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Stolzit

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Stolzit
Datei:Stolzite-609482.jpg
Tafeliger und prismatischer Stolzit (orange) auf Vesuvianit (grün) mit schwarzen Manganoxid-Dendriten aus der Grube Kara Nr. 1, Hampshire, Burnie City, Tasmanien, Australien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Sz<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Pb(WO4)<ref name="IMA-Liste" />
  • β-Pb[WO4]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/F.01
VI/G.01-040<ref name="Lapis" />

7.GA.05
48.01.03.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-dipyramidal; 4/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe I41/a (Nr. 88)Vorlage:Raumgruppe/88<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 5,50 Å; c = 12,12 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {111}, {101}, {011}, {112}, {001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 8,34; berechnet: 8,408<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {001}; undeutlich nach {011}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe rötlichbraun bis braun, rauchgrau, gelblichgrau bis zitronengelb, auch grün, orange oder rot<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Harzglanz bis schwacher Diamantglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 2,270<ref name="Mindat" />
nε 2,180 bis 2,190<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,090<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig negativ

Stolzit, auch unter verschiedenen, veralteten, bergmännischen Bezeichnungen wie Scheelbleierz, Wolframbleierz<ref name="Meyers" />, Scheelbleispat(h) und Scheelsaures Blei<ref name="Mindat" /> bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb(WO4)<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen Bleiwolframat. Als dessen tetragonale Modifikation wird die Formel präziser auch mit β-Pb[WO4]<ref name="StrunzNickel" /> angegeben.

Stolzit entwickelt meist dicktafelige bis kurzsäulige oder spitze, dipyramidale Kristalle, aber auch garbenförmige bis kugelige Aggregate von graugelber, brauner, orangegelber, roter oder grüner Farbe. Die Kristallflächen zeigen einen harz- bis diamantähnlichen Glanz.

Etymologie und Geschichte

Datei:Johann Anton Stolz (1778-1855).jpg
Namensgeber Johann Anton Stolz

Erstmals erwähnt wird das Mineral 1820 durch August Breithaupt in seiner Publikation Kurze Charakteristik des Mineral-Systems, der es als tetragonalen (Scheel-)Bleispath bezeichnet.<ref name="Breithaupt" /> Seinen bis heute gültigen Namen Stolzit erhielt das Mineral 1845 durch Wilhelm Ritter von Haidinger, der es nach dem tschechischen Arzt und Mineraliensammler Johann Anton Stolz (1778–1855) aus Teplice<ref name="https://historyofscience.cz" /> benannte. Dieser widmete einen Großteil seines Lebens dem Studium der Minerale und stellte das erste Exemplar von Stolzit für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung.<ref name="Mindat" />

Als Typlokalität gilt der Ort Cínovec (deutsch: Böhmisch Zinnwald) in Tschechien nahe der deutsch-tschechischen Grenze bzw. der nahegelegene, deutsche Ort Zinnwald-Georgenfeld im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.<ref name="Mineralienatlas" />

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Deutschland unter der Inventarnummer 17596 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Da der Stolzit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Stolzit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Stolzit lautet „Sz“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Stolzit zur Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort zur Abteilung „Molybdate und Wolframate“, wo er gemeinsam mit Powellit und Scheelit sowie im Anhang mit Sedovit und Wulfenit in der „Scheelit-Reihe“ mit der Systemnummer VI/F.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/G.01-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Molybdate [MoO4]2− und Wolframate [WO4]2−, Polywolframate“, wo Stolzit zusammen mit Paraniit-(Y), Powellit, Scheelit, Suseinargiuit und Wulfenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/G.01 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stolzit in die Abteilung „Molybdate und Wolframate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und Kristallwasser. Das Mineral ist hier in der Unterabteilung „Ohne zusätzliche Anionen oder H2O“ zu finden, wo es zusammen mit Fergusonit-(Ce), Fergusonit-(Nd), Fergusonit-(Y), Powellit, Scheelit und Wulfenit die „Scheelitgruppe“ mit der Systemnummer 7.GA.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stolzit die System- und Mineralnummer 48.01.03.02. Das entspricht im Gegensatz zu den Strunz-basierten Systematiken der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Molybdate und Wolframate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Molybdate und Wolframate mit A XO4“ in der Gruppe „Wulfenit-Reihe“, in der auch Wulfenit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Stolzit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe I41/a (Raumgruppen-Nr. 88)Vorlage:Raumgruppe/88 mit den Gitterparametern a = 5,50 Å und c = 12,12 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Stolzit kristallisiert isomorph zu Wulfenit (Pb[MoO4]) und Scheelit (Ca[WO4]), bildet also identische Kristallformen aus.

