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Steinschmückel

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Steinschmückel
Datei:Petrocallis pyrenaica 002.JPG

Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Petrocallis
Art: Steinschmückel
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Petrocallis
W.T.Aiton
Wissenschaftlicher Name der Art
Petrocallis pyrenaica
(L.) R.Br.

Der Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica), auch Pyrenäen-Steinschmückel<ref name="FloraWeb" /> genannt, ist die einzige Art der Pflanzengattung Petrocallis innerhalb der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie gedeiht in den europäischen Gebirgen den Pyrenäen, den Alpen und den Karpaten.

Beschreibung

Datei:Petrocallis pyrenaica Atlas Alpenflora.jpg
Illustration aus Atlas der Alpenflora
Datei:Petrocallis pyrenaica MHNT.BOT.2016.24.66.jpg
Petrocallis pyrenaica - Museum von Toulouse

Vegetative Merkmale

Der Steinschmückel ist eine ausdauernde krautige Pflanze und bildet ein 2 bis 8 Zentimeter hohes so genanntes »Hohlkugelkissen«, eine Sonderform des Polsterwuchses. Ein holziges Stämmchen steckt in Felsspalten oder Geröll, von dort gehen strahlig angeordnete, bis zu 12 Zentimeter lange, wurzelnde Äste aus. Die harte „Rinde“ bietet ausgezeichneten Schutz gegen Winddürre, Sand- und Schneegebläse. Das Innere des Hohlkissens<ref name="Markgraf1958" /> kann Feuchtigkeit speichern. Gestauchte Partien mit rosettigen Blättern und gestreckte Partien wechseln sich ab. Die Blattscheiden bleiben nach dem Verwittern erhalten, so dass das Polster außen von einer dichten Rinde bedeckt wird, innen aber hohl, von dünnen Stämmchen durchzogen ist.

Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter sind bei einer Länge von 4 bis 8 Millimetern keilförmig. Sie sind drei- bis fünfgeteilt und am Rand bewimpert.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die Blüten stehen gedrängt in einem doppeltraubigen Blütenstand zusammen. Die zwittrigen Blüten besitzen eine doppelte Blütenhüllte. Der hautrandige Kelch ist rötlich. Die vier freien, rosa- bis lilafarbenen oder hellvioletten Kronblätter sind mit einer Länge von 4 bis 5 Millimetern eiförmig und etwa doppelt so lang wie der Kelch.

Die kahlen Schötchen sind elliptisch.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="IPCN" />

Vorkommen und Gefährdung

Datei:Petrocallis pyrenaica PID1870-1.jpg
Steinschmückel am Špik

Der Steinschmückel kommt in den Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien, der Slowakei und Kroatien vor. Beispielsweise ist der Steinschmückel in den nördlichen und südlichen Kalkalpen sowie in den Pyrenäen verbreitet. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Nunatakker-Pflanze, deshalb fehlt sie in den damals vergletscherten Tälern der Zentralalpen. Sie kommt in Deutschland nur sehr lokal und selten in hochgelegenen Standorten in den Alpen vor und es gibt adventive Einzelfunde in anderen Gebieten Deutschlands.<ref name="FvD_Datenbank" />

Die ausgesprochene hochalpine Pflanzenart ist kalk- und felsenstet und wächst in Höhenlagen von 1700 bis 3400 Metern.<ref name="Markgraf1958" /> Die Höhe von 3400 Metern erreicht sie am Furggengrat am Matterhorn.<ref name="Markgraf1958" /> Sie ist eine Charakterart des Verbands Potentillion caulescentis, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Thlasion rotundifolii oder im Caricetum firmae des Verbands Seslerion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 1 (sehr nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Sie wird 1996 in Deutschland nicht als gefährdet angesehen.<ref name="FloraWeb" /> Sie ist in Bayern nach der Roten Liste Bayern 2003 in Kategorie 3 = „gefährdet“ eingeordnet und gilt dort als selten.<ref name="FvD_Datenbank" /><ref name="BIB" /> Nur die wild lebende Populationen sind nach Bundesnaturschutzgesetz in Deutschland seit 1980 streng bzw. besonders geschützt.<ref name="WISIA" /> Diese sehr seltene Pflanzenart ist in Österreich geschützt. Sie wird in der Schweiz als „Near Threatened“ = „potenziell gefährdet“ bewertet.<ref name="InfoFlora" />

Ökologie

Das holzige Stämmchen teilt sich allseits in verzweigte Äste, deren Jahrestriebe mit einer Blattrosette abschließen.<ref name="Markgraf1958" /> So entsteht ein stockwerkartiger Wuchs. Die Blattrosetten aufeinanderfolgender Jahre stehen also übereinander. Die toten Blattrosetten bedecken noch eine Zeitlang den Zweig, zuletzt bleiben noch die Fasern der Blattscheiden erhalten.<ref name="Markgraf1958" /> Dadurch wird das ganze Polster am Rand gut abgeschlossen.<ref name="Markgraf1958" /> Im Innern verlaufen dann die Zweige wie in einem Hohlraum.<ref name="Markgraf1958" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Draba pyrenaica durch Carl von Linné. Die Gattung Petrocallis wurde 1812 durch William Townsend Aiton aufgestellt. Die Neukombination zu Petrocallis pyrenaica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) R.Br. wurde 1812 durch Robert Brown veröffentlicht.<ref name="Tropicos" /> Das Artepitheton pyrenaica bedeutet „aus den Pyrenäen“.

Literatur

  • Jacob Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen ...Petrocallis pyrenaica R. Br. Pyrenäisches Steinschmückel, Nürnberg, 1797–1862: Eingescannte Seite.
  • Hermann Wagner: Illustrierte deutsche Flora, Verlag Hoffmann, 1831: Steinschmückel Petrocallis auf S. 68 in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 455.</ref> <ref name="Tropicos"> Petrocallis pyrenaica bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="IPCN"> Petrocallis pyrenaica bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="FvD_Datenbank"> Michael Hassler, Bernd Schmitt: Datenblatt bei Flora von Deutschland - Eine Bilder-Datenbank, Version 3.40.</ref> <ref name="FloraWeb"> Petrocallis pyrenaica (L.) R. Br., Pyrenäen-Steinschmückel. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="WISIA">Datenblatt bei WISIA des BfN. Abgerufen am 31. Dezember 2024.</ref> <ref name="InfoFlora"> Petrocallis pyrenaica (L.) R. Br. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="BIB"> Vorlage:BIB</ref> <ref name="Markgraf1958">Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Seite 327–329. Verlag Carl Hanser, München 1958.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien