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Stift Niedermünster

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Datei:Banner of the Holy Roman Emperor with haloes (1400-1806).svg
Territorium im Heiligen Römischen Reich
Reichsstift Niedermünster
Wappen
Datei:Kupferstich - Regensburg - Wappen Niedermünster - 1780.jpg Datei:DEU Stift Niedermuenster COA.svg

Wappen des Reichstiftes (links: Kupferstich von 1780, rechts: kolorierte Fassung)

Karte
Datei:Stadtplan von Regensburg-7.jpg
Lage des Stifts in der Stadt Regensburg auf einem Stadtplan-Ausschnitt von 1700 (Niedermünster am linken Rand, westlich des Doms)
Lage im Reichskreis
Datei:Map - Special Collections University of Amsterdam - OTM- HB-KZL 31-35-01.tif (Karte des Bayerischen Reichskreises nach 1696; Regensburg an der Donau in der oberen Kartenmitte im größten rosa unterlegten Feld)
Alternativnamen adeliges Damenstift; gefürstete Reichsabtei, Stift, Abtei
Entstanden aus bayerischem Eigenstift; mittelalterlicher Reichsabtei
Herrschaftsform Wahlmonarchie
Herrscher/
Regierung
Reichsäbtissin; Fürstäbtissin
Heutige Region/en DE-BY
Reichstag Reichsfürstenrat: 1 Kuriatsstimme auf der Rheinischen Prälatenbank
Reichsmatrikel 2 Rösser, 18 Fußsoldaten, 90 Gulden (1521); 1 zu Ross, 3 zu Fuß oder 24 Gulden (1663); 1 zu Ross, 3 zu Fuß oder 24 Gulden, „ist 1683 den 7 May mit 14 fl. moderirt und gelassen worden, bey“ 10 Gulden (18. Jh.)
Reichskreis Bayerischer Reichskreis
Kreistag Kreisstandschaft: 4 zu Ross, 36 zu Fuß (1532)
Hauptstädte/
Residenzen
Regensburg, Niedermünster
Dynastien Agilolfinger (Grablege)
Konfession/
Religionen
römisch-katholisch
Sprache/n Deutsch, Lateinisch
Aufgegangen in Fürstentum Regensburg (1802/03); Königreich Bayern (1810)
Siehe auch Bistum Regensburg

Das Stift Niedermünster unweit des Regensburger Doms ist wie das ebenfalls in der Zeit der Karolinger entstandene Stift Obermünster ein ehemaliges Kanonissenstift in Regensburg und war als Reichsabtei Niedermünster im Bayerischen Reichskreis vertreten.

Lage

Das Stift Niedermünster liegt in der heutigen Regensburger Altstadt in der Niedermünstergasse 6, etwas nördlich vom Alten Kornmarkt, nahe dem Regensburger Dom und der ehemaligen Dompfarrkirche St. Ulrich. Nicht weit entfernt ist der ebenfalls in dieser Zeit entstandene sogenannte 28 m hohe Römerturm, der ebenfalls in der Zeit der Karolinger erbaut wurde und als Zufluchtsort bei Gefahr, oder als Schatzkammer, Münzstätte oder Archiv gedient haben könnte.<ref name="Bau">Karl Bauer: Regensburg Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 60.</ref>

Geschichte

Vom Klosterstift zur Reichsabtei

Das Maria Himmelfahrt und dem St. hl. Erhard geweihte Stift wurde vom letzten baierischen Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger. Tassilo III. vor seiner Abdankung im Jahr 788 gegründet und wurde 889 erstmals erwähnt.

