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Ranciéit

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Ranciéit
Datei:Rancieite-320245.jpg
Derbes Mineral-Aggregat mit hellbraunem Ranciéit-Überzug (Größe: 4,3 cm × 4,3 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Rnc<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel
  • (Ca,Mn2+)0,2(Mn4+,Mn3+)O2·0,6H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • (Ca,Mn2+)Mn4+4O9·3H2O<ref name="Lapis" />
  • (Ca,Mn2+)2+(Mn4+3,5O8)2−·3H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/F.04 – Anhang
IV/D.12-010

4.FL.40
07.10.01.01
Ähnliche Minerale Takanelith
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal<ref name="Ertl" />
Kristallklasse; Symbol trigonal-rhomboedrisch; 3
Raumgruppe P3 (Nr. 147)Vorlage:Raumgruppe/147<ref name="Ertl" />
Gitterparameter a = 2,845 Å; c = 7,485 Å<ref name="Ertl" />
Formeleinheiten Z = 1<ref name="Ertl" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3<ref name="Mindat" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,336<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Farbe schwarz, silbergrau, braunviolett<ref name="Lapis" />
Strichfarbe dunkelbraun<ref name="Lapis" />
Transparenz undurchsichtig, in dünnen Splittern braun durchscheinend<ref name="Rösler" />
Glanz Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />

Ranciéit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Formel (Ca,Mn2+)0,2(Mn4+,Mn3+)O2·0,6H2O<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calcium-Mangan-Oxid.

Ranciéit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und bildet polykristalline Mineral-Aggregate mit dünnen Lamellen, findet sich aber auch in Form von Stalaktiten und Inkrustationen von schwarzer, silbergrauer oder braunvioletter Farbe mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen. Die Strichfarbe von Ranciéit ist allerdings dunkelbraun. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und nur in dünnen Splittern braun durchscheinend.

Etymologie und Geschichte

Datei:Aux mines de Rancié, Vicdessos, septembre 1882 (8190563032).jpg
Zugang zur Rancié-Mine im September 1882

Entdeckt wurde Ranciéit in Mineralproben aus der Rancié-Mine bei Sem im französischen Département Ariège (Okzitanien). Die Erstbeschreibung erfolgte 1857 durch den französischen Mineralogen Alexandre Félix Gustave Achille Leymérie, der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung des Muséum national d’histoire naturelle (MHN) in Paris aufbewahrt, ist dort allerdings nicht auf der Liste der Typminerale verzeichnet.<ref name="IMA-Typmineralkatalog" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Ranciéit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „Hydroxide“, wo er als einziger Vertreter im Anhang zur „Diaspor-Böhmit-Gruppe“ mit der Systemnummer IV/F.04 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/D.12-010. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo Ranciéit zusammen mit Lagalyit und Takanelith eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/D.12 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ranciéit in die Klasse der „Oxide (Hydroxide, V[5,6]-Vanadate, Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite, Iodate)“ und dort in die Abteilung „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Hydroxide mit H2O ± (OH); Lagen kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden, wo es zusammen mit Takanelith die „Takanelithgruppe“ mit der Systemnummer 4.FL.40 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Ranciéit die System- und Mineralnummer 07.10.01.01. Das entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung und gleichnamigen Unterabteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 07.10.01, in der auch Takanelith eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Ranciéit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P3 (Raumgruppen-Nr. 147)Vorlage:Raumgruppe/147 mit den Gitterparametern a = 2,845 Å und c = 7,485 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.<ref name="Ertl"/>

Modifikationen und Varietäten

Ranciéit bildet mit Takanelith eine Mineralserie, bei der das Calcium durch Mangan ersetzt wird.<ref name="MindatSerie" />

Bildung und Fundorte

Datei:Ranciéite-486807.jpg
Ranciéit aus der Siresol Mine, Vajo Siresol, Montecchio, Gemeinde Negrar, Venetien, Italien (Größe: 2,2 cm × 3,3 cm × 2 cm)
Datei:Birnessite, Rancieite, Aegirine, Opal, Microcline - Demix-Varennes quarry, Saint-Amable sill, Quebec, Canada.jpg
Pseudomorphose von Birnessit/Ranciéit vermutlich nach Serandit aus der Grube Demix-Varennes, Saint-Amable, Québec, Kanada. Die olivgrünen „Igel“ bestehen aus Aegirin (sehr typisch für diesen Fundort). Auf den weißen Mikroklinkristallen sind einige kleine, farblose Tröpfchen von kräftig grün fluoreszierendem Opal zu sehen.

Ranciéit bildet sich durch Verwitterung in Mangan-Lagerstätten, meist in Kalkstein oder Kalksteinhöhlen. Als Begleitminerale können unter anderem Todorokit, Calcit und „Limonit“ auftreten.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als eher seltene Mineralbildung konnte Ranciéit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 190 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2021).<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität, der Rancié-Mine bei Sem (Ariège) trat das Mineral in Frankreich noch an weiteren Orten in der Region Okzitanien auf wie unter anderem bei Palairac im Département Aude, in den Batère-Minen bei Corsavy im Département Pyrénées-Orientales, den Manganerzfeldern am Plateau d'Ambulla bei Corneilla-de-Conflent sowie in der Mine Las Costes und im Steinbruch Le Rivet im Département Tarn. Des Weiteren fand sich das Mineral noch in einigen Gruben bei Saphoz (Esmoulières) im Département Haute-Saône in der Region Bourgogne-Franche-Comté sowie bei Lembach im Département Bas-Rhin und an mehreren Orten des Département Haut-Rhin in der Region Grand Est.

In Deutschland fand man Ranciéit bisher vor allem in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, aber auch an einzelnen Fundstätten wie unter anderem im Steinbruch Moldenberg bei Schnaitheim in Baden-Württemberg, in einem unbenannten Steinbruch bei Hadermannsgrün sowie in der Grube Segen Gottes bei Huckelheim und dem Steinbruch Hartkoppe bei Sailauf in Bayern, auf Abraumhalden eines Kalktagebaus am Kesselsee nahe Rüdersdorf bei Berlin in Brandenburg, am Roßberg bei Roßdorf, in den Gruben Georg und Juno bei Bockenrod (Reichelsheim) sowie bei Hohenkirchen (Espenau) und an der Blauen Kuppe in Hessen.

In Österreich trat das Mineral unter anderem bei Badersdorf im Burgenland, an mehreren Orten in Kärnten und der Steiermark sowie bei Lend in Salzburg auf. In der Schweiz konnte Ranciéit bisher nur bei Frick und Holderbank im Kanton Aargau, bei Tinizong und Ausserferrera sowie am Piz Cam im Kanton Graubünden und bei Saint-Luc im Kanton Wallis gefunden werden.

Weitere Fundorte liegen in Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Griechenland, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, auf den Kanarischen Inseln, auf Kuba, Luxemburg, in Mexiko, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte"/>

Zu den entlegensten Fundorten gehört der Mount Erebus, der zurzeit einzige noch aktive Vulkan in der Antarktis.<ref name="Kammerer" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Ertl"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Ranciéit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 16. Februar 2021. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmineralkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – R. (PDF 169 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 16. Februar 2021. </ref> <ref name="Kammerer"> </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Ranciéite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Februar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Ranciéite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Februar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatSerie"> Ranciéite-Takanelite Series. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Februar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Rösler"> Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 408. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> </references>