Simeon I. (Bulgarien)
Simeon I., auch Simeon der Große genannt (oder Symeon) ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=bg|SCRIPTING=Cyrl|SERVICE=bulgarisch}}/Simeon I. Weliki; * 864 in Pliska; † 27. Mai 927 im Preslaw), war von 893 bis 913 Knjaz und von 913 bis 927 Zar des Bulgarischen Reichs. Seine Regierungszeit gilt allgemein als ein Glanzpunkt der bulgarischen Geschichte und wird heute als das „Goldene Zeitalter“ der bulgarischen Machtentfaltung gesehen.
Leben
Junge Jahre und Thronbesteigung
Simeon war der dritte Sohn von Boris I., dem ersten christlichen Herrscher Bulgariens mit seiner Frau Maria. Simeon wuchs in Konstantinopel auf, wo er am Hofe der byzantinischen Kaiser eine hohe Ausbildung genoss. Er studierte Theologie und weltliche Philosophie, weswegen er von Zeitgenossen „Halbgrieche“ genannt wurde, an der berühmten Universität von Konstantinopel. Die Studien schloss er 886 ab.<ref name="Fine/John">Fine/John: The Early Medieval Balkans: A Critical Survey from the Sixth to the Late Twelfth Century.</ref><ref name="Warren Treadgold" /> Danach kehrte er nach Bulgarien zurück und trat als Mönch in das Pantelejmon-Kloster nahe Preslaw ein, wo er sich literarischen Tätigkeiten widmete.
Simeon folgte 893 seinem Bruder Wladimir Rassate, der auf dem von Knjaz Boris einberufenen Volkskonzil von Pliska abgesetzt wurde, auf dem Thron nach.<ref>C. Jireček: Geschichte der Bulgaren: […]Symeon (893-927) Boris Sohn ist der bedeutendste aller Beherrscher des Bulgarenvolks.</ref><ref name="Kirchenlexikon">{{#if: Klaus-Peter Todt|Klaus-Peter Todt: }}SYMEON, Zar und bedeutendster Herrscher des ersten bulgarischen Reiches. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL){{#if:11|. Band 11, Bautz, {{#switch:11 |1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:345-350|, Sp. {{#iferror:{{#expr:345-350}}|345-350|{{#expr:1*345-350*0}}–{{#expr:-(0*345-350*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070629140734/http://www.bautz.de/bbkl/s/s4/symeon_z_v_b.shtml%7C}}.{{#if: 11 | |{{#ifeq:||}}}}</ref>
Erster „Handelskrieg“ mit Byzanz
Mit Simeons Thronbesteigung fand der lange andauernde Frieden mit Byzanz ein Ende. Der unmittelbare Anlass, eine Handelsfrage, war eine für jene Zeit seltene Erscheinung.<ref name="Fine/John" /><ref name="Warren Treadgold">Warren Treadgold: A History of the Byzantine State and Society</ref><ref name="Constantin Jireček">C. Jireček: Geschichte der Bulgaren</ref><ref>Einige Historiker werten diesen Krieg als einen der ersten Handelskriege.</ref> 893 übergab der byzantinische Kaiser Leo VI., auf Betreiben seines Schwiegervaters Stylianos Zautzes, das Handelsmonopol mit Bulgarien an zwei griechische Kaufleute. Daraufhin verlegten die Kaufleute, ohne Rücksprache mit den Bulgaren, den Markt für bulgarische Importwaren von Konstantinopel nach Thessaloniki. Zusätzlich wurden die bulgarischen Händler durch höhere Zölle belastet.<ref name="Fine/John" /><ref name="Warren Treadgold" />
Als die friedlichen Mittel zur Beseitigung dieses Zustandes nicht ausreichten, griff Simeon 894 die überraschten Byzantiner an. Das schnell versammelte byzantinische Heer, geführt von dem Strategen Krinites, wurde in Makedonien geschlagen.<ref name="Warren Treadgold" /> Da der Krieg ohne Vorbereitungen ausbrach, zog sich Simeon zurück. Für den weiteren Verlauf der Kampfhandlungen konnten die Byzantiner die Magyaren unter Árpád als Verbündete im Kampf gegen Simeon gewinnen.<ref name="Constantin Jireček" /> Die byzantinische Flotte ermöglichte ihnen den Übergang über die Donau und gemeinsam mit dem byzantinischen Heer, das in Thrakien einmarschierte, nahmen sie 895 Simeon in die Zange. Simeon, der nur auf einen Einmarsch im Süden vorbereitet war, ersuchte schließlich um Frieden.<ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Constantin Jireček" /><ref name="LexMA918">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if:
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Nach dem Abzug der Byzantiner und noch während der Friedensverhandlungen wandte sich Simeon dem Norden zu. Als die Magyaren zu dieser Zeit in Pannonien kämpften, verbündete sich der bulgarische Zar 896 mit den an der Dnister lebenden Petschenegen und schlug jene vernichtend. Nach der Niederlage verließen die Magyaren für immer ihre Gebiete in Bessarabien und zogen weiter in Richtung Westen, wo sie sich im oberen Theiß-Gebiet niederließen und somit vorläufig keine Bedrohung mehr für das bulgarische Reich darstellten.<ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Constantin Jireček" />
Nachdem die magyarische Gefahr abgewehrt wurde, konzentrierte Simeon I. im Sommer 896 die bulgarischen Truppen in Thrakien. Noch im selben Jahr schlug er die Byzantiner bei Bulgarophygon (heute Babaeski), unweit von Andrianopel und eroberte Nordthessalien, den Epirus und weite Teile des heutigen Makedoniens. Die Byzantiner, die wegen des Vorstoßes der Araber im Osten wieder in einer schwierigen Lage geraten waren, verpflichteten sich wieder jährlichen Tribut an die Bulgaren zu zahlen und weitere Gebiete am Schwarzen Meer, Epirus und Südthessalien abzutreten.<ref name="Fine/John" /><ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Constantin Jireček" /> Die Bulgaren stiegen zur „meistprivilegierten Wirtschaftsnation“<ref name="Fine/John" /> auf, alle wirtschaftliche Restriktionen wurden aufgehoben und der bulgarische Markt wurde nach Konstantinopel zurück verlagert. Dieser Friedensvertrag galt bis 913, mit einer Ausnahme 904.<ref name="Fine/John" /> Als Ort der Übergabe des byzantinischen Tributes wurde Debeltos vereinbart.<ref>Peter Soustal: Thrakien (Thrake, Rhodope und Haimimontos) (= Tabula Imperii Byzantini. Band 6). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1991, ISBN 3-7001-1898-8, S. 89.</ref>
Im Zuge dieser Auseinandersetzungen zwischen Bulgarien und Byzanz war Serbien eher Byzanz zugeneigt. Doch in den innenpolitischen Kämpfen um den serbischen Thron unterstützte Simeon Petar Gojniković, was zu einem zwanzigjährigen (897–917) Frieden führte. Als sich der serbische Zupan jedoch Byzanz zuwandte, griff Simeon mit einem Heer in Serbien ein und setzte ihn durch Pavle Branović ab.<ref name="Fine/John" /><ref name="Constantin Jireček" /> In dieser Zeit kam Serbien unter bulgarische Oberhoheit.
Nach der Plünderung von Thessaloniki durch die Araber 904 sah Simeon die Möglichkeit, die Stadt dem Bulgarischen Reich einzugliedern. Die Byzantiner konnten jedoch die Stadt durch höheren Tribut freikaufen. Weiter gaben die Byzantiner territorialen Ansprüchen Simeons nach, womit die Grenze zwischen beiden Ländern nur ca. 20 km von Thessaloniki entfernt war.<ref name="Fine/John" /><ref name="Kirchenlexikon" /> Die folgenden Friedensjahre nutzte Simeon zum Ausbau seiner Residenzstadt Preslaw und zur Förderung der gerade aufblühenden kirchenslawischen Literatur.
Zweiter Krieg mit Byzanz und Kaiserkrönung
Im Mai 912 starb der byzantinische Kaiser Leo VI. Sein Nachfolger wurde Kaiser Alexander. Als die bulgarischen Gesandten in Konstantinopel eintrafen, um den Frieden von 896 zu erneuern und die jährlichen Tributzahlungen einzufordern, verweigerte Alexander dieses und löste damit einen neuen, insgesamt fünfzehn Jahre währenden Krieg aus.<ref name="Fine/John" /><ref name="Constantin Jireček" /> Diesmal zog Simeon mit dem Ziel in den Krieg, Byzanz zu vernichten, die oströmische Kaiserkrone zu erwerben und somit die Hegemonie über die östlichen Christen zu übernehmen.<ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Döpmann" /> Er trat in Verhandlungen mit Kaiser Konstantin VII. und wurde in Konstantinopel von dem Patriarchen Nikolaus I. empfangen. Er bekam die kaiserliche Krone, wurde jedoch nur als „Basileus (Kaiser) von Bulgarien“ anerkannt.<ref name="Fine/John" /> 914/15 eroberte Simeon die byzantinischen Provinzen Makedonien (die ostthrakische Region um Andrianopel), Thessalonica und Durazzo.<ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Döpmann" />
Obwohl die Byzantiner die Serben zum Kampf gegen Simeon gewonnen hatten, mussten sie ihn nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht von Anchialos am Schwarzen Meer am 20. August 917 um Frieden bitten.<ref name="Constantin Jireček" /><ref name="LexMA919">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if:
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}} (hier Sp. 919)</ref> Simeon wies die Bitte zurück und erklärte sich darauf – dem Kaisertitel entsprechend – zum „Zaren (gr. Basileus)<ref name="Podskalsky" /> der Bulgaren und Rhomäer“ (=Römer, wie sich die byzantinischen Griechen selbst nannten).<ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Constantin Jireček" /><ref name="Andreas Ranft">Andreas Ranft: Der Hoftag in Quedlinburg 973: Von den historischen Wurzeln zum neuen Europa, Akademie Verlag, 2006, S. 39–40</ref> 918/919, proklamierte Simeon die Unabhängigkeit (Autokephalie) der bulgarisch-orthodoxen Kirche und erhob sie zur Patriarchalkirche.<ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Döpmann">Döpmann, 2006, S. 23 – S. 35.</ref> 918 unternahm Simeon einen großangelegten Feldzug in die nord- und mittelgriechischen Reichsgebiete und erreichte dabei den Golf von Korinth. Da die Eroberung Konstantinopels ohne Kriegsflotte unmöglich war, verbündete sich Simeon sogar mit dem Fatimiden-Kalifen Abdallah al-Mahdi.<ref name="Warren Treadgold" /><ref name="Constantin Jireček" />
In der darauf folgenden Zeit griffen die Serben das bulgarische Reich an und verwickelten Simeon in einen langwierigen Krieg, der 924 zur Eingliederung Serbiens in das bulgarische Reich als Provinz führte. Da ein Teil der serbische Bevölkerung im benachbarten Kroatien Zuflucht suchte, folgte ein zweijähriger bulgarisch-kroatischer Krieg, der durch die Vermittlung von Papst Johannes X. unterbrochen wurde. Die wiederaufgenommenen Kontakte zum Papst brachten eine erneute Annäherung Bulgariens an die römische Kirche. Als eine päpstliche Gesandtschaft im Sommer 927 in Preslaw eintraf, um Simeon I. als Kaiser zu krönen und die Unabhängigkeit der bulgarischen Kirche anzuerkennen, war jedoch Simeon bereits gestorben.<ref name="LexMA Symeon">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if:
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Simeon I. starb aufgrund eines Herzinfarktes am 27. Mai 927, während er eine erneute Belagerung Konstantinopels vorbereitete. Der Überlieferung zufolge war die Nachricht, dass seine Truppen gegen die Kroaten unter König Tomislav in der Schlacht unterlegen waren, die Ursache für den Herzinfarkt.
Während der Herrschaft von Simeon I. erreichte das Erste Bulgarische Reich den Höhepunkt seiner Entfaltung, was Simeon den Beinamen der Große einbrachte. Es umfasste ganz Moesien, den größten Teil von Thrakien und Serbien, einen Teil der adriatischen Küste, Thessalien, Sirmium, die Walachei und Transsilvanien. Simeon marschierte mehrmals vor die Tore Konstantinopels, konnte die Stadt aber nie einnehmen. Unterstützung erhielten die Bulgaren während der Kämpfe von den Petschenegen, während sich die Ungarn und die Kroaten mit Byzanz verbündeten.<ref name="Constantin Jireček" /><ref name="Döpmann" />
Simeon hatte aus seiner ersten Ehe mit Kubera einen Sohn Michael. Seine zweite Gemahlin Miriam, eine Schwester des Bojaren Kawkhan Georgi Sursuvul, hatte ihm weitere drei Söhne geboren, nämlich Peter, Iwan und Bojan (oder Benjamin). Die Gründe, wieso Simeon seinen erstgeborenen Sohn von der Thronfolge ausschloss und ihn ins Kloster steckte, sind unbekannt. Noch vor seinem Tod bestimmte Simeon den jüngeren Petar I. zu seinem Nachfolger, unter der anfänglichen Regentschaft des Bojaren Georgi Sursuvul.<ref name="Constantin Jireček" />
Vier Monate nach dem Tod Simeons, am 8. Oktober 927, unter seinem Sohn Zar Petar I., erkannte schließlich auch Byzanz den kaiserlichen Titel des Zaren und die Autokephalie in Gestalt des Patriarchats an.<ref name="Podskalsky">Podskalsky:Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien 815-1459</ref> Des Weiteren verpflichteten sich die Byzantiner, den Bulgaren Tribut zu zahlen.<ref name="LexMA919 mit Zitat">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if:
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- Siehe auch: Liste der Herrscher von Bulgarien
Kultur und Religion
893 rief Knjaz Boris, Vater von Simeon, das Volkskonzil von Pliska ein. Um die Lösung des neu christianisierten Staates von den heidnischen Wurzeln zu festigen, wurde auf dem Konzil die Verlegung der Hauptstadt von Pliska nach Preslaw, sowie die Einführung des Altkirchenslawischen (auch als Altbulgarisch bekannt) als Amtssprache des bulgarischen Reiches beschlossen.<ref name="Fine/John" /><ref name="LexMA918" /><ref name="Sigrun Comati: Bulgarische Landeskunde" /> In diesem Zusammenhang ernannte Zar Simeon 893 den in Bulgarien tätigen Slawenapostel Kliment von Ohrid „[…] zum ersten Bischof »bulgarischer Sprache«“.<ref name="Podskalsky" />
Simeon I. verlegte die Hauptstadt von Bulgarien nach Weliki Preslaw, baute sie aus und errichtete zahlreiche Kirchen und Klöster.<ref name="Podskalsky" /> In der neuen Reichsmetropole errichtete Simeon I. die bekannte Schule von Preslaw und etablierte sie als viertes geistliches und kulturelles Zentrum Bulgariens, neben den von seinem Vater Boris erbauten Schulen von Devol (886), Pliska (886) und Ohrid (893), in denen weitere Schüler der Slawenapostel Kyrill und Method tätig waren.<ref name="Sigrun Comati: Bulgarische Landeskunde">Sigrun Comati: Bulgarische Landeskunde</ref> Die Schule von Preslaw mit ihren Schriftstellern, Philosophen und Geographen hatte jedoch ein solches kulturelles Gewicht, dass sie den Wettbewerb mit Konstantinopel nicht scheuen brauchte.<ref>Gerhard Ecker: Bulgarien. Kunstdenkmäler aus vier Jahrtausenden von den Thrakern bis zur Gegenwart, DuMont Buchverlag, Köln, 1984, S. 65</ref>
In dieser Zeit ging man in Bulgarien zu einem neuen, geeigneten, dem kyrillischen Alphabet<ref name="Döpmann" /> über, das vorwiegend auf Elementen der griechischen Unzialschrift beruhte. Obwohl kyrillisch bezeichnet, dürfte es weder von Kyrill, noch wie manche meinten, von Kliment von Ohrid stammen.<ref name="Döpmann" /> Zumindest erfuhr es seine erste Verbreitung durch den Priester Konstantin von Preslaw und die Schule von Preslaw.<ref name="Döpmann" /> In dieser Zeit fällt auch die literarische Tätigkeit der Mönche Joan Exarch, Tudor Doks, Presbyter Kosma und Mönch Chrabr.<ref name="Fine/John" /><ref name="Döpmann" />
