Pierre de Bourdeille, seigneur de Brantôme
Pierre de Bourdeille, seigneur de Brantôme (* um 1540 in Périgord; † 15. Juli 1614 in Brantôme) war ein französischer Schriftsteller in der Renaissance. Er vermittelte in seinen Memoiren (u. a. Das Leben der galanten Damen, herausgegeben 1665) ein lebendiges Bild der französischen adligen Gesellschaft seiner Zeit.
Leben
Als Spross einer alten, in der Kleinstadt Bourdeille im Périgord ansässigen französischen Adelsfamilie war Pierre de Bourdeille der dritte Sohn des Barons François de Bourdeille und der Anne de Vivonne. Seine Lebensumstände sind größtenteils nur aus verstreuten Mitteilungen in seinen Schriften bekannt. Er wuchs am Hof der Königin Margarete von Navarra, einer Schwester des französischen Königs Franz I., auf. Seine Mutter war eine Hofdame der Königin. Er besuchte eine Schule in Paris und gelangte in der Folge zu einigen Pfründen. Zu diesen gehörten u. a. die Dekanei von St. Yrier in Limousin und die Priorei von Royan. Nach dem Tod seines zweiten, als Kapitän Bourdeille bekannten Bruders Jean erhielt er durch einen Erlass des Königs Heinrich II. die im Périgord gelegene Abtei Brantôme. Er folgte hier dem am 20. März 1556 verstorbenen Bischof von Lavaux, Pierre de Mareuil, und führte nun den Titel Messire Pierre de Bourdeille, Abbé de Brântome. Allerdings nahm er die Abtei erst am 15. Juli 1558 in Besitz und behielt sie unter seinem eigenen Namen bis zum Jahr 1583. Außerdem war er Herr von Richemont und St. Crepin sowie Ritter des Michaelsordens. Ungeachtet seines geistlichen Amtes trat er als Höfling und Feldherr in Erscheinung. Am Hof war er Anhänger des Hauses Guise, als Soldat unermüdlicher Gegner der Hugenotten und Türken.<ref name=Wachler-270>Ludwig Wachler: Brantome (Peter von Bourdeille). In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 1. Sektion, 12. Teil (1824), S. 270.</ref>
1557 unternahm Brantôme seine erste Reise nach Italien. 1559 begleitete er den Großprior Franz von Lothringen nach Rom und Ende 1561 ging er mit diesem nach Schottland, wohin der Großprior die Königin Maria Stuart nach dem Tod ihres Gemahls Franz II. zurückführte. Auf der Rückreise besuchte er den königlichen Hof von London. 1562 diente er gegen die Hugenotten bei der Einnahme von Blois, bei den Belagerungen von Bourges und Rouen sowie in der Schlacht bei Dreux. Er verlor bald nacheinander seine Gönner, den Großprior und dessen Bruder, den Herzog François de Guise, wusste sich aber das Vertrauen der Königin Katharina von Medici zu erwerben. 1564 diente er bei einem Feldzug an den Küsten der Berberei und erhielt bei dieser Gelegenheit den portugiesischen Christus-Orden. Daraufhin begab er sich an den spanischen Hof, wo er mit der Königin Elisabeth von Valois mehrere Konferenzen hatte und deren Gunst erlangte. 1565 kehrte er in seine Heimat zurück und begab sich 1566 mit seinem Bruder, mehreren französischen Adligen und 800 Söldnern nach Malta, um diese Insel gegen die Türken verteidigen zu helfen. Auf Malta lebte die Schar viereinhalb Monate auf Kosten des Großmeisters. Brantôme war geneigt, in den Malteserorden einzutreten, ließ sich aber durch einen Freund davon abraten, weil sein älterer Bruder noch keine männlichen Erben hatte. Auf der Rückreise weilte er in Rom, Mailand und am Hof von Savoyen.<ref name=Wachler-270/>
Bei Wiederausbruch der Hugenottenkriege 1567 gründete er eine Kompanie und wohnte der Schlacht bei Saint-Denis und dem lothringischen Feldzug bei. Nach dem Frieden von 1568 kam er mit seiner Kompanie zur Besatzung von Péronne, wo er von den Hugenottenführern Anträge erhielt, ihnen den Platz auszuliefern. Er lehnte dieses Ansinnen ab und erwarb sich dadurch erneut die Gunst von König Karl IX. Damals scheint er königlicher Kammerherr mit 600 Livres Gehalt geworden zu sein, wie er schon seit 1564 als Kammerherr des Herzogs von Orléans, nachmaligem Königs Heinrich III., fungiert hatte. Wegen seiner Kriegsdienste nannte er sich nicht mehr Abt, sondern Herr (Seigneur) von Brantôme. 1569 war er bei der Schlacht bei Jarnac anwesend, verließ dann aber das königliche Heer wegen dreitägigen Fiebers und begab sich in seine Abtei Brantôme. Während seines dortigen Aufenthalts zog eine Armee der Hugenotten in der Nähe vorbei, ohne die Abtei aus Achtung vor Brantôme zu behelligen.<ref name=Wachler-270/>
