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Franz Josef Wagner

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Vorlage:Hinweisbaustein Franz Josef Wagner (* 7. August 1943 in Olmütz; † 6. Oktober 2025 in Berlin) war ein deutscher Boulevard-Journalist, Kolumnist und Schriftsteller. Er war Chefredakteur der Illustrierten Bunte und der Berliner Boulevardzeitung B.Z. sowie Kolumnist bei Bild.

Leben

Wagner wurde während des Zweiten Weltkrieges in Olmütz im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren als Kind Sudetendeutscher geboren. Nach der Vertreibung wuchs er als Sohn einer Handarbeitslehrerin in Regensburg auf, wo er Sänger im Chor der Domspatzen war. Sein Vater, ein Lehrer, kehrte 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Wagner besuchte eine Klosterschule, bestand jedoch die Abiturprüfung nicht und verließ die Schule ohne Abschluss.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Liebe Lehrer, liebe Eltern. (Memento vom 21. August 2009 im Internet Archive) In: Bild, 5. Januar 2008.</ref> Danach hatte er einige Jahre Gelegenheitsjobs in Genf (unter anderem in der Flaschenrückgabe bei Migros)<ref name=":4" /> und Paris, bevor er ein Volontariat bei der Nürnberger Zeitung begann.

Anfang der 1960er Jahre arbeitete Wagner als Reporter für die Bild-Redaktion in München. Dort lernte er im Schelling-Salon den späteren RAF-Terroristen Andreas Baader kennen, mit dem er sich anfreundete.<ref>Klaus Stern, Jörg Herrmann: Andreas Baader: das Leben eines Staatsfeindes. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2007, ISBN 978-3-423-24584-5, S. 50 (google.de [abgerufen am 14. August 2021]).</ref> Nachdem Baader zum Terroristen geworden war, verschwieg Wagner die Freundschaft für lange Zeit.<ref name=":4" /> Zu Beginn seiner Karriere schrieb Wagner für die Medienagentur von Josef von Ferenczy.<ref>Der erste Medienmanager Josef von Ferenczy wird 90. 27. Februar 2010, abgerufen am 26. Januar 2024.</ref> Ab 1966 arbeitete Wagner beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg, unter anderem als Kriegsberichterstatter aus dem Jom-Kippur-Krieg und als Chefreporter für Bild. Für die Zeitschrift Jasmin berichtete er aus dem Vietnamkrieg. Nachdem sein erstes Buch Das Ding ein Bestseller geworden war, arbeitete Wagner als Autor, Ghostwriter und freier Reporter für Bild.<ref name=":4">Paul Ronzheimer: Franz Josef Wagner. Ein Abend mit der Journalisten-Legende. Abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref>

Im Jahr 1988 wechselte Wagner zum Hubert-Burda-Verlag in München.<ref>Franz Josef Wagner im Munzinger-Archiv, abgerufen am 6. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Er war ab 1989 für die Illustrierte Bunte tätig und war von 1990 bis 1992 und 1993 bis 1996 deren Chefredakteur.<ref name="kress.de" /> Dort entwickelte er zusammen mit Günter Prinz auch die Zeitschriften Elle und Superillu. 1991 folgte die Boulevardzeitung Super!, deren erster Chefredakteur er wurde.<ref name=":1">Presse: Depp der Deppen, Burdas Revolverblatt Super ist drauf und dran, die Bild-Zeitung in Ostdeutschland zu überholen., spiegel.de, 39/1991, 23. September 1991.</ref> Sie war als für Ostdeutschland konzipierte Konkurrenz zu Bild gedacht, wurde aber nach einem Jahr wieder eingestellt. Die Schlagzeile „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen!! Ganz Bernau ist glücklich, dass er tot ist“ vom 3. Mai 1991, dem zweiten Erscheinungstag, sorgte für Aufsehen.<ref>Tod in Bernau und die „Super!“-Zeitung: Das Gespenst der Einheit, tagesspiegel.de, 3. Mai 2011.</ref> Medien bezeichneten die Zeitung als „Revolverblatt“.<ref>„Ewig währender Zeitungskrieg“, spiegel.de, Der Spiegel 24/1991, 10. Juni 1991.</ref>

Im Jahr 1996 druckte die Bunte unter Wagner ein von Günter Stampf geführtes, in weiten Teilen erfundenes Interview mit Tom Cruise über dessen angebliche Zeugungsunfähigkeit.<ref>Peter Köpf: Die Burdas. Europa-Verlag, 2002, ISBN 978-3-203-79145-6, S. 285 (google.de [abgerufen am 14. August 2021]).</ref> Cruise verklagte Burda auf 90 Millionen Mark, ließ die Klage jedoch fallen, nachdem mehrere Manager des Verlags – darunter Gerd Bolls, als Vorstand verantwortlich für Zeitschriften<ref>Solidarität der Flieger: Cruises Mitleid mit Burda. In: Welt Online. 15. November 2011, abgerufen am 27. Mai 2024.</ref><ref>MediaBazaar: Burda-Firmenjet in Offenburg abgestürzt. In: Die Tageszeitung: taz. 9. August 1996, ISSN 0931-9085, S. 16 (taz.de [abgerufen am 27. Mai 2024]).</ref><ref>Oliver Gehrs: Das Krachpaket. In: Die Tageszeitung: taz. 21. September 1996, ISSN 0931-9085, S. 20 (taz.de [abgerufen am 27. Mai 2024]).</ref> – bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren.<ref>Wagner, Brief an Deutschland, S. 90 ff.</ref> Das von Wagner ab 1996 betreute Illustriertenprojekt Korsika<ref>Drei Träume. In: Der Spiegel. 15. September 1996, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 13. April 2023]).</ref> wurde nach einer Nullnummer eingestellt.<ref name=":3" /> 1997 verließ Wagner den Burda-Verlag.<ref name=":0">„Lügen-Wagner“ verläßt Burda. In: Die Tageszeitung: taz. 6. Oktober 1997, ISSN 0931-9085, S. 14 (taz.de [abgerufen am 14. August 2021]).</ref> Ein Angebot von Springer-Chef Peter Tamm, Bild-Chefredakteur zu werden, hatte er abgelehnt.<ref>Sibylle Zehle: Der geläuterte Teufel. In: Die Zeit. 24. Oktober 1997, abgerufen am 16. August 2021.</ref>

Im Juli 1998 kehrte Wagner zurück zum Springer-Verlag und wurde Chefredakteur von B.Z. und B.Z. am Sonntag.<ref name="kress.de">Franz Josef Wagner, kress.de.</ref><ref>Franz Josef Wagner soll Chefredakteur der BZ werden, horizont.net, 22. Juni 1998.</ref> Dort engagierte er unter anderem Walter Mayer und den Schriftsteller Christian Kracht.<ref name=":3">Kim Bönte: Enten vom Chef. Abgerufen am 13. April 2023.</ref> Im Jahr 2000 verlor er diesen Posten, nachdem er gegenüber Franziska van Almsick ehrverletzende Töne angeschlagen hatte: Die Schlagzeile auf der Titelseite lautete Franzi van Speck – als Molch holt man kein Gold.<ref name="MM">Axel Springer: „Gossen-Goethe“ wird Springer-Edelfeder, manager-magazin.de, 26. Oktober 2000.</ref> Von Anfang 2001 bis zu seinem Tod 2025 war Wagner „Chefkolumnist“ beim Springer-Verlag. Die Position war unter dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann eigens für ihn geschaffen worden.<ref name="MM" />

Er starb am 6. Oktober 2025 im Alter von 82 Jahren.<ref>Traueranzeige in sueddeutsche.de</ref>

