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Rojda Aykoç

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Datei:20150703-TFF-Rudolstadt-Rojda-Senses-5957.jpg
2015, beim TFF.Rudolstadt

Rojda Aykoç (* 1978 in Kurtalan als Kadriye Şenses) ist eine kurdische Sängerin aus der Türkei.

Leben

Die Internetseite rojdarojda.com gibt folgende Zeitangaben zum Leben von Rojda Aykoç: Rojda wurde 1978 im Dorf Tütün bei Kurtalan in der Provinz Siirt, Südostanatolien, geboren. Nach ihrem Schulbesuch ging sie 1991 zum Musikstudium nach Istanbul und begann mit der Band Koma Gulên Xerzan aufzutreten, die ihr Bruder leitete. Seit 1993 arbeitete diese Band mit dem „Mesopotamischen Kulturzentrum“ (Mezopotamya Kültür Merkezi: MKM) zusammen. 1994 nahm die Gruppe ihr erstes Album mit dem Titel Ji Bîr Nabin (Die Unvergesslichen) auf. Ihr zweites Album, Sonda me (Unser Eid), entstand 1997; das darin eingespielte Lied Helimcan machte Aykoçs Stimme populär. Im selben Jahr schloss sie sich der aus elf Frauen bestehenden Gruppe Koma Asmîn an, die sie später wieder verließ. Das dritte Album von Koma Gulên Xerzan, Rûkena Min, erschien 2005, die Videoclips zu den darauf eingespielten Liedern Memet kanî und Elo dîno wurden auf einem Videoclipfestival in Zaxo als beste Videoclips nominiert. 2006 verließ sie Koma Gulên Xerzan und begann ihre Solokarriere unter dem Namen Rojda. Ihr erstes Soloalbum Sebra min erschien 2006.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Biografie, eigene Website (Memento des Vorlage:IconExternal vom 12. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rojdarojda.com</ref><ref name="rojdarojda-com_2012-02-12_B"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Biyorgafi (Memento vom 16. August 2015 auf WebCite) (türkisch), rojdarojda.com, gepostet am 12. Februar 2012.</ref>

2014 erschien mit Kezî (kurdischer Nebentitel: Stranên dengbejê jin, türkischer Nebentitel: Kadın Dengbej Şarkıları, englischer Nebentitel: Women's Voice And Feeling In The Culture Of The Dengbêj<ref group="A" name="Dengbêj">Sänger wie Delîl Dîlanar und Rojda haben moderne Interpretationen von Dengbêj-kilam erstellt und ihre eigenen Stimmen mit alten Dengbêj-Aufnahmen gemischt. Zwar ist von Jesiden in Armenien bekannt, dass kilam dort nicht als Musik, sondern als melodische Sprache definiert wird, doch bezeichnen kurdische Musiker in der Türkei kilam oft als Quelle und Inspiration kurdischer Musik. Kurdischen Musikern folgend können Dengbêj-kilam also als Musik interpretiert und kilam als rezitierte Lieder verstanden werden. (Quelle: Wendelmoet Hamelink, Hanifi Bariş: Dengbêjs on borderlands: Borders and the state as seen through the eyes of Kurdish singer-poets. In: Kurdish Studies Journal. Band 2, Nr. 1, 2014, S. 39–71, hier S. 41 f., Fußnote 4, doi:10.1163/9789004706538_005.)</ref>) ein Album von Rojda, das der alevitisch-kurdische Musiker Ozan Aksoy als besonders ausgereift, „ehrgeizig“ und für Musikliebhaber und Musiker kurdischer Musik „bedeutend“ einstufte. Dieses allen kurdischen Musikerinnen gewidmete und von Kom Müzik produzierte und vertriebene Projekt strebte an, einige besonders hochwertige Gedichte kurdischer Frauen zu bewahren. Die aus weiblicher Perspektive gesungenen Gedichte und erzählenden Texte enthalten als Erzählkunstformen Klagelieder, Schlaflieder, sowie moderne und traditionelle gesungene Gedichte. Einige Lieder sind in Struktur und Form äußerst komplex. Ein ausführliches Booklet enthält Texte und Informationen zu den Melodien in Kurmandschi mit türkischer und englischer Übersetzung.<ref name="AksoyInGedik2018_Kap10_149–166_p159f">Ozan Aksoy: Chapter 10: Kurdish Popular Music in Turkey. In: Ali C. Gedik (Hrsg.): Made in Turkey: Studies in Popular Music (= Goffredo Plastino, Franco Fabbri [Hrsg.]: Routledge Global Popular Music Series). 1. Auflage. Routledge, New York & London 2018, ISBN 978-1-138-78928-9, S. 149–166, hier S. 159 f. (i–xx, 1–259).</ref>

