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reCAPTCHA

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Das Logo von reCAPTCHA

reCAPTCHA ist ein Captcha-Dienst, der seit 2009 von der Google LLC betrieben wird. Dieser versucht zu unterscheiden, ob eine bestimmte Handlung im Internet von einem Menschen oder von einem Computerprogramm bzw. Bot vorgenommen wird.

Der vollautomatische öffentliche Vorgang ähnelt somit dem Turing-Test.

Geschichte

Laut einer Hochrechnung der Carnegie Mellon University verbrachten Internetnutzer im Jahr 2004 weltweit pro Tag 150.000 Stunden damit, Captchas zu lösen.<ref>https://web.archive.org/web/20091229024136/http://recaptcha.net:80/learnmore.html Carnegie Mellon University, 27. Januar 2004. [31. März 2006]</ref> Die Regelmäßigkeit und Unentgeltlichkeit dieser Arbeitsleistung führte zu der Idee, sie für sinnvolle Zwecke einzusetzen. Der Informatiker Luis von Ahn, der im Jahr 2000 maßgeblich an der Erfindung des CAPTCHA-Verfahrens beteiligt war, entwickelte daraus im Jahr 2007 ein System namens reCAPTCHA, das bei der Buch-Digitalisierung eingescannte Wörter, die die Texterkennungssoftware nicht erkennt, durch die Eingabe von CAPTCHAs optimiert. Das System bezog seine Wörter anfangs aus einem Bereich des Internet Archives, der sich mit dem Digitalisieren von Büchern beschäftigt. Zudem half der Dienst bei der Digitalisierung des Archivs aller verfügbaren 130 Jahrgänge der New York Times:<ref>Jessie Scanlo: Luis von Ahn: The Pioneer of “Human Computation”. BusinessWeek, 3. November 2008; abgerufen am 28. Januar 2012</ref> Innerhalb weniger Monate nach Beginn dieses Projekts im Jahr 2009 waren bereits 20 Jahrgänge digitalisiert.

Im September 2009 kaufte Google das Unternehmen reCAPTCHA.<ref>Teaching computers to read: Google acquires reCAPTCHA. In: Official Google Blog. 16. September 2009, abgerufen am 5. November 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Google profitiert dadurch, weil es Teil seines Betätigungsfeldes ist, Bücher und andere Druckerzeugnisse zu digitalisieren.<ref>googleblog.blogspot.com</ref><ref>zdnet.de</ref> Im März 2012 wurde bestätigt, dass Google inzwischen auch Hausnummern aus Google Street View erkennen lässt, um die Datenbasis für Google Maps zu optimieren.<ref>Google nutzt Streetview-Fotos für reCAPTCHA</ref><ref>Sarah Perez: Google Now Using ReCAPTCHA To Decode Street View Addresses. techcrunch.com, 29. März 2013, abgerufen am 9. September 2013</ref> Seit etwa Oktober 2015 werden auch vermehrt Straßenschilder angezeigt, deren erkannte Straßennamen ebenfalls zur Verbesserung von Street View benutzt werden.<ref>Stop a bot. Improve a map. reCAPTCHA improves our knowledge of the physical world by creating CAPTCHAs out of text visible on Street View imagery As people verify the text in these CAPTCHAs, this information is used to make Google Maps more precise and complete. So if you’re a Google Maps user, your experience (and everyone else’s) will be even better. google.com; abgerufen am 6. Februar 2016</ref> Teilweise werden nur noch diese Straßenschilder und Hausnummern zur Erkennung angezeigt und nicht mehr Ausschnitte aus eingescannten Büchern.

Ab Ende 2018 stellte Google die Version reCAPTCHA v3 vor, bei der keine sichtbare Herausforderung mehr nötig ist: Stattdessen wird das Nutzerverhalten im Hintergrund analysiert, ein Risiko-Score vergeben und je nach Wert eine Aktion ausgelöst.<ref name=":0">Gepostet von Wei Liu, Google Product Manager: Neu: reCAPTCHA v3 – die neue Methode, Bots zu stoppen | Google Search Central Blog. Abgerufen am 26. Oktober 2025.</ref>

Im Oktober 2023 wurde festgestellt, dass der Chatbot OpenAI CAPTCHAs lösen kann.<ref>Benj Edwards: Dead grandma locket request tricks Bing Chat's AI into solving security puzzle. Ars Technica, 2. Oktober 2023, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 25. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Dienst wurde wegen mangelnder Sicherheit und Zugänglichkeit bei der Erfassung von Nutzerdaten kritisiert. Eine Studie aus dem Jahr 2023 schätzt die Gesamtkosten für die Zeit, die Menschen für die Lösung von CAPTCHAs aufwenden, auf 6,1 Milliarden US-Dollar an Löhnen.<ref>Mark Frauenfelder: reCAPTCHA: 819 million hours of wasted human time and billions of dollars in Google profits. Boing Boing, 7. Februar 2025, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 11. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der dadurch verursachte Datenverkehr betrug zum Zeitpunkt der Studie um die 134 Terabytes an Bandbreite. Dies entspricht etwa 7,5 Millionen kWh Energie und damit ca. 3402 Tonnen CO2-Emissionen.<ref>Andrew Searles, Gene Tsudik, Renascence Tarafder Prapty: Dazed & Confused: A Large-Scale Real-World User Study of reCAPTCHAv2. In: arXiv. S. 2, abgerufen am 8. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Funktion und Verwendung

Datei:Google Recaptcha.png
Ein Beispiel einer reCAPTCHA-Eingabebox

Bei älteren Versionen von reCAPTCHA wurde oft eine Herausforderung angezeigt, etwa das Eingeben von zwei Wörtern – eines war dem System bereits bekannt, das andere stammte aus einem Digitalisierungsprojekt unbekannter Herkunft. Dieses Vorgehen diente dazu, Bildertexte (z. B. aus Büchern) manuell nachzutragen.

Heute funktioniert reCAPTCHA primär im Hintergrund als Risikoanalyse-System: Es beobachtet Interaktionen eines Besuchers mit der Website (z. B. Mausbewegungen, Klickverhalten, Zeit auf der Seite) und weist jeder Aktion einen Score zu; z. B. bei der Version v3 zwischen 0.0 (wahrscheinlich Bot) und 1.0 (wahrscheinlich Mensch). Basierend auf diesem Score entscheidet die Betreiber-Website, ob eine sichtbare Herausforderung angezeigt werden muss (z. B. eine Checkbox „Ich bin kein Roboter“ oder eine Bildauswahl) oder ob der Zugriff ohne weiteres Zutun erlaubt wird.<ref>reCAPTCHA v3. Abgerufen am 26. Oktober 2025.</ref><ref name=":0" /> Nur wenn das System bei einem Nutzer unsicher ist, wird ein zusätzlicher Test angezeigt. Bei diesem müssen beispielsweise alle Bilder ausgewählt werden, die ein bestimmtes Objekt (z. B. Ampeln oder Zebrastreifen) enthalten.

Dadurch wird der Nutzer nicht mehr, wie bei den früheren Versionen, regelmäßig aktiv in die Buch- oder Zeitungsdigitalisierung eingebunden. Vielmehr steht das Ziel im Vordergrund, automatisierten Bot-Traffic zu erkennen und menschlichen Traffic möglichst reibungslos passieren zu lassen.

Betreiber von Websites integrieren reCAPTCHA weiterhin über Plugins oder direkt via API<ref>Entwicklerhandbuch | reCAPTCHA. Abgerufen am 26. Oktober 2025.</ref> und wählen je nach Risikoeinschätzung die passende Version, also v2 mit Checkbox bzw. Bilderkennung oder v3 mit unsichtbarer Risikoanalyse.

Datenschutz

Wann immer diese Technik eingesetzt wird, werden personenbezogene Daten (IP-Adresse, Zugriffsort und Zeitpunkt) an Google weitergeleitet. In der Regel hat Google zum selben Zeitpunkt weitere Daten vom Nutzer, nämlich aufgrund der zahlreichen Hintergrunddienste auf sonstigen Webseiten, die Google zum Einbau anbietet: Google Maps, Google Analytics, Google Ads etc. Damit ist umfassendes Tracking möglich.<ref>Mike Kuketz: Google: No CAPTCHA reCAPTCHA Datenstaubsauger. Abgerufen am 3. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Weblinks

Commons: ReCAPTCHA – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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