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Straße des Lebens

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Datei:Leningrad belagert 1941.svg
Belagertes Leningrad im Winter 1941 mit der „Straße des Lebens“ über den Ladogasee

Die Straße des Lebens ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Doroga schisni, was auf Russisch auch die Bezeichnung für die Gegend im Allgemeinen ist) war eine Rettungsstraße über den Ladogasee, über die im Zweiten Weltkrieg das von der Wehrmacht eingeschlossene Leningrad durch die Rote Armee über knapp 900 Tage lang versorgt wurde. Im Sommer erfolgten die Transporte auf dem Seeweg, im Winter auf einer Eisstraße. Die Eisstraße trug offiziell die Bezeichnung Militärische Autostraße Nummer 101. Die Straße ermöglichte neben der Versorgung auch die Evakuierung von bis zu eineinhalb Millionen Menschen,<ref name="dw" /> darunter 300.000 Kinder,<ref name="bund" /> von Kunstwerken und Industrieanlagen.

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Hintergrund

Datei:CaminoDeLaVidaLeningrado.ogv
US-Propagandafilm über die Straße des Lebens, 1943. (englisch)

Im Russlandfeldzug, dem Deutsch-Sowjetischen Krieg des Zweiten Weltkriegs, plante das nationalsozialistische Deutsche Reich die Eroberung Leningrads, Sitz des größten Zentrums der Militär- und Schiffbauindustrie sowie einer Flotte. Der Angriff auf die Stadt begann im August 1941. Am 29. August wurde die letzte Eisenbahnlinie zerstört, die Leningrad mit dem noch nicht besetzten Gebiet verband. Am 8. September eroberten die Deutschen Schlüsselburg und erreichten das Südufer des Ladogasees. Zur gleichen Zeit besetzten finnische Truppen den größten Teil der Karelischen Landenge vom Finnischen Meerbusen bis zum Ladogasee. Leningrad lag unter Blockade und war abgeschnitten.<ref name="museum" /> Die Temperaturen sanken bis −40 °C. In der Stadt gab es keinen Strom und keinen Brennstoff.<ref name="welt">Joachim Heinz: „Der Anblick erfrorener Toter war tägliche Erfahrung“. In: Die Welt. Axel Springer SE, 27. Januar 2019, abgerufen am 8. September 2019.</ref> Tausende Leningrader arbeiteten täglich an Verteidigungsanlagen am Stadtrand. Infolgedessen stabilisierte sich die Front am 18. und 19. September 1941. Den Deutschen gelang es nicht, die Stadt mit einem Schlag einzunehmen. Die neue Strategie bestand aus einer lang anhaltenden Blockade und systematischem Artillerie-Beschuss durch Belagerungshaubitzen sowie Luftangriffen. Für die Leningrader war nun die Verbindung zum Festland, wie sie das unbesetzte Territorium nannten, lebenswichtig.<ref name="museum">Heroische Verteidigung Leningrads 8. August 1941 – 27. Januar 1944 – Героическая оборона Ленинграда 8 августа 1941 г. – 27 января 1944 г. In: Filiale des Museums "Straße des Lebens" – Филиал музея "Дорога Жизни". Zentrales Museum der Seekriegsflotte, St. Petersburg, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Mai 2008; abgerufen am 5. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

„Die Straße des Lebens war die einzige Chance für die nördliche Metropole Russlands [Leningrad]. Dank der Straße des Lebens hat die Stadt überlebt, denn sie hätte unmöglich mit ihren eigenen Ressourcen existieren können.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Kriegshistoriker Alexej Issajew: Sputnik<ref name="sputnik">70 Jahre Straße des Lebens: Leningrads Lebensader. In: Sputnik Deutschland. Rossija Sewodnja, 23. November 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. September 2019; abgerufen am 6. September 2019.</ref>

Anfänge

Die Luftfahrt war für das Ausmaß der benötigten Unterstützung von Leningrad nicht vorbereitet.<ref name="museum" /> Die Stadt benötigte jeden Tag mindestens 1.000 t Lebensmittel, per Flugzeug konnten lediglich 100 t Güter am Tag herbeigeschafft werden.<ref name="sputnik" /> Die wichtigste militärische und zivile Verbindung war demnach der Ladogasee, dessen südwestliche und südöstliche Küste in sowjetischer Hand blieb.<ref name="museum" /> Im September und Oktober 1941 arbeiteten die Sowjets unter Hochdruck an der Infrastruktur der Häfen.<ref name="museum" /> Am Westufer des Sees wurde der Hafen in der kleinen Bucht Ossinowez befestigt, 55 Kilometer von Leningrad entfernt.<ref name="zukunft">Wolf Oschlies: Die Blockade Leningrads – Fakten und Mythen einer russischen Kriegstragödie. Die Blockade Leningrads. In: Zukunft braucht Erinnerung Online. Arbeitskreis Zukunft braucht Erinnerung, Berlin, 2. Mai 2005, abgerufen am 6. September 2019.</ref> Im ungefrorenen Zustand wurde die Strecke über den See erstmals am 12. September 1941 genutzt,<ref name="sputnik" /> als zwei Lastkähne, die vom Ostufer kamen, Getreide und Mehl nach Kap Ossinowez ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) brachten.<ref name="zukunft" /><ref name="sputnik" /> Der Weitertransport nach Leningrad erfolgte per Eisenbahn.<ref name="zukunft" />

Starke Herbststürme erschwerten den Seetransport erheblich.<ref name="zukunft" /> Die Schifffahrt konnte 79 Tage aufrechterhalten werden, bis der Winter einbrach. In dieser Zeit wurden täglich durchschnittlich 760 Tonnen Fracht befördert, darunter Munition und 570 Tonnen Lebensmittel. Es konnten rund 33.500 Leningrader evakuiert werden. Telefon- und Telegrafen-Unterseekabel wurden verlegt. Währenddessen lag das Gebiet kontinuierlich unter deutschem Luftangriff.<ref name="museum" /> Wegen ihrer Lage auf dem offenen See wurden die Schiffe durch Flugabwehrkanonen und Jagdflugzeuge verteidigt. Die Nutzung war durch Artilleriebeschuss und Luftangriffe lebensgefährlich, im Winter zusätzlich durch das brüchige Eis.<ref name="daz" />

Eisstraße

Datei:Провал под лёд на Дороге жизни.jpg
Eingebrochene Fahrzeuge auf der Eisstraße

Mit dem Zufrieren des Ladogasees musste der Schiffsverkehr eingestellt werden. Auf einen Befehl vom 19. November 1941 hin wurde die Errichtung einer Straße über den See angeordnet, für einen Güterumschlag von 4.000 Tonnen täglich.<ref name="museum" /> In der Geschichte der russischen Armee kam es häufig vor, dass Truppen und Güter auf Eisstraßen transportiert wurden.<ref name="sputnik" /> Als erster Leiter der Straße wurde Militäringenieur W. G. Monachow ernannt. Die Straße verlief vom Kap Ossinowez ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) am westlichen Ufer über die Insel Selenezy ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) in Richtung des Dorfes Kobona ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Sie lag ungefähr 25 km vor der vom Feind besetzten Küste entfernt und war rund dreißig Kilometer lang.<ref name="museum" /> Wissenschaftler und Fischer planten die Eisstraße gemeinsam. Ein Aufklärungstrupp auf Skiern markierte die mögliche Route. Dünne Eisschichten wurden mit Baumstämmen überbrückt, behindernde Eisblöcke aufgebrochen.<ref name="dw">Die Straße des Lebens: 70 Jahre danach. In: DW Online. Deutsche Welle, Bonn, abgerufen am 8. September 2019.</ref>

Die Straße erhielt die offizielle Bezeichnung Militärstraße 101, wurde aber vom Volk mutmaßlich Straße des Lebens genannt.<ref name="museum" /> Der Kulturwissenschaftler Dmitrij Lichatschow schrieb in seinen Memoiren hingegen:

