Paul Friedrich Meyerheim
Paul Friedrich Meyerheim (* 13. Juli 1842 in Berlin; † 14. September 1915 ebenda) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn ging Paul Meyerheim mehrmals nach Paris und Barbizon, um sich in der Landschaftsmalerei zu vervollkommnen. Seine besondere Begabung lag in der Tierdarstellung. Auch als Porträtist hat er sich einen Namen gemacht und war mit seinen Holzschnitten und Lithographien als Illustrator erfolgreich.
Familie
Meyerheim war der Sohn des Malers Friedrich Eduard Meyerheim und dessen Ehefrau Caroline Friederike, geb. Drake (1808–1874). Sein älterer Bruder war der Maler Franz Meyerheim. Die Maler Hermann und Wilhelm Meyerheim waren seine Onkel väterlicherseits. Der Bildhauer Friedrich Drake war der Bruder seiner Mutter.
Leben
Seinen ersten künstlerischen Unterricht bekam Meyerheim (zusammen mit seinem Bruder) von seinem Vater. 1857 bis 1860 besuchte Meyerheim die Kunstakademie seiner Heimatstadt, deren Mitglied er bereits 1869 wurde.<ref>Paul Meyerheim. Im: Mitgliederverzeichnis der Akademie der Künste. Abgerufen am 13. Oktober 2025.</ref> Dort besuchte er auch das Atelier des Tiermalers Teutwart Schmitson, dessen Malerei ihn stark beeinflusste. Später unternahm er mehrere Studienreisen in die Schweiz, nach Belgien sowie Holland und hielt sich ein Jahr lang in Paris auf. Anschließend kehrte er nach Berlin zurück, wo er bereits 1883 als Nachfolger von Professor Eybel die Tiermalklasse an der Berliner Akademischen Hochschule für bildende Künste leitete. Anfang 1883 wurde Meyerheim außerdem zum Professor ernannt<ref name="BZ_1883" /> und 1900 wurde er Mitglied des Senats der Akademie der Künste.<ref name="VZ_1900" />
Paul Meyerheim war mit der Industriellen-Familie Borsig befreundet, weshalb er auch einige spezielle Motive für die Familie und das Unternehmen Borsig zeichnete. Er gehörte zum Gästekreis aus bekannten Künstlern, die vom Kronprinzenpaar (späterer Kaiser Friedrich III.) regelmäßig eingeladen wurden.
Paul Meyerheim war seit dem 10. Dezember 1867 verheiratet mit Clara Hermine Auguste Emilie Lehfeldt (1845–1907),<ref name="Matt_B" /> der Tochter des Verlagsbuchhändlers Joseph Lehfeldt (1804–1858) und Schwester des Richters und Parlamentariers Leonhard Lehfeldt sowie des Kunsthistorikers Paul Lehfeldt. Ab diesem Zeitpunkt lebte und arbeitete Paul Meyerheim im Haus der Lehfeldts in der Matthäikirchstraße. Dort nahm Meyerheim immer wieder Malerkollegen bei sich auf, so u. a. den Historien- und Architekturmaler Emil Teschendorff, den „Münchner Malerfürst“ Franz von Lenbach<ref name="BZ_1880_02" /> oder den Porträt- und Landschaftsmaler Georg Lampe. Nach dem Tod seiner Schwiegermutter Luise Pauline Lehfeldt, geb. Jacoby, (1810–1888) und dem Verkauf des Hauses in der Matthäikirchstraße ließ sich Meyerheim von dem Architekten Alfred Messel in der Hildebrandstraße ein Wohnhaus errichten,<ref name="TU_B" /> das er nach einer längeren Orient-Studienreise im Sommer 1893 bezog.<ref name="BZ_1893" /> Acht Wochen nach seinem 73. Geburtstag starb er.<ref name="Sta_B" /> Sein Grab (unter einem stelenförmigen Grabmal unmittelbar neben der Gedenkstätte der Sozialisten) auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde ist heute noch erhalten.<ref name="fag" />
Neben seinen Fähigkeiten als Maler spielte Meyerheim zeitlebens sehr gut Cello und verfügte auch über schauspielerische und gesangliche Qualitäten. Zusammen mit seinem ausgeprägten Humor machte ihn das über Jahrzehnte zu einem geachteten Mitglied in den Berliner gesellschaftlichen und künstlerischen Kreisen. Dazu beigetragen haben auch die häufigen, regelmäßigen Feste und Empfänge in seinem Haus und Garten.<ref name="BT_1915" />
Auszeichnungen
- 1866: Goldene Medaille für Kunst in Paris
- 1872: Große goldene Medaille für Kunst in Berlin
- 1873: Bronzene Medaille auf der Wiener Weltausstellung
- 1879: Roter Adlerorden 4. Klasse
Werk
Anfangs war Meyerheims Stil durch die minutiösen Darstellungen seines Vaters beeinflusst. Später diente ihm sein Freund Adolph Menzel als Vorbild, mit dem ihn ein gemeinsames Interesse an Tier- und Zoomotiven verband. Die virtuose Darstellung exotischer Tiere wurde seine, wenngleich auch nicht ausschließliche, Spezialität. Er trug zum Beispiel mit den Wandmalereien in der Vorhalle des Antilopenhauses im Berliner Zoologischen Garten dazu bei, Tiere aus fremden Ländern in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen. Seine Tierbude-Bilder zeigen dagegen die beängstigende Situation eines dichtgedrängten Durcheinanders von exotischen Tieren und gaffenden Zuschauern. Meyerheims Können auf dem Gebiet der Landschaftsmalerei lässt sich in dieser Zeit nur noch an Gemälden wie zum Beispiel Der Ziegenhändler im Dorf ablesen, die er zwanzig Jahre zuvor ausgeführt hatte. Porträts und Bilder aus dem Volksleben waren weiterhin fester Bestandteil seines Schaffens. Bei letzteren spannt sich der Bogen vom schlichten Stillleben bis hin zu humoristischen Szenen, mit denen er verschiedentlich Fest- und Speisesäle ausschmückte. Anfang 1880 fertigte Meyerheim ein lebensgroßes Porträt des regierenden Kaisers Wilhelm I. für den Sitzungssaal des Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig an.<ref name="BT_1880" /> Auch erstellte er diverse Wand- und Deckengemälde, zum Beispiel in seinen Wohnhäusern im Berliner Tiergartenviertel, aber auch 1882/83 in der Berliner Nationalgalerie.<ref name="BZ_1882_05" /><ref name="BZ_1882_12" /><ref name="BT_1883" /> Zu Meyerheims Buchillustrationen gehört insbesondere das 1880 zusammen mit Johannes Trojan im Verlag Georg Stilke herausgegebene Kinderbuch A B C<ref name="BZ_1880" /> oder Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, erstmals 1884 in Ferdinand Dümmlers Verlagsbuchhandlung herausgegeben.<ref name="BT_1903" />
Eine Sensation auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1912 waren sieben riesige Bilder, die Paul Meyerheim in den Jahren zwischen 1873 und 1876 im Auftrag von Albert Borsig auf Kupfer gemalt hatte. Der Zyklus trug den Titel Lebensgeschichte einer Lokomotive und war ursprünglich für die Gartenloggia des Borsigschen Privatgrundstücks in Alt-Moabit bestimmt. Anekdotenhafte Szenen aus den Borsigschen Produktionsstätten, Montage und Verladen einer Lokomotive, und die Schilderung eines Erntefestes bei der Familie Borsig verknüpften das bedeutende Industriewerk mit der Borsigschen Familiengeschichte. Zugleich war dieses Werk ein wichtiger Beitrag der Berliner Malerei zur frühen Industriedarstellung. Sechs Tafeln befinden sich heute im Besitz des Märkischen Museums in Berlin-Mitte bzw. des Deutschen Technikmuseums, das siebte Bild besitzt das Nationalmuseum Stettin.
Werke (Auswahl)
- Amsterdamer Antiquar (1869)
- Villa Borsig (1855, Nationalgalerie Berlin)
- Tierbude (1885, Nationalgalerie Berlin)
- Die vier Jahreszeiten im Leben der Vögel
- Zyklus von vier Bildern in Kaseinmalerei
- Rotkäppchen
- Aschenbrödel (1870)
- Die Schafschur (1872)
- Die Wildenbude (1874)
- Kohlenmeiler im bayrischen Gebirge (1878)
- Friedrich Eduard Meyerheim (Porträt)
- Daniel Chodowiecki (1887, Porträt)
-
Der Ziegenhändler im Dorf, 1863
-
Löwen, 1885
-
Lokomotivbau aus dem Zyklus Lebensgeschichte einer Lokomotive, 1873–1876
-
Tierbude, 1885
-
In der Tierbude, 1894
Schüler
Zu den bedeutenden Schülern Meyerheims gehören u. a. der Tierbildner August Gaul (1869–1921) und der Bildhauer und Tierbildner Friedrich Franz Brockmüller (1880–1958). Weitere Schüler waren der Maler und Zeichner Paul Freytag (1873–1954) und Fritz Grotemeyer (1864–1947).<ref name="WN_2016" />
Literatur
- Staatliche Museen Berlin: Kunst in Berlin 1648–1987. Henschelverlag, Berlin 1987, S. 298.
- Hans Joachim Neidhardt: Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts. E.A Seemann Verlag, Leipzig 1990, ISBN 3-363-00468-0, S. 176 und 258.
- Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Siedler Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-572-10011-9, S. 418.
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Einzelnachweise
<references> <ref name="BZ_1883"> Notiz. In: Berliner Börsenzeitung, 27. Januar 1883. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="VZ_1900"> Notiz. In: Volkszeitung, 6. Januar 1900. ZEFYS Zeitungsinformationssystem Staatsbibliothek Berlin. </ref> <ref name="Matt_B"> Eheregister der Matthäuskirche Berlin, Dezember 1867, S. 30, Nr. 159. </ref> <ref name="BZ_1880_02"> Artikel. In: Berliner Börsenzeitung, 3. Februar 1880. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="TU_B"> Wohnhaus Prof. Paul Meyerheim. Architekturmuseum der TU Berlin. </ref> <ref name="BZ_1893"> Notiz. In: Berliner Börsenzeitung, 10. Juni 1893. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="Sta_B"> Sterberegister des Standesamtes Berlin III P Rep. 804 Nr. 1063/1915. (PDF; 74 MB) landesarchiv-berlin.de. </ref> <ref name="fag"> {{#if:132798328 |Paul Meyerheim |Paul Meyerheim}} in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum{{#if:2023-11-07|.}}{{#if:{{#if: 132798328 | {{#if: 2023-11-07 | | 1 }} }}|{{#ifeq:132798328|{{#property:p535}}||{{#ifeq:{{#invoke:Str|len|{{#property:p535}}}}|0||}}}}}}{{#if:{{#if: Paul Meyerheim | {{#if: 2023-11-07 | | 1 }} }}|}}{{#if:2023-11-07|{{#iferror:{{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|| }}|{{#ifeq:{{#invoke:WLink|getArticleBase}}|{{#invoke:Wikidata|labelOf}}||}}}} </ref> <ref name="BT_1915"> Paul Schlenther: Nachruf „Bei Meyerheims“. In: Berliner Tageblatt, 20. September 1915. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="BT_1880"> Notiz. In: Berliner Tageblatt, 8. Januar 1880. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="BZ_1882_05"> Notiz. In: Berliner Börsenzeitung, 21. Mai 1882. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="BZ_1882_12"> Artikel. In: Berliner Börsenzeitung, 8. Dezember 1882. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="BT_1883"> Artikel. In: Berliner Tageblatt, vom 24. Januar 1883. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="BZ_1880"> Artikel. In: Berliner Börsenzeitung, 3. Dezember 1880. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="BT_1903"> Artikel. In: Berliner Tageblatt, 12. Dezember 1903. Deutsches Zeitungsportal. </ref> <ref name="WN_2016"> Fritz Grotemeyer In: Westfälische Nachrichten, Münster, 28. Juli 2016. </ref> </references>
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- Maler (Deutschland)
- Märchenillustrator
- Porträtmaler
- Hochschullehrer (Akademische Hochschule für die bildenden Künste)
- Mitglied der Preußischen Akademie der Künste
- Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse
- Deutscher
- Geboren 1842
- Gestorben 1915
- Mann