Freiheitsstrafe für Performance des Liedes „Heval Kamuran“

Am 9. Februar 2010 wurde Rojda Aykoç in ihrer Wohnung wegen „Propaganda für eine illegale Organisation“ verhaftet und zum Polizeipräsidium Beşiktaş gebracht, da sie das kurdische Lied „Heval Kamuran“ auf einem Festival in Diyarbakır gesungen hatte, welches vom dortigen Stadtrat organisiert worden war. Innerhalb weniger Stunden, in denen eine eidesstattliche Aussage Rojda Aykoçs zu dem Lied aufgenommen wurde, wurde sie wieder auf freien Fuß gesetzt.<ref name="freemuse-org_1"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Turkey: The Kurdish singer and musician Rojda has been arrested (Memento des Vorlage:IconExternal vom 27. September 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/freemuse.org (englisch). freemuse.org, ohne Datum, abgerufen am 25. September 2013.</ref> Nachdem sie am 11. Februar 2010 vor Gericht ausgesagt hatte, wurde Rojda Aykoç am 25. März 2010 vom 4. Hohen Strafgericht in Diyarbakır wegen „Verbreitung von Propaganda für eine illegale Organisation“ (Art. 7/2 des türkischen Anti-Terror-Gesetzes) auf zwei verschiedenen Konzerten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Das vom Gericht in Diyarbakır ausgesprochene Strafmaß, das auf jeweils ein Jahr für den Vortrag des Liedes „Heval Kamuran“ auf zwei verschiedenen Konzerten des 9. Kultur- und Kunst-Festivals in Diyarbakır vom 27.–30. Mai 2009 lautete, wurde später „wegen guter Führung“ auf zehn Monate Freiheitsstrafe für jeden der beiden Auftritte abgemildert. Während ihrer Auftritte in Diyarbakır sollen aus dem Publikum Symbole der verbotenen PKK und von PKK-Führer Abdullah Öcalan gezeigt worden sein.<ref>International Freedom of Expression Exchange, 30. März 2010</ref><ref name="freemuse-org_2"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Turkey: Kurdish singer Rojda charged with 20 months imprisonment (Memento vom 8. Juni 2015 im Internet Archive) (englisch). freemuse.org, 29. März 2010.</ref><ref name="Bianet_2010-03-29_IFP" /><ref name="Bianet_2010-03-29_IFP" /><ref name="HDN_2010-02-12_RDF"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rojda detained for singing in Kurdish in Turkey (Memento vom 16. August 2015 auf WebCite) (englisch), hurriyetdailynews.com, 12. Februar 2010.</ref> Ihr Prozess mit der Verhängung der Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten für Rojda Aykoç wegen „Verbreitung von Propaganda für die verbotene PKK“ erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die parlamentarische Verfassungskommission einen Gesetzesvorschlag annahm, der Wahlkampagnen in traditionell alltäglich von türkischen Bürgern gesprochenen Sprachen – somit auch Kurdisch – zuließ,<ref name="HDN_2010-03-25_PCA" /><ref name="Atlas2018_TS_19_5_818-840" /> womit eine der Hauptforderungen der pro-kurdischen BDP erfüllt wurde.<ref name="HDN_2010-03-25_PCA"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Parliamentary commission accepts Kurdish campaigning (Memento vom 16. August 2015 auf WebCite) (englisch), hurriyetdailynews.com, 25. März 2010.</ref>

Rojda Aykoç gehört zu den 160 Künstlern, die zu einem Treffen mit dem türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdoğan am 20. Februar 2010 eingeladen wurden, um über die kurdische Frage zu diskutieren, doch hatte sie bereits im Vorfeld angekündigt, nicht daran teilzunehmen,<ref name="Bianet_2010-03-29_IFP"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rojda: Imprisonment for Performing Kurdish Song (Memento vom 26. September 2013 auf WebCite) (englisch). Bianet, 29. März 2010, von Bawer Çakır.</ref> und blieb dem Treffen fern.<ref name="HDN_2010-03-25_PCA" /> Dass die Sängerin nur wenige Tage vor dem Treffen mit dem Premierminister verhaftet wurde, wurde auch als besonders ironisches Beispiel für die paradoxe Situation bezeichnet, dass in die Phase der sogenannten „kurdischen Öffnung“ weiterhin Terrorismusvorwürfe gegen kurdische Künstler erhoben wurden.<ref name="Atlas2018_TS_19_5_818-840">Duygu Atlas: Artistic expression in times of peace and war: the case of Turkey’s Kurds from 2009 to the present. In: Turkish Studies. Band 19, 5 (Repression and Resistance: Fragments of Kurdish Politics in Turkey under the AKP Regime), 2018, S. 818–840, doi:10.1080/14683849.2018.1481399.</ref>

Diskografie

Mit der Band Koma Gulên Xerzan

Solo-Alben

  • 2006: Sebra Min<ref name="open.spotify.com_53PSCRb2cgqTeEdSBPQ9Pm">Sebra Min - Album von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2011: Hat<ref name="open.spotify.com_49TTCdUgqC544w67wWpnFI">Hat - Album von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2012: Stranên Bijartî<ref name="open.spotify.com_3kn0jI8Pu6Pau6pGqvrveO">Stranên Bijartî - Album von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2014: Kezî - Stranên dengbejê jin<ref name="open.spotify.com_7lf0YaJ1LS9yqba0JUYaVj">Kezî - Album von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref><ref name="AksoyInGedik2018_Kap10_149–166_p166">Ozan Aksoy: Chapter 10: Kurdish Popular Music in Turkey. In: Ali C. Gedik (Hrsg.): Made in Turkey: Studies in Popular Music (= Goffredo Plastino, Franco Fabbri [Hrsg.]: Routledge Global Popular Music Series). 1. Auflage. Routledge, New York & London 2018, ISBN 978-1-138-78928-9, S. 149–166, hier S. 166 (i–xx, 1–259).</ref>
  • 2018: Siyam<ref name="open.spotify.com_3zH05rpATy02ndwMuU7Mv0">Siyam - Album von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2020: Bazin<ref name="open.spotify.com_39qQvykUzQ6L1JasWVAle0">Bazin - Album von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>

Weitere Veröffentlichungen

Solo EPs

  • 2024: Stranên Akustîk<ref name="open.spotify.com_44Oc2fRErxba2Du7u7FZTg">Stranên Akustîk - EP von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>

Solo-Singles (Auswahl)

  • 2006: Le Buke
  • 2006: Ax Le Gıdye
  • 2006: Esmera Mın
  • 2006: Gelmiş Bahar
  • 2006: Xeriba Beyani
  • 2006: Wey Dıl
  • 2006: Yar Hay Ninay
  • 2011: Xurfani
  • 2011: Sal Çu
  • 2011: Hey Nabe
  • 2012: Evdo
  • 2014: Şengal<ref name="open.spotify.com_3rMOtI8YsaO8HFs47k8Lq7">Şengal - Single von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2018: Gülbahar<ref name="open.spotify.com_7LHamE39QHcuRg9d40SGtm">Gülbahar - Single von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 22. Januar 2025.</ref>
  • 2018: Ezim Ezim
  • 2018: Dîsa Dîlan
  • 2018: Hey Lê Lê
  • 2018: Çavreşê Lê
  • 2018: Potporî
  • 2018: Wey Lo Dilo
  • 2018: Ne Oldu
  • 2018: Tû Şêrînî
  • 2018: Çi Tofan Bu (mit Mikail Aslan)
  • 2019: Ey Yarim (mit Abdal)
  • 2020: Evîndarî
  • 2020: Delaleb Ho Delalê
  • 2020: Nîna
  • 2021: Ax Lê Zeryê
  • 2021: Çiyayê Sîpan<ref name="open.spotify.com_5gCxK1mcqHE7Pg3YjsQWn9">Çiyayê Sîpan - Single von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2021: Kuro Neke
  • 2022: Hey Dilo<ref name="open.spotify.com_11pJOLjf1L0M3m13yu9dLj">Hey Dilo - Single von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2022: Heyrano (mit Kadnes)
  • 2023: Narînê<ref name="open.spotify.com_652ZiDlgXRmecHRGGvRZKp">Narînê - Single von Rojda. In: open.spotify.com. Abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>
  • 2023: Heval

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Anmerkungen

<references group="A" />

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