Randsteinbeißen
Randsteinbeißen (englisch Curb stomping, Curbjob), ugs. Bordsteinfressen, Bordsteinbashing,<ref name="bpb.de" /><ref>„Ein paar Zähne gehen drauf“, Der Spiegel, 12. November 1990</ref> Bordsteinkick<ref>Marinus Schöberl, todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de</ref> oder auch Bordsteinbreaker, beschreibt eine Gewalttat, bei der das Opfer mit seinem Mund bzw. seinen Zähnen an einer festen Stelle – meist einem Bordstein – fixiert und in den Nacken getreten wird. Die Folge ist oft ein Genickbruch und damit der Tod des Opfers.<ref name="NWZ 2005" /> Bei ausreichender Gewalteinwirkung kann es auch zu einer schweren Schädelfraktur, einem Querbruch der Schädelbasis, kommen.<ref name="NY Post 2018" /><ref>Stumpfe Gewalt: Verletzungen der Knochen, Schanierbruch, lecturio.de</ref>
Bekannter Fall
Am 12. Juli 2002 wurde der 16-jährige Marinus Schöberl von jugendlichen Neonazis in einem Schweinestall im brandenburgischen Potzlow durch einen solchen Tritt – in diesem Fall an einem Schweinetrog – schwer verletzt und anschließend ermordet.<ref>American History X, kabeleins.de</ref> Die Täter gaben später an, den Film American History X zu kennen, und die zuständige Richterin vermutete, dass sie durch die Darstellung dieser Gewalttat, die als Bordstein-Kick bezeichnet wurde, in diesem Film zu ihrem Verbrechen motiviert wurden.<ref>Simone Rafael: Bis zu 15 Jahre Haft für Potzlow-Mord. Gericht: Rechtsextreme Motivation. In: Märkische Allgemeine, wiederveröffentlicht in Mut gegen rechte Gewalt. 23. Oktober 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. April 2004; abgerufen am 23. Januar 2014.</ref><ref>Andreas Fritsche: Warum hat keiner Marinus geholfen? Heute Urteilsspruch im Potzlow-Prozess, neues-deutschland.de, 24. Oktober 2003</ref> Die drei Täter erhielten Strafen von 15 Jahren Haft für den Erwachsenen, acht Jahre und sechs Monate für einen der Minderjährigen und zwei Jahre Jugendhaft auf Bewährung für den dritten Täter, wobei diese Strafe 2004 jedoch rückwirkend in eine dreijährige Gefängnisstrafe umgewandelt wurde.<ref>Wie drei Neonazis in Potzlow einen 16 Jahre alten Schüler zu Tode quälten, Krimi-Serie: Potzlow im Jahre 2002: Mord ohne Reue, MOZ.de, 8. November 2011</ref>
Darstellung in Presse, Literatur, Film, Fernsehen und Videospielen
Eine solche Tat wurde 1998 in American History X erstmals in einem Film gezeigt.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig 50 Most Hard-To-Watch scenes in movie history.] Complex Pop Culture, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Curb-Stomp — An Oral History of the Grisly ‘American History X’ Scene.] True Slant, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. Mai 2014.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Die explizite Darstellung der Tat führte nach Veröffentlichung des Films zu einer kontroversen Diskussion über diese Gewaltdarstellung.
Die Ermordung von Marinus Schöberl wurde 2006 unter der Regie von Andres Veiel in Der Kick filmisch verarbeitet, nachdem es unter dem gleichen Titel bereits 2005 als Dokumentartheaterstück in Basel aufgeführt worden war.<ref>„Der Kick“: Dokumentarttheater in Basel, deutschlandfunk.de, 24. April 2005</ref><ref>In einer deutschen Julinacht: Andres Veiels Film »Der Kick« ist die beeindruckende Geschichte eines Verbrechens., Die Zeit 39/2006, 21. September 2006</ref>
Auch weitere Filme und Serien stellen das Randsteinbeißen in Schlüsselszenen filmisch dar.
