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Evangelische Pauluskirche Bochum

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Pauluskirche

Die evangelische Pauluskirche ist das älteste, als protestantisches Gotteshaus gebaute, Kirchengebäude in Bochum. Sie ist heute einer der Hauptstandorte der evangelischen Kirchengemeinde Bochum<ref>Ev. Kirchengemeinde Bochum. Abgerufen am 4. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> im Kirchenkreis Bochum.

Geschichte, Architektur und Ausstattung

Katholische und protestantische Gläubige hatten sich nach der Reformation lange die einzige Kirche im damaligen Bochum, die heutige katholische Propsteikirche, geteilt. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wollten die protestantischen Gläubigen eine eigene Kirche haben. Aufgrund der Armut der Gemeinde wurden Spenden gesammelt, sog. Colligierbücher geben Aufschluss über Kollektenreisen bis nach Berlin im Osten, Amsterdam, Utrecht und Gouda im Westen, bis nach Frankfurt im Süden und bis nach Kopenhagen und Helsingör im Norden: König Friedrich III. von Dänemark persönlich spendete 50 Reichstaler für den Bau der ersten protestantischen Kirche in Bochum.

Die schlichte Renaissance-Saalkirche aus Bruchstein steht auf einem erhöhten, ehemals zentral gelegenen Platz des historischen Bochums. Der Haupteingang lag damals im unmittelbaren Gegenüber zur Propsteikirche, was auf den alten Cramer- und Kortum-Karten gut erkennbar ist.<ref>Presseamt der Stadt Bochum: Grundriss der Stadt Bochum aus dem Jahr 1790 | Stadt Bochum. Abgerufen am 4. März 2026.</ref> Das erklärt auch die ungewohnte Ausrichtung der Pauluskirche: Anders als bei vielen Kirchen üblich hat der Altarraum eine Ausrichtung nach Südwesten und dementsprechend das Hauptportal nach Nordosten.

Das Gebäude mit dreiseitigem Chorschluss wurde von 1655 bis 1659 errichtet. Eine Inschrift über dem Hauptportal erinnert an die Grundsteinlegung: „Anno 1655 den 26. April ist der erste Stein an diese Kirche gelegt und zur Ehre Gottes und mit Permission unseres gnädigsten Landesfürsten und Herrn erbauet.“

Über die Jahrhunderte hinweg wuchs die evangelische Gemeinde. Die Pauluskirche wurde mehrfach saniert, ergänzt und im Inneren umgestaltet.<ref name="A091.pdf">Vier Karteikarten der Bochumer Denkmalliste (1989), Denkmalliste - Nr. 91 (PDF; 0,3 MB), Digitalisat auf geodatenportal-bochum.de, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1943 bei einem Bombenangriff bis auf die Grundmauern zerstört. Sie wurde von 1949 bis 1950 nach Plänen von Karl Ernst Prein in vereinfachten Formen wiederhergestellt. Das Bruchsteinmauerwerk wurde nicht mehr verputzt, was der Pauluskirche heute ihren Charakter einer Dorfkirche mitten in der Stadt verleiht. Der Turmschaft wurde um eine Glockenstube aufgestockt. Das rustizierte Turmportal wird von ionischen Säulen auf hohen Postamenten gerahmt. An der Attika befinden sich ein Wappen und ein Widmungsstein; darüber sind Reste eines spitzbogigen Fensters erhalten.

In den Innenraum wurde eine flache Holzdecke eingezogen. Der Chor ist durch eine Dreierarkatur abgetrennt. Die Chorfenster wurden mit einer einfachen Notverglasung ausgestattet. Die drei Gussstahlglocken erklingen in es′, ges′ und as′. Die beiden großen Glocken wurden 1898 gegossen, die kleine Glocke wurde 1950 hinzugefügt.

Im Jahr 1989 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt.<ref name="A091.pdf" />

Die Fenster der Pauluskirche

Den Chorraum prägen drei bunte Glasfenster, die 1962 bis 1964 von Willy Heyer geschaffen wurden und drei Szenen aus dem Leben des Apostels Paulus nach den Vorlagen der Apostelgeschichte des Lukas zeigen. Heyer erzählt die Geschichte des Paulus vom Christenverfolger zum christlichen Apostel für alle Menschen. Das erste Fenster (links) zeigt die Steinigung des Stephans, Paulus steht auf dem Glasfenster hinter dem knienden Stephanus und hält die Kleidung desjenigen, der den Stein erhebt (vgl. Apostelgeschichte 7,54-8,1). Stephanus ist bereits vom göttlichen Licht berührt, welches das Bild von oben bis unten teilt und als wiederkehrendes Motiv auf allen drei Fenstern zu sehen ist. Das zweite Fenster (Mitte) zeigt die Christusbegegnung des Paulus vor Damaskus (vgl. Apostelgeschichte 9,1-9 u. a.), wobei Paulus gleich drei Mal in diesem Fenster auftaucht: links mit dem Schwert vor, in der Mitte kniend während und auf der rechten Seite nach der Begegnung mit Christus. Der biblischen Erzählung folgend erblindet Paulus kurzzeitig, weshalb er von Hananias an der Hand geführt wird. Christus bildet den Fokus des Fensters, seine Wundmale an Händen und Füßen weisen ihn als siegreichen Überwinder des Todes aus. Auch hier sticht die gelbe Farbe des himmlischen Lichts hervor, außerdem geht von Christus ein blauer (Taufe) und roter (Abendmahl) Lichtstrahl aus. Das dritte Fenster (rechts) zeigt Paulus bei seiner Rede auf dem Areopag (vgl. Apostelgeschichte 17,22-31) als Apostel für alle Menschen. Der Inhalt seiner Rede wird durch die Sprechblase an seinem Kopf angezeigt: Zu sehen ist ein Lamm, dessen Blut in einem Kelch aufgefangen wird – Hinweise auf Kreuzestod und Abendmahl, dessen Deutung bis heute zu den immer wiederkehrenden Aufgaben der gegenwärtigen Gemeinde gehören. Auch in diesem Glasfenster strahlt das gelbe, göttliche Licht vom Himmel bis auf die Erde. Es wird aufgenommen in dem kleinen Licht der Lampe, das wahrscheinlich von der einzig namentlich erwähnten Frau dieser Szene gehalten wird: Damaris (vgl. Apostelgeschichte 17,34).

Das mittlere Chorfenster als größtes Fenster ist der Fluchtpunkt des Raums und ersetzt gewissermaßen das Altarbild. Das durchscheinende, göttliche Licht der Christusfigur umstrahlt die ganze Szene und ist in allen drei Fenster wiederzufinden. Als Leitmotiv bestimmt es das Gesamtkunstwerk und bedeutet der Pauluskirche, dass dies ein Ort ist oder sein soll, an dem der Himmel die Erde berührt, an dem Gottes Wort in die Welt hineinspricht.

Zwei weitere wiederkehrende Motive sind ebenfalls auffällig. So sind auf allen drei Fenstern kleine Gebäude erkennbar, die jeweils auf die Orte der biblischen Erzählung hinweisen sollen: die Stadtmauern Jerusalems sind im linken Fenster oben angedeutet, Damaskus ist im mittleren Fenster mittig-rechts dargestellt, Tempel und Hafen weisen im oberen Teil des rechten Fensters auf Athen als Ort des Geschehens hin. Damit hat Willi Heyer ein theologisches Thema der Apostelgeschichte verbildlicht: die Ausbreitung des Christentums über Jerusalem hinaus bis ans Ende der Welt.

Eng damit verbunden ist ein weiteres wiederkehrendes Motiv: die Ablösung des Christentums vom Judentum. Willi Heyer hat hier eine Darstellungsweise gewählt, die Rückgriff auf eine ambivalente Theologie nimmt, insofern die Ablösung im Sinne einer Weiterentwicklung, einer Überbietung dargestellt wird. Dem gewalttätigen Juden im linken Fenster sitzt die andächtige Gruppe der Christusgläubigen auf dem rechten Fenster gegenüber. Als Bildmotiv wurde der Judenhut aufgegriffen, der seit der mittelalterlichen Kunst als stigmatisierendes Kennzeichen antisemitische Konnotationen trägt. Im mittleren Fenster tragen Paulus und sein Begleiter diesen Hut, in und nach der Christusbegegnung trägt Paulus diesen Hut nicht mehr. Warum Paulus allerdings auf dem linken Fenster keinen Judenhut trägt, bleibt unklar. Ebenso die Frage, wieso Künstler und damalige Gemeinde diesen Weg der Darstellung gewählt haben. Es lässt sich auch nicht mehr rekonstruieren, ob die verheerende Theologie einer christlichen Überlegenheit im Sinne einer Abwertung jüdischen Glaubens und jüdischer Menschen offen oder nur unterschwellig bewusst waren. Umso wichtiger ist es, sich dieser Tradition bewusst zu sein und offen und ehrlich mit ihr umzugehen, wie es die Gemeinde an der Pauluskirche heute versucht.

Willi Heyer gestaltete 1965 auch die acht Glasfenster im Kirchenschiff neu. Diese nehmen zwar wenige der Farben aus den bunten Fenstern des Chorraums auf, weisen aber sehr viel abstraktere Formen auf. Der gelbe Lichtstrahl, der die Gegenwart Gottes symbolisiert, ist auf allen Fenstern in blau angedeutet (vgl. das Blau im mittleren Christusfenster). Die abstrakten Formen erinnern an die Architektur der modernen Stadt, an den Plan einer technisierten Gesellschaft, in der sich die Gemeinde und jede Person, die die Pauluskirche besucht, heute befindet.

Die Pauluskirche als Stadtkirche

Die Pauluskirche steht mitten in der Fußgängerzone von Bochum. Sie ist eng mit der Historie der Stadt verbunden und sucht seit einiger Zeit nach einem relevanten und neuen Profil als Stadtkirche mitten in der Stadt. Im Jahr 2023 hat die Gemeinde eine sog. „Experimentierphase“ ausgerufen, um die Potentiale des Ortes neu zu entdecken und zu bestimmen.<ref>Besuch in der Pauluskirche, auf .bochummachtspass.de</ref> Im Zuge dieser Phase gab es auch wesentliche Interimsmaßnahmen im Inneren der Kirche. So wurden etwa die Kirchenbänke entfernt, um viel Platz für Experimente und neue Formate zu gewinnen. Darüber hinaus wurde das Christusfenster in der Mitte des Chorraums als wesentlicher Fixpunkt zum Ausgangspunkt für eine künstlerische Installation: Ein langer Vinyl-Teppich, bedruckt mit einem abstrakten Abbild des mittleren Fensters, wurde vom Altar her kommend bis in die Mitte der Gemeinde gelegt. Auf diese Weise treten Chorraum und Kirchenschiff, Jenseits und Diesseits miteinander in Verbindung. Mitten in der Kirche steht nun ein Lesepult mit der aufgeschlagenen Bibel als Zeichen dafür, dass Gottes Gegenwart auch heute noch in die Welt hineinstrahlt, zu suchen und erfahrbar in der Heiligen Schrift. Das Lesepult nimmt die gelbe Farbe des himmlischen Lichts der Fenster auf. Ebenso die neu angefertigte Kerzenschale zwischen Chorraum und Kirchenschiff, die zum Gebet einlädt.<ref>Stadtkirche | Ev. Kirchengemeinde Bochum. Abgerufen am 4. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Seit Beginn der Experimentierphase ist die Kirche täglich geöffnet (10-18 Uhr) als ein Ort für Stille, Andacht und Gebet. Es finden weiterhin Gottesdienste und Kausalien in der Kirche statt. Durch die Experimentierphase erfolgreich erprobt finden darüber hinaus Kunstausstellungen, Theateraufführungen, Lesungen, Kammerkonzert und vieles mehr statt.<ref>Stadtkirche. In: kg-bochum.ekvw.de. Ev. Kirchengemeinde Bochum, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Evangelische Pauluskirche Bochum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 51° 28′ 53″ N, 7° 13′ 7″ O

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