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Feldulme

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Feld-Ulme
Datei:Blismes elm 2007.jpg

Feldulme (Ulmus minor)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Ulmengewächse (Ulmaceae)
Unterfamilie: Ulmoideae
Gattung: Ulmen (Ulmus)
Art: Feld-Ulme
Wissenschaftlicher Name
Ulmus minor
Mill.

Die Feldulme (Ulmus minor, Synonym Ulmus campestris), in fachsprachlicher Rechtschreibung Feld-Ulme, oder Iper ist ein Laubbaum aus der Gattung der Ulmen (Ulmus) und der Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae). Seit einigen Jahrzehnten wird sie stark vom Ulmensterben bedroht.

Beschreibung

Datei:Illustration Ulmus carpinifolia0.jpg
Feld-Ulme (Ulmus minor), Illustration

Die laubabwerfenden Feldulmen können bis über 500 Jahre alt und bis über 35 Meter hoch werden.<ref>Feld-Ulme bei Nationalpark Donau-Auen.</ref> Der Stammdurchmesser erreicht bis über 2 Meter.<ref>D. J. Browne: The Trees of America. Harper, 1846, S. 490.</ref><ref>A. von Villers, F. von Thümen: Die Pflanzen des Homöopathischen Arzneischatzes. Erster Band, Baensch, 1893, S. 432 f.</ref> Die Zweige bilden oft auffallende Korkleisten aus. Junge Zweige sind olivgrün bis rotbraun, anfangs behaart, später kahl oder fast kahl. Die braun-graue Borke ist rissig bis schuppig.

Die zweizeilig angeordneten, (2) 8 bis (12) 15 mm lang gestielten Blätter sind eiförmig bis elliptisch oder verkehrt-eiförmig, halb so breit wie lang (in der Mitte am breitesten), besitzen 8 bis 14 Seitennerven und sind kurz zugespitzt. Der Spreitengrund ist asymmetrisch. Der Blattrand ist (einfach) oder doppelt gesägt. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und die Blattunterseite heller mit kleinen Achselbärten in den Adernwinkeln (selten kahl).

Die unauffälligen, rötlich-violetten oder grün-rötlichen Blüten sind büschelig angeordnet und erscheinen vor dem Blattaustrieb. Im Gegensatz zur Flatterulme sind die Blüten der Feldulme kürzer gestielt. Sie sind zwittrig, haben 4 bis 5 Staubblätter, die länger als die Blütenhülle sind und eine weiße bis rötliche Narbe. Der Fruchtknoten ist oberständig. Die Blüten sind häufig vormännlich. Sie werden durch den Wind bestäubt.

Die im Gegensatz zur Flatterulme kürzer gestielten, verkehrt-eiförmig bis fast kreisrunden, ringsum geflügelten Flügelnüsse tragen einen einzelnen Samenkörper, der nicht mittig, sondern dem oberen Flügelrand genähert ist. Der Flügelsaum ist an der Spitze bis zum Samenkörper eingeschnitten. Der Flügelrand ist kahl und nicht wie bei der Flatterulme bewimpert. Die Früchte werden durch den Wind verbreitet.

Die Blütezeit ist im März bis April und die Fruchtreife von Mai bis Juni.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref>Ulmus minor Mill. auf Tropicos.org, IPCN Chromosome Reports</ref>

Verbreitung

Datei:Ulmus minor range.svg
Verbreitung der Feldulme
  • Natürliche Verbreitung
  • × Isolierte Populationen
    Eingeführte und verwilderte Vorkommen (synanthropisch)<ref name="EUFORGEN">Ulmus minor, Field elm auf EUFORGEN</ref>

    Die Feldulme kommt in weiten Teilen Europas vor und erreicht auf der Höhe des südlichen Schwedens die Nordgrenze ihrer Verbreitung. Außerdem hat sie Habitate in Nordafrika (Kanarische Inseln, Marokko, Algerien und Tunesien) in Kleinasien und im Kaukasus.<ref name="EUFORGEN" /><ref name="GRIN-Ulmus minor" /> Die Feldulme ist durch das Ulmensterben im Rückgang begriffen.

    Die Feldulme kommt sowohl im Tiefland als auch im Hügelland vor. Sie bevorzugt teils überflutete Laub- oder Mischwälder, ist nährstoff- und kalkliebend. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Stieleichen-Ulmenwalds aus dem Verband Hartholzaue, kommt aber auch in Gesellschaften der Ordnung Flaumeichen- und Eichen-Trocken-Wälder, des Verbands Eichen-Hainbuchen-Wälder oder Berberitzen-Gebüsche vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

    Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt sind:<ref>Ulmus minor Mill., Feld-Ulme auf info flora</ref>

    • Feuchtezahl F = 3+w+, feucht, Feuchtigkeit stark wechselnd (mehr als ±2 Stufen)
    • Reaktionszahl R = 4, neutral bis basisch (pH = 5,5–8,5)
    • Nährstoffzahl N = 3, mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich
    • Lichtzahl L = 3, halbschattig
    • Temperaturzahl T = 4+, warm-kollin
    • Kontinentalitätszahl K = 3, subozeanisch bis subkontinental

    Weitere Illustrationen

    Systematik

    Synonyme für Ulmus minor <templatestyles src="Person/styles.css" />Mill. sind: Ulmus campestris <templatestyles src="Person/styles.css" />L. nom. ambig., Ulmus campestris var. umbraculifera <templatestyles src="Person/styles.css" />Trautv., Ulmus carpinifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Gled., Ulmus carpinifolia var. suberosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Moench) Rehder, Ulmus carpinifolia var. umbraculifera <templatestyles src="Person/styles.css" />(Trautv.) Rehder, Ulmus foliacea <templatestyles src="Person/styles.css" />Gilib. nom. inval., Ulmus foliacea var. suberosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Moench) Rehder, Ulmus foliacea var. umbraculifera <templatestyles src="Person/styles.css" />(Trautv.) Rehder, Ulmus glabra var. suberosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Moench) Gürke, Ulmus nitens <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench, Ulmus suberosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench und viele andere.<ref name="GRIN-Ulmus minor">Ulmus minor Mill. auf GRIN-Global (U.S. National Plant Germplasm System)</ref><ref name="KEW" />

    Folgende Unterarten oder Varietäten werden unterschieden:<ref name="KEW">Ulmus minor bei KEW.</ref>

    • Ulmus minor subsp. canescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Bartolucci & Galasso: Aus Italien dem Balkan, Griechenland, Türkei, Libanon, Syrien, Israel und Algerien, Libyen.
    • Englische Ulme (Ulmus minor subsp. minor, Syn.: Ulmus procera <templatestyles src="Person/styles.css" />Salisb.)<ref name="GRIN-Ulmus minor" />: Beheimatet in Europa (ohne Norwegen und Finnland), Kaukasien, Ukraine, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, nördlicher Naher Osten, westliches Nordafrika.

    Ökologie

    Die Feldulme dient mehreren Schmetterlingsarten als Raupen-Futterpflanze. Darunter befinden sich auch die folgenden gefährdeten, stark gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Arten: Rotbraune Ulmeneule (Cosmia affinis), Weißflecken-Ulmeneule (Cosmia diffinis), Bergulmen-Spanner (Venusia blomeri bzw. Discoloxia blomeri), Zweifleckige Plumpeule (Meganephria bimaculosa), Großer Fuchs (Nymphalis polychloros), Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium w-album) und Gestrichelter Lappenspanner bzw. Brauner Gebüsch-Lappenspanner (Trichopteryx polycommata).<ref>Schmetterlingsfutterpflanze Ulmus minor Mill., Feld-Ulme auf FloraWeb</ref>

    Nutzung

    Die Feldulme wird auch heute noch häufiger zur Anlage von Hecken angepflanzt und stark beschnitten. Hier kommen jedoch fast ausschließlich in Holland gezüchtete Varianten zum Einsatz, die meist vegetativ durch Wurzelsprosse vermehrt werden.

    Die Blätter der Feldulme wurden im Mittelalter als Futter für Schafe verwendet. Die Borke wurde früher arzneilich genutzt. Das Holz hat eine schöne Maserung und wurde früher oft für Drechselarbeiten und Intarsien genutzt. Seit dem Ulmensterben wird aber das Holz kaum noch wirtschaftlich genutzt.

    Der eingekochte Sud der Feldulmenrinde wurde früher unter anderem gegen Durchfall verordnet. Er enthält Schleimstoffe, Gerbstoffe, Phlobaphene und Phytosterine.<ref>H. P. T. Ammon (Hrsg.): Pharmazeutisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017475-8, S. 1552.</ref> Das Phloem der Pflanze enthält außerdem Stoffe, die den Antioxidantien ähnlich sind.<ref>W. Feucht u. a.: Localization and quantitative determination of catechins and proanthocyanidins in the phloem of elm and cherry. In: Tree Physiology. Band 10, Nr. 2, März 1992, S. 169–177. PMID 14969867.</ref>

    Ulmensterben

    In weiten Teilen Europas ist der Baum durch das Ulmensterben stark gefährdet. Dieses wird durch die Schlauchpilze Ophiostoma novo-ulmi/Ophiostoma ulmi aus der Ordnung Ophiostomatales verursacht. Ältere Bäume ab einem Stammdurchmesser von ca. 15 cm werden bevorzugt befallen. Die geschädigten Bäume treiben aber wieder aus. So findet man fast nur noch jüngere Pflanzen.

    Es existieren resistente Sorten, die nach den Phytopathologinnen Christine Buisman (1900–1936) und Bea Schwarz (1898–1969) benannt wurden, die die Ursache des Ulmensterbens entdeckt haben.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Epidemiology. DutchElmDisease.org (englisch) (Memento vom 5. Februar 2017 im Internet Archive).</ref>

    Literatur

    • F. L. Krebs: Vollständige Beschreibung und Abbildung der sämmtlichen Holzarten. Erster Theil, Vieweg, 1826, S. 435–438, Tafel CXXIX, archive.org.
    • Ulrich Hecker: Bäume und Sträucher. BLV Verlagsgesellschaft, München 2003, S. 126.
    • August Garcke: Garcke, Illustrierte Flora., 23. Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin/Hamburg, 1972, S. 432–433.

    Weblinks

    Einzelnachweise

    <references> <ref name="Oberdorfer2001">Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 319.</ref> </references>