Die Agilolfinger hatten am Ende des 6. Jahrhunderts das von den Römern verlassene Legionslager Castra Regina als Hauptstadt gewählt. Im nordöstlichen Bereich des Legionslagers, dem heutigen Areal des Alten Kornmarktes, fanden sich geeignete Gebäude, die man als Residenz ausbauen konnte und die von den mächtigen Mauern des ehemaligen Legionslagers geschützt und von Brunnen mit Wasser versorgt wurden. Nördlich anschließend an die Residenz wurden nach 700 n. Chr. zwei römische Profangebäude überbaut mit einer steinernen Herzogskirche als Saalkirche mit Rechteckchor. Diese Kirche war die erste Bischofskirche in Regensburg und entstand anlässlich der Grablege des heiligen Erhards in einer Grabstätte an der Nordwand, die bis heute in ihrer Lage unverändert blieb.<ref>Peter Morsbach: Regensburger Kirchen. Friedrich Pustet, Regensburg 1990, ISBN 3-7917-1253-5, S. 74.</ref>

Zusätzlich entstanden Gebäude für ein Frauenstift, das sich zu einem der wichtigsten Frauenstifte des Heiligen Römischen Reichs entwickelte. Zur Zeit von Karl dem Großen entstand um 800 eine neue, wesentlich größere Kirche, die dem gegründeten Frauenstift als Stiftskirche dienen sollte. Auch diese Kirche war eine Saalkirche mit Rechteckchor und mit einem westlichen Vorbau in der Art einer Vorkirche. Unter Herzog Heinrich I von Bayern und seiner Ehefrau Judith entstand von 922 bis 955 die zweite Damenstiftskirche, deren Fertigstellung der Herzog aber nicht mehr erlebte. Herzog Heinrich wurde, wie später (985) auch seine Ehefrau Judith vor den Stufen des Hochaltars beigesetzt.

Nach dem Tod ihres Ehemannes führte Judith den Kirchenbau zum Ende. Die neue Kirche hatte die Ausmaße der heutigen Kirche und zeugte als dreischiffige Pfeilerbasilika mit Ostquerhaus und drei Apsiden von der engen Beziehung zwischen dem bayerischen Herzogtum und dem Damenstift.<ref>Peter Morsbach: Regensburger Kirchen. Friedrich Pustet, Regensburg 1990, ISBN 3-7917-1253-5, S. 76.</ref> Dementsprechend machte Judith dem Damenstift reiche Zuwendungen, trat 973 selbst in das Stift ein und stand dem Stift bis zu ihrem Tode 987 als Äbtissin vor. Sie gilt damit als die eigentliche Gründerin des Stifts Niedermünster. Die Grabungsbefunde im Untergeschoss der Kirche lassen erkennen, dass alle vier Kirchbauten, einschließlich der heutigen Kirche in ihren Abmessungen und Gestaltungen zwar verschieden sind, dass jedoch die Fluchtlinie der Nordmauer beibehalten wurde, bedingt durch das in der Mauer verankerte und mit einem römischen Sarkophagdeckel bedeckte Grab des hl. Erhard, das durch Aufmauerung mit Bruchsteinen auf das erheblich angestiegene Bodenniveau angehoben wurde. Der antike Sarkophag des hl Erhard befindet sich weiterhin am ursprünglichen Standort, mehrere Meter tief unter dem Bodenniveau des Kirchenschiffs. Er wurde erst 1963 zusammen mit weiteren bayerischen Herzogsgräbern und mit den Fundamenten des römischen Legionslagers Castra Regina entdeckt und im Rahmen des document niedermünster zugänglich gemacht.<ref name="Bau61">Karl Bauer: Regensburg Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 61 f.</ref>

Das Stift wurde 1002 durch Heinrich II. als Reichsabtei Niedermünster zum Reichsstift erhoben. Im 11. Jahrhundert erlebte das Stift zudem eine kulturelle Blüte, die sich noch heute an zahlreichen erhaltenen Kunstwerken wie dem Giselakreuz und dem Uta-Codex ermessen lässt. Als Reichsabtei musste Niedermünster einen Beitrag zur Versorgung des Kaisers bei seiner Anwesenheit in Regensburg in Form eines servitium regis leisten. Dieses betrug bis 1073 die Ablieferung von 60 Schweinen. Aufgrund der Intervention der Äbtissin Gertrud reduzierte Kaiser Heinrich IV. diese als drückend empfundene Abgabe auf 40 Schweine; im weiteren Verlauf wurde diese Naturalabgabe in eine Geldzahlung von 10 Pfund Regensburger Pfennig umgewandelt und 1218 durch König Friedrich II. völlig erlassen.<ref>Peter Schmid: Von der Herzogskirche zum kaiserlichen Reichsstift. In Ratisbona sacra: Das Bistum Regensburg im Mittelalter. Ausstellung anlässlich des 1250jährigen Jubiläums der kanonischen Errichtung des Bistums Regensburg durch Bonifatius, 739–1989; Diözesanmuseum Obermünster, Regensburg, 2. Juni bis 1. Okt. 1989. Schnell & Steiner, München 1989, S. 143–144. ISBN 3-7954-0647-1.</ref>

