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Schwenkflügel

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(Weitergeleitet von Schwenkflügler)
Datei:General Dynamics F-111A 061003-F-1234S-010.jpg
General Dynamics F-111 mit verschiedenen Flügelstellungen

Schwenkflügel sind Tragflächen, deren Pfeilung durch einen Schwenkmechanismus verändert werden kann.

Funktion

Datei:Aircraft engine MiG-23 sweep wing mechanism.jpg
Schwenkmechanismus einer MiG-23
Datei:Tornado variable sweep wing Manching.JPG
Achse des Schwenkmechanismus eines Tornado

Je nach Ausführung werden entweder die gesamten Tragflächen oder nur Teile der Tragflächen geschwenkt. Der Luftwiderstand und der Auftrieb des Tragwerks können so an die jeweilige Fluggeschwindigkeit und Einsatzbedingungen angepasst werden. Bei niedriger Geschwindigkeit oder bei Start und Landung werden die Flächen auf geringe Pfeilung gestellt, wodurch trotz der geringen Geschwindigkeit ein hoher Auftrieb erzeugt werden kann. Start- und Landegeschwindigkeit können so verringert werden und auch die Manövrierfähigkeit im Langsamflug wird verbessert. Beim schnellen Flug wird die Pfeilung erhöht, was den Luftwiderstand des Flugzeuges verringert und somit eine größere Geschwindigkeit und Reichweite ermöglicht.

Die Pfeilung ist dabei nur der offensichtlichste Teil. Besonders wichtig ist aus aerodynamischer Sicht, dass sich durch das Schwenken auch die Flügelstreckung und die Profiltiefe verändern lassen. Letzteres ergibt sich daraus, dass sich, bei gleichbleibender Dicke des Flügels, die Profilsehne durch das Zurückschwenken (in Strömungsrichtung gesehen) verlängert.

Eine besondere Form des Schwenkflügels stellt das sogenannte Schiebeflügel-Konzept (engl. „oblique wing“) dar, bei dem eine durchgehende Tragfläche um einen zentralen Drehpunkt geschwenkt wird und das ebenfalls auf deutsche Entwürfe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zurückgeht. Schwenkrotor-Flugzeuge, die statt der Rotorgondeln die ganze Tragfläche nach oben schwenken können (z. B. die Hiller X-18), werden ebenfalls oft als Schwenkflügelflugzeuge bezeichnet. Die korrekte Bezeichnung hierfür ist aber Kippflügelflugzeug.

Ebenfalls nicht zu verwechseln ist der Schwenkflügler mit dem Knickflügel („Möwenflügel“) sowie den faltbaren Tragflächen von Trägerflugzeugen, die der platzsparenden Unterbringung auf den Decks der Flugzeugträger dienen.

Geschichte

Am 4. Juni 1942 wurde dem deutschen Aerodynamiker Albert Betz ein geheimgehaltenes Zusatzpatent (799/42) mit der Bezeichnung „Flugzeug mit Einrichtung zur Änderung der Flügelpfeilung“ erteilt, was als Geburtsstunde des Schwenkflügelkonzepts betrachtet werden darf.<ref>Hans-Ulrich Meier: Der Hochgeschwindigkeitsflug und seine aero- und gasdynamischen Herausforderungen. In: Hans-Ulrich Meier (Hrsg.): Die Pfeilflügelentwicklung in Deutschland bis 1945. Bernhard & Graefe, Bonn 2006, ISBN 3-7637-6130-6, S. 147–150.</ref> Als erstes Schwenkflügelflugzeug gilt heute der Prototyp der Messerschmitt P.1101, dessen Flügel am Boden in einem Bereich von 35°–45° verstellbar waren. Nachdem das Flugzeug gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Kriegsbeute in amerikanische Hände gefallen war, wurde auf dessen Basis die Bell X-5 entwickelt, die im Flug verstellbare Schwenkflügel besaß.

Vor- und Nachteile

Schwenkflügel bieten Vorteile, wenn hohe Anforderungen an Langsamflugverhalten, Startbahnlänge, Nutzlastkapazität sowie gleichzeitig an den Flug mit sehr hohen Geschwindigkeiten (Überschallfähigkeit, z. B. beim Eindringen in den gegnerischen Luftraum oder bei Abfangmanövern) in einer Flugzeugzelle vereint werden sollen. Nachteile entstehen gegenüber Festflügel-Konstruktionen durch erhöhtes Leergewicht und die Komplexität des Schwenkmechanismus.

Das Aufkommen von Relaxed Stability-Kontrollsystemen in den 1970er Jahren merzte viele Nachteile von Festflügelsystemen aus. Kein neues Schwenkflügelflugzeug wurde seit der Tupolew Tu-160 gebaut, allerdings ist bemerkenswert, dass das Nachfolgesystem der Grumman F-14 – die F/A-18E/F – eine verminderte Nutzlast bzw. Reichweite wegen seiner kleinen Festflügel hat.<ref name="TomVS">Bob Kress, Paul Gilcrist: Battle of the Superfighters – F-14D Tomcat vs. F/18 E/F Super Hornet. In: Flight Journal Magazine. Februar 2002 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />online (Memento vom 4. April 2009 im Internet Archive) – „[...] it has only 36 percent of the F-14's payload/range capability“).</ref>

Alternative Lösungen

Bei der North American XB-70 wurden die Flügel – genau genommen: die Flügelenden – nicht horizontal, sondern vertikal geschwenkt. Ab ca. Mach 1,8 wurden beide Flügelenden bis maximal 65° nach unten geklappt.

Beim Oblique Wing wird ein durchgehender Flügel in Hochdecker-Konfiguration schräggestellt.

Prototypen (in Klammern) und in Serie produzierte Schwenkflügler

Typ Verwendungszweck Baujahr von Stückzahl Baujahr bis Herkunft
(Messerschmitt P.1101) (Experimentalflugzeug) (1945) 1 (Prototyp) (1945) Datei:Flag of German Reich (1935–1945).svg Deutsches Reich
(Bell X-5) (Experimentalflugzeug) (1951) 2 (Experimental) (1958) Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
General Dynamics F-111 Mittelstrecken-Jagdbomber /
strategischer Bomber / Aufklärer
1967 563 1982 Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
Mikojan-Gurewitsch MiG-23 Jäger/Jagdbomber 1967 5047 1985 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion
Rockwell B-1A strategischer Langstrecken-Bomber 1970 4 (Serienreif) 1977 Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
Mikojan-Gurewitsch MiG-27 Jagdbomber 1970 1075 (plus 165 Bahadur Lizenzproduktion) 1986 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion
Suchoi Su-17 / Su-20 / Su-22 Jagdbomber 1970 1217 / 140 / 1020 1990 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion
(Boeing 2707) (Passagierflugzeug – Projekt) (1966) 0 (1971) Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
(Dassault Mirage G) (Mehrzweckkampfflugzeug – Prototyp) (1971) 3 (1973) FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
Suchoi Su-24 taktischer Bomber 1971 ca. 1400 1974 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion
Tupolew Tu-22M Bomber 1972 497 1993 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion / RusslandDatei:Flag of Russia.svg Russland
Panavia Tornado Mehrzweckkampfflugzeug 1973 992 1999 DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland & Vereinigtes KonigreichDatei:Flag of the United Kingdom.svg Vereinigtes Königreich & ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
Grumman F-14 Luftüberlegenheitsjäger 1972 712 1992 Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
Grumman EF-111 Elektronische Kampfführung 1977 42 1985 Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
Rockwell B-1B strategischer Langstrecken-Bomber 1981 100 1988 Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
Tupolew Tu-160 strategischer Langstrecken-Bomber 1984 36 (incl. Tu-160B) 1994 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion / RusslandDatei:Flag of Russia.svg Russland
Tupolew Tu-160M strategischer Langstrecken-Bomber 2001 wenige pro Jahr noch in Produktion
RusslandDatei:Flag of Russia.svg Russland

Weblinks

Commons: Schwenkflügel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Heiko Thiesler: Schwenkflügelflugzeuge. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-613-04504-0
  • Die Pfeilflügelentwicklung in Deutschland bis 1945. In: Hans-Ulrich Meier (Hrsg.): Die Pfeilflügelentwicklung in Deutschland bis 1945. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2006, ISBN 3-7637-6130-6.

Einzelnachweise

<references />