Modifikationen und Varietäten

Die Verbindung des Bleiwolframats (PbWO4) ist dimorph und kommt in der Natur neben dem tetragonal kristallisierenden Stolzit noch als monoklin kristallisierender Raspit vor.

Bildung und Fundorte

Stolzit ist ein typisches Sekundärmineral, das durch Verwitterung aus primären Bleimineralen in Anwesenheit von wolframhaltigen Lösungen entsteht. Als Begleitminerale können unter anderem Anglesit, Cerussit, Mimetesit, Pyromorphit und Raspit auftreten.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Stolzitfunde ist unter anderem die Sainte-Lucie Mine bei Saint-Léger-de-Peyre im französischen Département Lozère, wo Kristalle von bis zu 6 Zentimeter Größe zutage traten. Bis zu 2,5 Zentimeter große Kristalle und Kristallnadeln kennt man aus Broken Hill im australischen Bundesstaat New South Wales und Tsumeb in Namibia.<ref name="Dörfler" />

In Deutschland konnte das Mineral bisher in mehreren Gruben im Schwarzwald wie unter anderem der Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, im Steinbruch Steinerleinbach bei Röhrnbach in Bayern, bei Straßberg (Harzgerode) in Sachsen-Anhalt sowie in mehreren Gruben bei Altenberg, Bad Gottleuba-Berggießhübel, Clausnitz und Halsbrücke im sächsischen Erzgebirge entdeckt werden.

In Österreich fand man Stolzit erstmals im Stüblbau (Hangendlager Nordfeld und Südfeld) zu Schellgaden (Gemeinde Muhr) in Salzburg, wo er in der Scheelitvererzung in idiomorphen Kristallen vorkommt. Daneben soll Stolzit auch in einer Goldschlacke im Hüttwinkltal in der Gemeinde Rauris in Salzburg, aufgetreten sein.<ref name="Puttner-1988" /><ref name="Puttner-1994" /> Auch im Bleiberger Erzrevier in der gleichnamigen Marktgemeinde in Kärnten soll Stolzit gefunden worden sein.<ref name="Fundorte-Bleiberg" /> Dem Gegenüber stehen allerdings mehrere Studien der geochemischen Charakteristik in der Bleiberg-Kreuther Blei-Zink-Lagerstätte durch Erich Schroll (1923–2008),<ref name="Schroll-Nachruf" /> die als Hauptelemente erwartbar vor allem Blei und Zink sowie Calcium, Magnesium, Barium, Silicium und Fluor ausweisen, das für den Stolzit nötige Wolfram jedoch nicht einmal bei den Spurenelementen.<ref name="Schroll" /><ref name="SchulzSchroll" />

Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Tête Noire im Val Trient im Kanton Wallis.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Brasilien, Bulgarien, China, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Peru, Portugal, Russland, Schweden, Spanien, der Slowakei, Thailand, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 620 (Stolzit bzw. Scheelbleierz).

Weblinks

Commons: Stolzite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Breithaupt"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Dörfler"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Stolzit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. Februar 2026. </ref> <ref name="Fundorte-Bleiberg"> Fundort Bleiberger Revier, Villach, Kärnten, Österreich mit Liste von Mineralfunden beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 23. Februar 2026. </ref> <ref name="https://historyofscience.cz"> Johann Anton Stolz 1778–1855 (auch Johan Anton Stolz). In: historyofscience.cz. Live Map. History of Natural Sciences in the Czech Lands. Projekt der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität, unterstützt vom Kulturministerium der Tschechischen Republik, abgerufen am 15. Februar 2026. </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 15. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – S. (PDF 315 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 15. Februar 2026 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Meyers"> Wolframbleierz. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 16, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 729. </ref> <ref name="Mindat"> Stolzite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Stolzit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung; </ref> <ref name="Puttner-1988"> </ref> <ref name="Puttner-1994"> </ref> <ref name="Schroll"> </ref> <ref name="Schroll-Nachruf"> Erich Schroll (1923–2008). In: geologie.or.at. Österreichische Geologische Gesellschaft, abgerufen am 23. Februar 2026. </ref> <ref name="SchulzSchroll"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Stolzite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 15. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>