Schmetterlingsflieder
Vorlage:Hinweisbaustein <templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Schmetterlingsflieder | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Schmetterlingsflieder pink.JPG
Sommerflieder (Buddleja davidii) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Buddleja davidii | ||||||||||||
| Franch. |
Der Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii), auch Sommerflieder, Gewöhnlicher Sommerflieder, Schmetterlingsstrauch oder Fliederspeer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Sommerflieder (Buddleja) in der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Mit den im Deutschen einfach als Flieder (Syringa) bezeichneten Ziersträuchern oder -bäumen aus der Familie der Ölbaumgewächse ist er nur entfernt über die Ordnung (Lamiales) verwandt.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Schmetterlingsflieder wächst als halbimmergrüner Strauch, der Wuchshöhen von 0,5 bis 5 Metern erreichen kann. Die fast vierkantigen Zweige besitzen eine charakteristische, filzig behaarte Rinde.
Die Laubblätter sind gegenständig an den Zweigen angeordnet. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 25 Zentimetern sowie einer Breite von etwa 7 Zentimetern schmal-lanzettlich und der Blattrand ist schwach gezähnt. Die Blattoberseite zeigt eine dunkelgrüne Farbgebung, die Blattunterseite ist graufilzig behaart. Die meist vorhandenen Nebenblätter sind mit einem Durchmesser von 1 bis 6 Millimetern fast rundlich bis eiförmig.
Generative Merkmale
Der endständige, aufrechte, dichte, schmalkegelige, thyrsige<ref name="Rothmaler2017" /> Blütenstand weist eine Länge von 4 bis zu 30 Zentimeter und einen Durchmesser von 2 bis 5 Zentimeter. Die unteren Hochblätter sind laubblattförmig, die anderen sind klein und linealisch. Die kurz gestielten bis sitzenden Blüten blühen asynchron im Blütenstand, von unten nach oben.<ref name="Hals2009" />
Im Juni öffnen sich die angenehm nach Honig duftenden Blüten. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier 2 bis 3,5 Millimeter langen Kelchblätter sind glockenförmig verwachsen. Die Blütenkrone ist stieltellerförmig. Die vier lilafarbenen Blütenkronblätter sind zu einer etwa 1 Zentimeter langen, schmalen Kronröhre verwachsen, mit kurzen, ausgebreiteten Zipfeln. Die Krone ist in der mehr oder weniger behaarten Kronröhre orangefarbene, mit gelben Saftmalen am Schlund,<ref name="Hals2009" /> bei der Wildform ist die restliche Blütenkrone blau-lila. Gartenformen können auch weiße, rosafarbene, purpurrote oder dunkelviolette Blütenkronen haben. Die Narben und Staubbeutel sind in der Kronröhre verborgen. Es sind Nektarien vorhanden.
Die zweiklappigen, braunen, schmal-ellipsoiden bis -eiförmigen Kapselfrüchte mit beständigem Kelch weisen eine Länge von 5 bis 9 Millimetern und einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Millimetern auf; sie enthalben viele Samen. Die Samen sind bei einer Länge von 3 bis 5 Millimetern und einem Durchmesser von etwa 0,5 Millimetern ellipsoid und beidseits geflügelt.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 76.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Die Bestäubung erfolgt durch langrüsselige Insekten, insbesondere durch Tagfalter und das Taubenschwänzchen.<ref name="NABU" />
Die Samen werden als Ballonflieger über den Wind ausgebreitet. Die Samenschale besitzt an beiden Enden blasige Gebilde, die als kleine Flügel die Windausbreitung unterstützen. Pro Jahr kann ein Exemplar ungefähr 20 Millionen Samen bilden.
Giftigkeit
Der Schmetterlingsstrauch wird als wenig giftig eingestuft, wobei alle Pflanzenteile giftig sind, im Besonderen die Laubblätter und die Samen. Wirkstoffe sind die Glykoside Catalpol, Methylcatalpol, Aucubin und verschiedene Saponine.<ref name="Roth-Daunderer-Kormann">Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A–Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7, S. 178–179 (Nachdruck von 1994).</ref><ref name="Duff1965">R. B. Duff, J. S. Bacon et al.: Catalpol and methylcatalpol: naturally occurring glycosides in Plantago and Buddleia species. In: The Biochemical Journal. Band 96, 1965, ISSN 0264-6021, S. 1–5, PMID 14343132, PMC 1206900 (freier Volltext).</ref>
Vorkommen
Der Schmetterlingsflieder stammt aus China und Tibet. Der Schmetterlingsflieder wird in den gemäßigten Gebieten weltweit als Zierpflanze verwendet. Die nördliche Verbreitungsgrenze ist durch das Winterklima bestimmt: Bei Wintertemperaturen unter −20 °C sterben die Pflanzenexemplare in der Regel ab. Im Alpenraum findet er sein Optimum in Pflanzengesellschaften des Verbands Sambuco-Salicion.<ref name="Aeschimann2004" />
Der Schmetterlingsflieder gedeiht gut auf skelettreichen Böden;<ref name="Philippi1996" /> er ist daher auf Gleisanlagen, an Bach- oder Flussufern oder auf dem Trümmerschutt in den Städten der Nachkriegsjahre zu finden,<ref name="Philippi1996" /> heute häufig entlang von Bahngleisen und auf brach liegenden Industrieflächen.
In Deutschland wurde 1928 der Schmetterlingsflieder das erste Mal auf einer Kiesbank im Rhein entdeckt.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />
Neophyt
Als Gartenflüchtling etablierte sich der Schmetterlingsflieder in seinem Verbreitungsgebiet auch in der freien Natur und ist in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland ein Neophyt.<ref name="GRIN" />
Im Vereinigten Königreich und in der Schweiz wird der Schmetterlingsflieder darüber hinaus als invasive Art bewertet, die durch ihre rasche und schnelle Ausbreitung die Tendenz habe, die Artenvielfalt zu reduzieren; infolgedessen ist die Art in der Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz aufgeführt.<ref>Liste der invasiven gebietsfremden Arten der Schweiz (Stand 2021). Anhang in: Lea Amacher, Irene Künzle, Gian-Reto Walther: Gebietsfremde Arten in der Schweiz. Übersicht über die gebietsfremden Arten und ihre Auswirkungen. Stand 2022. Herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern, 1. aktualisierte Auflage 2022 (Erstausgabe 2006). Umwelt-Wissen Nr. 2220. Liste auf S. 55.</ref>
Im Frühjahr 2024 wurde der Schmetterlingsflieder neben z. B. Kirschlorbeer oder Blauglockenbaum vom Schweizer Bundesrat in den Anhang 2.2 der Freisetzungsverordnung aufgenommen, wodurch sein Verkauf, sein Verschenken oder seine Einfuhr in der Schweiz ab 1. September des Jahres als „invasive gebietsfremde Pflanze“ verboten ist.<ref>Bundesrat verbietet Inverkehrbringen gewisser invasiver gebietsfremder Pflanzen. Abgerufen am 10. Mai 2024.</ref><ref>Verkaufsverbot für Kirschlorbeer und Schmetterlingsstrauch. In: Naturschutz.ch. 1. März 2024, abgerufen am 10. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Systematik
Die Erstbeschreibung erfolgte 1888 durch den französischen Botaniker Adrien René Franchet in Nouvelles Archives du Muséum d'Histoire Naturelle, Serie 2, Band 10, Jahrgang 1887, Seite 65.<ref name="Franchet1887" /><ref name="GRIN" /> Das Artepitheton davidii ehrt den französischen Naturforscher in China und Lazaristenpater Armand David (1826–1900). Ein Synonym für Buddleja davidii <templatestyles src="Person/styles.css" />Franch. ist Buddleja variabilis <templatestyles src="Person/styles.css" />Hemsl.
Der Schmetterlingsflieder wurde in die Familie der Schmetterlingsfliedergewächse (Buddlejaceae) gestellt, bis diese durch molekularbiologische Untersuchungen in die Braunwurzgewächse eingegliedert wurden. Dies wurde zuvor schon durch die Lebensweise von Rüsselkäfern der Gattung Cionus angedeutet, von denen Cionus hortulanus in Europa auf Braunwurzen und Königskerzen spezialisiert ist (beide Braunwurzgewächse), aber auch an Buddleja gefunden wurde.<ref>Joachim Rheinheimer, Michael Hassler: Die Rüsselkäfer Baden-Württembergs. 2. Auflage, verlag regionalkultur, Heidelberg, 2013, ISBN 978-3-89735-608-5.</ref>
Vor allem im gärtnerischen Zusammenhang werden eine Reihe von Varietäten von Buddleja davidii aufgeführt.<ref name="Buddlejagarden" /> Diese sind teilweise in früheren Jahrzehnten auch botanisch beschrieben worden<ref name="Marquand1930" />, werden aber heute nicht mehr anerkannt und sind mit der typischen Varietät synonymisiert worden, so dass heute meist keine Varietäten mehr unterschieden werden.<ref name="FoC" /><ref name="Leeuwenberg1979" /> Unterschieden werden eine Reihe durch Züchtung aus verschiedenen chinesischen Wildherkünften gewonnenen Sorten und Cultivare, die sich etwa in der Wuchshöhe und der Blütenfarbe unterscheiden.<ref name="Hop2006" /><ref name="Buddlejagarden2" />
Diese Art wurde durch einen französischen Missionar, Armand David, im Jahr 1869 nach Europa eingeführt und ihm zu Ehren davidii benannt. Unabhängig davon wurde sie 1887 durch den irischen Botaniker und Sinologen Augustine Henry (1857–1930) aus Yichang importiert und durch William Botting Hemsley als Buddleja variabilis erneut beschrieben, die Synonymie wurde erst 25 Jahre später bemerkt. Die meisten heutigen Gartenpflanzen gehen auf durch Louis de Vilmorin und Ernest Wilson Ende des 19. Jahrhunderts gesammeltes Material zurück.<ref name="Tallent" />
Ähnliche Arten
Neben Buddleja davidii und seinen Sorten ist in den Parks und Gärten in den Gemäßigten Breiten auch noch der Wechselblättrige Sommerflieder (Buddleja alternifolia) verbreitet. Im Gegensatz zu Buddleja davidii blüht er an den vorjährigen Zweigen.
Quellen
Literatur
- Mario Ludwig, Harald Gebhard, Herbert W. Ludwig, Susanne Schmidt-Fischer: Neue Tiere & Pflanzen in der heimischen Natur – Einwandernde Arten erkennen und bestimmen, BLV Verlagsgesellschaft München, ISBN 3-405-15776-5.
- Bingtao Li, Antony J. M. Leeuwenberg: Loganiaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 15: Myrsinaceae through Loganiaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1996, ISBN 0-915279-37-1. Buddleja davidii Franchet, S. 334 – textgleich online wie gedrucktes Werk. (Abschnitt Beschreibung)
- Bruno P. Kremer: Strauchgehölze Erkennen & bestimmen – Steinbachs Naturführer, 2002, ISBN 3-8001-4275-9.
- Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-444-64175-5, S. 102 f.
Einzelnachweise
<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="InfoFlora"> Buddleja davidii Franch. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Franchet1887"> Adrien René Franchet in Nouvelles Archives du Muséum d'Histoire Naturelle, Serie 2, Band 10, Jahrgang 1887, S. 65. </ref> <ref name="Aeschimann2004"> David Aeschimann, Konrad Lauber, Daniel Martin Moser, Jean-Paul Theurillat: Flora alpina. Band 2m, S. 178, Bern, Stuttgart, Wien Haupt-Verlag, 2004, ISBN 3-258-06600-0. </ref> <ref name="Philippi1996"> Georg Philippi: Buddlejaceae. In Oskar Sebald et al.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-3342-3. S. 16. </ref> <ref name="NABU"> Schmetterlingsflieder beim NABU. </ref> <ref name="Buddlejagarden"> An Introduction to Buddleja davidii, Varieties, Cultivars and Hybrids. In: Buddleja Garden Website, abgerufen am 14. September 2020. </ref> <ref name="Buddlejagarden2"> Find the perfect Buddleja, Colours & Heights. In: Buddleja Garden Website, abgerufen am 14. September 2020. </ref> <ref name="Marquand1930"> C. V. B. Marquand: Revision of the Old World Species of Buddleja. In: Bulletin of Miscellaneous Information (Royal Botanic Gardens, Kew), Volume 5, 1930, S. 177–208. </ref> <ref name="FoC"> Bingtao Li, Antony J. M. Leeuwenberg: Loganiaceae.: Buddleja davidii Franchet, S. 334 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 15: Myrsinaceae through Loganiaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1996, ISBN 0-915279-37-1. </ref> <ref name="Leeuwenberg1979"> Antony J. M. Leeuwenberg: The Loganiaceae of Africa XVIII Buddleja L. II. Revision of the African and Asiatic species. Mededelingen Landbouwhogeschool Wageningen, 79 (6), 1979. 163 S. </ref> <ref name="Hop2006"> M. E. C. M. Hop: Buddleja davidii – tussenstand sortimentsonderzoek. In: Dendroflora. Volume 43, 2006, S. 59–64.</ref> <ref name="Tallent"> Nita G. Tallent-Halsell, Michael S. Watt: The Invasive Buddleja davidii (Butterfly Bush). In: Botanical Review. Volume 75, 2009, S. 292–325 (article number: 292), doi:10.1007/s12229-009-9033-0. </ref> <ref name="Hals2009"> Nita G. Tallent-Halsell, Michael S. Watt: The Invasive Buddleja davidii (Butterfly Bush). In: The Botanical Review. 75(3), 2009, S. 292–325, doi:10.1007/s12229-009-9033-0, online auf researchgate.net. </ref> <ref name="Rothmaler2017"> Eckehart J. Jäger: Rothmaler. 21. Auflage, Springer, 2017, S. 663. </ref> </references>