Paul Münstermann
Paul Münstermann (* 18. Juni 1932 in Bad Godesberg; † 30. August 2010<ref>Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 25. September 2010</ref>) war ein deutscher Beamter und vom März 1986 bis zum 27. August 1994 Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes (BND).
Leben
Münstermann wurde als Sohn eines Studienassessors und späteren Oberschulrates geboren und wuchs nach der Versetzung des Vaters 1935 in Cottbus auf. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges flüchtete die Familie nach Brühl. Dort besuchte er von 1946 bis 1950 das Gymnasium und wurde anschließend in das Aloisiuskolleg aufgenommen, wo er das Abitur ablegte. Danach studierte er Rechtswissenschaft, Geschichtswissenschaft und Philosophie an der Westfälische Wilhelms-Universität in Münster und der Universität zu Köln. In den Semesterferien war er Werkstudent in verschiedenen Industriebetrieben, darunter im Braunkohle-Tagebau im Rheinischen Revier. 1957 legte er in Düsseldorf die erste juristischte Staatsprüfung und promovierte am 14. Juli 1960 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln zum Doktor der Rechte mit einer Dissertation über Mandevilles Bienenfabel.<ref>Paul Münstermann: Mandevilles Bienenfabel. 1960, DNB 480973679 (100 S.).</ref> 1962 legte er das zweite Staatsexamen ab, war in danach als Anwalt in einer Kanzlei tätig und trat als Beamten in den höheren Dienst der Deutschen Bundespost ein.
1967 wechselte Münstermann zum BND, wo er den Decknamen Paul Heidecker erhielt.<ref>Erich Schmidt-Eenboom: Der BND: Schnüffler ohne Nase – die unheimliche Macht im Staate. 2. Auflage. ECON Verlag, Düsseldorf, Wien, New York, Moskau 1993, ISBN 3-430-18004-X, S. 340.</ref> Im BND war unter anderem Leiter der strategischen Briefkontrolle (Briefe aus Ländern des Sowjetblocks). Nach Besuch des NATO Defense College in Rom wurde er 1984 Abteilungsleiter 5 (Sicherheit und Abwehrlage) und 1985 Erster Direktor. 1986 erfolgte die Ernennung zum Vizepräsidenten des BND unter Präsident Hans-Georg Wieck.
1989 wurde gegen ihn BND-intern im Zusammenhang mit einer im Jahr 1987 durchgeführten Dienstreise nach Indonesien ermittelt. Während er nach Darstellung der BILD-Zeitung versuchte, die Kosten für eine mitgenommene Prostituierte abzurechnen, geben andere Quellen an, dass Münstermann sich entweder vom „indonesischen Geheimdienst mit Liebesdiensten verwöhnen ließ“ oder Prostituierte vom örtlichen BND-Residenten vermittelt bekam.<ref>Festnahme auf dem Klo. In: Der Spiegel. Nr. 15, 2009 (online).</ref><ref>Heißes Pflaster Jakarta. In: Der Spiegel. Nr. 16, 1989 (online).</ref><ref>Geheimdienste: Nelke im Bett. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1993 (online).</ref>
Zum 1. September 1994 musste Münstermann als Vizepräsident des BND vorzeitig in den Ruhestand gehen,<ref>BND-Vize geht in den Ruhestand. In: Berliner Zeitung, 22. August 1994</ref> als sich herausstellte, dass er über den ehemaligen BND-Abteilungsleiter Kurt Weiß (Deckname Winterstein) Geheimmaterial an den der CSU nahestehenden Journalisten Gerhard Baumann<ref>Baumann hatte 1941 in der Essener Verlagsanstalt das Buch Grundlagen und Praxis der internationalen Propaganda publiziert.</ref> weitergegeben hatte. Baumann, vom Auslandsnachrichtendienst der DDR ab 1956 als „IM Schwarz“ geführt, gab in seinem Gerichtsverfahren später an „unter falscher Flagge“ angeworben worden zu sein. Baumann sei davon ausgegangen, er würde das Material an französische Sicherheitskreise verkaufen.<ref>Geheimdienste: Für Strauß persönlich. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1994 (online).</ref>
Im Zusammenhang mit der Weitergabe von Geheimdossiers an CSU-Minister wurde im März 1997 bei Münstermann eine Hausdurchsuchung „zum Auffinden von BND-Brieftelegrammen und aktuellen außenpolitischen Informationen“ durchgeführt.<ref>Geheimdienste: Fleurop für Amigos. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1997 (online).</ref>
Münstermann war Mitglied der CSU, verheiratet und hatte zwei Söhne.
Literatur
- Erich Schmidt-Eenboom: Der BND. Die unheimnliche Macht im Staate. Schnüffler ohne Nase. Econ, Berlin 1993, ISBN 3-430-18004-X.
Weblinks
- Paul Münstermann im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Münstermann, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Nachrichtendienstler, Mitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst (BND) |
| GEBURTSDATUM | 18. Juni 1932 |
| STERBEDATUM | 30. August 2010 |
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- Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes
- CSU-Mitglied
- Deutscher
- Geboren 1932
- Gestorben 2010
- Mann