Die Reichsunmittelbarkeit des Stifts wurde 1216 durch Friedrich II. bestätigt und die jeweilige Äbtissin hatte Sitz und Stimme auf der Prälatenbank des Reichstages. Die Entwicklung bis zur Säkularisation 1803 verlief ohne besondere Höhepunkte in ruhigen Bahnen. 1802 wurde das Klosterstift der Administration des Fürstentums Regensburg, regiert von Karl Theodor von Dalberg unterstellt und mit Auflösung des Fürstentums 1810 in das Königreich Bayern eingegliedert und säkularisiert.<ref>Alois Schmid. Regensburg. Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 60, München 1995, S. 236</ref><ref>Max Spindler (Hg.): Geschichte der Oberpfalz. Handbuch der Geschichte Bayerns, Bd. III/3, München 1995, S. 284</ref> Nach 1821 diente das Stift als bischöfliche Residenz und als Ordinariat. Die Kirche wurde zur Dompfarrkirche.<ref>Peter Morsbach: Regensburger Kirchen. Friedrich Pustet, Regensburg 1990, ISBN 3-7917-1253-5, S. 76.</ref>

Nach der Säkularisation

Ab 1820 wurde das Stift teilweise vermietet. 1821 bekam der Bischof Räume als Wohnung zugewiesen, auch das Ordinariat wurde in Räume des ehemaligen Stifts verlegt.

Äbtissinnen von Niedermünster

  • Hiltigard 889/91<ref>Maria Hasdenteufel: Das Salzburger Erentrudis-Kloster und die Agilolfinger. 2019, S. 13, doi:10.7767/miog.1985.93.12.1.</ref><ref name=":1">Alexandra Risse: Niedermünster in Regensburg. Eine Frauenkommunität in Mittelalter und Früher Neuzeit. Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte, Regensburg 2014, S. 260 f.</ref>
  • (Wildrade 900–928)
  • (Tutta I. 928–942)
  • (Himetrade 942–vor 974)
  • Judith von Bayern 974–986/7<ref name=":1" />
  • (Richenza 990–994?)
  • Uta I. vor 990–1025<ref name=":1" /><ref>RI II,4 n. 1520, in: Regesta Imperii Online,

URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1002-11-20_2_0_2_4_1_102_1520

(Abgerufen am 4. Januar 2024).</ref><ref>RI II,4 n. 1616, in: Regesta Imperii Online,

URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1006-06-10_2_0_2_4_1_284_1616

(Abgerufen am 4. Januar 2024).</ref><ref>RIplus URH 1 n. 75, in: Regesta Imperii Online,

URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a83fc378-31d0-444e-95a0-7054988389ba

(Abgerufen am 4. Januar 2024).</ref><ref>RI III,1 n. 31, in: Regesta Imperii Online,

URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1025-05-10_1_0_3_1_0_73_31

(Abgerufen am 4. Januar 2024).</ref>

  • Kunigunde<ref name=":0">Katrinette Bodarwé: Immer Ärger mit den Stiftsdamen. In: Eva Schlotheuber, Helmut Flachenecker, Ingrid Gardill (Hrsg.): Nonnen, Kanonissen und Mystikerinnen. Religiöse Frauengemeinschaften in Süddeutschland. Studien zur Germania Sacra, Nr. 31. Göttingen 2008, S. 91.</ref> nach 1025–vor 1040<ref name=":1" />
  • Eilka I. vor 1040 –nach 1054<ref name=":1" /><ref name=":0" />
  • Gertrud I. belegt 1073<ref name=":1" /><ref>RI III,2,3 n. 665, in: Regesta Imperii Online,

URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1073-10-27_2_0_3_2_3_665_665

(Abgerufen am 4. Januar 2024)</ref>

  • Mathilde I. 1074<ref name=":0" />–vor 1088<ref name=":1" />
  • Eilka II. von Schweinfurt nach 1088<ref name=":1" />/1089<ref name=":0" />
  • Uda II. (von Marburg/Marburg) 1089–1103<ref name=":0" />
  • Richiza I., secunda fundatrix ?1100<ref name=":1" />
  • Kunigunde II. von Kirchberg vor 1175–1177<ref name=":1" />
  • Tuta I. um 1180<ref name=":1" />
  • Richiza II. von Zollingen um 1200<ref name=":1" />
  • Perhta um 1200<ref name=":1" />
  • Tuta II. ca. 1215–1218<ref name=":1" /><ref>RIplus URH 2 n. 104, in: Regesta Imperii Online,

URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a1b3d828-9318-4f7e-a764-82494d70d712

(Abgerufen am 3. Januar 2024)</ref>

  • Anna II. von Kirmreuth 1569–1598<ref name=":1" />
  • Catharina II. Scheuflin 1598–1605<ref name=":1" />
  • Eva von Urhausen 1605–1616<ref name=":1" />
  • Anna Maria von Salis 1616–1652<ref name=":1" />
  • Maria Margarethe von Sigertshofen 1652–1674<ref name=":1" />
  • Maria Theresia von Muggenthal 1675–1693<ref name=":1" />
  • Regina Recordin von Neun und Hamberg 1693–1697<ref name=":1" />
  • Johanna Franziska Sibylla von Muggenthal 1697–1723<ref name=":1" />
  • Maria Katharina Helene, Gräfin von Aham-Neuhaus 1723–1757<ref name=":1" />
  • Maria Anna Katharina Freifrau von Dücker-Haslau 1757–1768<ref name=":1" />
  • Maria Febronia Elisabeth Spätt von Zwifalten 1769–1789<ref name=":1" />
  • Maria Franziska Xaveria Josepha, Gräfin von Königfeld 1789–1793<ref name=":1" />
  • Maria Violanta, Freifrau von Lerchenfeld-Premberg 1793–1801<ref name=":1" />
  • Maria Helena, Gräfin von Freien-Seiboltsdorf 1801–1815<ref name=":1" />

Bauwerke

Profangebäude

Unter der Niedermünsterkirche befindet sich das document niedermünster, das in fotorealistischen, dreidimensionalen Rekonstruktionen den Originalbefund des römischen Regensburg mit dem Lager der Legio III Italica, den ersten sakral genutzten Bau aus römischem Steinmaterial, die Kirchenbauten der Karolingerzeit sowie der Ottonik, die Herzogsgräber und die Grabstelle des Heiligen Erhard im Vergleich mit dem realen Gang durch die Ausgrabungen zeigt.

Sakralgebäude

Die Niedermünsterkirche wurde 1152 nach dem Brand eines vermutlich bereits um 700 zu Zeiten von Herzog Theodo II. bestehenden Kirchengebäudes im romanischen Stil neu errichtet. Seit 1821 wird sie als Dompfarrkirche genutzt.

Literatur

  • Anke Borgmeyer, Achim Hubel, Andreas Tillmann, Angelika Wellnhofer: Stadt Regensburg, Denkmäler in Bayern. Band III.37, Regensburg 1997, S. 406–416, ISBN 3-927529-92-3.
  • Claudia Märtl: Die Damenstifte Obermünster, Niedermünster, St. Paul. In Peter Schmid (Hrsg.): Geschichte der Stadt Regensburg, Bd. 2, Friedrich Pustet, Regensburg 2000, S. 745–763, ISBN 3-7917-1682-4.
  • Heinz Wolfgang Schlaich: Das Ende der Regensburger Reichsstifte St. Emmeram, Ober- und Niedermünster (VHVO 97) 1956, S. 163–376.
  • Max Spindler (Hg.): Geschichte der Oberpfalz. Handbuch der Geschichte Bayerns. Bd. III/3, München 1995, S. 271–286.

Weblinks

Commons: Stift Niedermünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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