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Świecie

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Świecie ([[[:Vorlage:IPA]]], Vorlage:Audio, kaschubisch Swiecé; deutsch Schwetz an der Weichsel) ist eine Stadt im Powiat Świecki der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen. Die Stadt mit etwa 26.000 Einwohnern ist Sitz des Powiats und der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit etwa 34.100 Einwohnern.

Geographische Lage

Die Stadt liegt im Schwetzer Land an der Einmündung der Wda (Schwarzwasser) in die Weichsel auf einer Höhe von 51 m über dem Meeresspiegel,<ref name="MeyersGaz" /> etwa 40 km nördlich von Bydgoszcz (Bromberg) und 105 km südlich von Danzig.

Geschichte

In älteren Urkunden vorkommende Formen des Ortsnamens sind Zwece, Swiecie und Sweze (1198), Zvece (1209), Swece (1224 und 1239), Swez und Sueze (1238), Swech und Zwez (1253), Szweth (1260), Swetz (1264), Zvece (1267), Suez (1270), Sweze und Sveze (1274), Swecz (1275), Swecze und Swezce (1276), Sueche (1278), Suecze und Swetz (1282), Swetze (1283), Suece (1284), Swieczie (1289), Swecza und Swecze (1292), Svieczie (1293), Svez (1304), Zwethz (1310), Sweyca (1311), Swetza (1379), Swiecze (1493) und Suecza (1545).<ref>Richard Wegner, Hans Maercker: Ein Pommersches Herzogthum und eine Deutsche Ordens-Komthurei. Kulturgeschichte des Schwetzer Kreises, nach archivalischen und anderen Quelle bearbeitet. Band II, Theil II: Spezielle Ortgeschichte. In: Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins, Heft XIX, Danzig 1888, S. 359 (Digitalisat).</ref>

Der Ort soll seine Gründung und seinen Namen schwedischen Emigranten verdanken, die vermutlich am Anfang des 10. Jahrhunderts nach Preußen flüchteten und sich an beiden Ufern der Weichsel als Kolonisten niederließen.<ref name="JFG" /> 1198 wurde hier die Marienkirche geweiht.<ref name="HHS" /> Im 12./13. Jahrhundert war Świecie Zentrum eines pommerellischen Teilfürstentums der Samboriden. Eine Burg bestand hier bereits am Ende des 12. Jahrhunderts als Sitz des pomoranischen Herzogs Grimislaus in strategischer Lage in der Nähe des Flusses Schwarzwasser kurz vor seiner Mündung in die Weichsel.

Im Jahr 1309 kam Schwetz zusammen mit Pommerellen an den Deutschen Orden. 1338 wurde Schwetz zur Stadt nach Kulmer Recht erhoben. 1410 erlitt der Deutsche Orden in der Schlacht bei Tannenberg (Grunwald) eine schwerwiegende Niederlage gegen das vereinte Heer von Polen und Litauen. Da der Orden der folgenden Belagerung der Marienburg aber standhielt, hatte die Niederlage keine territorialen Auswirkungen in Pommerellen. Der Aufstand der preußischen Landstände gegen den Orden 1440 führte zum Ausbruch des Dreizehnjährigen Städtekriegs (1453–1466). Nach dem am 19. Oktober 1466 abgeschlossenen Zweiten Frieden von Thorn kam Schwetz zusammen mit den Städten des Preußischen Bundes an das autonome Preußen Königlichen Anteils, das sich freiwillig der Schirmherrschaft der Krone Polens unterstellt hatte.

Seit der ersten polnischen Teilung 1772 gehörte Schwetz zum Königreich Preußen, wo es bis 1920 verblieb.

