Pfingstfuchs
Der Pfingstfuchs ist ein Pfingstbrauch in Norddeutschland, bei dem ein Junge mit einem angeleinten Fuchs von Haus zu Haus zieht und Spenden sammelt.<ref>Adalbert Kuhn, W. Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg. Leipzig 1848, S. 390, Nr. 78a.</ref>
Der Pfingstfuchs hat möglicherweise einen Bezug zu dem germanischen Donnergott Donar, weil der Brauch mit einiger Wahrscheinlichkeit seinen Ursprung in einem Opferkult Donars hat, und weil der Fuchs bei Sommerverkündigungen umhergetragen wurde, was ihn als Tier Donars kennzeichne.<ref>Martha Paul: Wolf, Fuchs und Hund bei den Germanen. Wien 1981, S. 171.</ref>
Eine der zahlreichen mundartlichen Umschreibungen für Pfingstfuchs (wie pengsvoss, pinkestfoss, pinkstervoß uvm.) war pinkstfos. Friedrich Woeste bemerkt bezüglich der Grafschaft Mark hierzu, dass die Redensart einen alten Pfingstbrauch voraussetzt.<ref>Friedrich Woeste: Stehende oder sprichwörtliche Vergleiche aus der Grafschaft Mark. In: Die deutschen Mundarten, Nördlingen, 5. 1858, S. 167 (Anm. 136)</ref>
Zur Herkunft des Ausdrucks Pfingstfuchs schreibt Woeste, dass noch im 18. Jahrhundert der Brauch geherrscht habe, einen gefangenen oder erlegten Fuchs, Marder, Iltis oder dergleichen bei den Nachbarn umherzutragen und dafür Eier zu sammeln. Woeste mutmaßt, dass dies geschah, um zu Pfingsten einen Eiervorrat zu haben, und er glaubt, es habe sich um einen lebenden und an der Rute verstümmelten Fuchs gehandelt. Denn daraus erklärt sich seiner Ansicht nach die Redensart vom schreienden Fuchs: Foß foß foß - lech dinen stiärt oppen kloß! Eck well hauen, du saß blauen, - foß foß foß!<ref>J. F. L. Woeste: Volksüberlieferungen in der Grafschaft Mark. Iserlohn 1848, S. 27</ref>
Im Holsteinischen nennt sich der Junge, der den Fuchs umherträgt, Hans Voß.<ref>Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 35f; Karl J. Simrock: Die Deutschen Volksbücher gesammelt und in ihrer ursprünglichen Echtheit wiederhergestellt. Bd. 9, Frankfurt a. Main 1856, S. 300</ref>
Es gab die Redensart he schraiet as'n Pingstfoss; Wenn man ihn fangen konnte, steckte man ihn in den Teich, was nach dem Volkskundler und Mythologe Wilhelm Mannhardt zufolge auf Regenzauber hindeutet.<ref>Wilhelm Mannhardt: Mythologische Forschungen aus dem Nachlasse and Die Korndämonen. Berlin 1868, S. 110, Fußnote; Adalbert Kuhn: Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen andern, besonders den angrenzenden Gegenden Norddeutschlands. Bd. 2, Leipzig 1858, S. 159–160</ref>
Belegt ist auch die Sitte, beim Viehaustrieb das Mädchen oder den Burschen, der mit den seinigen zuletzt kam, Pfingstfuchs oder pingvoss zu nennen. Dieser Pfingstfuchs wurde dann mit Laub geschmückt und unter großem Jubel durch das Dorf geführt.<ref>Friedrich A. Diesterweg: Das Dorf und das katholische Kirchspiel Welver. In: Rheinische Blätter für Erziehung und Unterricht, Band 63–64/III.t 1859, S. 247; Karl J. Simrock: Handbuch der deutschen Mythologie. Bonn 1869, S. 560</ref> Dass der Pfingstfuchs und andere Pfingsttiere in Laub eingehüllt sowie bei Frühlings- und Sommerbräuchen echte Füchse umhergetragen wurden, bestätigt auch Mannhardt.<ref>Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Berlin 1868, S. 9</ref>
Im Plattdeutschen ist Pingstvoss ein Schimpfname für diejenigen, die am ersten Pfingstmorgen zuletzt aufstehen.<ref>Lüder Woort: Plattdeutsche Dichtungen. Bremen 1869, S. 216</ref>
Siehe auch
Literatur
- Klaus Mailahn: Göttin, Fuchs und Ostern. LIT Verlag, Münster 2007, ISBN 9783825806637 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
Einzelnachweise
<references/>