Zum Inhalt springen

Rozhlas a televízia Slovenska

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Rozhlas a televízia Slovenska (RTVS)

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Rozhlas a televízia Slovenska Logo (2011-present).svg
Rechtsform öffentlich-rechtlich
Gründung 1. Januar 2011
Auflösung 1. Juli 2024
Sitz Bratislava, Slowakei
Leitung Ľuboš Machaj<ref>Organizačná štruktúra, rtvs.org, abgerufen am 8. Juni 2017</ref>
Branche Medien
Website www.rtvs.sk

Rozhlas a televízia Slovenska (deutsch: Hörfunk und Fernsehen der Slowakei, Abk. RTVS) war vom 1. Januar 2011 bis zum 1. Juli 2024 der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Slowakei. Präsident Peter Pellegrini unterzeichnete am 30. Juni 2024 ein Gesetz, das die bisherige öffentlich-rechtliche Sendeanstalt der Slowakei formell auflöste und durch ein neues Staatsmedium ersetzte. Die Oppositionsparteien kündigten eine Beschwerde beim Verfassungsgericht gegen das Gesetz an. Sie werfen der Regierung von Robert Fico vor, mit dem neuen Sender TVR ein Propagandamedium für die Staatsregierung für sich zu schaffen.<ref name=":2">Slowakei: Öffentlich-rechtlicher Sender durch Staatsmedium ersetzt. Abgerufen am 2. Juli 2024.</ref>

Er entstand durch Zusammenlegung des slowakischen Fernsehens (STV) und des slowakischen Hörfunks (SRo), die nun organisatorische Unterteile des RTVS sind. Zumindest der Rundfunk behielt auch seine Marke. Nach der Abwahl der Intendantin Miloslava Zemková durch die sozialdemokratische Regierungsmehrheit im Parlament am 26. Juni 2012 wurde der Sender gemeinsam von RTVS-Wirtschaftsdirektorin Daniela Vasinova und dem bisherigen Berater der Intendantin für strategische und Investitionsprojekte, Peter Ondro, geführt. Am 1. August 2012 wurde Václav Mika, ehemaliger Direktor des privaten Senders TV Markíza, zum neuen Intendanten gewählt.<ref>RTVS povedie Mika. Pripúšťa návrat Trojky a chce spoluprácu s Čechmi, Pravda (slowakisch), abgerufen am 2. August 2012</ref> Der Sitz des Rundfunks befindet sich im zuvor vom Hörfunk genutzten Gebäude an der Mýtna-Straße in Bratislava.

Die ursprünglich vom slowakischen Kulturministerium entworfene Abkürzung RTS wurde nicht durchgesetzt, da eine Verwechslungsgefahr mit der Radio-Televizija Srbije (Rundfunk Serbiens) bestehe. Andererseits wird auch die Abkürzung RTVS schon von einer Firma, die für den Hörfunk und Fernsehen die Rundfunkgebühr erhebt, benutzt.<ref>Portal Trend 24, online auf: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />medialne.etrend.sk (Memento des Vorlage:IconExternal vom 6. Januar 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/medialne.etrend.sk, slowakisch, abgerufen am 13. Februar 2011</ref>

Hörfunkprogramme

Die Gesellschaft betreibt vier landesweite Senderketten:<ref>Rádiá - Analógový spôsob príjmu - FM. Abgerufen am 31. März 2020.</ref>

Im Süden des Landes wird außerdem ein ungarischsprachiges Programm gesendet (für andere Minderheiten produziert die Redaktion anderssprachige Sendungen für Rádio Regina):

Folgende Sender sind nur digital (Satellit, DVB-T2, DAB+ und Internet) zu empfangen:<ref>Rádiá - Digitálny spôsob príjmu. Abgerufen am 31. März 2020.</ref>

  • Rádio Pyramída (Hörspiele, Literatur, Jazz, Folkloremusik, humoristische Sendungen)
  • Rádio Litera (Poesie, Prosa, anspruchsvolle Musik)
  • Rádio Junior (Kinderprogramm, sendet Nachrichten, Musik, Hörspiele etc.)

