Heilwurz
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| Heilwurz | ||||||||||||
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| Datei:Seseli libanotis eF.jpg
Heilwurz (Seseli libanotis) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Seseli libanotis | ||||||||||||
| (L.) W.D.J.Koch |
Die Heilwurz (Seseli libanotis), genauer Berg-Heilwurz<ref name="FloraWeb" /> genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Bergfenchel (Seseli) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie ist in Eurasien und Nordafrika weitverbreitet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Heilwurz ist eine sommergrüne, zwei- bis mehrjährige (bis zu 8 Jahre) krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 120 Zentimetern<ref name="FloraWeb" /> selten bis zu 1,5 Metern. Sie entwickelt aus ihrer lang spindelförmigen bis fingerdicken Grundachse bis zur Blütenreife nur grundständige Laubblätter, die später als abgestorbene Reste einen Faserschopf bilden.<ref name="Thellung1965" /> Das Pflanzenexemplar stirbt nach der Samenbildung ab. Die oberirdischen vegetativen Pflanzenteile sind kahl. Der starr aufrechte, mit Mark gefüllte,<ref name="Thellung1965" /> reich verzweigte, scharfkantig gefurchte<ref name="FloraWeb" /> Stängel ist nur unterhalb der Blütenstände etwas behaart.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die grau-grünen Blattspreiten sind einfach bis doppelt oder dreifach gefiedert,<ref name="FloraWeb" /> die Fiederabschnitte eiförmig-lanzettlich, am Grunde keilförmig verschmälert und mit stachelspitzigem oberen Ende.<ref name="FloraWeb" /> Das unterste Fiederpaar kreuzt sich nahe der Blattrhachis.<ref name="FloraWeb" /> Die unteren Blätter sind gestielt mit einem auf der Oberseite rinnigen Stiel; die oberen sind auf der hautrandigen, an der Spitze kurz öhrchenförmig vorgezogenen Blattscheide sitzend.<ref name="Thellung1965" />
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der gewölbte doppeldoldige Blütenstand enthält 20 bis 40 Döldchen.<ref name="FloraWeb" /> Die Doldenstrahlen der Döldchen sind wie die Blütenstiele mehr oder weniger dicht abstehend bewimpert. Die jeweils zahlreichen Hüllblätter und Hüllchenblätter sind lanzettlich pfriemlich bis linealisch-pfriemlich und nicht verwachsen.<ref name="FloraWeb" />
Die zwittrigen Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle. Die Kelchblätter sind bis zu 1 Millimeter lang und am Rand bewimpert. Die Kelchzähne fallen zur Fruchtreife ab.<ref name="Thellung1965" /> Die Kronblätter sind weiß, etwa 1 Millimeter lang und kahl oder am Rücken spärlich borstig.<ref name="Thellung1965" /> Die Griffel sind bis 1,5 Millimeter lang und mehrmals länger als das niedrige Griffelpolster.<ref name="Thellung1965" />
Die gerippte Frucht ist bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern etwa doppelt so lang wie breit sowie eiförmig und dicht mit abstehenden kurzen Haaren (Trichome) besetzt.<ref name="FloraWeb" />
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 11; es gibt mehr als eine Ploidiestufe und ermittelte Chromosomenzahlen sind 2n = 22 oder 44.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Bei der Heilwurz handelt es sich um einen Hemikryptophyten.<ref name="FloraWeb" />
Es erfolgt Bestäubung durch Insekten oder Selbstbestäubung.<ref name="FloraWeb" />
Die Heilwurz ist plurienn-hapaxanth, d. h. die Pflanzenexemplare sterben nach der Fruchtreife ab.<ref name="FloraWeb" /> Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch den Wind oder Klettausbreitung.<ref name="FloraWeb" />
Pflanzengallen an der Heilwurz entstehen durch Jaapiella dittrichii, Kiefferia pimpinellae und eine Trioza-Art. Pilze, die auf der Heilwurz parasitieren sind Helotium herbarum, Leptosphaeria libanotis, Lophiostoma indisiosum, Mycosphaerella eryngii, Pleospora vulgaris, Puccinia bullata und Pyrenophora phaeocomoides.<ref name="Thellung1965" />
Vorkommen
Die Heilwurz ist in Eurasien von Spanien bis Sibirien und dem Iran und in Marokko weit verbreitet. In Europa kommt sie von Südeuropa (Spanien, Italien, Balkanhalbinsel) nordwärts bis zum südöstlichen England, dem südlichen Norwegen und dem Ostseegebiet vor.