Auf Simeon geht der aus griechischen Quellen übersetzte Sammelband Zlatostruj („Goldstrom“) zurück, der den mittelalterlichen Bildungsstand nicht nur in Bulgarien, sondern auch in der Kiewer Rus, wohin der Band später gelangte, nachhaltig prägte. Nach seiner Anregung wurden auch weitere griechische, meist enzyklopädische und theologische Werke bearbeitet oder ins Altbulgarische übersetzt.<ref name="Fine/John" /><ref name="LexMA918" /><ref name="Döpmann" />
Seine Regierungszeit wurde später das „Goldene Zeitalter“.<ref name="Döpmann" /><ref name="LexMA918 mit Zitat">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if:
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}}
}}
}}</ref> Auch die berühmte bemalte Preslawer Keramik entstand.<ref name="Fine/John" />
Bei der Gründung des Ersten Bulgarischen Reiches hatten sich die ethnisch so unterschiedlichen Slawen und Protobulgaren in einem Staat zusammengeschlossen.<ref name="Döpmann" /> Unter Simeon wurde auf der Basis des kyrillischen Alphabets im Jahre 923 das Slawische zur offiziellen Staats- und Kirchensprache erklärt. Somit wurde das kirchenslawische Schrifttum, neben dem Christentum zum entscheidenden Moment des endgültigen Zusammenwachsens beider Völker. Darüber hinaus verbreitete und entwickelte sich das kyrillische Alphabet zur Grundlage des ganzen weiteren Schrifttums bei den orthodoxen Süd- und Ostslawen.<ref name="Döpmann" /> Simeon führte als erster Herrscher den Titel Zar unter den slawischen Monarchien ein.<ref name="Fine/John" /><ref name="Constantin Jireček" />
Simeon I. ist Namensgeber für den Simeon Peak auf der Livingston-Insel in der Antarktis.
Literatur
- Sigrun Comati: Bulgarische Landeskunde. Helmut Buske, Hamburg 2003, ISBN 3-87548-327-8.
- Hans-Dieter Döpmann: Kirche in Bulgarien von den Anfängen bis zur Gegenwart. Biblion, München 2006, ISBN 3-932331-90-7
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}} (insbesondere Sp. 918).
- John V. A. Fine, Jr.: The Early Medieval Balkans: A Critical Survey from the Sixth to the Late Twelfth Century. University of Michigan Press, Ann Arbor 1991, ISBN 978-0-472-08149-3, S. 137–157.
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}}
- Hans-Joachim Härtel, Roland Schönfeld: Bulgarien. Friedrich Puste, Regensburg 1998, ISBN 3-7917-1540-2, S. 45
- Edgar Hösch / Karl Nehring / Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2004, ISBN 3-205-77193-1.
- Constantin Jireček: Geschichte der Bulgaren. Tempsky, Prag 1876 (Nachdruck: Olms, Hildesheim/New York NY 1977, ISBN 3-487-06408-1).
- Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Thomas Pratsch, Beate Zielke, Harald Bichlmeier, Bettina Krönung, Daniel Föller, Alexander Beihammer, Günter Prinzing: Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit. 2. Abteilung: (867–1025). Band 6: Sinko (#27089) – Zuhayr (#28522). Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-020635-7, S. 188–202 Nr. 27467.
- Gerhard Podskalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien 815-1459. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45024-5.
- {{#if: Klaus-Peter Todt|Klaus-Peter Todt: }}SYMEON. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL){{#if:11|. Band 11, Bautz, {{#switch:11
|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:345-350|, Sp. {{#iferror:{{#expr:345-350}}|345-350|{{#expr:1*345-350*0}}–{{#expr:-(0*345-350*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070629140734/http://www.bautz.de/bbkl/s/s4/symeon_z_v_b.shtml%7C}}.{{#if: 11 | |{{#ifeq:||}}}}
- Warren Treadgold: A History of the Byzantine State and Society. Stanford University Press, Stanford CA 1997, ISBN 0-8047-2630-2.
Weblinks
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