Außerdem existiert noch ein Auslandssender, welcher Inhalte auf Slowakisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch und Spanisch sendet und via UKW, Kurzwelle und digital verbreitet wird:<ref>RSI. Abgerufen am 31. März 2020.</ref><ref>RSI Deutsch: Wie sie uns hören können. Abgerufen am 31. März 2020.</ref>

Online werden darüber hinaus Podcasts und ein Sendungsarchiv bereitgestellt.<ref>RTVS Rádiá. Abgerufen am 31. März 2020.</ref>

Fernsehprogramme

Gesendet werden folgende Programme im HD- und zum Teil auch im SD-Format:

Tochtergesellschaften

  • Media RTVS, s.r.o. (Werbezeitverkauf u. Ä.)
  • PMT, s.r.o. (Quotenermittlung)<ref>Dcérske spoločnosti. In: rtvs.org. Abgerufen am 25. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Politische Initiative zur Abschaffung

Kurz nach der Angelobung der Regierung Robert Fico IV in Folge der Nationalratswahl 2023 stellte die zuständige Kulturministerin Martina Šimkovičová von der Partei SNS ihre Pläne für eine Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Medienangebots vor. Die Reform sei notwendig, da der „politische Aktivismus“ der „meinungsbildenden Medien (…) aufgeräumt“ gehöre. Neben einer Umbenennung und einer Verzehnfachung der Werbeplätze ist eine verstärkte Kontrolle der Regierung durch ein neues Aufsichtsorgan vorgesehen, weiters wird die Neubesetzung der Generaldirektion ermöglicht.<ref name=":1">STVR chce mať R. Fico schválenú ešte pred letom. M. Šimkovičová hovorí o uprataní politického aktivizmu. In: Správy RTVS. 24. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Vláda schválila 10-krát viac reklamy v RTVS. Markíza a JOJ sa búria, upozorňujú na koniec rovnováhy na trhu. In: Mediaklik. 24. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Gegen diese Reformen mobilisierte die Opposition (darunter PS, SaS und KDH sowie der letztlich gegen den Regierungskandidaten gescheiterte Präsidentschaftskandidat Ivan Korčok) in ihren Protesten gegen die Regierung.<ref>Tomáš Kyseľ: Ivan Korčok dostal na námestie 10-tisíc ľudí, mával zástavou a žiadal vytvoriť koridor. Nemusí to stačiť. In: Aktuality.sk. 19. März 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die weitere Durchführung der Reformen wurde im Zusammenhang mit dem Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2024 pausiert, nach der Wahl jedoch modifiziert in die Wege geleitet, wogegen u. a. die Belegschaft, die scheidende Präsidentin Zuzana Čaputová<ref>Zuzana Čaputová: Neexistuje žiaden reálny dôvod na zrušenie RTVS okrem jediného, a to je snaha o jej politické ovládnutie. Správy RTVS, 14. März 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, das Tschechische Fernsehen<ref>ČT: Návrhem zákona se RTVS posouvá ke státnímu médiu. In: Mediaguru.cz. 13. März 2024, abgerufen am 3. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und der Tschechische Rundfunk<ref>Riaditeľ Českého rozhlasu: Na Slovensku sa odohráva likvidácia klasického systému verejnoprávnych médií. In: Správy RTVS. 5. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie die Europäische Rundfunkunion (EBU)<ref>Riaditeľ EBU o RTVS: Takto dramatickú zmenu legislatívy sme ešte v iných krajinách nevideli. In: Správy RTVS. 11. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Protest anmeldeten. Die Europäische Kommission in Person der zuständigen Kommissarin Věra Jourová kündigte eine Überprüfung nach Beschlussfassung an.<ref>Na nový zákon o STVR si posvieti aj Európska komisia, Šimkovičovú navštívila eurokomisárka. In: O médiách. 25. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Ministerin verteidigt sich gegen Vorwürfe der Untergrabung der Medienfreiheit mit dem Hinweis auf die erfolgte Umstellung von einer (partiellen) Gebührenfinanzierung auf eine vollständige Finanzierung aus dem Staatsbudget, die durch die vorangegangene Regierung Ódor unter Beteiligung der SaS durchgeführt wurde. Dadurch sei die RTVS zu einem „Staatsmedium“ verkommen<ref name=":1" />, das zu kritisch über die Regierung berichte. Die Opposition sowie die Belegschaft der RTVS hingegen riefen auch nach der Beschlussfassung durch das Kabinett, vor dem geplanten Nationalratsbeschluss im Sommer 2024, zu erneuten Protesten auf, um zu verhindern, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk „Desinformationen“ und „Propaganda“ verbreite.<ref>Progresívci sa pre schválené zmeny v RTVS oblečú do čiernej, avizujú protesty. Podľa SaS urobí vláda z RTVS dezinformačné médium. In: Pravda.sk. 24. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Neuordnung des künftig „STVR“ heißenden Telerundfunks findet im zeitlichen Zusammenhang mit Attacken der Regierung bzw. insbesondere der größten Partei Smer gegen private Medien statt, darunter beispielsweise Ausschlüsse von Journalisten einiger „feindlicher“ Zeitungen (SME, Denník N und Aktuality.sk) von Pressekonferenzen<ref>Neželaní hostia na Úrade vlády. Niektoré médiá sú k nám nepriateľské, obmedzíme im prístup, oznámil Fico. In: TA3.com. 13. November 2023, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie Boykotte von Fernsehdiskussionen der privaten Sender JOJ und Markíza.<ref>Ficova koalícia bojkotuje reláciu Na telo v Markíze. In: Denník N. 12. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Libor Novák: Konec debat na Joj, bojkot Markízy, ovládnutí RTVS. Slovenská vláda rozkládá tamní televize. In: EuroZprávy.cz. 15. April 2024, abgerufen am 4. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Juni 2024 löste die Regierung von Robert Fico mit ihrer parlamentarischen Regierungsmehrheit den öffentlich-rechtlichen Sender RTVS per Gesetz auf. Die Opposition verließ aus Protest den Sitzungssaal und boykottierte damit die Abstimmung. Noch am Vorabend des Inkrafttretens am 1. Juli 2024 wurde das Gesetz von Staatspräsident Peter Pellegrini unterzeichnet.<ref>Slowakei schafft öffentlich-rechtlichen Sender ab. In: tagesschau.de. 2. Juli 2024, abgerufen am 2. Juli 2024.</ref> Die Regierung behauptete, der RTVS sei nicht objektiv, sei ständig voreingenommen gegenüber der Regierung und „im Konflikt mit der slowakischen Regierung“. Kritiker sehen in diesem Vorgang einen massiven Eingriff in die freien Medien und unabhängige Berichterstattung in der Slowakei. Das Gesetz sieht die Übernahme der Sendefrequenzen im Juli durch einen neugeschaffenen Sender namens STVR vor. Dessen Direktor soll von einem Rat ausgewählt werden, dessen neun Mitglieder vom Kulturministerium und vom Parlament ernannt werden. Das Gremium soll den Direktor auch jederzeit wieder absetzen können.<ref>Slowakei: Öffentliche Rundfunkanstalt RTVS wird aufgelöst, Deutsche Welle, 21. Juni 2024</ref><ref>Staatsfunk für die Slowakei: Freie Medien unter Druck, Medienmagazins ZAPP, Juni 2024</ref><ref>Slowakei stimmt für Rundfunkumbau, Tagesschau vom 21. Juni 2024</ref>

Am 30. Juni 2024 unterzeichnete Präsident Peter Pellegrini das von der Regierungsmehrheit aus zwei sozialdemokratischen und einer nationalistischen Partei im Parlament beschlossene STVR-Gesetz. Knapp vor Mitternacht wurde es eilig in der offiziellen Gesetzessammlung veröffentlicht. Damit war in letzter Minute die Voraussetzung dafür erfüllt, dass es wie geplant am 1. Juli in Kraft treten konnte.<ref name=":2" />

Weblinks

Commons: Rozhlas a televízia Slovenska – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive />