben ein Jahr stehen. Auch ist Kanuka sehr langlebig.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kanuka and Manuka (Memento vom 23. Dezember 2018 im Internet Archive) bei Great Barrier Island Environmental News, abgerufen am 29. Oktober 2018.</ref>

Taxonomie/Systematik

Die Erstbeschreibung erfolgte durch Johann Reinhold und George Forster in Characteres Generum Plantarum 36, 1775. Es sind zahlreiche Synonyme bekannt.<ref>Leptospermum scoparium bei KEW Science, abgerufen am 18. Oktober 2018.</ref><ref>Leptospermum scoparium J.R.Forst. & G.Forst. — The Plant List. Abgerufen am 22. September 2024.</ref><ref>I Popay: Leptospermum scoparium (manuka). 7. Januar 2022, doi:10.1079/cabicompendium.30097 (cabidigitallibrary.org [abgerufen am 22. September 2024]).</ref>

Es werden auch einige Kultivare unterschieden.<ref>Murray Dawson: A history of Leptospermum scoparium in cultivation: Garden selections. In: New Zealand Garden Journal. Vol. 13(1), 2010, online (PDF; 455 kB), abgerufen am 18. Oktober 2018.</ref>

Verbreitung

Die Südseemyrte ist in Neuseeland<ref name=FloraNZ /> und im südöstlichen Australien<ref>New South Wales Flora Online: Leptospermum scoparium J.R.Forst. & G.Forst., abgerufen am 22. August 2009</ref> heimisch. In Neuseeland wächst sie vom Tiefland bis in subalpine Regionen in verschiedenen Lebensräumen, insbesondere offenen Hängen, Flussufern, Waldrändern und Gebüsch.<ref name=FloraNZ />

Wie alle Pflanzen der Familie der Myrtengewächse ist auch die Südseemyrte äußerst robust und benötigt für ihr Wachstum sehr wenig Nährstoffe. Allerdings ist trotz großer Widerstandskraft ein feuchter Boden wichtig für das Wachstum der Pflanze.

Nutzung als Heilpflanze

In Europa wurde die Möglichkeit einer medizinischen Anwendung der Südseemyrte vom Botaniker Joseph Banks beobachtet, einem Mitglied der Expedition James Cooks. Er beobachtete, wie die Maori unterschiedliche Bestandteile der Südseemyrte verwandten, um damit Leiden wie z. B. Magen-Darm-Beschwerden, Erkrankungen der Blase, Erkältungen, Hautkrankheiten und sogar Wunden zu kurieren. Dazu bereiteten die Maori auch einen Sud zu, woraufhin die englische umgangssprachliche Bezeichnung Tea tree (deutsch Teebaum) entstand.<ref>Andreas Ende: Heilmittel der Natur. Manuka. Südwest 1998, ISBN 978-3-517-08032-1, S. 8–9 ff.</ref>

Datei:Manuka Honey Examples.jpg
Manuka-Honig verschiedener Hersteller

Die Pflanze enthält ätherische Öle; Manukaöl,<ref name="PMID15184010">M. H. Douglas, J. W. van Klink, B. M. Smallfield et al.: Essential oils from New Zealand manuka: triketone and other chemotypes of Leptospermum scoparium. In: Phytochemistry. Band 65, Nummer 9, 2004, S. 1255–1264, ISSN 0031-9422, doi:10.1016/j.phytochem.2004.03.019, PMID 15184010.</ref> die antientzündlich und antibakteriell wirken.<ref name="PMID21978989">A. G. Leong, P. M. Herst, J. L. Harper: Indigenous New Zealand honeys exhibit multiple anti-inflammatory activities. In: Innate immunity. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Oktober 2011, ISSN 1753-4267, doi:10.1177/1753425911422263, PMID 21978989.</ref> An ihr gesammelter Manuka-Honig hat in kleineren Studien Wirkungen gegen Helicobacter pylori, gegen chronische Wunden und Hautinfektionen gezeigt und wird als Heilmittel vermarktet.<ref name="PMID12439453">P. E. Lusby, A. Coombes, J. M. Wilkinson: Honey: a potent agent for wound healing? In: Journal of wound, ostomy, and continence nursing: official publication of The Wound, Ostomy and Continence Nurses Society / WOCN. Band 29, Nummer 6, 2002, S. 295–300, ISSN 1071-5754, PMID 12439453 (Review).</ref> Besonders bakterizide Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt.<ref name=Mavric>Elvira Mavric, Silvia Wittmann, Gerold Barth, Thomas Henle: Identification and quantification of methylglyoxal as the dominant antibacterial constituent of Manuka (Leptospermum scoparium) honeys from New Zealand. In: Mol. Nutr. Food Res. Band 52, Nr. 4, 2008, S. 483–489, doi:10.1002/mnfr.200700282.</ref>

Die Südseemyrte wird auch als Ziergehölz verwendet, es sind verschiedene Kultivare erhältlich.<ref>Royal Horticultural Society.</ref>

Literatur

  • Joseph Dalton Hooker: The Botany of the Antarctic Voyage. II, Part I, Reeve, 1853, S. 69 f, online auf biodiversitylibrary.org.
  • Clyde F. Reed: Economically important foreign weeds. Agriculture Handbook No. 498, USDA, 1977, S. 443.
  • Richard B. Primack, David G. Lloyd: Andromonoecy in the New Zealand Montane Shrub Manuka, Leptospermum scoparium (Myrtaceae). In: American Journal of Botany. Vol. 67, No. 3, 1980, S. 361–368, doi:10.2307/2442346, online auf researchgate.net.
  • J. M. C. Stephens, P. C. Molan, B. D. Clarkson: A review of Leptospermum scoparium (Myrtaceae) in New Zealand. In: New Zealand Journal of Botany. 43(2), 2005, S. 431–449, doi:10.1080/0028825X.2005.9512966.
  • Andreas Ende: Heilmittel der Natur. Manuka. Südwest, 1998, ISBN 978-3-517-08032-1.
  • Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-444-64175-5, S. 374.

Weblinks

Commons: Südseemyrte (Leptospermum scoparium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="IPCN">Leptospermum scoparium bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum.</ref> </references>