Datei:Schwetz 1855.jpg
Schwetz um 1855 (Lithographie)
Datei:Schwetz Westpreußen 1870 Lithographie.jpg
Schwetz um 1870 (Lithographie nach einer Zeichnung von A. Wegner)

Nach einer schweren Überschwemmung im Jahr 1858 wurde die Stadt an eine etwas erhöhte Stelle verlegt. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde durch den Anschluss ans Eisenbahnnetz 1888 entscheidend verbessert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schwetz eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, eine Synagoge, eine Schlossruine, ein ehemaliges Bernhardinerkloster (später als Provinzialirrenanstalt genutzt), ein Gymnasium, eine Präparandenanstalt, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Elektrizitätswerk, ein Amtsgericht und eine Reihe gewerblicher Betriebe.<ref name="MKL" />

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Schwetz aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden.

Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde das Kreisgebiet völkerrechtswidrig vom Deutschen Reich annektiert. Es wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem es bis 1945 gehörte.

Im Herbst 1939 begingen Angehörige der SS und des Selbstschutzes Krankenmorde an 1350 psychisch Kranken.<ref>Volker van der Locht: Der Beginn der „Euthanasie“ im Osten. (PDF) Newsletter der AG Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten; abgerufen am 15. Oktober 2015.</ref>

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. In Schwetz bestand nach Kriegsende ein Internierungslager für deutsche Kriegsgefangene und für Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, das im Frühjahr 1946 aufgelöst wurde.<ref>Siegfried Lenz: Tränen haben keine Nationalität. Deutsche in westpolnischen Lagern 1945–1949. Norderstedt 2007, ISBN 978-3-8334-8082-9, S. 55–57 (eingeschränkte Vorschau).</ref> 1945 bis 1949 wurde die ehemalige Kaserne Schwetz zum Sammellager deutscher Kriegswaisen (Wolfskind (Zweiter Weltkrieg)). Diese Kaserne ist heute Sitz des Landkreises.<ref>Willenborg, Kinder im Schatten des Krieges, S. 67, wvb-Verlag, Berlin, 2024</ref>

Schwetz war seit 1818 Kreisstadt geblieben. Im Jahr 1975 wurde der Powiat Świecki aufgelöst, jedoch durch die Verwaltungsreform in Polen 1999 wieder eingerichtet.

Demographie

Datei:Rynek w swieciu2007.jpg
Rathaus
Datei:Rynek w Świeciu.JPG
Marktplatz
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1773 Vorlage:01630 <ref name="Maerker146">Richard Wegner, Hans Maercker: Ein Pommersches Herzogthum und eine Deutsche Ordens-Komthurei. Kulturgeschichte des Schwetzer Kreises, nach archivalischen und anderen Quellen bearbeitet. Band II, Theil II: Spezielle Ortgeschichte. In: Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins, Heft XVIII, Th. Bertling, Danzig 1880, S. 146 (Digitalisat).</ref>
1785 Vorlage:01705 davon 955 Katholiken, 720 Nichtkatholiken und 30 Juden<ref name="Maerker146" />
1789 Vorlage:01780 davon etwa ein Drittel evangelische Deutsche und zwei Drittel katholische Polen<ref name="JFG">Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen. Marienwerder 1789, S. 72, Nr. 3; Vorlage:Archive.org.</ref>
1802 Vorlage:02340 <ref name="AAM">Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 376–383, Ziffer 668.</ref>
1810 Vorlage:01830 <ref name="AAM" />
1816 Vorlage:02042 davon 856 Evangelische, 1076 Katholiken und 110 Juden<ref name="AAM" />
1821 Vorlage:02077 in 246 Privatwohnhäusern<ref name="AAM" />
1831 Vorlage:02660 <ref name="AEP">August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 386, Nr. 18; Vorlage:Archive.org.</ref>
1837 etwa 3000 <ref>Friedrich Christoph Förster: Statistisch-topographisch-historische Uebersicht des Preußischen Staats. Berlin / Leipzig 1838, S. 96; Vorlage:Archive.org.</ref>
1852 Vorlage:03665 <ref>Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 566; Vorlage:Archive.org.</ref>
1864 4633 davon 1743 Evangelische und 2420 Katholiken<ref>Emil Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868, S. 168–169, Ziffern 356 und 357; Vorlage:Archive.org.</ref>
1871 Vorlage:04958 davon 1900 Evangelische und 2600 Katholiken (1980 Polen)<ref>Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 54–55, Ziffer 9.</ref>
1875 Vorlage:05210 <ref name="VWG" />
1880 Vorlage:05946 <ref name="VWG" />
1890 Vorlage:06716 davon 2734 Protestanten, 3459 Katholiken und 505 Juden<ref name="VWG">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1905 Vorlage:07747 davon 3046 Protestanten und 363 Juden<ref name="HHS">Ernst Bahr: Schwetz. In: Handbuch der historischen Stätten: Ost und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 208–209.</ref><ref name="MKL">Vorlage:Meyers-1905</ref>
1910 8042 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 110 ha;<ref name="MeyersGaz">Schwetz an der Weichsel. In: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Schwetz).</ref> davon 3106 Evangelische, 4412 Katholiken, 320 Juden und 27 Sonstige (4206 mit deutscher, 3605 mit polnischer und kein Einwohner mit kaschubischer Muttersprache, 166 Einwohner sprechen Deutsch und eine andere Sprache)<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft III: Regierungsbezirk Marienwerder, S. 58–59, Ziffer 2: Schwetz</ref>
1931 Vorlage:08730 davon etwa 1100 Deutsche<ref name="GB">Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 17. Leipzig 1934, S. 174.</ref>
1943 11.664 <ref name="HHS" />
Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg
Jahr Einwohner Anmerkungen
2008 25.614 meist Polen
2016 25.974

