Die Scheibenbäuche (Liparidae) sind eine Fischfamilie aus der Gruppe der Groppenverwandten (Cottales) in der Ordnung der Barschartigen (Perciformes).
Verbreitung
Die 29 Gattungen und über 400 Arten der Familie leben in gemäßigten, kalten und arktischen Bereichen von Atlantik und Pazifik sowie in Gezeitentümpeln und Tiefseegräben. Etwa 200 Arten der Scheibenbäuche leben in den Ozeanen der südlichen Hemisphäre, ca. 150 davon in der subantarktischen und antarktischen Zone.<ref name="Linley" /> Sie stellen dort fast ein Drittel der Fischarten. Die einzigen Arten der Familie in der Nordsee sind der Spitzschwänzige Scheibenbauch, der Große Scheibenbauch (Liparis liparis) und der Kleine Scheibenbauch (Liparis montagui). Scheibenbäuche kommen von der Gezeitenzone bis in Tiefseegräben vor; damit haben sie von allen Fischfamilien die größte Tiefenverbreitung. Im Hadal, in Tiefen von 6000 bis 8150 Metern, sind sie die dominierende Fischfamilie.<ref name="Linley" />
Merkmale
Die Bauchflossen sind bei ihnen zu einer Saugscheibe umgebildet. Rücken- und Afterflosse bilden lange Säume. Die Haut ist schuppenlos und schleimig, im Englischen nennt man die Tiere „snailfish“ (Schneckenfisch). Die meisten Scheibenbäuche sind sehr kleine Fische und ähneln damit in Form und Schwimmbewegungen einer großen Kaulquappe. Viele Arten erreichen gerade mal eine Länge von vier Zentimetern, die größte Art wird 70 Zentimeter lang. Ihre Farbe ist meist gelbbraun oder rötlich, pelagische Arten sind oft transparent.
Die Scheibenbäuche galten bisher als recht schlechte Schwimmer. Für die Tiefseeformen nahm man an, dass sie sich ähnlich wie die Blobfische (Psychrolutes marcidus und Psychrolutes phrictus aus der verwandten Familie Psychrolutidae) eher langsam fortbewegen, um Energie und Sauerstoff zu sparen. Neuere Forschungserkenntnisse scheinen den Ruf als langsame Fische jedoch zu widerlegen. Vielmehr sind die Tiere sehr aktiv und leben in Gruppen zusammen. Es gibt auch seit kurzem Filmaufnahmen eines japanischen Forschungsteams, die die Tiere direkt bei der Nahrungsaufnahme in knapp 8000 m Tiefe zeigen. Sie ernähren sich dort von Flohkrebsen. Auch einem britischen Forscherteam gelangen Filmaufnahmen von Scheibenbäuchen in einer Tiefe von ungefähr 7700 m.<ref>Forscher filmen lebende Fische in Rekordtiefe. In: Spiegel Online. 9. Oktober 2008, abgerufen am 25. August 2017.</ref>
Im August 2017 filmte ein Forscherteam die Scheibenbauchart Pseudoliparis swirei in 8178 Metern Tiefe im Marianengraben. Dies stellte den bis dahin tiefsten Fund eines lebenden Fisches überhaupt dar.<ref>Press Releases < JAMSTEC. Abgerufen am 25. August 2017.</ref> Damit kommt das beobachtete Exemplar der vermuteten maximalen für Fische erreichbaren Überlebenstiefe von 8200 m sehr nahe. Diese wird nach heutiger Erkenntnis vermutlich bedingt durch die zunehmende Konzentration von Trimethylamin-N-oxid zur Stabilisierung der Proteine, die bei einer Tiefe von 8200 m in den Zellen die Osmolalität von Meerwasser erreicht und bei höheren Konzentrationen ohne weitere Gegenmaßnahmen zu einem osmotischen Einströmen von Meerwasser in die Zellen führen würde.<ref name="Yancey 2014" /> Im September 2022 wurde von einem weiteren Team ein nicht näher bestimmter Jungfisch der Gattung im Boningraben in 8336 m Meerestiefe gefilmt.<ref>Scientists break new record after finding world's deepest fish. Abgerufen am 3. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Möglich ist dies, da Osmolalität ebenfalls von der Wassertemperatur abhängt, die an dieser Stelle um Bruchteile eines Grades über der im Marianengraben liegt.<ref>Donna Lu, Donna Lu Science writer: Scientists find deepest fish ever recorded at 8,300 metres underwater near Japan. In: The Guardian. 3. April 2023, ISSN0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 3. April 2023]).</ref>
Systematik
Die Scheibenbäuche gehören zur Teilordnung der Groppenverwandten (Cottales), sind die Schwestergruppe der Seehasen (Cyclopteridae) und werden mit ihnen in der Überfamilie Cyclopteroidea vereint.
Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7.
Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie. Band II, Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag, Jena 1991, ISBN 3-334-00339-6.
Einzelnachweise
<references >
<ref name="Linley">
Thomas D. Linley, Mackenzie E. Gerringer, Heather Ritchie, Johanna N. J. Weston, Amy Scott-Murray, Vincent Fernandez, Jhoann Canto-Hernández, Frank Wenzhöfer, Ronnie N. Glud & Alan J. Jamieson: Independent radiation of snailfishes into the hadal zone confirmed by Paraliparis selti sp. nov. (Perciformes: Liparidae) from the Atacama Trench, SE Pacific. Marine Biodiversity volume 52, Artikel Nr. 56 (2022).</ref>
<ref name="Yancey 2014">
P. H. Yancey, M. E. Gerringer, J. C. Drazen, A. A. Rowden, A. Jamieson: Marine fish may be biochemically constrained from inhabiting the deepest ocean depths. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band111, Nr.12, 25. März 2014, S.4461–4465, doi:10.1073/pnas.1322003111.</ref>
</references >