Das Rhönrad ist ein Sportgerät, das aus zwei Reifen besteht, die durch sechs Sprossen – zwei einfache Stangen (Spreizsprossen), zwei Griffsprossen und zwei Brettsprossen – miteinander verbunden sind. Der Durchmesser des Rades variiert je nach Größe des Turners, sodass der Turner fast gestreckt auf den Brettern stehen kann und sich an den Griffen hält. An den Brettern können Leder- oder Stoffschlaufen, sogenannte Bindungen, befestigt werden, in denen sich der Turner mit den Füßen festklemmen kann. Es gibt Räder von 130 bis 245 cm Durchmesser. Die Räder wiegen zwischen 40 und 60 kg. Es gibt sie in verschiedener Dicke und in verschiedenen Farben.
Geschichte
Otto Feick, der Sohn eines Schmiedes, war als Kind in zwei verbundenen Wagen-Reifen in Reichenbach (Pfalz) vor der Schmiede des Großvaters den Berg heruntergerollt.<ref>Sport und Spiel – Wer hat das Rhönrad erfunden?. In: Bregenzer Tagblatt / Vorarlberger Tagblatt, 2. April 1931, S. 7 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/btb</ref> Während seiner Haft 1921 im Militärgefängnis im französisch besetzten Mainz erinnerte er sich an die Experimente in seiner Kindheit und entwickelte das gedankliche Grundkonzept für das Sportgerät. Aus der Haft entlassen, baute er es in Ludwigshafen am Rhein. Auch ein erstes Foto wurde auf dem Gelände des von ihm 1919 mitbegründeten Volksgesundheit e. V. (nun VSK Germania Niederfeld 1919 e. V.) gemacht, welches später bei der Patentanmeldung benutzt wurde.<ref name="Pfalz2012">Gedenktafel am Geburtshaus des Rhönrad-Erfinders Otto Feick. In: Pfalzsport. Nr.1, 2012 (Online [PDF; 1,2MB; abgerufen am 21. September 2021] Pressearchiv VSK Germania Niederfeld).</ref> Erste Rollversuche fanden auf den Wiesen an der kleinen Blies in Ludwigshafen-Gartenstadt statt.<ref>Was hat der VSK mit dem Rhönrad zu tun? In: VSK Germania Niederfeld 1919 e. V. 29. April 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Februar 2016; abgerufen am 16. Februar 2016.Datei:Pictogram voting info.svgInfo: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vsk-germania.de</ref>
1923 wurde Feick mit vielen anderen Eisenbahnern von den französischen Besatzern aus der Pfalz ausgewiesen und zog in die Heimat seiner Frau nach Schönau an der Brend in der bayerischen Rhön, wo er eine Metallverarbeitungswerkstatt eröffnete.<ref name="Pfalz2012" /> Von dort aus meldete er im Jahre 1925 das ‚Reifenturn- und -sportgerät‘ zum Patent an, welches ihm unter der Nummer 442057 ausgestellt wurde.<ref>Patent DE442057C: Reifenturn- und -sportgerät mit zwei durch Verstrebungen im Abstand gehaltenen Reifen. Angemeldet am 8. November 1925, veröffentlicht am 19. März 1927, Erfinder: Otto Feick.</ref><ref>Die Rheinpfalz, Ausgabe Nr. 192 vom 18. August 2012.</ref> Den Namen ‚Rhönrad‘ ließ er erst 1926 schützen. Anfang 1926 führte er das Rhönrad in der Deutschen Hochschule für Leibesübungen im Sportforum Berlin vor.<ref>Kalenderblatt: 8.11.1925. Der richtige Dreh. In: Spiegel Online / EinesTages / Kalenderblatt. 7. November 2007, abgerufen am 16. Februar 2016.</ref> Er präsentierte es auch auf einer Erfinder- und Neuheitenmesse 1926 im Ebertpark in Ludwigshafen.<ref>A. Kaufmann: Rund ums Rhönrad – zum 50. Todestag von Otto Feick. In: Sportbund Pfalz. 13. Oktober 2009, abgerufen am 16. Februar 2016.</ref>
