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Senefelderplatz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Senefelderplatz
Datei:DEU Berlin COA.svg
Platz in Berlin
Senefelderplatz
Senefelderplatz, Mai 2025
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Prenzlauer Berg
Angelegt 1876
1896 (Benennung)
Hist. Namen Thusnelda-Platz
Bauwerke Senefelder-Denkmal und ein historisches Pissoir
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger
Platzgestaltung Hermann Mächtig (1885),
Rudolf Pohle (Denkmal)
Technische Daten
Platzfläche 1610 m²<ref>Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin: Geoportal Berlin: Grünanlagenbestand Berlin (einschließlich der öffentlichen Spielplätze). Grünanlagen Nummer 70611. stadt-berlin.de</ref>

Der Senefelderplatz in Berlin-Prenzlauer Berg ist ein Gartendenkmal an der Schönhauser Allee. 1876 als Schmuckplatz angelegt, hieß der Platz anfangs Thusnelda-Platz. 1896 wurde er nach dem Erfinder der Lithografie, Alois Senefelder benannt.

Lage

Gut einen Kilometer nördlich des Alexanderplatzes und vierhundert Meter nördlich des Schönhauser Tores liegt der Senefelderplatz zwischen Schönhauser Allee, Metzer Straße und Kollwitzstraße im sogenannten Kollwitzkiez. Auf seiner Westseite, unter dem Gehwegpflaster der Schönhauser Allee, befindet sich der U-Bahnhof Senefelderplatz und gegenüber die ehemalige Brauerei Pfefferberg. Nördlich grenzt an die Metzer Straße das Gartendenkmal Judengang, dahinter liegt der Jüdische Friedhof Schönhauser Allee.

Topographie

Der Senefelderplatz hat die Form eines spitzwinkligen Dreiecks. Er misst achtzig Meter Länge von der Südwestspitze bis zur nördlichen Metzer Straße, wo seine Breite etwa vierzig Meter beträgt. Die Platzfläche liegt an einem südlichen Ausläufer des Barnim, sie steigt nach Norden hin um gut vier Höhenmeter an.<ref>Kollwitz- Ecke Saarbrücker Straße: 44,7 m über NHN; Kollwitz- Ecke Metzer Straße: 49,4 m über NHN. Siehe: Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem ALKIS® DGM - Digitales Geländemodell, Geoportal Berlin.</ref>

Der Platz besteht vollständig aus einer als Gartendenkmal geschützten Grünanlage, eingefriedet mit einer niedrigen Beeteinfassung und mit einer kleinen Durchwegung an der Südwestspitze, wo sich das Denkmal für Alois Senefelder befindet. An der Ecke Schönhauser Alle / Metzer Straße steht ein öffentliches Pissoir („Café Achteck“). Als Ensemble unter Denkmalschutz stehen sowohl die gesamte Platzfläche mit Denkmal und Bedürfnisanstalt, das Straßenland der angrenzenden Kollwitzstraße, als auch sämtliche der erhaltenen sieben umliegenden Mietshäuser aus der Gründerzeit.<ref>Eintrag 09050110 in der Berliner Landesdenkmalliste Ensemble Senefelder Platz und
Eintrag 09095423 in der Berliner Landesdenkmalliste Ensemble Teutoburger Platz</ref>

Rings um die Grünfläche wurden 1994 eine Reihe Lindenbäume (Tilia spec.) gepflanzt, als ältester Baum steht in der Mitte der Anlage eine Eiche (Quercus robur) mit einem Stammumfang von gut zweieinhalb Metern.<ref>Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: Geoportal Berlin / Karte: Baumbestand Berlin. Objektnummer 70611. (Stand: Januar 2024)</ref>

