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Römisches Dodekaeder

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Datei:Pentagon-dodecaëder in brons, 150 tot 400 NC, vindplaats- Tongeren, Leopoldwal, 1939, collectie Gallo-Romeins Museum Tongeren, 4002.jpg
Römisches Dodekaeder aus Tongern, Gallo-Römisches Museum Tongern
Datei:Schwarzenacker Pentagondodekaeder1.jpg
Römisches Dodekaeder aus dem Römermuseum Schwarzenacker
Datei:Dodécaèdre romain au Musée gallo-romain de Fourvière.jpg
Römisches Dodekaeder im Musée gallo-romain de Fourvière, Lyon
Datei:Römischer Dodekaeder im Museum Burg Linn-Krefeld.jpg
Römisches Dodekaeder im Museum Burg Linn-Krefeld.
Gefunden in einem Frauengrab aus der Zeit nach 341, am Kastell Gelduba in Krefeld-Gellep.

Als Römische Dodekaeder („Zwölfflächner“) werden archäologische Fundstücke aus der Zeit der Galloromanischen Kultur bezeichnet. Sie datieren aus dem 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr.

Beschreibung

Die Dodekaeder sind etwa faustgroß, hohl und bestehen meist aus Bronze, wenige sind mit Silber überzogen. Die zwölf fünfeckigen Außenflächen des regelmäßigen Pentagondodekaeders besitzen jeweils eine kreisförmige Bohrung in der Mitte, wobei jedes Loch des ansonsten symmetrischen Gegenstands einen anderen Durchmesser hat. Es gibt kein festes Maß der Löcher, die zwischen etwa 6 und 40 Millimetern variieren, und auch keine festen Verhältnisse zwischen den Lochdurchmessern.<ref name="Guggenberger">Michael Guggenberger: Etwas Gewisses hievon zu bestimmen waere ein Gewagtes. 260 Jahre Dodekaeder-Forschung. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Band 80/2000, Innsbruck 2000, S. 67, 71 (Vorlage:ZOBODAT).</ref>

Fundorte

Bisher wurden über hundert der Artefakte gefunden – ausschließlich in Römersiedlungen in Gebieten, die vorher von Kelten besiedelt waren. Das Fundgebiet erstreckt sich von England bis Ungarn, die meisten jedoch stammen aus Deutschland und Frankreich. Erstmals erwähnt wurde der Fund eines Dodekaeders 1739 in Aston (England).<ref name="Guggenberger" />

Im Römermuseum Schwarzenacker ist ein Original und im Außenbereich eine große Nachbildung ausgestellt.<ref>saarland.digicult-museen.net Museen im Saarland</ref> Im belgischen Tongern (Limburg) wurde ein Dodekaeder mit acht unterschiedlich großen Bohrungen gefunden. Er wurde der gallorömischen Besiedelung (150–400 n. Chr.) zugeordnet und ist im örtlichen Museum ausgestellt. Auf einem 1982 in Genf gefundenen, in Blei gegossenen und mit Silberblech überzogenen Exemplar ist auf jeder Fläche eines der zwölf Sternkreiszeichen in lateinischer Sprache beschrieben.

Weitere Fundorte:

Verwendungszweck

Trotz zahlreicher Veröffentlichungen und Spekulationen ist der genaue Verwendungszweck der Artefakte weiterhin unbekannt.<ref name="Guggenberger" /> Der Genfer Fund deutet erstmals auf einen astrologisch-astronomischen Zusammenhang.<ref>Alfons Kolling: Die Römerstadt in Homburg-Schwarzenacker. Hrsg.: Stiftung Römermuseum Homburg-Saarpfalz. Ermer Verlag, Homburg 1993, ISBN 3-924653-13-5.</ref> Unter anderem wurden folgende Funktionen der Dodekaeder vorgeschlagen:

  1. Um die Noppen herum wird Faden gewoben; durch das Loch in der Mitte entsteht ein Stoffschlauch (Technik wie bei einem Strick-Loom für den Rundstrick oder einer Strickliesel).
  2. Alle Dodekaeder bilden fünf Knöpfe, also eine ungerade Anzahl, aus. Damit wird automatisch ein Spiralversatz erzeugt, der zu einem besonders dehnbaren Textil führt - geeignet für enganliegende, flexible Fingerschläuche.
  3. Die unterschiedlich großen Öffnungen sind angepasst an variierende Fingerstärken.
  4. Die nördliche Verbreitung des Werkzeugs stützt die Theorie, da im Süden keine wärmenden Handschuhe erforderlich waren.<ref>Nicolas Freund: Das Rätsel um die Dodekaeder. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 25. September 2020.</ref>

Rezeption

Im dystopischen Ego-Shooter Wolfenstein: The Old Blood ist ein Dodekaeder in der Burg Wolfenstein zu finden, der sich, neben weiteren archäologischen und paläontologischen Funden, in einem Forschungsarchiv im sogenannten „Artefaktlager“ befindet.<ref>Best War Games Channel: DARING ESCAPE from Castle Wolfenstein ! Cool WW2 FPS Game Wolfenstein The Old Blood. bei Minute 9:34. 2. Dezember 2018, abgerufen am 5. Oktober 2025.</ref>

Literatur

  • Amandus Weiss: Zu den Anwendungsmöglichkeiten des Pentagon-Dodekaeders bei den Römern (= Archäologisches Korrespondenzblatt. Band 5). 1975, S. 221–224.
  • Bernhard A. Greiner: Römische Dodekaeder. Untersuchungen zur Typologie, Herstellung, Verbreitung und Funktion (= Carnuntum Jahrbuch 1995). 1996, S. 9–44 (archive.org).
  • Michael Guggenberger: Etwas Gewisses hievon zu bestimmen waere ein Gewagtes. 260 Jahre Dodekaeder-Forschung (= Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Nr. 80/2000). Innsbruck 2000, S. 67–84 (Vorlage:ZOBODAT).
  • Angelika Franz: Wozu dienten keltische Dodekaeder? (= Schneller schlau). PM Wissen Media, München Juni 2024, S. 31.

Weblinks

Commons: Römisches Dodekaeder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und andere Anmerkungen

<references />