„Die Straße über das Eis wurde Straße des Todes genannt. Und nicht Straße des Lebens, wie sie unsere Schriftsteller später schönfärberisch bezeichneten.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Dmitrij Lichatschow: Memoiren<ref name="funk">Robert Baag: Als die Blockade von Leningrad begann. Zweiter Weltkrieg. In: Deutschlandfunk. Deutschlandradio, Körperschaft des öffentlichen Rechts, 8. September 2016, abgerufen am 8. September 2019.</ref>

Winter 1941/1942

Am 20. November 1941 erreichte die Eisdicke 180 mm<ref name="zukunft" /> und die ersten Pferdeschlitten befuhren die Straße.<ref name="museum" /> Mehrere der ausgehungerten Tiere verendeten auf dem Weg.<ref name="dw" /> Am nächsten Tag fuhr bereits das erste Auto über das Eis.<ref name="museum" /> Am selben Tag befuhr ein Konvoi aus 60 Lastern die Eisstraße.<ref name="sputnik" /> Die Liefermenge steigerte sich allmählich. Am 23. November konnten nur 19 t Lebensmittel transportiert werden, weil pro Laster, wegen des brüchigen Eises, nur bis zu drei Säcke geladen werden konnten. Später hängte man Schlitten an die Lastwagen, wodurch sich das Gewicht auf dem Eis besser verteilte. Während am 25. November 70 t Lebensmittel transportiert werden konnten, waren es durch den zunehmenden Frost einen Monat später bereits 800 t.<ref name="zukunft" />

Die Bedingungen für die Fahrer waren lebensgefährlich.<ref name="sputnik" /> Die Fahrer, darunter auch viele junge Frauen,<ref name="dw" /> fuhren nachts manchmal sogar ohne Licht, wegen der deutschen Flugzeuge. Sie fuhren mit offenen Türen und Fenstern, nach Gehör.<ref name="bund" /> Eine andere Quelle berichtet, die Türen wurden ganz aus den Fahrzeugen entfernt, damit die Fahrer sich im Falle eines Eiseinbruchs schnell retten konnten.<ref>Anastasia Karagodina: Qual der Blockade: Erinnerung an die Belagerung von Leningrad. In: Russia Beyond. 26. Januar 2019, abgerufen am 7. September 2019.</ref> Um nicht einzuschlafen, hängten sich Fahrer scheppernde Kochtöpfe in den Fahrerraum.<ref name="dw" /> Das Eis war brüchig und mehrmals musste nach einer neuen Route gesucht werden. Hunderte von Soldaten kontrollierten laufend den Zustand des Eises. Ende November setzten Frost und Winterstürme ein. Die Fahrer durften nicht anhalten, da sonst das Kühlwasser eingefroren wäre.<ref name="sputnik" /> Im ersten Kriegswinter gingen 1.000 Lastwagen durch Eisbrüche unter.<ref name="daz" /> Die Fahrer standen unter besonderer Kontrolle. Trotzdem kam es vor, dass sie aus den Säcken Lebensmittel entwendeten. Das kam selten heraus, weil die Säcke nur nach Anzahl, nicht auf Gewicht geprüft wurden. Als Strafe drohte das Kriegsgericht, was im Allgemeinen die Todesstrafe bedeutete.<ref name="zukunft" />

Datei:Памятник "Полуторка" в деревне Кобона..jpg
LKW-Modell GAZ-AA als Denkmal in Kobona am Ladogasee