- Oi!Warning (2000)<ref>Oi! Warning, film-kultur.de</ref>
- Kombat Sechzehn (2005)<ref name="bpb.de">„Sie sehen in ihm einen Verräter und verlangen von Thomas, dass er das berüchtigte Bordstein-Bashing an Georg ausführt.“Kombat Sechzehn,bpb.de</ref><ref>Interview: "Ich hoffe auf eine andere Form der Auseinandersetzung": Ein Gespräch mit Mirko Borscht zu seinem Film Kombat Sechzehn, kinofenster.de, 1. Juni 2005</ref>
- Die Sopranos – Staffel 6, Folge 19 (2007)
Im Wrestling benutzte der WWE-Wrestlingprofi Seth Rollins Bordsteinbeißen, im Englischen Curb stomp genannt, als Kampfabschluss. Rollins sagte 2015, dass er aus PR-Gründen aufgehört habe, ihn zu benutzen, weil der Curb stomp zu gewalttätig sei und er nicht wollte, dass Kinder ihn nachmachen.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Seth Rollins talks Brock Lesnar, Johnny Manziel, curb stomp, John Cena and more.] Fox Sports, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 14. Dezember 2015.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Am 15. Januar 2018 verwendete er diesen Kampfabschluss wieder im Monday Night Raw, aber er wird nun nur noch als „Stomp“ bezeichnet.<ref>Seth Rollins' Curb Stomp ist zurück in der WWE, heute.at, 18. Januar 2018</ref>
In Zeitungen, Zeitschriften und Büchern wurde Randsteinbeißen im Zusammenhang mit Straftaten thematisiert.
- Im November 1990 führte Der Spiegel ein Interview mit einem Neonazi, in dem dieser das Bordstein-Bashing einer Neonazis-Gruppe gegenüber einem Linken beschrieb.<ref>„Ein paar Zähne gehen drauf“, Der Spiegel, 12. November 1990</ref>
- Im Buch Berlin: Biographie einer Stadt von David Clay Large wird Bordstein-Bashing 2002 als Gewaltmethode von Neonazis genannt, wobei durch einen Tritt mit einem Stiefel mit Stahlkappe dem Opfer die Kiefer gebrochen werden.<ref>David Clay Large: Berlin: Biographie einer Stadt, C.H.Beck, 2002, S. 540 [1]</ref>
- Im Mai 2005 berichtete die Nordwest-Zeitung über den Prozess wegen Bordsteinbeißen im Dezember 2003 an einem 16-jährigen Jugendlichen, der durch Drehen des Kopfes vor dem Zutreten einen Genickbruch vermeiden konnte. Der Täter war ein 19-jähriger, der Teil einer fünfköpfigen Gruppe von Rechtsradikalen war. Die Anklage gegenüber dem Haupttäter lautete auf Mordversuch,<ref name="NWZ 2005" /> der ihm bis zum Prozessende im Juni 2006 aber nicht nachgewiesen werden konnte.<ref>Keine Beweise für versuchten Mord, nwzonline.de, 17. Juni 2006</ref> Die vier anderen Täter wurden wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.<ref name="NWZ 2005">16-jähriges Opfer muss niederknien und in den Bordstein beißen, nwzonline.de, 11. Mai 2005</ref>
- 2011 wurde Randsteinbeißen im Buch Wir waren jung und brauchten das Gel als Gewaltmethode von Straßenbanden erwähnt, die Opfern ihre Jacken stahlen. Als Verletzungsfolgen des Randsteinbeißens werden Zahnverlust beider Zahnreihen und Einreißen der Mundwinkel genannt.<ref>Lisa Seelig, Elena Senft: Wir waren jung und brauchten das Gel, S. Fischer Verlag, 2011, S. 10 [2]</ref>
- 2016 berichtete die Mail Tribune über einen Fall von Bordsteinkantenbeißen, bei dem das Opfer mehrere Schädelbrüche erlitt und die Tat überlebte.<ref>Men get prison for 'curb stomp' attack, Mail Tribune, 20. Juli 2016</ref>
- Anfang 2018 berichtete die New York Post über einen Rechtsradikalen, der sein Opfer mit Messerstichen getötet hatte. Der Täter hatte die Bewegung des Zutretens beim Bordsteinbeißen fotografisch nachgestellt und im Internet gepostet.<ref name="NY Post 2018">Photo shows ‘Ivy League killer’ pretending to crush friend’s skull, nypost.com, 20. Januar 2018</ref>
Einzelnachweise
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