Geschichte

Vor dem Schönhauser Tor, 1820–1890

Der Ort des Senefelderplatzes lag im frühen 19. Jahrhundert nördlich des Schönhauser Tores und westlich der Bötzow’schen Mühlen am Westhang des Windmühlenberges an der Schönhauser Allee. Nach der Separation 1822 gehörte das Land dem Gutsbesitzer Christian Friedrich Bötzow.<ref>Hufe F47a im Plan von Menzel (Mencelius): Plan der Berliner Hufen im Jahr 1822. Berlin 1823. stadtmuseum.de</ref> 1827 legte die Jüdische Gemeinde etwas nördlich ihren Friedhof an der Schönhauser Allee an, ab diesem Jahr ist auch der sogenannte Judengang, ein Feldweg hinter dem Friedhof, parallel zur heutigen Kollwitzstraße kartiert.<ref>Kö. Pre. Lithograph. Institute (Hrsg.): Grundriss Von Berlin Mit Nächster Umgegend. Berlin 1827. (Topographische Karte). Online unter: zlb.de</ref> Das älteste erhaltene Gebäude am Platz ist das 1842–44 erbaute Mietshaus Schönhauser Allee 174,<ref>Eintrag 09095455 in der Berliner Landesdenkmalliste Mietshaus Schönhauser Allee 174</ref> nebenan errichtete zur gleichen Zeit Joseph Pfeffer die Brauerei Pfefferberg.

Der Hobrecht-Plan von 1862 wie auch der Bebauungsplan von 1863 zeigen eine bereits bestehende geschlossene Bebauung auf der Westseite der Schönhauser Allee sowie eine geplante namenlose kleine Freifläche am Judengang.<ref>Neuester Bebauungs-Plan Von Berlin. Schropp, Berlin 1863. Online unter: zlb.de</ref> Der Platz in seiner heutigen Größe entstand 1872, als die Familie Bötzow das Land an den Bauverein Königstadt verkaufte. Dieser setzte eine Änderung der Bebauungspläne durch und verlegte den Bau der heutigen Kollwitzstraße etwa 50 Meter nach Osten.<ref name=Communal>Stadt Berlin: Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin. Ausgabe 1872, No. 37, Vorlagen zu dem Stadtverordneten-Protokoll vom 15. September 1872. S. 338.</ref><ref>Alexander Haeder: Stadtentwicklung und Industrialisierung. Drei Fallstudien zur Stadtbau- und Architekturgeschichte Berlins zwischen 1830 – 1918. Greifswald 2003. S. 142. Dissertation, online unter: uni-greifswald.de</ref> Die neue Straße an der nun deutlich größeren Platzfläche hieß ab 1874 Weißenburger Straße, im gleichen Jahr wurden dort die ersten großen Mietshäuser errichtet (heutige Kollwitzstraße 6, 10 und 12).<ref>Eintrag 09095367 in der Berliner Landesdenkmalliste Mietshaus Kollwitzstraße 10
Im Situationsplan von Sineck 1874 wird der Platz als Platz A, Abteilung XII an der Weißenburg Straße geführt. Siehe: Situations-Plan Von Berlin Mit Dem Weichbilde Und Charlottenburg. Verlag von Dietrich Reimer, Berlin 1875.
Im Berliner Adressbuch ist die Weißenburger Straße erstmals 1875 erwähnt unter dem Hinweis zahlreicher Baustellen. Siehe: Sozietät der Berliner Bürger-Zeitung (Hrsg.): Nachtrag zum Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1875. Berlin 1875. S. 407.
</ref>

Datei:Thusneldaplatz Berlin um 1890.jpg
Thusnelda-Platz, ca. 1895

1876 ließ die städtische Parkverwaltung unter Gustav Meyer eine „Schmuckanlage auf dem Platze an der Schönhauser Allee und am Anfang der Weißenburgerstraße“ herstellen.<ref>Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin pro 1876: XIV. Bericht der Deputation für die Verwaltung der städtischen Park-, Garten- und Baumanlagen. Berlin 1877, S. 1.</ref> In den 1880er Jahren hieß die Grünfläche Thusnelda-Platz. Der Magistrat zu Berlin ließ dort im Dezember 1884 eine „siebenständige“, mit Gasleuchten ausgestattete Bedürfnisanstalt errichten.<ref>Statistisches Amt der Stadt Berlin: Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin. Zwölfter Jahrgang, Statistik des Jahres 1884. Berlin 1886. S. 112.</ref><ref>Magistrat zu Berlin (Hrsg.): Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin. 22. Februar 1885. S. 107.</ref> Eine Umgestaltung des Platzes in dieser Zeit durch Stadtgartendirektor Hermann Mächtig wird vermutet.<ref>Eintrag 09046108 in der Berliner Landesdenkmalliste Senefelderplatz mit Bedürfnisanstalt</ref>

Am Platz befand sich ab Mai 1874 eine Haltestelle der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn auf der Schönhauser Allee, ab 1894 führten weitere Gleise der Pferdebahn auch durch die Weißenburger Straße.<ref>Berliner Linienchronik: Straßenbahn Fahrplan 1876. www.berliner-linienchronik.de</ref><ref>Berliner Linienchronik: Straßenbahn Fahrplan 1894. www.berliner-linienchronik.de</ref> Dort eröffnete 1889 mit der Hausnummer 4a die II. Höhere Bürgerschule (ab 1911: II. Realschule) mit neun Klassen und gut dreihundert Schülern. Der Zugang zu den Schulbauten auf dem Hinterhof verlief durch eine fünf Meter schmale Häuserlücke, die noch heute besteht (Kollwitzstraße 8).<ref>Gustav Oppenheim: Beiträge zur Geschichte der II. Realschule (1886-1911). Weidmännische Buchhandlung, Berlin 1912. S. 6,  9–10. Online unter: uni-duesseldorf.de</ref>

1892: Denkmal für Alois Senefelder

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Festakt zur Enthüllung, 1892 – Senefelder-Denkmal, 2007

Buchdrucker und Lithografen aus ganz Deutschland finanzierten 1892 ein „Denkmal für den Erfinder des Steindrucks“ Alois Senefelder (1771–1834). Das vom Berliner Bildhauer Rudolf Pohle im Stil des Neobarock geschaffene Denkmal aus Carrara-Marmor galt zeitgenössischen Autoren als „eine der schönsten Arbeiten der modern-realistischen Schule.“<ref>Hermann Müller-Bohn: Das Denkmal Senefelders. In: ders.: Die Denkmäler Berlins. Ihre Geschichte und Bedeutung. Berlin 1897. S. 62–63.</ref> Den Standort an der Südwestspitze des Platzes legte Pohle 1892 gemeinsam mit Garteninspektor Axel Fintelmann fest,<ref>HTW Berlin – Verein für die Geschichte Berlins e. V.: Denkmal für Alois Senefelder. Online unter: bildhauerei-in-berlin.de</ref> die Enthüllung erfolgte am 6. November 1892, dem 121. Geburtstag Senefelders.<ref>Königlich privilegirte Berlinische Zeitung: Die Enthüllung des Senefelder-Denkmals. Abendausgabe, Berlin 7. November 1892, S. 7.</ref>

Das Denkmal zeigt Senefelder sitzend in Arbeitskleidung, unter sich seine Werkzeuge, ein Stück Stoff für den Kattundruck, sowie eine lithografische Platte. An der Sockelfront des Denkmals befinden sich „zwei Putti, der eine den Namenszug Senefelders in Spiegelschrift schreibend, der andere diesen in einem Handspiegel entziffernd.“<ref> Heinrich Trost: Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Berlin, 1983, S. 358–359.</ref>

Vier Jahre nach der Enthüllung des Denkmals wurde der Platz am 7. Juni 1896 von Thusnelda-Platz in Senefelderplatz umbenannt.

Bebauung im 20. Jahrhundert

Datei:Berlin Senefelderplatz Missmann 1907.jpg
Senefelderplatz, 1907

1902 errichtete die Brauerei Königstadt wenige Schritte südlich des Senefelderplatzes eine repräsentative Ausschankhalle mit mehr als eintausend Plätzen, zweistöckiger Ladenzeile und Musikpavillon. Der Saalbau der Architekten Cremer & Wolffenstein wurde 1925 zu einem UFA-Premierenkino umgebaut, unter anderem Filme von Fritz Lang sollen hier uraufgeführt worden sein.<ref>Genossenschaft in der alten Königstadtbrauerei eG: Geschichte seit 1813. Online unter: gidak.de</ref> 1913 wurde die U-Bahn Linie A (heute: U2) in einfacher Tieflage als Unterpflasterbahn unter dem Senefelderplatz fertiggestellt. Der südliche Eingang zum U-Bahnhof Senefelderplatz befindet sich nur wenige Meter vom Senefelder-Denkmal entfernt.