Im selben Monat eroberten deutsche Truppen Tichwin und versuchten, den Fluss Sjas und die Ostküste des Ladogasees zu erreichen, um den letzten Faden zu durchtrennen, der die Stadt mit dem Festland verband. Die Not in der besetzten Stadt wuchs. Es gab nurmehr kleine Brotrationen zu essen. Die Fahrer der Eisstraße hatten einen Wettbewerb gestartet, um täglich die doppelte Transportrate zu erreichen.<ref name="museum" /> Manche Fahrer machten zwei, einige sogar drei Fahrten am Tag.<ref name="sputnik" /> Am verbreitetsten unter den Fahrzeugen waren die Modelle ZIS-5, GAZ-AA und Lastwagen des Herstellers JaAZ. Die Lastwagen brachten nachts Lebensmittel, militärische Ausrüstung und Material in die Stadt. Zurück ging es mit Verwundeten und vor allem Kindern.<ref name="bund">Hermann Krause: „Straße des Lebens“ führt über das Eis. Blockade von Leningrad endete vor 75 Jahren. In: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Online. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Kassel, 19. Februar 2019, abgerufen am 7. September 2019.</ref> Die Transporter fuhren rund um die Uhr, gleichzeitig stand die Straße rund um die Uhr unter Beschuss.<ref name="museum" /> Allein in der ersten Woche verlor die Rote Armee 52 Lastwagen. Bis zum 6. Dezember waren es schon 126 und ganze 327 Stück bis zum 1. Februar 1942.<ref name="sputnik" /> Entlang der Strecke wurden "Eiskrankenhäuser" für Erfrierungen, Verletzungen und Hungergeplagte eingerichtet.<ref name="museum" />

Auf dem Eis wurden zwei Verteidigungslinien mit Feuerstellungen und Schanzen<ref name="sputnik" /> errichtet, ungefähr acht bis zwölf Kilometer vor der Küste. Die Straße wurde von dem 284. Schützenregiment, der 1. Division des NKWD, der 23. Armee und ab 1942<ref name="sputnik" /> zusätzlich von der 4. Marine-Brigade verteidigt.<ref name="museum" /> Am westlichen Ufer waren die Leningrader Luftabwehrkräfte und am östlichen die Fliegerkräfte der Baltischen Flotte konzentriert.<ref name="sputnik" /> Die Luftverteidigung wurde von 10 Flugabwehrabteilungen gesichert, der 39. Jagdfliegerdivision, dem 123. Jagdfliegerregiment und dem 5. und 13. Jagdfliegerregiment der Baltischen Flotte.<ref name="museum" /> Es wurden leichte Flugabwehrkanonen eingesetzt, da schwere durch die Eisdecke einbrechen würden. Die Waffen waren schachbrettartig auf beiden Seiten der Straße aufgestellt. Am 1. Januar waren auf dem Eis 14 Stück 37-Millimeter-Waffen und 40 Maschinengewehre stationiert. Auf deutscher Seite wurden Hunderte Landminen und Tausende Splitterminen verlegt. Im Winter unternahm die Wehrmacht keine Land-, sondern nur Luftangriffe auf die Eisstraße.<ref name="sputnik" /> Den Messerschmitts Bf 109 des Deutschen Reichs standen veraltete russische Jäger Typ Polikarpow I-16 und Polikarpow I-153 gegenüber.<ref name="museum" /> Die russische Armee konnte ihre Schlagkraft durch über die Rettungsstraße hereingebrachte Truppen in der Stärke von 267.000 Mann<ref name="museum" /> verstärken. Es wurden fünf Schützendivisionen sowie eine Panzerbrigade nach Leningrad geschickt.<ref name="sputnik" />

Anfang April 1942 begann der Schnee zu schmelzen und auf dem Eis stand das Tauwasser bis zu 40 cm hoch. Der Verkehr lief trotzdem weiter, solange es möglich war.<ref name="zukunft" /> Im ersten Winter konnte die Straße bis zum 24. April 1942 an insgesamt 152 Tagen für Transporte genutzt werden. Im Durchschnitt wurden 2.375 t pro Tag befördert, 70 Prozent davon waren Lebensmittel. Die Versorgung von Truppen und Bevölkerung wurde verbessert. Es konnten sogar kleine Rücklagen an Lebensmitteln angelegt werden. Das Militär wurde unter anderem mit Munition, Artillerie-Geschützen und Panzern versorgt. 514.000 Leningrader und 35.000 verwundete Soldaten wurden gleichzeitig aus der belagerten Stadt über den zugefrorenen See evakuiert.<ref name="museum" />

1942

Datei:RIAN archive 397 Cutters carrying foodstuffs to besieged Leningrad on Ladoga Lake.jpg
Kutter transportieren Lebensmittel über die Rettungsstraße ins belagerte Leningrad, September 1942

Am 20. Mai 1942 wurde die Schifffahrt wieder aufgenommen, am 28. Mai dann ein geregelter Frachttransport. Eingesetzt wurden 68 See- und Flussschlepper sowie eine Flotte von 69 Barkassen. Während des Winters waren in den Werften Leningrads unterschiedliche Schiffstypen gebaut worden, zum Beispiel 115 Tender, Boote mit einer Verdrängung von 15 bis 25 t und 14 Lastkähne mit einer Tragfähigkeit von 600 t. Gleichwohl nicht nur für den Transport, auch für die Verteidigung wurden Wasserfahrzeuge eingesetzt, so zum Beispiel Kanonenboote und Minensuchboote. Für die Front und die Baltische Flotte wurde durch den See eine Pipeline für Schmier- und Treibstoff verlegt. Das war ein bis dahin einzigartiges hydraulisches Bauprojekt. Obendrein fertigten Leningrader Arbeiter ein 120 Kilometer langes Dreiphasenstromkabel, wodurch die Stadt fortan Strom vom Festland beziehen konnte.<ref name="museum" /> Brotfabriken konnten zeitweilig arbeiten.<ref name="bund" />

Wegen des Wintereinbruchs musste der Schiffsverkehr am 25. November 1942 wieder eingestellt werden. Bis dahin waren 703.300 t Fracht befördert und 528.400 Menschen evakuiert worden.<ref name="museum" />

Winter 1942/1943

Datei:RIAN archive 310 Foodstuffs for Leningrad.jpg
Lebensmittel werden vom Schiff auf die Eisenbahn umgeladen

Ein erfolgreicher Schlag gegen die deutsche Flotte ermöglichte den Versuch, die Blockade der Stadt zu durchbrechen. Es wurde eine neue Eisroute erstellt, was durch regelmäßiges Auftreten von Rissen im Eis erschwert wurde. Erst am 20. Dezember konnte in diesem Jahr die Straße mit Schlitten genutzt werden, ab Heiligabend 1942 dann auch von schweren Fahrzeugen. Um die Transportkapazität noch weiter zu erhöhen, begann man mit dem Bau einer 30 Kilometer langen Eisenbahnstrecke auf dem Eis.<ref name="museum" /> Auch im Winter 1942 verließen wieder viele Menschen die belagerte Stadt über die Straße, sodass insgesamt etwa 1,3 Mio. Menschen evakuiert werden konnten.

1943

Datei:In the spring on the "Road of Life" on Lake Ladoga.jpg
Frühling auf der Straße des Lebens, das Eis beginnt zu schmelzen, April 1943

Ab 12. Januar 1943 versuchte die Rote Armee mit der Operation Iskra die Belagerung Leningrads erneut zu sprengen, nachdem ein vorheriger Versuch im September 1942 gescheitert war (→ Sinjawinsker Operation). Im Ergebnis dieses Angriffs gelang es bis zum 18. Januar 1943, am Südufer des Ladoga-Sees einen wenige Kilometer schmalen Zugang zur Stadt zu öffnen. Durch ihn legte man eine behelfsmäßige Eisenbahntrasse. Da sie jedoch noch immer im Wirkungsbereich der deutschen Artillerie lag und es zudem keine befestigten Straßen in dem Gebiet gab, musste auch weiterhin auf die Straße über den See zurückgegriffen werden. Die Stadt wurde bis zum 30. März 1943 über die Eisstraße und die Eisenbahn versorgt, ab 4. April dann mithilfe von Militärschiffen.<ref name="museum" /> Die Deutschen hielten in der Nähe von Leningrad eine stark befestigte Verteidigungslinie, die als uneinnehmbar angesehen wurde.<ref name="museum" /> Erst mit der Leningrad-Nowgoroder Operation (14. Januar – 1. März 1944) gelang der Roten Armee die endgültige Freikämpfung aller Verkehrswege nach Leningrad. Die Blockade kostete über eine Million Menschen das Leben.<ref name="bund" /><ref name="daz">Sobir Pulatov: Straße des Lebens und des Todes. In: Deutsche Allgemeine Zeitung Online. GmbH Deutsche Allgemeine Zeitung – Asia, Kasachstan, 29. September 2016, abgerufen am 7. September 2019.</ref>

