Zum Inhalt springen

Russischer Löwenzahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Russischer Löwenzahn
Datei:Taraxacum kok-saghyz phenotype.png

Russischer Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Tribus: Cichorieae
Gattung: Löwenzahn (Taraxacum)
Art: Russischer Löwenzahn
Wissenschaftlicher Name
Taraxacum kok-saghyz
L.E.Rodin
Datei:Kok-saghyz.jpg
Botanische Illustration

Der Russische Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz, auch Taraxacum koksaghyz<ref name="FoC" />) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Löwenzahn (Taraxacum) (Taraxacum) in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist ursprünglich in Kasachstan und im westlichen Xinjiang beheimatet. Diese Art wird zurzeit intensiv erforscht, um Naturkautschuk zu gewinnen.<ref name="Kern" />

Beschreibung

Erscheinungsbild und Laubblatt

Der Russische Löwenzahn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 4 bis 15 cm erreicht. Sie enthält in allen Teilen einen weißen Milchsaft.<ref name="FoC" />

Die Laubblätter stehen in einer grundständigen Rosette zusammen. Der Blattstiel ist blassgrün und geflügelt. Die einfache, bläulich-gräulich-grüne, mehr oder weniger fleischige Blattspreite ist bei einer Länge von 3 bis 7 (bis 10) cm und einer Breite von 1,2 bis 3 cm schmal bis breit verkehrt-lanzettlich. Der Blattrand ist entfernt gezähnt bis regelmäßig gelappt bis fiederteilig. Die zwei oder drei, bis selten fünf Paare Seitenlappen sind breit dreieckig. Die Blattspreite besitzt höchstens wenige spinnenförmige Haare (Trichome) oder ist kahl.<ref name="FoC" />

Blütenstand und Blüte

Die Blütezeit reicht in China vom späten Frühling bis zum frühen Sommer. Der hellgrüne bis rosafarbene Blütenstandsschaft besitzt spinnenförmige Haare und überragt die Laubblätter mehr oder weniger. Der körbchenförmige Blütenstand besitzt einen Durchmesser von 2 bis 3 cm. Die nicht dachziegelförmig übereinander angeordneten 8 bis 13 äußeren Hüllblätter sind hellgrün, manchmal im Licht auch violett erscheinend und eilanzettlich bis schmal eiförmig. Die äußeren Hüllblätter sind bei einer Länge von 5,5 bis 7 mm und einer Breite 1,2 bis 2,2 (1 bis 2,5) mm kürzer, als die inneren Hüllblätter. Sie sind leicht angedrückt bis aufrecht, der Rand ist weißlich hellgrün oder häutig. Die inneren Hüllblätter sind 8 bis 12 mm lang mit einem dünnen 1 bis 2 mm langen Horn am oberen Ende. Die Zungenblüten sind hellgelb, die inneren sind dabei gelb gezähnt am oberen Ende. Die Narben sind intensiv gelb.<ref name="FoC" />

Datei:Kok-saghyz Achenes.jpg
Achänen des Russischen Löwenzahns

Frucht

Die hell-gräulich strohbraune Achäne verschmälert sich bei einer Länge von 2,8 bis 3,8 mm und einer Breite von 0,7 bis 0,9 mm allmählich zu einer fast zylindrischen, zapfenartigen Form. Sie sind mehr oder weniger dicht bedornt und sind kegelförmig abgeflacht mit einem 3 bis 4,5 mm langen Schnabel. Der weiße Pappus weist eine Länge von 3,5 bis 4,5 mm auf.<ref name="FoC" />

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16 bei einem diploiden Chromosomensatz.<ref name="FoC" />

Vorkommen

Die ursprüngliche Heimat ist Kasachstan und das westliche Xinjiang.<ref name="FoC" />

Der Russische Löwenzahn bevorzugt sandige bis lehmige und tonige Böden, die gut drainiert, aber feucht sind. Er kann auf sauren, neutralen und sogar stark alkalischen Böden wachsen. Es wächst sowohl im Halbschatten, als auch im vollen Tageslicht.<ref name="PFAF">Taraxacum koksaghyz bei Plants For A Future.</ref>

Taxonomie

Die Erstbeschreibung von Taraxacum koksaghyz erfolgte 1933 durch Leonid Efimovic Rodin in Trudy Botanicheskogo Instituta Akademii Nauk S S S R. Ser. 1, in: Flora i Sistematika Vysshikh Rastenii. Moscow & Leningrad, 1, S. 187–189, Figur 1–10. Ein Synonym für Taraxacum kok-saghyz <templatestyles src="Person/styles.css" />Rodin ist Taraxacum brevicorniculatum <templatestyles src="Person/styles.css" />Korol.<ref name="tropicos" />

Das Artepitheton koksaghyz leitet sich vom turksprachigen kok-sagiz ab, wobei die Wörter kok „Wurzel“ und sagiz „Gummi“ bedeuten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />middleeastexplorer. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.middleeastexplorer.com abgerufen am 24. Dezember 2011.</ref>

