Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Passauer Kunst – Wikipedia Zum Inhalt springen

Passauer Kunst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Passauer Zettel)

Als Passauer Kunst bezeichnete man einen Aberglauben unter Soldaten ab dem 17. Jahrhundert, der angeblich vor Verletzungen durch Schüsse, Hiebe oder Stiche schützen sollte.

Die Passauer Kunst entspricht im Wesentlichen dem Festmachen, einem schon länger verbreiteten Glauben unter Soldaten, dass man sich durch bestimmte Zauber unverwundbar (fest) machen könne. Der Begriff der Passauer Kunst als Synonym oder Variante des Festmachens geht vermutlich auf den Passauer Scharfrichter Kaspar Neidhart aus Hersbruck (siehe auch Scharfrichterhaus Passau) zurück, der um 1611 Zettel mit geheimnisvollen Zeichen an die Soldaten des römisch-deutschen Kaisers Matthias verkauft haben soll, die vor der Stadt lagerten. Dies sollte dem Scharlatan zufolge den Soldaten gegen Schuss, Hieb und Stich festmachen.<ref name="Gaunerthum">Friedrich Christian Benedict Avé-Lallemant: Das Deutsche Gaunerthum. F.A. Brockhaus, Leipzig 1862, S. 153–155 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Johann Christian Wiegleb: Onomatologia Curiosa Artificiosa et Magica, oder, natürliches Zauberlexikon, in welchem vieles Nützliche und Angenehme aus der Naturgeschichte, Naturlehre und natürlichen Magie nach alphabetischer Ordnung vorgetragen worden. in den von Schönfeldschen Niederlagen, 1798 (google.de [abgerufen am 11. November 2024]).</ref> Nach verschiedenen Überlieferungen wurden die Zettel entweder gegessen oder in einem Säckchen eingenäht auf der Brust getragen.<ref name="ÖMZ">H. W.: Zur Passauer Kunst. In: V. Streffleur (Hrsg.): Österreichische Militärische Zeitschrift. Band 1, Drittes Heft. Kaiserl. Königl. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1862, S. 176 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die ältesten Überlieferungen davon datieren bis in die Jahre 1615 und 1631 zurück.<ref name="Funke09">Nikolas Funke: Naturali legitimâque Magica. Das ‚Festmachen‘ im Militär des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit e.V. (Hrsg.): Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit. Band 13, Nr. 1. Universitätsverlag Potsdam, 2009, ISSN 1617-9722, S. 16–32 (online [PDF; 270 kB]).</ref>

Eine andere Herleitung führt das Wort auf eine Verballhornung des jiddischen Wortes „Pessel“ zurück. Dies wird jedoch von anderen Autoren als unzutreffend abgelehnt.<ref name="Gaunerthum" />

Durch den darauf folgenden Erfolg in den Kämpfen mit seinem Bruder Rudolf II. um Böhmen, in denen Matthias’ Truppen nahezu verlustfrei blieben, wurde die Passauer Kunst berühmt. In den folgenden Jahren des Dreißigjährigen Krieges war sie unter Soldaten weit verbreitet.<ref name="Gaunerthum" /><ref>Vgl. auch die Novelle Die Passauer Kunst von August Bechtold (1832)</ref>

Weblinks

Wiktionary: hieb- und stichfest – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />