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Sétif

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
سطيف
ⵙⵉⵜⵉⴼⵉⵙ
Sétif
Koordinaten 36° 12′ N, 5° 25′ OKoordinaten: 36° 12′ N, 5° 25′ O
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Basisdaten
Staat Algerien
Höhe 1100 m
Einwohner 288.461 (2008<ref name="w19_p2.pdf">Volkszählung 2008. Abgerufen am 17. April 2019 (französisch).</ref>)

Sétif (arabisch سطيف, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), tamazight ⵙⵉⵜⵉⴼⵉⵙ; auch Stif) ist eine mittelgroße Universitätsstadt im nordöstlichen Algerien. Sie liegt 300 km östlich der Hauptstadt Algier und ist Hauptort der gleichnamigen Provinz.

Geographie

Die Stadt liegt auf einer küstennahen Hochebene auf 1100 m über NN, zwischen den Kabylen und den Atlas-Bergen.

Laut Statistik-Veröffentlichung von Januar 2008 verzeichnete Sétif 288.461 Einwohner.<ref name="w19_p2.pdf" /> Der Name des Bürgermeisters ist M. Aïssa Fellahi.

Sétif hat eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Rennes in Frankreich und verfügt über den internationalen Flughafen Sétif.

Klima

Sétif Algerien
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Mittl. Tagesmax. (°C) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 20,3
Mittl. Tagesmin. (°C) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 9,7
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Quelle: World Meteorological Organisation Die klimatologischen Daten basieren auf den monatlichen Durchschnittswerten von 1976 bis 2005

Geschichte

Zu Zeiten des antiken Römischen Imperiums war Sétif die Hauptstadt der römischen Provinz Mauretania Sitifensis und trug den Namen Colonia Nerviana Augusta Martialis Veteranorum Sitifensium (Sitifis). In der heutigen Stadt sind einige Bauwerke aus dem 3., 4. und 6. Jahrhundert erhalten: Festungen, Basiliken, antikes Amphitheater.

Datei:Byzantine Maghreb.png
Sétif in der Spätantike

In osmanischer Zeit lag Sétif in der Provinz Beylik von Constantine.<ref>Bernard Lugan: Le Sahara Occidental en 10 questions. Éditions Ellipses, Paris 2024, ISBN 978-2-340-09393-5, Carte V.</ref> Im Zuge der kolonialen Besitzergreifung wurde Algerien nicht nur koloniale Rohstoffquelle und Absatzmarkt Frankreichs, sondern aufgrund der Nähe zur Metropole, dem „Mutterland“, auch in großem Stil zur europäischen Siedlungskolonie. Diese Vorstellung einer behaupteten oder zuweilen tatsächlich empfundenen „Nähe“ spiegelte sich in einen verbreiteten politischen Slogan: „La Méditerranée traverse la France comme la Seine traverse Paris.“<ref>Benoît Hopquin: La mémoire refoulée des appelés d’Algérie. In: Le Monde. 15. März 2012, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> (dt. „Das Mittelmeer durchfließt Frankreich, wie die Seine Paris durchfließt.“) 1896 hatte Sétif 16.061<ref name=":0">Michel Abitbol: Le passé d'une discorde – Juifs et Arabes du VIIe siècle à nos jours. Librairie Académique Perrin, Paris 1999, ISBN 2-262-01494-9, S. 275 (dort zitiert nach Zahlen der parlamentarischen Untersuchungskommission Pourquery de Boisserin von 1900).</ref> Einwohner, davon waren 11.461<ref name=":0" /> Muslime und 1327<ref name=":0" /> Juden, zudem lebten 2660<ref name=":0" /> Franzosen und 613<ref name=":0" /> weitere Europäer in der Stadt.

Sétif war zunächst Unterpräfektur des 1848 eingerichteten Département Constantine. 1956 wurde die Stadt zum Verwaltungssitz für eines der neugeordneten zwölf französischen Departements in Algerien aufgewertet. Ab 1852 führte die private Compagnie genevoise des colonies suisses de Sétif<ref name=":3">Georg Kreis: Blicke auf die koloniale Schweiz. Ein Forschungsbericht. 2. Auflage. Chronos Verlag, Zürich 2023, ISBN 978-3-0340-1717-6, S. 139 f. und Fußnote 31, ebd.; 171.</ref> 712 meist waadländische Schweizer Siedler nach Sétif, von denen manche jedoch bald wieder nach Europa zurückkehrten, da sie kein Auskommen fanden. Halboffizielle Kontakte der Schweiz zu den Algerienschweizern von Sétif bestanden jedoch fort. 1951 kam Henri Guisan, General außer Dienst, zu Besuch.<ref name=":3" />

Als Ausdruck des Unabhängigkeitwillens gab es am 1. Mai 1945<ref name=":1">Walter Schicho: Handbuch Afrika – Nord- und Ostafrika. Band 3/3. Brandes & Apsel Verlag / Südwind, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-86099-122-1, S. 86.</ref> Demonstrationen in allen großen Städten Algeriens, bei der die Freilassung von Messali Hadj<ref name=":1" /> gefordert wurde. Die Behörden erlaubten 8.-Mai-Feiern zur Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung, verboten jedoch jede Bekundung von Unabhängigkeitsforderungen. Aktivisten des Parti du peuple algérien (PPA), die sich vor der Moschee beim Bahnhof versammelt hatten und mit Fahnen der verbotenen Parteien Étoile Nord-Africaine und PPA einem Protestzug begannen – laut dem Historiker Roger Vétillard im Glauben, es fänden landesweite Kundgebungen statt<ref name=":6">Bernard Lugan: Histoire des Algériens : Des origines à nos jours. Éditions Ellipses, Paris 2025, ISBN 978-2-340-09958-6, 152, 247–250 und Kartenteil, Abbildung XXVI.</ref> – wurden von einer unterbesetzten Polizeitruppe aus etwa 20 Beamten angegangen, die versuchten, ihnen die Fahnen zu entreißen. Es kam zu Handgreiflichkeiten, wobei als erstes Opfer ein achtjähriges jüdisches Mädchen starb.<ref name=":6" /> Gewalttäter kamen hinzu und töteten 22<ref name=":5">Jean-Christophe Buisson: 1945. Éditions Perrin, Paris 2024, ISBN 978-2-262-10332-3, S. 149.</ref> europäische Zivilisten (103<ref name=":6" /> in der Region), 80<ref name=":5" /> wurden verletzt. Unter den Toten befand sich Sétifs Bürgermeister Édouard Deluca.<ref name=":5" /> Dem Gemeindeangestellten und kommunistischen Parteisekretär Albert Denier<ref name=":6" /> wurden beide Hände abgeschnitten. Der Aufstand dehnte sich bis am 11. Mai im Norden bis Ziama-Mansouria an der Küste, im Süden nach Colbert, im Osten nach Aïm-Abessa und im Westen nach Chevreul und Taher aus.<ref name=":6" />

Die Kommunistische Partei Frankreichs vermutete deutsche Hintermänner.<ref name=":6" /> Die Siedler sannen auf Rache. Sétif und die Nachbarorte Guelma und Kherrata waren am 8. Mai 1945 Schauplatz der Massaker von Sétif mit einer nur schwer anzugebenden Anzahl erschossener und hingerichteter Algerier. Schätzungen liegen zwischen 2000 und 45.000. Der militärgeschichtliche Service historique de la Défense in Vincennes bei Paris und gibt als geschätzte Höchstzahl zu, dass die Zahl der von in Milizen organisierten Kolonisten und französischen Militärs getöteten Menschen bei 7000 bis 10.000<ref name=":6" /> liegen könnte. In der heutigen Geschichtsschreibung wird in den Massakern der Ausgangspunkt für den 1954 beginnenden Algerienkrieg gesehen.<ref>Mohamed Harbi: Die Anfänge des Algerienkrieges, 2005 (algeria-watch.org).</ref>

In den 1990er Jahren wurde der Brunnen Ain El Fouara von Islamisten zertrümmert. Sie betrachteten ihn als „haram“ – Sünde. Die Bevölkerung fühlte sich ihrem Brunnen aber verbunden und baute ihn wieder auf. Er ist vor allem bei muslimischen Touristinnen sehr beliebt. Junge Männer inszenieren sich neben der Dame aus Marmor starrend.<ref name=":4">Alice Schwarzer: Meine algerische Familie. Bettina Flitner. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, ISBN 978-3-462-05120-9, Kapitel 15: Reise nach Sétif. Begegnung an der Fontäne, S. 181.</ref>

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Datei:Ain El Fouara.JPG
Ain El Fouara

Das emblematische Wahrzeichen der Stadt ist die Brunnenanlage „Fontaine von Ain Fouara“,<ref name=":2">Daniel Babo: Algérie. In: Sylvain Philip (Hrsg.): Collection Les hommes et les lieux. Éditions le Sureau, Gap 2010, ISBN 978-2-911328-25-1, S. 104 f.</ref> die der französische Bildhauer Francis de Saint-Vidal 1898 fertigstellte. Auch das Ain Droudj<ref name=":2" /> und die al-Atik-Moschee<ref name=":2" /> sind sehenswert. An der Hauptstrasse Avenue 8. Mai 1945 befinden sich historische Arkadengänge mit Art-déco-Elementen.<ref name=":4" /> Das Stade du 8 Mai 1945 wurde 1967 erbaut.

Seit 2018 verfügt Sétif über eine Straßenbahn französischer Prägung.

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Teddy Alzieu: De Bougie à Sétif : à travers la Kabylie. A. Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2004, ISBN 2-84910-148-6.
  • E. Brossard: Essai sur la constitution physique et géologique dei regions méridionales de la subdivision de Sétif (Algérie). Paris 1868.
  • Roger Guéry: La nécropole orientale de Sitifis: fouilles de 1966–1967; (Sétif, Algérie). (= Etudes d’antiquités africaines). Ed. du CNRS, Paris 1985, ISBN 2-222-03478-7.
  • Claude Lützelschwab: Des premiers projets de colonies suisses en Algérie à la „Compagnie genevoise des Colonies suisses de Sétif“. Quelques aspects de la question migratoire en Suisse durant les années 1830–1850, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, Jg. 49, 1999 (Volltext).
  • Boucif Mekhaled: Chroniques d’un massacre : 8 mai 1945; Sétif, Guelma, Kherrata. (= Au nom de la mémoire). Syros, Paris 1995, ISBN 2-84146-200-5.
  • Abdelaziz Zitouni: Contribution à l’étude de l’influence des brise-vent sur les facteurs climatiques et la production céréalière en Algérie: (région des hautes plaines de Sétif). Dissertation, Paris, Université, 1991.

Weblinks

Commons: Sétif – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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