Die Heilwurz kommt in Deutschland sehr zerstreut bis selten im mittleren und südlichen Teil des Gebiets vor. Selten ist sie auch im Ostseegebiet anzutreffen.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2w (mäßig trocken mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Seseli libanotis wächst in Deutschland in thermophilen Staudengesellschaften. Sie gedeiht am besten auf sonnigen bis schwach beschatteten, mäßig trockenen, kalkhaltigen, basischen Böden. Sie ist pflanzensoziologisch eine Charakterart des Verbands Geranion sanguinei.<ref name="Oberdorfer2001" />
Seseli libanotis scheint ganz außerordentlich unter Tritt zu leiden. Vielleicht ist dies mit dem einmaligen Blühen und mit der in diesem Zusammenhang notwendigen Verjüngung durch Sämlinge zusammenhängend. An häufiger von beispielsweise Kletterern begangenen Felsflächen fehlt die Heilwurz.
Systematik
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Athamanta libanotis durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 244. Die Neukombination zu Seseli libanotis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) W.D.J.Koch wurde 1824 durch Wilhelm Daniel Joseph Koch in Nova Acta Physico-Medica Academiae Caesareae Leopoldino-Carolinae Naturae Curiosorum Exhibentia Ephemerides sive Observationes Historias et Experimenta ... Band 12 (1), S. 111 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Seseli libanotis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) W.D.J.Koch sind: Athamanta sibirica <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Crithmum pyrenaicum <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Libanotis daucifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Scop.) Rchb., Libanotis intermedia <templatestyles src="Person/styles.css" />Rupr., Libanotis montana <templatestyles src="Person/styles.css" />Crantz, Libanotis pyrenaica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Bourg., Seseli sibiricum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Garcke, Libanotis montana subsp. leiocarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Heuff.) Soó und Seseli libanotis subsp. atlanticum <templatestyles src="Person/styles.css" />Maire.<ref name="Euro+Med" />
In der Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol von 2008 gibt zwei Unterarten,<ref name="EfÖLS2008"/> bei anderen Autoren<ref name="Euro+Med" /> sind es Synonyme:
- Seseli libanotis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) W.D.J.Koch subsp. libanotis: Sie tritt zerstreut auf trockenen Magerwiesen, in Rasenbändern im Fels und auf felsigen Hängen in der montanen bis subalpinen und teilweise in der alpinen Höhenstufe in den Bundesländern Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark und Tirol auf.
- Seseli libanotis subsp. intermedium <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rupr.) P.W.Ball (Syn.: Libanotis intermedia <templatestyles src="Person/styles.css" />Rupr.): Sie tritt in Österreich zerstreut aber lokal häufig auf trockenen Magerwiesen, auf halbruderalen Halbtrockenrasen und in trockenen Gebüschrändern in der collinen bis submontanen Höhenstufe in den Bundesländern Wien, dem Burgenland und Niederösterreich auf. Die Vorkommen beschränken sich auf das pannonische Gebiet.
Medizinische Verwendung
Die Heilwurz oder auch Weihrauch-Bergfenchel genannt (Seseli libanotis), wurde schon im Altertum als Heilmittel (etwa in der Materia medica von Pedanios Dioskurides, zum Beispiel als menstruationsfördernd/fruchtabtreibend, bei Gebärmutterkrämpfen, Atemnot, chronischem Husten, Leibschmerzen, Eingeweideleiden, rezidivierendem Fieber und als erwärmend<ref>Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Würzburg 1994) Königshausen & Neumann, Würzburg 1998 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 65). ISBN 3-8260-1667-X, S. 234.</ref>) empfohlen. Wegen der Verwechslungsgefahr mit anderen, teils hochgiftigen Doldenblütlern wie den Schierling-Arten wird von der Verwendung selbstgesammelter Wildpflanzen aber abgeraten.<ref name="LandschaftspflegeverbandWürzburg"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Landschaftspflegeverband Würzburg e. V. ( des Vorlage:IconExternal vom 28. November 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Bilder
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Doppeldoldige Blütenstände
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Der Stängel ist auffallend stark kantig gefurcht
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Laubblatt mit mehr oder weniger dreieckigen Zipfeln
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Die Fiedern erster Ordnung sind ungestielt und daher bilden die untersten Fiedern zweiter Ordnung ein auffallendes Kreuz
Einzelnachweise
<references> <ref name="FloraWeb"> Seseli libanotis (L.) Koch, Berg-Heilwurz. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Seseli libanotis (L.) W. D. J. Koch In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="EfÖLS2008"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand (2011+): Apiaceae.: Datenblatt Seseli libanotis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Thellung1965"> Albert Thellung: Umbelliferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. Seseli L. auf S. 1243–1249. </ref> </references>
Literatur
Weblinks
- Seseli libanotis subsp. intermedium (Rupr.) P. W. Ball. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Seseli libanotis subsp. libanotis, Berg-Heilwurz (Unterart). auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Vorlage:BIB
- Heilwurz. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Heilwurz Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Datenblatt Seseli libanotis mit Verbreitung auf den Britischen Inseln bei Online Atlas of the British and Irish Fauna vom Biological Records Centre.
- Seseli libanotis bei Plants For A Future