„Während der Blockade sind mehr Menschen ums Leben gekommen, als in allen Städten im Zweiten Weltkrieg weltweit, einschließlich Hamburg, Dresden, Hiroshima, Nagasaki oder Coventry.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Historiker Lew Lurie: <ref name="bund" />

Gedenken

Datei:Broken ring memorial.jpg
Skulptur „Aufgebrochener Ring“ am Beginn der Rettungsstraße

Heute erinnern zahlreiche Denkmäler entlang des Ladogasees an die Straße des Lebens. Der Beginn der Rettungsstraße wird durch die monumentale Skulptur „Aufgebrochener Ring“ von 1966<ref name="lidenz">Florian Kreuzer: Die Straße des Lebens – Дорога жизни. In: Liden & Denz Online. Liden & Denz, 10. Mai 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. September 2020; abgerufen am 7. September 2019.</ref> markiert. Das Mahnmal besteht aus zwei sieben Meter hohen Stahlbetonbögen. Die Bögen symbolisieren den Belagerungsring, die Kluft zwischen den Bögen die Straße des Lebens. Abgebildete Fahrzeugspuren laufen in den See. Im Zentrum brennt eine ewige Flamme. Eine echte Flugabwehrkanone, wie sie zur Verteidigung der Straße eingesetzt wurde, ist neben dem Denkmal positioniert.<ref name="lidenz" /> Auf einer Steintafel am Fuße der Gedenkstätte findet sich folgendes Gedicht von Bronislaw Adol’fovich Kezhun:

<poem lang="ru" style="margin-left:2em; float:left;"> Потомок, знай: в суровые года, Верны народу, долгу и Отчизне, Через торосы ладожского льда Отсюда мы вели дорогу Жизни, Чтоб жизнь не умирала никогда. </poem> <poem style="margin-left:2em; float:left;"> Nachkomme, wisse: in den harten Jahren, Treu dem Volk, der Pflicht und dem Vaterland, Durch die Eisbänke der Ladoga Von hier aus bauten wir die Straße des Lebens, Damit das Leben niemals stirbt. </poem>

Am Ende der Straße, direkt am Seeufer der ehemaligen Landestelle, befindet sich ein Museum. Das Museum ist eine Zweigstelle des Zentralen Museums der Seekriegsflotte. Es wurde am 12. September 1972 zum 31. Jahrestag des Beginns der militärischen Schifffahrt über den Ladogasee eröffnet.<ref name="museum" />

Am 27. Januar, dem Tag der Befreiung, finden in St. Petersburg generell eher stille Gedenkveranstaltungen statt. 2019 hingegen fand eine Militärparade mit Präsident Putin statt.<ref name="bund" />

Galerie

Weblinks

Commons: Road of Life – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Jörg Ganzenmüller: Doroga schisni: Leningrads Lebensader im Zweiten Weltkrieg. In: Karl Schlögel, Frithjof Benjamin Schenk, Markus Ackeret (Hrsg.): Sankt Petersburg: Schauplätze einer Stadtgeschichte. Campus-Verlag, Frankfurt am Main / New York 2007, ISBN 3-593-38321-7, S. 175–189.

Einzelnachweise

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