In Würzburg stellte er mit Sportlern der Eisenbahner Turn- und Sportverbände eine Mustertruppe zusammen, mit der er das Rad präsentierte. 1927 wurde Feick nach England eingeladen, um das Rhönrad auf den größten Bühnen Londons und vor englischen Fliegern vorzuführen. 1928 stellte er es in Frankreich vor, bereiste anschließend Europa, und 1929 trat er seine erste Reise in die Vereinigten Staaten an. Er trat auch mit Schulen in Verbindung, von denen einige das Rhönrad in den Sportunterricht integrierten. Zu diesen Zeiten werden auch die ersten Wettkämpfe ausgetragen, wobei vor allem Wettfahren, Wettspringen sowie Hindernisrennen auf dem Programm standen, daneben aber auch schon Pflicht- und Kürübungen in der Spirale und im Geradeturnen.<ref name="bredeny">Monika Engelmeier: Rhönradturnen – Geschichte des Rhönrads. In: TV Bredeney. 27. Dezember 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 16. Februar 2016.</ref>
In Österreich wurde es nach vereinzelten Zeitungsmeldungen seit 1926 am 7. Oktober 1928 beim Fußball-Länderspiel Österreich-Ungarn groß vorgestellt. Vor dem Spiel und in den Pausen gab es Rhönrad-Vorführungen, und es war das erste Fußballspiel Österreichs, welches live im Radio übertragen wurde.<ref>Der populäre Länderkampf. Morgen, Sonntag 1/2 4 Uhr, auf der Hohen Warte: Österreich gegen Ungarn. In: Sportblatt am Mittag / Sport-Tagblatt. Sport-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes, 6. Oktober 1928, S. S. 2 (rechte Spalte, 3. und 4. Absatz) (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wst</ref><ref>Artur Steiner: 5:1 für Österreich! Auch die Fußballer haben ihren 7. Oktober.. In: Wiener Sonntags-Zeitung / Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 8. Oktober 1928, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wsz</ref> Zu dieser Zeit war es in England schon bekannter und wurde dort wie in Berlin auch in Varietés gezeigt.<ref>Allerlei Sport – Das Rhönrad. In: Sportblatt am Mittag / Sport-Tagblatt. Sport-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes, 9. Oktober 1928, S. 6 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wst</ref>
Im amerikanischen Film Dynamit aus dem Jahre 1929 (Deutschlandpremiere: Herbst 1930, Österreich: Frühjahr 1931) wird ein von Frauen bestrittenes Rhönrad-Rennen gezeigt, bei dem die Hauptfigur gewinnt.<ref>Der Film – Ein Rhönrad-Rennen im Film. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ / Neues Wiener Abendblatt. Abend-Ausgabe des („)Neuen Wiener Tagblatt(“) / Neues Wiener Tagblatt. Abend-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes / Wiener Mittagsausgabe mit Sportblatt / 6-Uhr-Abendblatt / Neues Wiener Tagblatt. Neue Freie Presse – Neues Wiener Journal / Neues Wiener Tagblatt, 24. April 1931, S. S. 10 (rechte Spalte) (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg</ref><ref>Krimmer's Ton-Kino, Feldkirch. In: Feldkircher Anzeiger / Feldkircher Anzeiger. Feldkircher Wochenblatt / Vorarlberger Oberland. Gemeindeblatt Rankweil – Feldkircher Anzeiger – Gemeindeblatt Frastanz, 29. April 1931, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fan</ref> Das erste internationale Rhönradturnier fand Anfang August 1930 in Bad Kissingen statt. Bei der Berliner Sommerschau Sonne, Luft und Haus im Juli 1932 fand das erste nationale Rhönradturnier Deutschlands statt.<ref>Was wollen wir hören? Vom 17. bis 23. Juli – Sonntag, 17. Juli. In: Radio Wien, 15. Juli 1932, S. 43 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/raw</ref>
Bei den Olympischen Spielen 1936 wurde dieser Sport von 120 Turnern vorgeführt, war jedoch nicht olympische Disziplin. In den letzten Kriegsjahren kam der Rhönradsport vollständig zum Erliegen, auch im Ausland stagnierte das Interesse, wozu auch die deutsche Herkunft beitrug.<ref>Thomas Jaedicke: Patent für zwei Reifen und sechs Sprossen. In: Deutschlandfunk. 8. November 2015, abgerufen am 16. Februar 2016.</ref>
