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Ohrlöffel-Leimkraut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Silene otites)

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Ohrlöffel-Leimkraut
Datei:Silene otites 2002-05-11 Radobyl CZ.jpg

Ohrlöffel-Leimkraut (Silene otites)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Unterfamilie: Caryophylloideae
Tribus: Sileneae
Gattung: Leimkräuter (Silene)
Art: Ohrlöffel-Leimkraut
Wissenschaftlicher Name
Silene otites
(L.) Wibel

Das Ohrlöffel-Leimkraut<ref name="FloraWeb" /> (Silene otites) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Leimkräuter (Silene) innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Sie ist in Eurasien weitverbreitet.

Beschreibung

Datei:Silene otites bethisy-saint-martin 60 18062008 3.jpg
Stängel und Laubblätter
Datei:Silene otites — Flora Batava — Volume v8.jpg
Illustration
Datei:Silene otites s. lat. sl22.jpg
Blüten
Datei:Silene otites s. lat. sl14.jpg
Kapselfrüchte mit Samen

Vegetative Merkmale

Das Ohrlöffel-Leimkraut wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 60 (bis 120) Zentimetern.<ref name="MeuselWerner1979" /> Der Stängel ist kurz behaart und im oberen Bereich drüsig klebrig. Die Laubblätter sind in grundständigen Rosetten angeordnet. Die grundständigen Blätter sind spatelförmig und lang gestielt; sie sind dicht kurzhaarig.<ref name="MeuselWerner1979" /> Die Stängelblätter sind kurz gestielt. Die Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 8 Zentimetern spatelig-lanzettlich.

Generative Merkmale

Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Oktober, hauptsächlich von Juni bis Juli. Das Ohrlöffel-Leimkraut ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), männliche Exemplare sollen häufiger sein als weibliche. Der traubige oder ährige Blütenstand enthält viele Blüten. Er besteht aus einem schmalen Thyrsus mit drei- bis sieben-blütigen Teilblütenständen, deren Blüten dicht gebüschelt stehen.<ref name="MeuselWerner1979" /> Der Blütenstiel ist kahl. Die eingeschlechtigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der kahle Kelch ist 4 bis 6 Millimeter lang, keulig-glockig bis trichterförmig und fünfzähnig. Die fünf einfachen Kronblätter sind 3 bis 4 Millimeter lang, zungenförmig und gelb-grün.<ref name="MeuselWerner1979" /> Es sind drei freie Griffel, jedoch keine Nebenkrone, vorhanden.

Die Kapselfrucht ist bei einer Länge von 3,5 bis 6 Millimetern eiförmig und sechszähnig. Das Karpophor ist sehr kurz. Die Samen sind nierenförmig, flach gefurcht und haben einen Durchmesser von 0,6 bis 1,1 Millimetern.<ref name="MeuselWerner1979" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Das Ohrlöffel-Leimkraut ist eine Rosettenpflanze. Die in der Nacht duftenden Blüten, locken als Bestäuber kleine Schmetterlinge und Stechmücken an.<ref name="MeuselWerner1979" />

Vorkommen und Gefährdung

Das Verbreitungsgebiet des Ohrlöffel-Leimkrauts erstreckt sich von Italien, Frankreich und Dänemark durch Osteuropa bis Zentralasien. In Mitteleuropa hat es seine Verbreitungsgrenze. Es kommt in Europa in folgenden Ländern vor: Spanien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Schweiz, Italien, Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, Bulgarien und Türkei.<ref name="Euro+Med" />

Das Ohrlöffel-Leimkraut braucht steinige flachgründige Lehm- oder Sandböden, die humos locker und eher trocken sein sollten. Es ist wärmebedürftig und kommt deshalb vorwiegend in Gegenden vor, in denen die Sommer verhältnismäßig warm und trocken sind, aber auch dort ist es sehr selten. Es besiedelt in Mitteleuropa Trockenrasen, trockene Sandflächen und steinige Hänge im Tiefland östlich der Elbe, in den Mittelgebirgen und in trockenen Bereichen der Zentralalpentäler. Es ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Festucetalia valesiacae, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Koelerio-Phleion, Xerobromion oder auf Küstendünen des Verbands Koelerion glaucae vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

In Österreich tritt das Ohrlöffel-Leimkraut im pannonischen Gebiet zerstreut, im sonstigen Gebiet selten auf Trockenrasen in der collinen bis submontanen Höhenstufe auf. Die Abgrenzung und Verbreitung der zwei auftretenden Unterarten Silene otites subsp. otites und subsp. hungarica ist noch unzureichend erforscht. Die Vorkommen erstrecken sich auf die Bundesländer Wien, das Burgenland, Niederösterreich und vermutlich die Steiermark. In Österreich gilt das Ohrlöffel-Leimkraut als „gefährdet“, im nördlichen Alpenvorland und im Alpengebiet als „stark gefährdet“.<ref name="EfÖLS2008"/> In der Schweiz gilt diese Art als „potentiell gefährdet“.<ref name="InfoFlora" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik und Verbreitung

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Cucubalus otites durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 415. Die Neukombination zu Silene otites <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Wibel wurde 1799 durch August Wilhelm Eberhard Christoph Wibel in Primitiae Florae Werthemensis, Seite 241 veröffentlicht.<ref name="Euro+Med" />

Unterarten und ihre Verbreitung

Je nach Autor gibt es mehrere Unterarten:<ref name="Euro+Med" />

  • Silene otites <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Wibel subsp. otites: Sie kommt von Europa bis zum nördlichen Iran vor. In Europa kommt sie in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Portugal, Irland, Island, Belgien, Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Belarus und in der Ukraine.<ref name="Euro+Med" />
  • Silene otites subsp. baldaccii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rohlena) Zi. Pavletić: Sie kommt im Gebiet des früheren Jugoslawien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Silene otites subsp. colpophylla <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wrigley) J.-M.Tison (Syn.: Silene colpophylla <templatestyles src="Person/styles.css" />Wrigley): Diese Neukombination erfolgte 2021 und diese Unterart kommt im südöstlichen Frankreich vor.<ref name="Boudrie-Tison20.21">Michel Boudrie, Alain Fridlender, J.-M. Tison, Sylvain Abdulhak, Jérémie Es, Errol Véla: Combinaisons nouvelles requises dans la seconde édition de Flora Gallica In: Evaxiana, Volume 8, Januar 2021, S. 223.</ref>
  • Silene otites subsp. hungarica <templatestyles src="Person/styles.css" />Wrigley: Sie kommt in Italien, Ungarn, Polen, Rumänien, in der Slowakei und möglicherweise auch in Österreich vor.<ref name="Euro+Med" />

Bilder

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="FloraWeb"> Silene otites (L.) Wibel, Ohrlöffel-Leimkraut. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Silene otites (L.) Wibel In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="EfÖLS2008"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 363. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011: Caryophyllaceae. Datenblatt Silene otites In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="MeuselWerner1979">Gustav Hegi et al. 1979: Silene. In: .</ref> </references>

Weblinks

Commons: Ohrlöffel-Leimkraut (Silene otites) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien