Peter Löscher
Peter Löscher (* 17. September 1957 in Villach) ist ein österreichischer Manager. Von 2007 bis 2013 war er Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Seit 2014 ist er Verwaltungsratspräsident der Sulzer AG und seit 1. April 2020 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Telefónica Deutschland Holding AG.<ref>Kaeser sticht Löscher aus. Handelsblatt</ref><ref>Heise online vom 3. März 2020, abgerufen am 6. April 2020</ref>
Leben
Löscher wuchs in Villach auf, wo sein Vater einen Bauernhof betrieb. Wegen einer schweren Krankheit versäumte er die ersten drei Volksschuljahre. Seine Mutter brachte ihm zu Hause Lesen und Schreiben bei.<ref>Peter Löscher In: Internationales Biographisches Archiv. 14/2014 vom 1. April 2014, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 22. April 2014 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Löscher legte im Jahre 1978 die Matura am Peraugymnasium in Villach ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien. Das Studium schloss er 1984 mit einer Diplomarbeit zum Thema Die These der anbieterinduzierten Nachfrage im ambulanten medizinischen Bereich: eine systemtheoretische Betrachtung ab. Von 1985 bis 1986 war er Stipendiat der österreichischen Bundeswirtschaftskammer und studierte an der Chinese University of Hong Kong, er erwarb als Abschluss einen MBA. Außerdem nahm er am Advanced Management Program der Harvard Business School teil.<ref>CV Peter Löscher, Siemens AG, internationaler Internetauftritt</ref>
Löscher war ab 1987 für zwölf Jahre im Pharmakonzern Hoechst unter anderem in Spanien, Japan, Großbritannien und den USA tätig. Nach der Fusion Hoechsts mit Rhône-Poulenc zu Aventis verblieb er dort bis 2002. Der Pharmakonzern Amersham war seine nächste Station. Dieser wurde ein Jahr später von General Electric übernommen, und Löscher wechselte in den Zentralvorstand von General Electric. Im Jahre 2006 wechselte er in den Vorstand des US-Pharmakonzerns Merck & Co. Am 20. Mai 2007 gab Siemens bekannt, dass Peter Löscher zum 1. Juli Siemens-Vorstandsvorsitzender werde. In Löschers Amtszeit fiel ein großer Konzernumbau und der Verkauf großer Tochterunternehmen bzw. Beteiligungen wie etwa Siemens IT Solutions and Services und Fujitsu Siemens Computers.
Nach zwei Gewinnwarnungen innerhalb von weniger als drei Monaten gab der Siemens-Konzern am 27. Juli 2013 das vorzeitige Ausscheiden Löschers als Vorstandsvorsitzender bekannt.<ref>Führungswechsel: Siemens-Chef Löscher muss gehen bei Spiegel Online, 27. Juli 2013 (abgerufen am 28. Juli 2013).</ref> Der endgültige Beschluss wurde am 31. Juli 2013 durch den Aufsichtsrat gefällt.<ref>Löscher weg: Kaeser neuer Siemens-Chef. APA/Reuters-Meldung auf derStandard.at vom 31. Juli 2013, abgerufen am 31. Juli 2013.</ref> Mit zu den Gründen gehört das Scheitern des Konzepts Löschers, Siemens vor allem beim Thema grüne Infrastruktur und Energiewende zu positionieren.<ref>Benny Peiser: Europe pulls the plug on its green future. In: The Australian. 10. August 2013.</ref> Da sein Vertrag noch bis März 2017 gelaufen wäre, hat er als Abfindung 14,8 Millionen Euro brutto sowie 2,24 Millionen Euro Sonderbeitrag zur betrieblichen Altersversorgung erhalten.<ref>Die Welt - Siemens zahlt Löscher 17 Millionen Euro Abfindung. 27. November 2013, abgerufen am 30. November 2013.</ref> Nach dem Ausscheiden aus dem Siemens-Vorstand behielt Löscher noch bis 2014 den Vorsitz des Stiftungsrates der Siemens-Stiftung.
2014 wurde Löscher in den Verwaltungsrat der Schweizer Renova Management AG berufen.<ref>Renova Group: Peter Löscher, Stand: August 2015.</ref> Die Finanz-Holding des russischen Oligarchen Wiktor Felixowitsch Wekselberg strukturierte sich völlig neu. Neben Löscher wurde auch Josef Ackermann, vorher Deutsche Bank, Mitglied des Verwaltungsrates, dem Wekselberg vorsteht. Löscher wurde zugleich CEO der Renova Management AG.<ref>Renova Group: Management, Stand: August 2015.</ref> Bei der Sulzer AG, an der Renova 30,2 % hält,<ref>Renova Group: Sulzer, Stand: August 2015.</ref> wurde Löscher zudem Präsident des Verwaltungsrates.<ref>Sulzer: Peter Löscher, Stand: August 2015.</ref> Im April 2022 wird er bei Sulzer zurücktreten.<ref>Sulzer-Verwaltungsratspräsident Peter Löscher verzichtet auf Wiederwahl im 2022. In: Unternehmenswebsite Sulzer. Sulzer AG, 16. November 2021, abgerufen am 7. Dezember 2021 (deutsch).</ref> Im April 2016 trat Löscher als CEO der Renova AG zurück.<ref>Handelsblatt - Löscher verlässt Renova. 18. April 2016.</ref> Im Mai 2019 folgte ihm Wolfgang Berndt als Aufsichtsratsvorsitzender der OMV nach.<ref>Wolfgang Berndt ist neuer OMV-Aufsichtsratschef. 15. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.</ref> Peter Löscher ist Mitglied des Verwaltungsrats der spanischen Telefónica S.A., Vorsitzender des Aufsichtsrats der Telefónica Deutschland Holding AG, Verwaltungsratsmitglied bei der Caixabank und des niederländischen Konzerns Philips. Zudem ist er Non-Executive Director der Thyssen-Bornemisza Group und Doha Venture Capital LLC.
Peter Löscher ist mit einer Spanierin verheiratet und hat mit ihr drei Kinder. Er spricht fließend Englisch, Französisch, Spanisch und Japanisch.
Ehrungen und Auszeichnungen
- 2015 Spanischer „Orden del Merito Civil“ in der Stufe des Großoffiziers (Encomienda de Numero) für sein Engagement in der politischen Kommunikation zwischen der Spanischen und der Deutschen Regierung.<ref>Ministerio de Asuntos Exteriores y de Cooperación: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Imposición de la Encomienda de Número de la Orden del Mérito Civil al Sr. Peter Löscher ( vom 24. September 2015 im Internet Archive), 3. Juni 2015.</ref>
- 2011 Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.<ref>Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF, 6,9 MB)</ref>
- 2011 „Auslandsösterreicher des Jahres“.
- 2010 „WU-Manager des Jahres“ der Wirtschaftsuniversität Wien.<ref>orf.at - Peter Löscher "WU-Manager des Jahres". 11. April 2012, abgerufen am 17. Juni 2015.</ref>
- Ehren-Professur der Tongji-Universität in Shanghai.
- Ehrendoktorwürde in Ingenieurwissenschaften der Universität von Michigan.
- Doktor Honoris Causa der Slowakischen Technischen Universität Bratislava.
Ehrenamt
Löscher ist Mitglied des Hochschulrats der Technischen Universität München. 2010 stiftete er dieser Universität aus seinem Privatvermögen einen mit 1,76 Millionen Euro dotierten Lehrstuhl für Wirtschaftsethik.<ref>Peter Löscher stiftet Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an TU München. Pressestelle TU München, 1. März 2010, abgerufen am 26. Oktober 2012.</ref>
Literatur
- Zukunft gestalten. Die Siemens-Unternehmer 1847–2018. Hrsg. vom Siemens Historical Institute. Hamburg 2018, ISBN 978-3-86774-602-1.
- Mir behagt die Rolle als Anführer. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Nr. 52, 30. Dezember 2012, S. 31.
- Peter Löscher In: Internationales Biographisches Archiv. 14/2014 vom 1. April 2014, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Vorstandsvorsitzende Siemens AG
- Nicole Huss: Wer ist Peter Löscher? In: Tagesspiegel. 27. Mai 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal.
- Absolventenseite des Gymnasiums Villach mit mehr Informationen und Berichten über Peter Löscher
- Löscher der „unbekannte Österreicher“. In: Handelsblatt.
Einzelnachweise
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Siemens & Halske (1896–1966)
Tonio Bödiker (1896–1902) |
Heinrich Schwieger (1896–1910) |
Richard Albert Fellinger (1897–1902) |
Emil Budde (1897–1910) |
Alfred Berliner (1900–1911) |
Carl Dihlmann (1900–1903) |
August Raps (1900–1919) |
Philipp Schrimpf (1900–1901) |
Friedrich Albert Spiecker (1901–1917) |
Robert Pfeil (1904–1920) |
Otto Feuerlein (1910–1919) |
Max Haller (1917–1920) |
Werner Ferdinand von Siemens (1919–1920) |
Adolf Franke (1919–1932) |
Heinrich von Buol (1932–1945) |
Fritz Jessen (1945, als Treuhänder) |
Wolf-Dietrich von Witzleben (1945–1949) |
Ernst von Siemens (1949–1956) |
Hans Kerschbaum (1956–1966)
Siemens-Schuckertwerke (1903–1966)
Alfred Berliner (1903–1912) |
Carl Friedrich von Siemens (1912–1919) |
Otto Henrich (1919–1920) |
Carl Köttgen (1920–1939) |
Rudolf Bingel (1939–1945) |
Wolf-Dietrich von Witzleben (1945–1949) |
Günther Scharowsky (1949–1951) |
Friedrich Bauer (1951–1962) |
Bernhard Plettner (1962–1966)
Siemens AG (seit 1966)
Hans Kerschbaum (1966–1967) |
Adolf Lohse (1966–1967) |
Bernhard Plettner (1966–1968) |
Gerd Tacke (1968–1971) |
Bernhard Plettner (1971–1981) |
Karlheinz Kaske (1981–1992) |
Heinrich von Pierer (1992–2005) |
Klaus Kleinfeld (2005–2007) |
Peter Löscher (2007–2013) |
Joe Kaeser (2013–2021) |
Roland Busch (seit 2021)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Löscher, Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Manager |
| GEBURTSDATUM | 17. September 1957 |
| GEBURTSORT | Villach, Österreich |
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- Aufsichtsratsvorsitzender (Österreich)
- Träger des Ordens der Freundschaft
- Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich
- Träger des Zivilverdienstordens (Spanien)
- Ehrendoktor der Slowakischen Technischen Universität Bratislava
- Ehrendoktor der University of Michigan
- Ehrenprofessor der Tongji-Universität
- Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien
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- Österreicher
- Geboren 1957
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