Schwarzes Kopfried
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| Schwarzes Kopfried | ||||||||||||
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| Datei:Schoenus nigricans kz.jpg
Schwarzes Kopfried (Schoenus nigricans) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Schoenus nigricans | ||||||||||||
| L. |
Das Schwarze Kopfried (Schoenus nigricans),<ref name="FloraWeb" /> auch Kopfbinse oder Schwärzliche Kopfbinse genannt<ref name="InfoFlora" />, ist eine Pflanzenart in der Gattung Kopfried (Schoenus) innerhalb der Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae). Es ist kosmopolitisch verbreitet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Das Schwarze Kopfried ist ein überwinternd grüne,<ref name="FloraWeb" /> ausdauernde krautige Pflanze. Die binsenartige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 20 bis 80 Zentimetern und wächst in triebreichen und festen Horsten, die ihrerseits dichte Rasen bilden können. Die runden, blau- bis graugrünen Stängel wachsen starr aufrecht, später überhängend und sind nur am Grund beblättert. Die Blattscheiden sind lang, schwarz- oder gelbbraun und glänzend. Die Laubblätter sind sehr schmal borstlich und rau. Das untere der ein bis zwei Hüllblätter überragt den Blütenstand deutlich.<ref>Art Info. Abgerufen am 2. Februar 2025.</ref>
Generative Merkmale
Der endständige Blütenstand besteht aus fünf bis zwanzig kopfartig zusammengezogenen, kurz gestielten Ährchen. Das Ährchen ist bei einer Länge von 8 bis 12 Millimetern lanzettlich und enthält zwei- bis sieben Blüten. Die Blüten sind zwittrig, die oberen sind zuweilen männlich. Die Blüten tragen je ein bis sechs kurze, behaarte, bräunliche Perigonborsten, die deutlich kürzer sind als die Frucht. Die zweireihig angeordneten Spelzen sind einer Länge von 5 bis 7 Millimetern lanzettlich mit spitzem oberen Ende, stark gekielt und schwarz-braun. Der Kiel und der Rücken sind rau. Der Griffel ist am Grunde verdickt. Die weiße Frucht ist stumpf dreikantig und bis zu 1,5 Millimeter lang.<ref>Schoenus nigricans - Burgenland Flora. Abgerufen am 2. Februar 2025.</ref>
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 44 oder 54.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Beim Schwarzen Kopfried handelt es sich um einen helomorphen Hemikryptophyten.<ref name="FloraWeb" /> Das Schwarze Kopfried ist eine Volllichtpflanze.
Die Bestäubung erfolgt durch den Wind (Anemophilie).<ref name="FloraWeb" />
Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch den Wind, durch Klettausbreitung, die Früchte werden aber auch von Tieren verschleppt oder Selbstausbreitung.<ref name="FloraWeb" />
Vorkommen und Gefährdung
Das Schwarze Kopfried ist in Europa, Vorder- und Zentralasien, Afrika sowie in der Neuen Welt weitverbreitet. In der Neuen Welt kommt es in Kalifornien, Nevada, Florida, Texas, New Mexico, Mexiko, Belize, Honduras, Nicaragua, Kuba, und in der Dominikanischen Republik vor.<ref name="POWO" /> In Europa erstreckt sich sein Verbreitungsgebiet vom Mittelmeerraum bis Island, England und Schottland, bis Dänemark, im Ostseegebiet auf den Inseln tritt es bis 59° nördlicher Breite auf<ref name="Sebald1998" />, hat aber sogar Vorkommen auf Spitzbergen.<ref name="POWO" /> In Norwegen ist die Art ausgestorben.<ref name="POWO" />
In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt vor allem im Alpenvorland, kleinere Vorkommen gibt es im Oberrheingebiet, auf den Ostfriesischen Inseln und im Norddeutschen Tiefland.<ref name="Sebald1998" /> Weitere, großteils erloschene Vorkommen gibt es in der Mittelgebirgszone.<ref name="FloraWeb" /> In den Alpen steigt es bis zur Waldgrenze auf.<ref name="Aichele2000" /> Es erreicht in Graubünden bei Susch eine Höhenlage von 1500 Meter, im Kanton Wallis bei Thyon von 2000 Meter.<ref name="Schultze-Motel1980" />
In Mitteleuropa wächst es in Kalkflachmooren, an Ufern, Quellhängen,<ref name="Aichele2000" /> in Pfeifengraswiesen auf nassen, mehr oder weniger lehmigen, kalkreichen Tuff- und Torfböden. Sein ökologischer Schwerpunkt liegt auf kalkreichen, stickstoffarmen bis stickstoffärmsten, nassen, oft überschwemmten Böden mit oft schlechter Luftführung.<ref name="Aichele2000" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4+w+ (nass aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan bis ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
Das Schwarze Kopfried tritt in verschiedenen Kalk-Zwischenmoor-Gesellschaften auf. Typische Begleiter des Schwarzen Kopfrieds im Schoenetum nigricantis W.Koch 1926 (= Orchido-Schoenetum nigricantis Oberd. 1957) sind die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris), die Armblütige Sumpfbinse (Eleocharis quinqueflora), das Breitblättrigen Wollgras (Eriophorum latifolium) sowie das Gemeine Fettkraut (Pinguicula vulgaris). Kommt das Schwarze Kopfried gemeinsam mit seiner Schwesterart, dem Rostroten Kopfried (Schoenus ferrugineus), auf, bilden beiden Arten oft einen Hybriden, das Bastard-Kopfried (Schoenus ×scheuchzeri), der dann meist häufiger als seine Elternarten auftritt. An der Nordseeküste gedeiht das Schwarze Kopfriet auch im Junco-Schoenetum.<ref name="Oberdorfer2001" />
In Deutschland ist das Schwarze Kopfried „stark gefährdet“<ref name="FloraWeb" />, in der Schweiz ist sie „potentiell gefährdet“.<ref name="InfoFlora" />
Taxonomie
Die Erstveröffentlichung von Schoenus nigricans erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 43.<ref name="POWO" />
Nutzung
Die Kopfriedbestände sind für die landwirtschaftliche Nutzung uninteressant, denn das Schwarze Kopfried ist kein schmackhaftes Futter, und für die Verwendung als Streu wird es nicht hoch genug. Dem ist es zu verdanken, dass Standorte des Kopfrieds da und dort ungestört erhalten wurden, und mit ihnen ihre meist interessante Begleitflora.<ref name="Aichele2000" />
Literatur
- Jürke Grau, Bruno P. Kremer, Bodo M. Möseler, Gerhard Rambold, Dagmar Triebel: Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsengewächse und grasähnliche Familien Europas (= Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10702-9.
- Fritz Runge: Die Pflanzengesellschaften Mitteleuropas. Eine kleine Übersicht. 8./9. verbesserte und vermehrte Auflage. Aschendorff, Münster 1986, ISBN 3-402-04383-1.
Einzelnachweise
<references> <ref name="FloraWeb"> Schwarzes Kopfried. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Schoenus nigricans L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Aichele2000"> </ref> <ref name="Sebald1998"> Georg Philippi: Cyperaceae. In: </ref> <ref name="Schultze-Motel1980"> Wolfram Schultze-Motel: Familie Cyperaceae. S. 72–73. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band II, Teil 1, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1980, ISBN 3-489-54020-4. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Schoenus nigricans bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> </references>
Weblinks
- Schwarzes Kopfried. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Verbreitung auf der Nordhalbkugel aus: Eric Hultén, Magnus Fries: Atlas of North European vascular plants. 1986, ISBN 3-87429-263-0 bei Den virtuella floran.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: R. V. Lansdown, 2012. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.