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Hetzkampagne

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Datei:Bundesarchiv Bild 133-075, Worms, Antisemitische Presse, "Stürmerkasten".jpg
Die während der NS-Zeit öffentlich ausgehängte Zeitung Der Stürmer führte eine permanente Hetzkampagne gegen Juden.

Als Schmutzkampagne werden Maßnahmen bezeichnet, die den Ruf einer Person, einer Gruppe oder Institution beschädigen sollen. Dazu wird die öffentliche Meinung durch die Lancierung falscher oder verfälschter Informationen sowie entsprechender Meinungen manipuliert. Im Extremfall kann aus der Schmutzkampagne eine Hetzkampagne werden, die die Zielperson(en) durch bewusste Mobilisierung von Hass und Aufrufen zur Gewalt an Leib und Leben bedroht.

Als Werkzeug solcher Kampagnen werden meist Massenmedien eingesetzt. Dabei kann der Urheber der Kampagne entweder der Eigentümer des Mediums sein oder sich dessen bedienen. Wird eine Kampagne geschickt geführt, ist der Urheber kaum auszumachen, und die angegriffene Person oder Gruppe kann wenig gegen die Beschädigung ihres Ansehens unternehmen.

Die Begriffe Schmutz- und Hetzkampagne werden auch als politische Kampfbegriffe benutzt, um Kritiker zum Schweigen zu bringen oder sachliche kritische Berichterstattung in ein negatives Licht zu rücken („Die Anschuldigungen gegen mich sind eine Schmutzkampagne“). Ein verwandtes Phänomen in der Arbeitswelt ist das Mobbing.

Zielgruppen und Zielpersonen

Als Ziele kommen sehr unterschiedliche Personenkreise in Frage, zum Beispiel:

  • ethnische oder religiöse Minderheiten
  • politische Gruppierungen und Parteien
  • Staaten, sowie deren Bevölkerung oder Regierungen
  • im Wahlkampf befindliche Politiker
  • Wissenschaftler, Journalisten oder Politiker, die das Missfallen einer bestimmten Interessengruppe erregt haben, z. B. durch kritische Positionen oder Meinungsäußerungen gegenüber einem Industriezweig oder einem einzelnen Unternehmen
  • Prominente, die sich dem Angebot der Zusammenarbeit mit einem bestimmten Medium verweigert haben. Dies wird regelmäßig von Boulevardzeitungen betrieben.

Methoden

Schmutz- und Hetzkampagnen werden mit Methoden der Desinformation und der Propaganda geführt. In abgeschwächter Form kann auch tendenziöse Berichterstattung der Medien dazu gezählt werden, etwa indem bestimmte negativ besetzte Begriffe eingesetzt werden (z. B. Sozialschmarotzer). Sachliche Argumente spielen, dem Zweck entsprechend, eine untergeordnete Rolle. Vorwürfe basieren häufig auf Gerüchten oder Vermutungen und werden nicht bewiesen, Fakten werden selektiv ausgewählt oder verfälscht dargestellt. Schmutz- und Hetzkampagnen können auch als Ablenkungsmanöver dienen, um die Aufmerksamkeit von einem anderen, vom Urheber der Kampagne unerwünschten Thema abzulenken (siehe dazu auch Desinformation und Medienmanipulation).

Charakteristisch für solche Kampagnen ist:

  • die Ausrichtung auf die Öffentlichkeit oder eine bestimmte Zielgruppe, meist in der Form, dass den Medien gezielt bestimmte Informationen oder Fehlinformationen zugänglich gemacht werden. Dies geschieht häufig in einer abgestimmten zeitlichen Reihenfolge, so dass beispielsweise eine Person oder Personengruppe längere Zeit nicht aus den Schlagzeilen verschwindet.
  • die Unverhältnismäßigkeit (zuweilen auch Unsachlichkeit) der Argumente und angewandten Mittel, deren Ziel weniger die Aufklärung eines Sachverhaltes als vielmehr die Diffamierung des Opfers ist. Oft werden auch sachliche Argumente mit rein emotionalen und diffamierenden Gesichtspunkten vermengt.

Beispiele

Deutschland

Datei:Enteignet Springer 1969.jpg
Anstecker der Bewegung „Enteignet Springer“, 1969. Die Kampagne war eine Reaktion auf die von Linken als unerträglich empfundene Berichterstattung der Springer-Medien zur linken Studentenbewegung. Die Parole von 1967 geht auf Walter Barthel zurück.<ref>Jochen Staadt: Die Stasi und ein anti-Springer-Projekt: Enteignet Augstein!, FAZ vom 14. Juni 2009</ref>
  • Hetzkampagnen waren ein zentrales Element der Politik der NS-Propaganda. Sie waren besonders gegen Juden, aber auch gegen andere Minderheiten gerichtet, etwa gegen Roma und Behinderte. Sie wurden zentral aus dem Propagandaministerium von Joseph Goebbels gesteuert. Besonders tat sich dabei die Zeitung Der Stürmer von Julius Streicher hervor, die vor allem diffamierende Karikaturen über Juden publizierte.
  • Nachdem Günter Wallraff 1977 ein Enthüllungsbuch über die Praktiken in einer Redaktion der Bild-Zeitung geschrieben hatte, startete Bild eine Kampagne, um seinen Ruf zu zerstören. Sie umfasste das Spionieren bei Verwandten und Bekannten durch Bild-Reporter sowie die wiederholte Verbreitung von frei erfundenen, herabwürdigenden Behauptungen über Wallraff, etwa dass er Alkoholiker sei oder in seiner Zeit als Bild-Reporter permanent falsche Tatsachen berichtet und dadurch Menschen ins Unglück gestürzt habe (Wallraff log – und einer Frau wurden die Kinder weggenommen.)

Russland

Schweiz

  • Affäre Borer: Der frühere Schweizer Botschafter in Deutschland, Thomas Borer, verlor sein Amt, weil die Boulevardzeitung Blick über eine angebliche sexuelle Affäre berichtet hatte, die er dementierte und die von der angeblichen Geliebten später ebenfalls widerrufen wurde.

USA

Siehe auch

Literatur

  • Jeanne Hersch (Hrsg.): Rechtsstaat im Zwielicht. Elisabeth Kopps Rücktritt. Peter Meili, Schaffhausen 1991, ISBN 3-85805-153-5.
  • Brigitte Klump: Das rote Kloster. Als Zögling in der Kaderschmiede des Stasi (= Ullstein. 34990). Ungekürzte Ausgabe, (auf der Grundlage der durchgesehenen und erweiterten Ausgabe 1978). Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1993, ISBN 3-548-34990-0.
  • Hubertus Knabe: Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien. Propyläen, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-549-07137-X.
  • Kerwin Swint: Mudslingers. The twenty-five dirtiest political Campaigns of all Time. Countdown from no. 25 to no. 1. Union Square Press, New York NY u. a. 2008, ISBN 978-1-4027-5736-5.

Einzelnachweise

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