Schibboleth
Ein Schibboleth (betont Schibbóleth oder Schíbboleth;<ref>Schibboleth, das. In: Duden online. Abgerufen am 6. Juli 2017.</ref> Plural Schibboleths oder Schibbolethe, hergeleitet aus der Bibel) ist eine sprachliche Besonderheit, durch die sich ein Sprecher einer sozialen Gruppe oder einer Region zuordnen lässt. Die Besonderheiten leiten sich vom Dialekt oder Akzent des Sprechers her. Festgestellt werden soll oft, ob jemand diese Besonderheit beherrscht. Falls nicht, bedeutet das, dass er nicht zu der Gruppe oder Region gehört.
Damit sind Schibboleths Wörter oder Wortgruppen, an deren verschiedener Aussprache die Zugehörigkeit des Sprechers zu erkennen ist und die somit zu einem sozialen Code werden.
Auch festgelegte Kennworte werden als Schibboleth bezeichnet.
Zu unterscheiden sind Schibboleths von Zungenbrechern, die selbst für Muttersprachler schwer auszusprechen sind.
Bibel
Schibboleth ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), punktiert {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Plural schibbolim<ref>Langenscheidts Taschenwörterbuch Hebräisch, ISBN 3-468-10160-0, verzeichnet zwei feminine Wörter {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), eines (mit den Bedeutungen ‚Ähre‘ und ‚Schibboleth‘) hat den Plural {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (z. B. Vorlage:Bibel/Link), das andere (mit der Bedeutung ‚Wasserwirbel‘) hat den Plural {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value).</ref>) ist ein hebräisches Wort und bedeutet wörtlich ‚Strömung‘, ‚Strom‘ oder ‚Flut‘<ref>Wilhelm Gesenius: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Hrsg.: Herbert Donner. 18. Auflage. Springer, Berlin [u. a.] 2013, ISBN 978-3-642-25680-6, S. 1316.</ref>, wird aber in der Bedeutung von ‚Kennwort‘ oder ‚Codewort‘ verwendet. Im jüdischen Tanach (dem christlichen Alten Testament) heißt es im Buch der Richter 12,5–6 EU:
„Gilead schnitt Efraim die Jordanfurten ab. Und wenn die Flüchtlinge aus Efraim sagten: Ich will hinüber!, fragten ihn die Männer aus Gilead: Bist du ein Efraimiter? Wenn er Nein sagte, forderten sie ihn auf: Sag doch einmal Schibbolet! Sagte er dann Sibbolet, weil er es nicht richtig aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und machten ihn dort an den Furten des Jordan nieder. So fielen damals zweiundvierzigtausend Mann aus Efraim.“
Beispiele
Bei der „Jagd auf die Franzosen“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) während der Sizilianischen Vesper 1282 sollen einer Legende zufolge viele Franzosen versucht haben, sich als Italiener auszugeben und durch ein Schibboleth enttarnt worden sein. Man hielt ihnen eine Handvoll Kichererbsen hin mit Aufforderung, zu sagen, was das sei. Wer das ci in dem sizilianischen Wort ciceri auf französische Weise (also als scisceri) aussprach, galt als Franzose und wurde umgebracht.<ref>Samuele Schirò: Quando un pugno di ceci fece la storia della Sicilia (deutsch: Als eine Handvoll Kichererbsen sizilianische Geschichte machte). Auch Leonardo Sciascia erwähnt diese Erzählung in Occhio di Capra, S. 147, Milano 1995, ISBN 88-459-0768-6.</ref>
Die flämischen Bürger sollen bei der Brügger Frühmette 1302 einen Schibboleth-Sprachtest durchgeführt haben, um die eigenen Leute von den Feinden zu sondern: Jeder wurde aufgefordert, die Worte schild en vriend (Schild und Freund) nachzusprechen; alle, denen dies nicht fehlerfrei gelang, galten als Franzosen und wurden getötet.<ref>Marc Redfield: Shibboleth: Judges, Derrida, Celan. 1. Auflage. Fordham University Press, New York 2021, ISBN 978-0-8232-8909-7, K ap. 3, S(h)ibboleth Sovereign Violence And The Remainder, S. 19 ff.</ref> Diese Episode wirkt bis heute fort: Eine 2017 gegründete rechtsextreme flämische Gruppierung hat sich danach „Schild & Vrienden“ benannt.
Verschiedene Sondervokabeln wie Pfinztag (für Donnerstag) oder tengg (für links) gelten als Schibboleth-Wörter des Bairischen.<ref>Lars Bülow: Bairisch. In: Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 6. Auflage, J. B. Metzler, Heidelberg/Berlin 2024, ISBN 978-3-476-05984-0, S. 76.</ref>
Literatur
- Till Dembeck: Schibboleth/Sibboleth: Phonographie und kulturelle Kommunikation um 1900. In: LiLi. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik. Jg. 36, Nr. 142 (2006), ISSN 0049-8653, S. 43–68, doi:10.1007/BF03379532.
- Ernst Axel Knauf: Schibbolet. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.Vorlage:Abrufdatum
Weblinks
- Migration und Mehrsprachigkeit. In: uni-dortmund.de
Einzelnachweise
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