Nach dem Krieg begann der Aufbau sehr langsam, wobei die ersten Anfänge wiederum in Berlin und Würzburg gemacht wurden.<ref name="bredeny" /> 1956 gab es in Görlitz die ersten DDR-Meisterschaften.<ref>Der Spiegel vom 7. Dezember 2007</ref> Beim Deutschen Turnfest 1958 in München wurde es als Wettbewerb präsentiert. Rhönradturnen wurde zuerst in die Landesturnverbände und 1959 in den Deutschen Turner-Bund aufgenommen. 1960 fanden die ersten westdeutschen Meisterschaften in Hannover statt und 1961 die ersten deutschen Vereins-Mannschaftsmeisterschaften. Otto Feick erlebte die volle Anerkennung nicht mehr, da er 1959 verstarb. Es wurde eine Kunststoffbeschichtung der Stahlreifen eingeführt. Dadurch konnte man auch in Hallen arbeiten, ohne die Böden zu beschädigen. Dies führte dazu, dass die Rollbewegung langsamer wurde und die Bodenunebenheiten wegfielen, wodurch man schwierigere Übungen ausführen konnte und die exakte Ausführung mehr Gewicht bei der Bewertung erhielt.<ref name="bredeny" />
Durch die Gymnaestrada 1982 in Zürich sowie 1987 im dänischen Herning wurde die Basis für eine internationale Rhönradarbeit gelegt. Die Kontakte führten 1990 zur Austragung des ersten Europacup im Rhönradturnen in Taunusstein und einem 1991 in Cosenza/Italien. 1992 wurde die erste Europameisterschaft in Liestal in der Schweiz ausgetragen. Im Jahre 1995 wurden der Internationale Rhönradturn-Verband (IRV) gegründet und die 1. Rhönrad-Weltmeisterschaft in Den Helder (Niederlande) ausgetragen.
Der IRV organisiert alle zwei Jahre die Weltmeisterschaften sowie den World Team Cup.
Disziplinen
Es gibt drei Einzel-Disziplinen:<ref name=":0">Maria Sollohub: Gym Wheel Regulations 2023. In: IRV | International Wheel Gymnastics Federation. 15. August 2022, abgerufen am 8. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Datei:バーン.jpgGeradeBeim Geradeturnen rollt das Rad auf einer Fläche von 23 mal 3 Metern auf beiden Reifen und es werden Kürübungen vorgeturnt. Teilweise werden dabei Elemente aus dem Reck- oder Barrenturnen verwendet. Es gibt Übungen, die mit Hilfe beider, einer oder ohne Bindungen ausgeführt werden. Im Erwachsenenbereich wird das Geradeturnen zu Musik, ähnlich dem Eiskunstlaufen, ausgeführt. Dabei ist es wichtig, dass die Turnerinnen und Turner zur Musik passend ihre Elemente turnen und entsprechende Akzente setzen.
Datei:2017-06-05 Turnfest, Turnfestgala II (76) (freddy2001).jpgDisziplin Spirale (kleine Spirale)Beim Spiraleturnen bewegt sich das Rad auf einem der Reifen, es tellert wie bei einer Münze. In der großen Spirale hat das Rad einen Neigungswinkel von 60 Grad, in der kleinen Spirale weniger als 30 Grad. Zusätzlich gibt es noch die "vertikale Spirale" bei der das Rad fast aufrecht steht und um seine vertikale Achse dreht. Der Turner versucht das Rad durch Gewichtsverlagerung und Armzug auf der jeweiligen Höhe zu halten.
Datei:ラートの跳躍.jpgDisziplin Sprung (ohne Anlauf, sowie besteigen des Rades)Der Sprung wird von den männlichen und seit 1999 auch von den weiblichen Turnern ausgeführt. Das Rad wird mit Schwung angeschoben. Der Turner läuft im Steigerungslauf hinter dem Rad her und lässt sich vom Schwung auf das Rad ziehen. Aus der Grätsch-, Hock- oder Standposition vollführt er dann einen Sprung auf eine Matte. Dies kann z. B. ein Strecksprung, Grätschsprung, Überschlag oder Salto sein.
Daneben gibt es für Paare die Disziplinen Partnerturnen,Synchronturnen und Partnerspirale. Diese Disziplinen sind jedoch nicht Teil des internationalen Wettkampfprogramms.
Seit einigen Jahren ist auch das Cyr Wheel im Wettkampfgeschehen verankert. 2013 wurden erstmals Weltmeisterschaften in dieser Disziplin ausgetragen.
Code of Points
Mit dem Reglement "Code of Points 2023 +" wird genau beschrieben, wie die Küren bewertet werden.<ref name=":0" /> An der Weltmeisterschaft 2022 in Sønderborg präsentierte der IRV eine komplette Überarbeitung des Reglementes, welches an einer WM erstmals am Team Worldcup 2023 zum Einsatz kam.
Die Totalpunktzahl einer Kür wird wie gefolgt berechnet. In Gerade mit Musik wird vor dem Addieren der Durchschnitt der Ausführung sowie der Artistische Impression berechnet.
Schwierigkeit (max 10,0) + Ausführung (max 10,0) - Neutrale Abzüge = max 20,0 Punkte
Der Schwierigkeitswert besteht im Gerade und Spirale aus max 8,0 Punkte für die 8 schwierigsten Elemente einer Kür, sowie max 2,0 für das Erfüllen von Strukturgruppen. In Sprung wird die Schwierigkeit durch den Abgang bestimmt.
Der Ausführungswert wird berechnet durch das Abziehen von 0.1, 0.3 oder 0.5 für eine Abweichung der idealen Körperposition. Außerdem wird 1.0 abgezogen, falls der Turner fällt oder der Trainer das Rad berührt.
Das Kampfgericht besteht meist aus vier Ausführungskampfrichtern, einem oder zwei Schwierigkeitskampfrichtern, ein Oberkampfrichter, sowie in Geradeturnen mit Musik vier Kampfrichter für Artistische Impressionen.
* 2015 entschied sich der IRV den Bewerb alle geraden Jahre auszutragen.
** Die WM 2020 sollte in New York stattfinden, wurde allerdings aufgrund der COVID-19-Pandemie erst auf 2021 verschoben und später komplett gestrichen.
International Wheel Gymnastics Federation. 13. Juli 2020, abgerufen am 5. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Emma Gerlitz, Johannes Stolper, Karina Peisker, Kira Homeyer, Lilia Lessel, Malte Schröder
14
International Wheel Gymnastics Federation. 14. Oktober 2024, abgerufen am 5. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Lea Gmeiner, Malte Schröder, Karina Peisker, Johannes Stolper, Emma Gerlitz
Mannschaft Junioren
Nr.
Jahr
Mannschaft
Mitglieder
1
International Wheel Gymnastics Federation. 13. Juli 2020, abgerufen am 5. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Jamal Kiel, Johanna Calmano, Sophie Julius, Ella Köhler, Frieda Wilke, Mia Schmidt
2
International Wheel Gymnastics Federation. 14. Oktober 2024, abgerufen am 5. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Austrian Open: Salzburg (Österreich) / 23. November 2024<ref>IRV Certified Competition – Austrian Open 2024. In: IRV | International Wheel Gymnastics Federation. 7. Mai 2024, abgerufen am 7. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Danish Open: Sonderburg (Dänemark) / 9. November 2024<ref>IRV Certified Competition – Danish Open 2024. In: IRV | International Wheel Gymnastics Federation. 19. Mai 2024, abgerufen am 7. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Belgian Open, Eupen (Belgien) / noch offen<ref>IRV Certified Competition – Belgian Open 2024. In: IRV | International Wheel Gymnastics Federation. 9. Januar 2024, abgerufen am 7. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Weltmeisterschaften: Göttingen (Deutschland), 29. Juni bis 5. Juli 2026<ref>IRV World Championships 2026. In: IRV | International Wheel Gymnastics Federation. 30. November 2024, abgerufen am 26. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Das Rhönrad-Lied wurde bisweilen nach Rhönrad-Vorführungen gesungen: „Beim Sport man wirklich es erst schön hat, besitzt zum Üben man ein Rhönrad.“<ref>Harald Jähner: Höhenrausch. Das kurze Leben zwischen den Kriegen. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2024, ISBN 978-3-499-00880-1, S.282.</ref>