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Präventivschlag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Präventivschlag oder Präventivkrieg wird ein militärischer Angriff bezeichnet, der einem angeblich oder tatsächlich drohenden Angriff eines Gegners zuvorkommen und diesen vereiteln soll, also eine Offensive in defensiver Absicht.<ref>Volker Dotterweich: Krieg der Titanen? Spekulationen über Stalins Strategie im Frühjahr 1941. In: Volker Dotterweich (Hrsg.): Kontroversen der Zeitgeschichte. Historisch-politische Themen im Meinungsstreit. München 1998, S. 123.</ref>

Das moderne Kriegsvölkerrecht erlaubt nur Verteidigungskriege. Die Abgrenzung zu Präventivkriegen ist umstritten. Angriffskriege wurden bisweilen propagandistisch als Präventivkriege ausgegeben.

Definition

Der Präventivschlag führt

  • entweder zu einem so genannten Enthauptungsschlag, der dezidiert die Führung der gegnerischen Streitmacht (bzw. die des Landes, dem aggressive Absichten unterstellt werden) schwächt oder vernichtet, oder
  • zu einem (regulären) Präventivkrieg, der unter anderem Kampfhandlungen auf dem eigenen Territorium zuvorkommen soll.

Ein Stillstand der militärischen Aktionen ist dabei in der Regel nicht Ziel des Vorgehens.

Präventivkriege werden als vorweggenommene Verteidigung gerechtfertigt, da der bevorstehende Angriff des Gegners nur vorweggenommen werde, um den Vorteil des Angreifers der eigentlich bedrohten Seite zukommen zu lassen.

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Präemptivschlag

Der ehemalige US-amerikanische Präsident George W. Bush verwendete in der National Security Strategy vom September 2002 (sogenannte „Bush-Doktrin“) häufig den Begriff „Präemptivschlag“ (pre-emptive strike) in Abwandlung des Konzepts des Präventivschlags. Bedeute Prävention eine Militäraktion zur Ausschaltung einer zukünftigen Gefahr (beispielsweise die Zerstörung von vermuteten Giftgasfabriken), so setze die Präemption erst bei einem unmittelbar bevorstehenden Angriff an. Abgrenzung und Definition des pre-emptive strike sind sehr umstritten.<ref>Vgl. etwa Kaufman: “Under both contemporary practice and tradition, pre-emptive self-defense (self-defense against an imminent or actual attack) is permissible, whereas ‘preventive self-defense’ – where there is not even an imminent threat – is not permissible” <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento vom 27. November 2005 im Internet Archive); siehe auch Rose: „Als präemptiv wird ein Angriff gemeinhin dann bezeichnet, wenn er in zweifelsfrei unmittelbar bevorstehende oder bereits stattfindende Angriffshandlungen eines Gegners hineinläuft. Als präventiv firmiert eine Kriegshandlung, wenn eine Angriffsvorbereitung des Gegners zwar nicht direkt erkennbar, aber damit zu rechnen ist, dass dieser Gegner demnächst oder jedenfalls in absehbarer Zeit eine militärische Offensive startet“ (www.ag-friedensforschung.de). Kaufman hält aber auch fest: “However, much of the confusion arises because the word ‘pre-emptive’ is sometimes used to mean the use of force against an imminent threat, and sometimes to mean the use of force where a threat is not even imminent. The problem seems to be a lack of agreement on the definition of key terms.” <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento vom 27. November 2005 im Internet Archive)</ref>

Moralphilosophische Bewertung

Der deutsche Philosoph und Politikwissenschaftler Lothar Fritze spricht Präventivkriegen grundsätzlich die Legitimation ab: „Eine Selbstverteidigung gegen potentielle Bedrohungen ist als Abwehrrecht nicht universalisierbar. […] Wenn jeder dem anderen aufgrund von Furcht zuvorkommen darf, ohne dass dessen Absicht zum Angriff tatsächlich außer Zweifel steht, intensiviert sich die gegenseitige Bedrohungswahrnehmung und damit die vermeintliche Notwendigkeit, als Erster loszuschlagen. Denkt man die Doktrin der präventiven Selbstverteidigung zu Ende, kann man nur eine Konsequenz ziehen, nämlich dass sie völkerrechtlich und moralisch inakzeptabel ist.“<ref>Lothar Fritze: Die Moral des Bombenterrors. Alliierte Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg. München 2007, S. 191.</ref>

Historische Präventivkriege und -schläge

In der Militärgeschichte sind zahlreiche Beispiele für – in den meisten Fällen umstrittene – Präventivschläge bekannt:

Aktuelle Präventivkriege und -schläge

Russische Begründung für den russischen Angriff auf die Ukraine 2022

  • Laut russischer Propaganda handelte es sich beim russischen Überfall auf die Ukraine 2022 – nebst anderen Begründungen – auch um einen Präventivschlag, um einem Angriff der Ukraine zuvor zu kommen. „Dutzende Millionen von Menschen“ in Russland würden diese These glauben, auch wenn es den Streitkräften Russlands in 6 Monaten Krieg nicht gelang, die Verteidigung der Ukrainer in der Region Donezk zu überwinden. „Wenn sich ein Land auf einen Angriff vorbereitet, baut es dann Bunker 50 Kilometer tief von der Grenze entfernt?“ fragte ein russischer Geistlicher, der sich wegen angeblicher Diskreditierung der Streitkräfte verantworten musste.<ref>„Das Fernsehen erobert sogar das Evangelium“. Nowaja gaseta. Europa, 24. August 2022.</ref> Im September 2022 widersprach Alexander Chodakowski dieser Moskauer Version zur Rechtfertigung des Angriffskriegs. Die Truppen der VR Donezk hätten unter den Dokumenten der ukrainischen Streitkräfte, die ihnen bei den Kampfhandlungen in die Hände gefallen seien, keinen einzigen Hinweis darauf gefunden. Vielmehr habe sich die Ukraine auf einen Abwehrkrieg vorbereitet.<ref>Separatistenführer widerspricht offizieller Kriegsthese spiegel.de, 8. September 2022.</ref>

Israelisch/US-amerikanische Begründung für den gemeinsamen Angriff mit den USA auf den Iran im Februar 2026

Siehe auch

Literatur

  • Björn Schiffbauer: Vorbeugende Selbstverteidigung im Völkerrecht. Duncker & Humblot, Berlin 2012, ISBN 978-3-428-13868-5.
  • Martin Kunde: Der Präventivkrieg. Geschichtliche Entwicklung und gegenwärtige Bedeutung. Peter Lang, Frankfurt 2006, ISBN 3-631-56030-3 (Rezension von Thomas Speckmann).
  • Michael Salewski: Praevenire quam preaveniri. Zur Idee des Präventivkrieges in der Späten Neuzeit. In: Jürgen Elvert, Michael Salewski (Hrsg.): Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. Stuttgart 2006.
  • Jack S. Levy: Declining Power and the Preventive Motivation for War. In: World Politics. Bd. 40, Nr. 1 (Okt., 1987), S. 82–107 (englisch).

Weblinks

Anmerkungen

<references />

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