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Paget-Karzinom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Paget-Krebs)
Klassifikation nach ICD-10
C50- Bösartige Neubildung der Brustdrüse
C21.0 Bösartige Neubildung des Anus und des Analkanals; Anus, nicht näher bezeichnet
C44.5 Sonstige bösartige Neubildungen der Haut; Haut des Rumpfes (Anus: Haut, Rand (-Gebiet); Haut der Brustdrüse, Perianalhaut)
C44.6 Sonstige bösartige Neubildungen der Haut; Haut der oberen Extremität, einschließlich Schulter
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Das Paget-Karzinom, auch Paget-Krebs, Paget-Krankheit, Morbus Paget der Mamille oder seltener Morbus Paget der Vulva, ist eine sehr seltene Krebsform im Bereich der Brustwarze und seltener an anderen Lokalisationen. Fast immer sind Frauen betroffen. Die Erkrankung geht zumeist von einem tiefer liegenden duktalen Karzinom in situ (2/3 der Fälle) oder einem duktalen Mammakarzinom aus. Liegt kein anderes Karzinom zugrunde, wird von einem isolierten Paget-Karzinom gesprochen.

Datei:Paget-Karzinom 05.jpg
Paget-Karzinom auf der rechten Brust einer Patientin. Die Brust wurde einige Jahre zuvor mastektomiert.
Datei:Paget-Karzinom 01.jpg
Paget-Karzinom am Penis eines 87-Jährigen.
Datei:Paget-Karzinom 02.jpg
Histologische Hämatoxylin-Eosin-Färbung von Zellen aus obigem Karzinom.

Gelegentlich kommt das Paget-Karzinom auch beim Mann sowie als blasiger Tumor (bowenoide Papulose) außerhalb der Brust, meist im Bereich des Genitales, des Anus oder der Achseln (eventuell mit Befall der apokrinen Schweißdrüsen) vor.

Die Osteodystrophia deformans, auch als Paget-Syndrom, Paget-Krankheit oder Morbus Paget bezeichnet, ist eine Skeletterkrankung und hat mit dem Paget-Karzinom nur den Erstbeschreiber und Namen gemeinsam.

Das Paget-Karzinom wurde 1874 von James Paget in der wissenschaftlichen Literatur mit seinem Artikel über die „Erkrankungen des Warzenhofes als Vorläufer des Brustdrüsenkrebses“ beschrieben.<ref>J. Paget: On disease of the mammary areola preceding cancer of the mammary gland. In: St Bartholemew Hospital Research. Band 10, London 1874, 87–89.</ref> Eine Behandlung bei von in den Brustwarzen entstehendem „Krebs“ wurde bereits im 8. Jahrhundert im Lorscher Arzneibuch aufgeführt.<ref>Gundolf Keil: Einleitung. In: Gundolf Keil (Hrsg.): Das Lorscher Arzneibuch (Handschrift Msc. Med. 1 der Staatsbibliothek Bamberg). Band 2: Übersetzung von Ulrich Stoll und Gundolf Keil unter Mitwirkung von Altabt Albert Ohlmeyer. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1989, S. 7–14, hier: S. 14 und dazu S. 101 (Übersetzung von Blatt 51r).</ref>

Symptome

Der meist einseitige, in der Haut liegende Tumor ähnelt zunächst einer entzündlichen Veränderung, mit krustig-schuppiger, braunroter Hautoberfläche, manchmal nässend, nicht oder wenig schmerzhaft. In diesem Stadium besteht Verwechslungsgefahr mit einem einfachen Ekzem der Brustwarzen, welches aber meist beidseitig auftritt. Mit der Zeit zieht sich dann beim Paget-Karzinom, als ein sehr typisches Anzeichen für Brustkrebs, die Brustwarze ein.

Ätiologie und Histologie

Es wird davon ausgegangen, dass beim mammären Paget-Karzinom die Zellen von in-situ oder invasiven duktalen Mammakarzinomzellen entstammen, in extramammären Manifestationen besteht Unsicherheit über die Herkunft der Zellen, da hier oft kein CIS oder anderes Karzinom nachgewiesen werden konnte, manche Autoren nehmen aber an, dass es sich auch hier um entartete Drüsenzellen handelt.<ref name="Lloyd">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Diese These wird unterstützt durch die Zellformen, das intracelluläre Mucin, sowie die vorhandenen glandulären Zytokeratine (zum Beispiel KRT7+KRT19) Zusätzlich werden häufig epitheliale Membranantigene sowie Carcinoembryonische Antigene nachgewiesen.<ref name="Lloyd" />

Im Gewebeschnittbild unter dem Mikroskop zeigen sich eine mäßige Akanthose und Durchsetzung des Stratum basale (oft auch der Milchgänge) mit Pagetzellen. Das sind große Zellen ohne Tonofibrillen mit hellem glykogenreichen Zytoplasma und einem großen, ovalen, hyperchromen Kern.<ref name="fha">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Morbus Paget der Vulva.] (PDF) In: Frauenheilkunde Aktuell. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 17. Februar 2014.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Therapie und Prognose

Wird die Krankheit im frühen Stadium erkannt, ist eine chirurgische Entfernung des Tumors meist ausreichend, sonst erfolgt zusätzlich eine Chemotherapie oder Bestrahlung. Wird die Erkrankung früh erkannt und treten keine Komplikationen auf, bestehen gute Heilungschancen. Beim Morbus Paget der Vulva wird eine großzügige Exzision im gesunden Gewebe oder die Vulvektomie empfohlen sowie alternativ mit Imiquimod<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> als Immunmodulationstherapie und bei Befall der Brust mit Chemotherapie, Radiotherapie oder Radiochemotherapie behandelt.<ref name="fha" /> Auch gab es Therapieversuche mit lokaler Chemotherapieanwendung, Laserbehandlung und photodynamischer Therapie; außerdem zeigen manche Zellen Androgenrezeptoren, was eine Antiandrogentherapie als Möglichkeit der Behandlung erscheinen lässt.

Die Prognose ist abhängig von der gewählten Behandlung und anhand der Seltenheit der Erkrankung und ihrer Assoziation mit anderen invasiven Tumoren schwer bestimmbar.

Weblinks

Commons: Paget-Karzinom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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