Datei:Bundesarchiv Bild 183-19000-3039, Berlin, Schönhauser Allee, Kirche, Ruinen.jpg
Blick vom Senefelderplatz auf die zerstörte Brauerei Königsstadt, 1951

Im Zweiten Weltkrieg brannte die Halle der Brauerei Königsstadt aus und das Schulgebäude in der Weißenburger Straße wurde schwer beschädigt.<ref>Reichsamt für Landesaufnahme: Gebäudeschäden im Gebiet der Stadt Berlin. Messtischblatt 3446: Berlin (Nord), 1903–1945. Berlin 1945. Bei: deutschefotothek.de</ref> Bei einem alliierten Luftangriff am 22/23. November 1943 stürzte ein mit Bomben beladenes Flugzeug auf ein Gebiet zwischen Metzer, Weißenburger und Belforter Straße und zerstörte dabei fast die gesamte Bebauung direkt nördlich und nordöstlich des Platzes, darunter auch mehrere repräsentative Wohnhäuser am Judengang / Metzer Straße.<ref>Klaus Grosinski: Prenzlauer Berg. Eine Chronik. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008. S. 147.</ref> Die entstandenen Freiflächen lagen lange brach und wurden erst 2007 wieder bebaut. Als erste Neubauschule in Ost-Berlin wurde 1953 nördlich des Platzes an der Schönhauser Allee die 12. Oberschule eröffnet und 1992 in Schule am Senefelderplatz umbenannt.<ref>Schule am Senefelderplatz: Chronik. Online unter: www.schule-am-senefelderplatz.de</ref>

Nach der Wiedervereinigung Berlins siedelten sich zahlreiche Kneipen und Clubs an. 1994 ließ die Stadtverwaltung durch den Gartenbaudirektor Klaus von Krosigk den Senefelderplatz nach historischem Vorbild umfassend sanieren, dabei wurde die Straßenverbindung zwischen Schönhauser Allee und Kollwitzstraße getrennt und damit die Ostseite des Platzes dauerhaft verkehrsberuhigt. Am Senefelderplatz befanden sich 2024 zahlreiche Einzelhändler, Cafés, Restaurants sowie mehrere Hostels, die den Platz zu einem belebten Zentrum der südlichen Schönhauser Allee machten.

Wissenswertes

  • Am 1. Mai 1945 erschoss ein NSDAP-Zellenleiter eine Frau und zwei jugendliche, fahnenflüchtige Brüder standrechtlich auf dem Senefelderplatz. Der Täter wurde 1950 in Ost-Berlin zum Tode verurteilt.<ref>Urteil des Landgerichts Berlin vom 26. 9. 1950, (4) 35 PKLs 54/50.
    Bestätigt durch Urteil des Kreisgerichts vom 24.04.1951, 1 Ss 36/51 (37/51).
    Siehe auch: Sven Keller: Volksgemeinschaft am Ende. Oldenbourg Verlag München 2013, S. 353.</ref>
  • Die Tageszeitung Neues Deutschland, Zentralorgan der SED, hatte ab 1946 ihren ersten Verlagssitz auf dem Gelände des Pfefferbergs am Senefelderplatz.<ref>nd.Genossenschaft eG: Über uns. Online unter: nd-aktuell.de</ref>
  • Im damaligen Eckhaus Schönhauser Allee 20 / Metzer Straße begann im Dezember 1989 die Ostberliner Hausbesetzerbewegung.<ref>Uwe Rada: Mein Haus, mein Kiez, mein Mythos. In: Die Tageszeitung vom 31. Dezember 2009. Online unter: taz.de</ref>
  • 2007 eröffnete an der Nordseite des Platzes ein Biosupermarkt, der damals als größter Europas galt.<ref>Susanne Messmer: So provisorisch wie lebendig. In: Die Tageszeitung vom 8. Juni 2013. Online unter: taz.de</ref>

Literatur

  • Anja Baum: Ein Versehen der Stadtplaner. In: Die Tageszeitung, Berlin 23. Oktober 1991.
  • Horst Koch: Senefelders Name in Spiegelschrift. In: Berlin im Detail. Edition Luisenstadt, Berlin 1997. S. 92–93.

Bildende Kunst

  • Michael Wesely (* 1963): Senefelder Platz, Berlin (9.5.2006 – 16.10.2007). Chromogenic print, 125 cm × 175 cm (Fotografie, Langzeitbelichtung)

Weblinks

Commons: Senefelderplatz (Berlin-Prenzlauer Berg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 31′ 55,5″ N, 13° 24′ 46,4″ O

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