Wagner war verheiratet und Vater einer Tochter.<ref>Franz Josef Wagner: Was kann ich überhaupt?, faz.net, 3. Dezember 2001.</ref> Er lebte in Berlin-Charlottenburg<ref>Dagmar von Taube: Franz Josef Wagner: Interview mit dem „Bild“-Kolumnisten über Frauen. In: Die Welt. 31. Juli 2015 (welt.de [abgerufen am 22. August 2021]).</ref><ref>Springers einsamster Reiter: Franz Josef Wagner wird 80 Jahre alt. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 27. Mai 2024]).</ref> und war römisch-katholisch.<ref name=":2">«Was auf meinem Grabstein stehen soll? Lieber du wärst tot als ich». In: Basler Zeitung. ISSN 1420-3006 (bazonline.ch [abgerufen am 19. August 2021]).</ref>

Bücher und Kolumnen

Wagner verfasste vier Romane und eine Autobiographie. Er schrieb als Ghostwriter ab den 1980er-Jahren für Bücher von Udo Jürgens,<ref>Max Wellinghaus: Udo Jürgens: Kleine Anekdoten aus dem Leben eines großen Musikers. Riva Verlag, 2016, ISBN 978-3-95971-121-0 (google.de [abgerufen am 18. Juni 2021]).</ref> Franz Beckenbauer und Boris Becker.<ref name="Weichert/Zabel">Alexander Kühn: Franz Josef Wagner – Der Großstadt-Indianer. In: Stephan Alexander Weichert, Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten. Deutschlands Wortführer im Porträt. Herbert von Halem Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-938258-29-3, S. 358–365, hier S. 365 [1].</ref>

Von 1999 bis 2005 schrieb er die Kolumne Wagners Welt in der Welt am Sonntag. Die erste Bild-Kolumne Post von Wagner erschien am 2. Januar 2001 und war an den Bundeskanzler Gerhard Schröder gerichtet.<ref>"Bild": Einstand der neuen Springer-Chefs. Abgerufen am 16. August 2021.</ref> Die Kolumne, die montags bis freitags auf Seite 2 der Bild erschien, hatte jeweils einen Adressaten und endete mit den Worten „Herzlichst, Ihr F. J. Wagner“. Für die Kolumne erhielt Wagner 2002 den vom Bauer-Verlag verliehenen Journalistenpreis Goldene Feder in der Kategorie „Print“.<ref name="Weichert/Zabel" /> 2011 schrieb Wagner eine an Deniz Yücel gerichtete Gastkolumne in der taz.<ref>Franz Josef Wagner: Gastkommentar von „BILD“-Kolumnist Franz Josef Wagner zur taz-Schlampen-Debatte: Post von Wagner an „Schlampen“-Yücel. In: Die Tageszeitung: taz. 16. Juli 2011, S. 04, abgerufen am 19. August 2021.</ref> Seine letzte Kolumne erschien am 3. September 2025 und richtete sich an Bundeskanzler Friedrich Merz.<ref>„Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner ist tot: „Was auf meinem Grabstein stehen soll? Lieber du wärst tot als ich“. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 9. Februar 2026]).</ref> Wagners Nachfolge als Bild-Kolumnist trat 2026 Harald Martenstein mit der Kolumne Mail von Martenstein an.<ref>Harald Martenstein beerbt Franz Josef Wagner als »Bild«-Kolumnist. In: Der Spiegel. 1. Dezember 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. Februar 2026]).</ref>

Rezeption

Sein charakteristischer Stil brachte Wagner den Spitznamen „Gossen-Goethe“ ein.<ref name=":1" /><ref>Peer Schader: Bild dir deinen Reißwolf. In: Spiegel Online, 19. April 2006.</ref><ref>Thomas Schuler: „Gossen-Goethe“ auf der Straße. In: Berliner Zeitung, 30. September 2000.</ref><ref>Man nennt ihn „Gossen-Goethe“ In: Hamburger Abendblatt, 19. April 2006.</ref> FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher bezeichnete ihn als „Volksschriftsteller“;<ref name=":2" /> Kolumnist Jan Fleischhauer benannte Wagner 2020 als Vorbild.<ref>How dare you. Vom Vorteil, eine eigene Meinung zu haben, wenn alle dasselbe denken, München, Siedler 2020, ISBN 978-3-8275-0140-0, S. 22.</ref>

Das Satiremagazin Titanic bezeichnete Wagner als „Gaga-Kolumnisten“,<ref>Arno Frank: Hurra, Berlin hat's gepackt. In: Titanic, Ausgabe Mai 2004.</ref> Stern-Chefredakteur Werner Funk ihn als „Lügen-Wagner“.<ref name=":0" /> Sein Führungsstil in der B.Z.-Redaktion wurde als chaotisch beschrieben und führte zu Kündigungen.<ref>Dem Chefredakteur der "B. Z. ", Franz Josef Wagner, droht der Rauswurf: „Gossen-Goethe“ auf der Straße, Berliner Zeitung, 30. September 2000.</ref> Die ihm kritisch gegenüberstehende taz schrieb zu seinem 60. Geburtstag: „Er gilt als cholerisch, viril, impulsiv, reaktionär, hysterisch, zynisch, chaotisch, mithin unerträglich.“<ref>Schöner scheitern mit Franz-Josef. In: Die Tageszeitung, 7. August 2003.</ref> Häufige Kritik erhielt Wagner im Bildblog und von dessen damaligem Betreiber Stefan Niggemeier.<ref>Suchergebnisse für ‘franz josef wagner’ In: Bildblog.</ref>

Im Jahr 2009 wurde er wegen einer Beleidigung gegenüber Eva Herman zu Schadensersatz von 10.000 Euro verurteilt: Anlässlich ihrer vielfach kritisierten Äußerungen zur Familienpolitik der Nationalsozialisten hatte er sie in seiner Bild-Kolumne als „dumme Kuh“ bezeichnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Köln, 28. Juli 2009 (Memento vom 22. November 2009 im Internet Archive), letzter Zugriff 18. März 2020.</ref>

Im Januar 2014 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sei, Gabriele Pauli als „durchgeknallte Frau“ zu bezeichnen.<ref>Bundesverfassungsgericht: Gabriele Pauli nicht „durchgeknallt“ In: heise online, 21. Januar 2014.</ref>

Künstlerische Rezeption

Imitationen

Veröffentlichungen

Romane

  • Das Ding. Blanvalet, München 1978, ISBN 3-7645-0854-X (1979 verfilmt, Ausstrahlung im ZDF).
  • Im September, wenn ich noch lebe. Blanvalet, München 1979, ISBN 3-7645-5302-2.
  • Big Story. Bertelsmann, München 1982, ISBN 3-570-01857-1.
  • Wolfs Spur. Bertelsmann, München 1984, ISBN 3-570-00279-9.

Als Ghostwriter

  • Udo Jürgens: Smoking und Blue Jeans – Jahre eines Traumtänzers. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1984, ISBN 3-7857-0378-3.
  • Franz Beckenbauer: Ich – Wie es wirklich war. C. Bertelsmann, München 1992, ISBN 3-570-02079-7.
  • Boris Becker: Augenblick, verweile doch … Bertelsmann, München 2003, ISBN 3-570-00780-4.

Autobiographie

  • Brief an Deutschland. Diederichs, München 2010, ISBN 978-3-424-35041-8.

Literatur

  • Claudia Roth: Post an Wagner. In: Schmierfinken: Politiker über Journalisten. Hrsg. von Maybrit Illner und Hajo Schumacher. Heyne, München 2009, ISBN 978-3-453-62037-7.
  • Benjamin v. Stuckrad-Barre: Boulevardjournalismus. In: Benjamin v. Stuckrad-Barre: Deutsches Theater. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-03050-7, S. 122–127.

Weblinks

Einzelnachweise

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