1572 begleitete Brantôme die junge Königin von Navarra, Margarete von Valois, bei ihrem Einzug in Bordeaux. Verschiedene Pläne, die er damals hegte, wurden nicht verwirklicht. So wollte er an der Expedition gegen die Türken teilnehmen, in deren Verlauf die Heilige Liga die Seeschlacht von Lepanto gewann. Während der Bartholomäusnacht (August 1572) befand er sich in Brouage und wohnte daraufhin der Belagerung von La Rochelle (1573) durch den Marschall von Biron als unbesoldeter Freiwilliger bei, indem er seine ehemalige Kompanie aufgegeben hatte. Bei diesem Einsatz wurde er leicht verwundet. Ein enger Freund war damals Filippo Strozzi, mit dem er aber später zerfiel. 1574 an den Hof zurückgekehrt, nahm er am Leichenbegängnis König Karls IX. teil. Mit dem Verlust dieses Förderers waren seine glänzenden Aussichten dahin.<ref>Ludwig Wachler: Brantome (Peter von Bourdeille). In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 1. Sektion, 12. Teil (1824), S. 270–271.</ref>
Unter Karls Nachfolger Heinrich III. diente Brantôme zwar als königlicher Kammerherr und erhielt zuweilen Geschenke, wurde aber bei der Besetzung von Ehrenstellen übergangen und bekam keine größere Förderung mehr. Darunter litt sein ehrgeiziger Charakter. Eine Weile scheint er sich dem Herzog von Alençon, dem jüngeren Bruder Heinrichs III., angeschlossen zu haben, bei dem er ebenfalls Kammerherr war. 1582 wurde er vorübergehend vom Hof verbannt. Nach dem Tod des Herzogs von Alençon (1584) war vor allem noch die Königinwitwe Katharina von Medici seine Gönnerin. Bei einem Sturz vom Pferd verletzte er sich 1584 schwer und war seither Invalide. Als Katharina von Medici 1589 starb, zog Brantôme sich vom Hof zurück und lebte die letzten Jahrzehnte auf seinen Gütern. Hier verfasste er in Abgeschiedenheit seine berühmten Memoiren. Er starb 1614 in Brantôme.<ref>Ludwig Wachler: Brantome (Peter von Bourdeille). In: Johann Samuel Ersch, Johann Gott-fried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 1. Sektion, 12. Teil (1824), S. 271.</ref>
Werk
In seinen Mémoires stellte Brantôme die Geschichte und Sitten der Höfe Karls IX. und seiner beiden Nachfolger ungeordnet, aber anschaulich und lebhaft dar. Sie sind weniger literarisch als kulturgeschichtlich bedeutsam, allerdings als historische Quelle unzuverlässig. Der Verfasser schöpfte dabei aus seinem abenteuerlichen Leben und seinen Erfahrungen bei Hof. Die Memoiren erschienen erst lange nach seinem Tod (10 Bände, Leiden 1665–66) und wurden maßgeblich für das Geschichtsbild Frankreichs über diese Zeit.<ref>Brantôme, Pierre de Bourdeille. In: Gero von Wilpert (Hrsg.) Lexikon der Weltliteratur. 3. Auflage, Kröner, Stuttgart 1988, ISBN 3-520-80703-3, S. 210.</ref> Sie enthalten u. a.:
- Vies des hommes illustres et grands capitaines français et étrangers
- Vies des dames illustres
- Vies des dames galantes: Darin erzählt Brantôme aus der Sicht des Kammerherrn über die Chronique scandaleuse seiner Zeit. Trotz geringerer literarischer Qualität ist das Werk ein wichtiges Sittengemälde des französischen Hochadels des 16, Jahrhunderts. Der Autor schildert denkwürdige Episoden aus dem Leben der Könige Franz I. und Heinrich II., der Königinnen Katharina von Medici und Margarete von Valois sowie von Mätressen, stellt das Hofleben aber übertrieben sittenlos dar.<ref>Winfried Engler: Lexikon der französischen Literatur, Kröner, 3. Auflage, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-38803-0, S. 972 f.</ref>
- Anecdotes de la cour de France touchant les duels
- Rodomontades et jurements des Espagnols
Neue Ausgaben seiner Werke besorgten unter anderem Le Duchal (Den Haag 1740, 15 Bände), Lacour und Mérimée (Paris 1858–59, 3 Bände) und Lalanne (Paris. 1864–82, 11 Bände).
Literatur
- A. Grimaldi: Brantôme et le sens de l'histoire. 1971
- François Rouget: Présence de Mellin de Saint-Gelais dans "L'album poétique" de Brantôme, in Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, 125, 3 (Juli) Franz Steiner, Stuttgart 2016 {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0044-2747|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
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Anmerkungen
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