Sehenswürdigkeiten

Datei:Świecie zamek.jpg
Deutschordensschloss
  • Deutschordensschloss aus dem 14. Jahrhundert
  • Pfarrkirche
  • Befestigungsanlagen
  • Ehemaliges Bernhardiner-Kloster
  • Neogotische St.-Andrzej-Bobola-Kirche
  • Rathaus von 1879
  • Bürgerhäuser

Verkehr

Der Bahnhof Świecie nad Wisłą ist Beginn der größtenteils stillgelegten Bahnstrecke Świecie nad Wisłą–Złotów. Nächster Personenbahnhof ist der Bahnhof Terespol Pomorski, der in der Gemeinde liegt. Dort kreuzt die Strecke nach Złotów die Bahnstrecke Chorzów–Tczew.

Gemeinde

Die Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Świecie umfasst eine Fläche von 174,8 km² und gliedert sich in die Stadt, 13 Dörfer mit Schulzenämtern und weitere kleine Ortschaften. Vorlage:Hauptartikel

Partnerstädte und -gemeinden

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten

Literatur

  • Ernst Bahr: Schwetz. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 208–209.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen. Marienwerder 1789, S. 72, Nr. 3; Vorlage:Archive.org.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 386, Nr. 18; Vorlage:Archive.org.
  • Hugo Rasmus: Schwetz an der Weichsel. Stadt und Kreis. Nicolaus-Copernicus-Verlag, Münster 2001.
  • Richard Wegner, Hans Maercker: Ein Pommersches Herzogthum und eine Deutsche Ordens-Komthurei. Kulturgeschichte des Schwetzer Kreises, nach archivalischen und anderen Quelle bearbeitet.
    • Band I: Theil I und Theil II bis 1466, Louis Türk, Posen 1872 (Digitalisat).
    • Band II: Eine polnische Starostei und ein preussischer Landrathskreis. Geschichte des Schwetzer Kreises 1466–1873. In: Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins, Heft XVII, Th. Bertling, Danzig 1880, S. 1–81 (Digitalisat).
    • Band II, Theil II: Spezielle Ortgeschichte. In: Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins.
      • Heft XVIII, Th. Bertling, Danzig 1880, S. 134–150 (Digitalisat).
      • Heft XIX, Danzig 1888, S. 223–597 (Digitalisat).
  • Schwetz an der Weichsel. In: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Schwetz).
  • Vorlage:MerianTopo

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Normdaten