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Saliwnoje

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(Weitergeleitet von Postnicken)

Vorlage:Infobox Ort in Russland

Saliwnoje (Vorlage:RuS; Vorlage:DeS Postnicken, Vorlage:LtS) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie liegt im Rajon Gurjewsk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk.

Geographische Lage

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, am Südufer des Kurischen Haffs, dreißig Kilometer nordöstlich von Königsberg (Kaliningrad) und elf Kilometer östlich des Dorfs Pirogowo (Sudnicken).

Ortsname

Den Ortsnamen tragen bzw. trugen auch die vor 1945 eigenständigen umliegenden Orte Brandt [Fh.] (ru. zunächst Glucharjowo), Grünwalde, Jägertal, Möwenhof, Mückenhof (ru. zunächst Rutschji) und Palve. Die Ortsstellen Brandt [Fh.], Grünwalde, Möwenhof und Palve sind verlassen.

Geschichte

Datei:Elbing-Königsberg1910.jpg
Postnicken nordöstlich von Königsberg und ostnordöstlich des Dorfs Schaaken, an der Südküste des Kurischen Haffs, auf einer Landkarte von 1910.

Postnicken<ref>Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Postnicken</ref> wurde etwa 1405 gegründet. Im Jahr 1785 wird der Ort als kölmisches Dorf mit 40 Feuerstellen (Haushalten) bezeichnet.<ref name="JFG">Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 141.</ref> Das Kirchdorf bildete von 1874 bis 1945 einen eigenen Amtsbezirk<ref>Rolf Jehke, Amtsbezirk Postnicken</ref> (eingegliedert war die Landgemeinde Postnicken, der Gutsbezirk Grünwalde, der vor 1908 nach Postnicken eingemeindet wurde, und der Gutsbezirk Jägertal, der schließlich 1928 zu Postnicken kam) und gehörte bis 1945 zum Landkreis Königsberg (Preußen), ab 1939 Landkreis Samland, Regierungsbezirk Königsberg, in der Provinz Ostpreußen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion annektiert, verbunden mit einem völligen Bevölkerungsaustausch. Die 1947 nach dem russischen Wort saliw für Haff in Saliwnoje umbenannte Siedlung<ref name="Umbe">Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)</ref> war bis 1954 Sitz eines Dorfsowjets, der dann nach Marschalskoje verlegt wurde. Von 2008 bis 2013 gehörte der Ort zur Landgemeinde Chrabrowskoje selskoje posselenije und nach dessen Auflösung seitdem zum Stadtkreis Gurjewsk.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 589 <ref>August Alexander Mützell: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 4, Halle 1823, S. 73, Nr. 2620.</ref>
1933 890 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1939 847 <ref name="MR" />

Saliwenski selski Sowet 1947–1954

Der Dorfsowjet Saliwenski selski Sowet (ru. Заливенский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet.<ref name="Umbe" /> Im Jahr 1954 wurde der Dorfsowjet aufgelöst und ging im neu gebildeten Marschalski selski Sowet auf.<ref>Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)</ref> Der Ort Sokolowka gelangte allerdings (eventuell später) in den Dobrinski selski Sowet.

Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung
Clebnikowo (Хлебниково) Dogehnen 1950
Gajewo (Гаево) Kropiens 1947
Glucharjowo (Глухарёво) Brandt [Fh.] 1950
Liski (Лиски) Kingitten 1950
Marschalskoje (Маршальское) (Königlich) Gallgarben 1947
Naumowka (Наумовка) Germehnen 1947
Opuschki (Опушки) Adlig Gallgarben 1950
Pawlowo (Павлово) Ginthieden 1947
Puschkinskoje (Пушкинское) bei Gallgarben 1950
Roschkowo (Рожково) Perwissau 1947
Rutschji (Ручьи) Mückenhof 1950
Saliwnoje (Заливное) Postnicken 1947
Sokolowka (Соколовка) Damerau 1947
Tschaikino (Чайкино) Rinau 1947
Uslowoje (Узловое) (Königlich) Neuendorf 1947

Kirche

Kirchengebäude

Das Jahr der Errichtung der Postnicker Pfarrkirche<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> ist nicht bekannt. Wohl aber stammt sie aus der Ordenszeit. Im 16. Jahrhundert brannte das Gebäude aus, wurde aber – unter Verwendung des alten Mauerwerks – als Saalkirche ohne Chor wieder aufgebaut. Der Turm stammte aus der Zeit des 15./16. Jahrhunderts. Patron und Geistiges Oberhaupt der Kirche war im 18. Jahrhundert der König von Preußen.<ref name="JFG" />

Das im Zweiten Weltkrieg offenbar unzerstörte Gotteshaus blieb bis Ende der 1970er Jahre intakt. 1988 wurde der Turm abgebrochen, das Dach des Kirchenschiffs fiel ein. Von der ehemaligen Kirche stehen heute nur noch die Grundmauern mit offenen Fenstern und einer vermauerten Tür.

Kirchengemeinde

Postnicken war bereits in vorreformatorischer Zeit ein Kirchdorf. Schon früh hielt die Reformation hier Einzug.<ref name="DHA">Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 30–32. </ref> Anfangs gehörte die Pfarrei zur Inspektion Schaaken, dann bis 1945 zum Kirchenkreis Königsberg-Land II in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute existiert in Saliwnoje keine eigene Gemeinde mehr. Die Siedlung liegt im Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Marschalskoje (Gallgarben), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg). Sie ist Teil der Propstei Kaliningrad<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> in der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspielorte (bis 1945)

Zum Kirchdorf Postnicken gehörte vor 1945 ein weitflächiges Kirchspiel<ref>Patrick Plew, Ortsfamilienbuch Postnicken, 1669-1927, Königsberg, Ostpreußen</ref>:

Name Russischer Name Name Russischer Name
Bledau Möwenhof Saliwnoje
Brandt Saliwnoje Mückenhof Saliwnoje,
bis 1993: Rutschji
Eckergarten Neu Perwissau
Edelswalde Neu Rinau
Groß Post Palve Saliwnoje
Grünwalde Saliwnoje Perwissau Roschkowo
Hempelshube Post
Henselshöfchen Postell
Jägertal Saliwnoje Rinau Tschaikino
Julienhöhe Ijulskoje Tellehnen
Kingitten Liski Waldstein
Kropiens Gajewo Willmanns

Pfarrer (bis 1945)

In der Zeit von der Reformation bis 1945 amtierten in Postnicken als evangelische Geistliche<ref name="DHA" /><ref>Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung 1945, Hamburg, 1968, Seite 113</ref>:

  • Erhard Schwabe, 1550
  • Kilian Torner, ab 1550
  • Johann Baumgart, 1553–1570
  • Stanislaus Zabelin, ab 1570
  • Christoph Benicius, 1574–1579
  • Bernhard Leopoldus, 1580–1595
  • Jacob Fabritius, 1605–1637
  • Johann Reuchlin, 1637–1642
  • Johann Contentus, 1642–1645
  • Joachim Grünwald, ab 1645
  • Andreas Hamilton, 1669–1675
  • Joachim Fr. Solmsdorf, 1675–1697
  • David Schmaltz, 1688–1735
  • Georg E. Rosenberger, 1719–1742
  • Johann Heinrich Dehn, 1742–1781<ref name=rhesa >Ludwig Fedemir Rhesa: Kurzgefasste Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in stpreußen angestellten Predigern, Königsberg 1834, S. 163 (Google Books).</ref>
  • Carl Gottfried Schumacher, 1779–1787<ref name=rhesa />
  • Ephraim Gottlieb Brauer, 1788–1807<ref name=rhesa />
  • Christian Matth. G. Rücker, 1707–1810<ref name=rhesa />
  • Karl Gotthard Mill, 1810–1817<ref name=rhesa />
  • Johann Gottlieb Reyländer, 1818–1835<ref name=rhesa />
  • Gustav A. Leopold Schiller, 1835–1866
  • Heinrich Gotthard Reinh. Ebel, 1866–1887
  • Karl Hermann Fr. Goldbeck, 1890–1892
  • Louis Ernst Gustav Guddas, 1893–1896
  • August Christ. Walsdorff, 1897–1906
  • Kurt Eugen Gottlieb Viergutz, 1907–1921
  • Paul Just, 1921–1927
  • Walter Wiesenberg, 1928–1929
  • Helmut Pfeier, 1936–1937
  • Horst Voßköhler, 1939–1945

Kirchenbücher

Von den Kirchenbüchern haben die alphabetischen Namensverzeichnis für Taufen, Trauungen und Bestattungen der Jahre 1768 bis 1927 den Krieg überstanden. Sie werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt.<ref>Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992², Seite 93</ref>

Söhne und Töchter des Ortes

Literatur

  • Postnicken, Dorf, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Postnicken (meyersgaz.org).
  • Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 109 (Google Books).
  • Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 244–245 (Google Books).
  • Karl Emil Gebauer: Kunde des Samlandes oder Geschichte und topographisch-statistisches Bild der ostpreußischen Landschaft Samland. Königsberg 1844, S. 128 (Google Books).
  • Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der preußischen Monarchie. Verlag Hemmerde und Schwetschke: Halle 1791
  • D. Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirtschaftlich dargestellt. Verlag von Duncker & Humblot: Berlin 1833, S. 72, Nr. 18.
  • Joseph Meyer, Erich Uetrecht: Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reichs. Verlag Bibliographisches Institut: Leipzig 1913
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 30–32.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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