Verwendung

Der Russische Löwenzahn wurde 1931 im Tian-Shan-Gebirge in Kasachstan entdeckt, als nach einer einheimischen Quelle für Kautschuk in der damaligen Sowjetunion gesucht wurde. Die deutsche Kautschuk-Forschungsgesellschaft untersuchte in den 1930er Jahren unter anderem auch einige in den gemäßigten Breiten kultivierbare Pflanzenarten, darunter Taraxacum koksaghyz <templatestyles src="Person/styles.css" />L.E.Rodin und es wurden mittlere Kautschukgehalte in den Wurzeln von 17 % ihrer Trockensubstanz angegeben. Bereits 1941 wurde auf 67.000 ha 30 % des sowjetischen Kautschukverbrauchs erzeugt.<ref name="van Beilen" /> Auch in anderen Ländern wurde er erforscht und angebaut, so auch im Deutschen Reich unter dem Projekt Kok-Saghys. In der 1942 im KZ Auschwitz eingerichteten, von SS-Obersturmbannführer Dr. Joachim Caesar geleiteten Forschungsstation für Pflanzenkautschuk waren 150 bis 250 Zwangsarbeiter eingesetzt.<ref>Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 18 vom 4. Mai 2008, S. 67.</ref> Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Russische Löwenzahn aber bald von Hevea brasiliensis verdrängt, auch in der Sowjetunion. Erst seit der Jahrtausendwende wird er wieder als Kautschukersatz in Erwägung gezogen.<ref name="van Beilen" />

Im Norden von Deutschland erfährt der Anbau von Taraxacum koksaghyz neuerdings (Stand 2019) eine Renaissance.<ref name="Uhlemann" />

Kautschukersatz

Nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten, wird der Russische Löwenzahn seit einigen Jahren wieder als potentielle Rohstoffpflanze für Kautschuk betrachtet und in Europa und Nordamerika erforscht. Ziel der Forschungen ist es, aus dem Russischen Löwenzahn verwertbaren Löwenzahn-Kautschuk als Alternative zum heute gebräuchlichen Naturkautschuk aus dem Milchsaft des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis) und synthetischen Kautschuk zu gewinnen. So liefert der Russische Löwenzahn 1 Milliliter Kautschuk pro Pflanze.<ref name="Kern" /> Zudem bietet der kurze Lebenszyklus von sechs bis acht Monaten und die Möglichkeit der Gewebekulturen zusätzliche Vorteile gegenüber anderen potentiellen Kautschuklieferanten.<ref name="van Beilen" /> Die Kautschukpartikel, die aus dem Russischen Löwenzahn gewonnen werden, sind denen aus Hevea brasiliensis sehr ähnlich. Sie enthalten sehr reines Poly(cis-1,4-isopren) mit einer hohen molekularen Masse.<ref>T. Schmidt, M. Lenders, A. Hillebrand, N. van Deenen, O. Munt, R. Reichelt, W. Eisenreich, R. Fischer, D. Prüfer, C. S. Gronover: Characterization of rubber particles and rubber chain elongation in Taraxacum koksaghyz. In: BMC biochemistry. Band 11, 2010, S. 11, doi:10.1186/1471-2091-11-11. PMID 20170509, PMC 2836272 (freier Volltext).</ref>

Sonstige Verwendung

Die Hauptwirkstoffe sind Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe (Tetrahydroridentin B, Taraxacolid-β-D-glucodid und andere), ein Phenolcarbonsäurederivat (Taraxosid), und Triterpene (Taraxasterol und dessen Derivate) und Inulin. Dadurch stellt der Russische Löwenzahn ein interessantes Ziel für die pharmazeutische Industrie dar.

Literatur

  • Xuejun Ge, Jan Kirschner, Jan Štěpánek: Taraxacum: Taraxacum kok-saghyz. S. 312 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-Yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 20–21 – Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 12. November 2011, ISBN 978-1-935641-07-0 (Abschnitt Beschreibung und Verbreitung)
  • Jan B. van Beilen, Yves Poirier: Guayule and Russian Dandelion as Alternative Sources of Natural Rubber. In: Critical Reviews in Biotechnology. Volume 27, Nr. 4, 2007, S. 217–231: doi:10.1080/07388550701775927. (Abschnitt Verwendung)
  • R. W. Böhme: Anbau und Züchtung von Kautschuk- und Guttaperchapflanzen in der gemäßigten Zone. In: Z. f. Pflanzenzüchtg. Band 23, Heft 34, S. 371–534, Berlin 1940 (Abschnitt Verwendung)

Einzelnachweise

<references> <ref name="FoC"> Xuejun Ge, Jan Kirschner, Jan Štěpánek: Taraxacum: Taraxacum kok-saghyz. S. 312 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-Yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 20–21 – Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011, ISBN 978-1-935641-07-0. </ref> <ref name="tropicos"> Taraxacum kok-saghyz bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum. </ref> <ref name="van Beilen"> van Beilen JB, Poirier Y,: Guayule and Russian Dandelion as Alternative Sources of Natural Rubber. In: Crit. Rev. Biotechnol. Band 27, 2007, doi:10.1080/07388550701775927 (freier Volltext). </ref> <ref name="Kern"> Kern, Timo: Förderbeispiel Latex aus Löwenzahn. Hrsg.: biotechnologie.de. 2011 (Online [abgerufen am 23. Dezember 2011]). </ref> <ref name="Uhlemann"> Ingo Uhlemann, Marie Eggert, Joachim Schiemann, Katja Thiele: Zum Wiederanbau von Taraxacum koksaghyz(Asteraceae) als Kautschuklieferant in Deutschland. In: Kochia. Band 12, 2019, S. 19–35. </ref> </references>

Weblinks

Wiktionary: Löwenzahn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Russischer Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien