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SS-N-26 Strobile

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(Weitergeleitet von P-800 Bolid)
SS-N-26 Strobile
Datei:3M55 Yakhont Onyx SS-N-26 Armia 2018.jpg
Allgemeine Angaben
Typ Seezielflugkörper
Heimische Bezeichnung 3K55 Jachont, P-800 Oniks, 3M55
NATO-Bezeichnung SS-N-26 Strobile
Herkunftsland Sowjetunion 1955Datei:Flag of the Soviet Union (1955-1980).svg Sowjetunion / RusslandDatei:Flag of Russia.svg Russland
Hersteller NPO Maschinostrojenija
Entwicklung 1981
Indienststellung 1998
Einsatzzeit im Dienst
Technische Daten
Länge 8,90 m
Durchmesser 720 mm
Gefechtsgewicht 3.000 kg
Spannweite 1.700 mm
Antrieb
Erste Stufe
Zweite Stufe

Feststoffbooster
Staustrahltriebwerk
Geschwindigkeit 2700 km/h (hochfliegend), 2448 km/h (tieffliegend)
Reichweite 300 km<ref name="ihs2" />
Dienstgipfelhöhe 14.000 m
Ausstattung
Lenkung Trägheitsnavigationsplattform plus Satellitennavigation plus Datenlink
Zielortung Aktive oder passive Radarzielsuche
Gefechtskopf 200–300 kg hochexplosiv-panzerbrechend<ref name="ihs2" /> oder Nukleargefechtskopf<ref name="kristensen2018">Hans M. Kristensen: Review of NASIC Report 2017: Nuclear Force Developments. In: fas.org. Federation of American Scientists (FAS), 30. Juni 2017, abgerufen am 11. September 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Zünder Aufschlagzünder und Annäherungszünder
Waffenplattformen Schiffe, U-Boote, Fahrzeuge, Flugzeuge
Listen zum Thema

SS-N-26 Strobile ist der NATO-Code für einen Seezielflugkörper aus russischer Produktion. Die Systembezeichnung der russischen Streitkräfte ist P-800 Oniks und die Exportbezeichnung Jachont (in der englischen Transkription Yakhont). Der GRAU-Index für das Gesamtsystem lautet 3K55 und der Flugkörper wird 3M55 bezeichnet.

Entwicklung

Die Entwicklung der SS-N-26 begann 1981 bei NPO Maschinostrojenija. Ziel war es, eine universell einsetzbare Anti-Schiff-Lenkwaffe zu entwickeln. Die neue Lenkwaffe sollte von Schiffen, U-Booten, Lkws und Flugzeugen einsetzbar sein. Vorerst bekam das System die Bezeichnung P-100 Bolid. Erste Tests wurden im Jahr 1987 durchgeführt.<ref name="militaryrussia">Militaryrussia: Комплекс П-800 / 3К55 Оникс / Яхонт - SS-N-26 STROBILE</ref> Für die Seeerprobung wurde eine Korvette der Projekt 1234 mit 2 × 6 Lenkwaffen ausgerüstet. Für die Unterwassererprobung wurde das U-Boot K-452 – ein Boot der Charlie-II-Klasse – mit 8 × 3 Lenkwaffen ausgerüstet.<ref name="dtig">Russian/Soviet Sea-based Anti-Ship Missiles DTIG, Nov, 2005, Zugriff: 12. August 2015 (englisch)</ref> Im Jahr 1998 wurde die SS-N-26 unter der Bezeichnung P-800 Oniks provisorisch in die Bewaffnung der russischen Marine aufgenommen.<ref name="janes">Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapon Systems. Jane’s Information Group, 2005, ISBN 0-7106-0880-2.</ref> Die angespannte finanzielle Situation der russischen Streitkräfte verhinderte aber bis auf weiteres eine Beschaffung. Erst 2002 konnten einige wenige Exemplare zu Testzwecken beschafft werden. In der Zwischenzeit wurde die SS-N-26 unter der Bezeichnung Jachont auf dem Exportmarkt angeboten. Bei der russischen Marine soll die SS-N-26 auf den sich in Entwicklung befindenden U-Booten der Granay-Klasse und den Fregatten der Admiral-Gorschkow-Klasse (Projekt 22350) zum Einsatz kommen.

Technik

Die P-800 Oniks kann als Seezielflugkörper gegen Überwasserschiffe und als Marschflugkörper gegen Landziele eingesetzt werden.<ref name="ihs">Nicholas de Larrinaga & Sean O'Connor: Russia reveals Bastion-P deployment, land attack role in Syria. In: Janes.com. IHS Jane’s 360, 15. November 2016, abgerufen am 15. November 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie kann von Schiffen, U-Booten, Flugzeugen und Küstenstellungen aus gestartet werden. Die Lenkwaffen sind in Stahlbehältern untergebracht und werden direkt aus diesen abgefeuert. Der Startbehälter weist eine charakteristische zylinderförmige Geometrie auf, ist 8,90 m lang und hat einen Durchmesser von 0,71 m. Die Serienversion der P-800 Oniks kann auch aus VLS-Zellen gestartet werden. Vor dem Start müssen im Navigationssystem der Lenkwaffe die ungefähre Position sowie der Kurs des Zieles eingegeben werden. Diese werden mittels Sonar, Radar oder ELINT von der Startplattform aus ermittelt. Die Lenkwaffen können einzeln oder in kurzer Serie gestartet werden. Beim Start wird die Lenkwaffe zuerst durch den Feststoffbooster beschleunigt und steigt auf eine Höhe von rund 100 m. Nach dem Ausbrennen des Boosters wird dieser abgeworfen und das 3D55-Staustrahlmarschtriebwerk zündet.<ref name="militaryrussia"/> Danach nimmt die Rakete die vorprogrammierte Flughöhe ein. Es existieren zwei vorprogrammierte Flugprofile: Beim Standard-Flugprofil erfolgt der Marschflug in einer Höhe von 14.000 m bei einer Geschwindigkeit von Mach 2,3.<ref name="ihs2" /> Die letzten 20–40 km werden im Tiefflug zurückgelegt. Die Reichweite bei diesem Flugprofil liegt bei 300 km. Daneben kann der Flug ins Ziel im Tiefflug mit Mach 1,6 in einer Höhe von 10–15 m erfolgen. Die Reichweite bei diesem Flugprofil liegt bei 120–150 km.<ref name="airwar">airwar.ru, Zugriff: 27. März 2014 (russisch)</ref> Der Flug ins Zielgebiet erfolgt autonom mit Hilfe der Trägheitsnavigationsplattform. Ein Radar-Höhenmesser sorgt für den nötigen Sicherheitsabstand zwischen der Lenkwaffe und der Meeresoberfläche. Aktualisierte Zieldaten können mittels eines Datenlinks von der Startplattform zur Lenkwaffe gesendet werden. Für den Zielanflug wird der bordeigene aktive Radarsuchkopf aktiviert. Dieser hat eine Erfassungsreichweite von 50–77 km.<ref name="militaryrussia" /> Wurde das Ziel durch den Radarsuchkopf erfasst, wird dieser abgeschaltet und die Rakete mit Hilfe des passiven Radarsuchkopfes zum Ziel geführt. Dieser orientiert sich an den elektromagnetischen Emissionen (Radar, Störsysteme) des Ziels. Verliert die Rakete das Ziel, wird der aktive Radarsuchkopf automatisch wieder aktiviert. Der Einschlag im Ziel erfolgt auf Wellenhöhe im Schiffsrumpf. Der Gefechtskopf zündet zeitverzögert, so dass er im Schiffsinneren explodiert. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit hat die P-800 Oniks eine hohe kinetische Energie, was ein großes Schadenspotential mit sich bringt.

Die Entwickler bedachten bei der Entwicklung, dass die meisten modernen Kriegsschiffe über effektive Maßnahmen zur Raketenabwehr verfügen. Sie gingen davon aus, dass ein Gegner den Start des Flugkörpers in rund 300 km Entfernung auffassen und Abfangversuche starten würde. Die P-800 Oniks verfügt daher über eine Reihe von Systemen zur Überwindung gegnerischer Abwehrmaßnahmen. Als erstes erreicht die Lenkwaffe eine hohe Fluggeschwindigkeit. Diese liegt bei Mach 1,6 im Tiefflug und bei Mach 2,3 in großer Flughöhe.<ref name="ihs2" /> Daneben wurde besonderer Wert auf den Schutz vor elektronischen Störmaßnahmen gelegt. Gemäß Hersteller ist die P-800 Oniks gegenüber elektronischen Störmaßnahmen weitgehend unempfindlich. Während des Zielanfluges führt die Rakete nach dem Zufallsprinzip abrupte Ausweichmanöver durch. Zusätzlich ist die Raketenoberfläche mit einer radarabsorbierenden Schutzschicht versehen.<ref name="rbase">rbase.new-factoria.ru, Zugriff: 27. März 2014 (russisch)</ref><ref name="dtig" />

Die Startplattformen können mit einem Feuerleitsystem ausgerüstet werden, das vergleichbar mit dem der SS-N-19 Shipwreck ist. Dieses wurde mit einem komplexen Softwarepaket ausgestattet, um den Kampf gegen einzelne Schiffe oder eine Schiffsgruppe zu koordinieren. Diese Software kommt zum Einsatz, wenn die Flugkörper in Salven gestartet werden. Die Flugkörper fassen Ziele selbstständig auf, ermitteln ihren Kampfwert und tauschen diese Informationen gegenseitig aus. Anhand dieser Daten wird untereinander der Angriffsplan koordiniert. Die jeweiligen Abwehrmaßnahmen gegen elektronische Gegenmaßnahmen und ECM (EloKa) sowie die notwendigen Manöver zum Umgehen der gegnerischen Luftabwehr (vor allem von Nahbereichsverteidigungssystemen) sind im Flugkörper eingespeichert. Sobald das Prioritätsziel einer Schiffsgruppe zerstört ist, greifen die übrigen Flugkörper der Salve die anderen Schiffe der Gruppe an. Es greifen somit nie zwei Flugkörper dasselbe Schiff an – es sei denn, es wird nicht zerstört, sodass eine andere P-800 Oniks darauf aufschaltet.<ref name="dtig" />

Varianten

Status

Folgende Schiffklassen der russischen Marine sind (oder werden) mit der SS-N-26 ausgerüstet: Die Korvetten der Bujan-M-Klasse (Projekt 21631), Gremjaschtschi-Klasse (Projekt 20385) sowie die Fregatten der Admiral-Gorschkow-Klasse (Projekt 22350). Daneben kommt die SS-N-26 auf den U-Booten der Granay-Klasse (Projekts 885) zum Einsatz. Im Dezember 2011 teilte ein Vertreter der russischen Rüstungsindustrie mit, dass auch die U-Boote der Oscar-Klasse II (Projekt 949A) unter anderem mit Seezielflugkörpern SS-N-26 bestückt werden sollen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />RIA Novosti: Russland rüstet Atom-U-Boote mit Marschflugkörpern „Onyx“ und „Kalibr“ aus (Memento vom 15. August 2012 im Internet Archive) (12. Dezember 2011). Abgerufen am 12. Dezember 2011.</ref>

Erster Exportkunde war Vietnam. Im Jahr 2006 bestellte Vietnam zwei Systeme K-300 Bastion-P und 40 Lenkwaffen zur Küstenverteidigung.

Syrien bestellte 2008 eine zuerst unbekannte Anzahl Jachont zur Küstenverteidigung. Im Dezember 2011 erfolgte eine Lieferung von zwei Batterien mit 72 Lenkwaffen.<ref name="defense-update">defense-update.com</ref> Im Mai 2013 wurden laut US-Angaben zusätzliche, weiterentwickelte Raketen geliefert.<ref>Michael R. Gordon, Eric Schmitt: Russia Sends More Advanced Missiles to Aid Assad in Syria, New York Times vom 16. Mai 2013, abgerufen am 30. Oktober 2015 (englisch).</ref> Medienberichten zufolge wurden diese bei einem von einem israelischen U-Boot der Dolphin-Klasse lancierten Angriff im Juli 2013 zum Teil zerstört.<ref>Report: Israeli submarine strike hits Syrian arms depot, Jerusalem Post vom 14. Juli 2013, abgerufen am 30. Oktober 2015 (englisch).</ref><ref>Michael R. Gordon Some Syria Missiles Eluded Israeli Strike, Officials Say, New York Times vom 31. Juli 2013, abgerufen am 30. Oktober 2015 (englisch).</ref>

Einsatz

Bürgerkrieg in Syrien seit 2011

Der Ersteinsatz der P-800 Oniks erfolgte im Rahmen des russischen Militäreinsatzes im Bürgerkrieg in Syrien im November 2016. Der Einsatz erfolgte ab der fahrzeugbasierten Plattform K-300 Bastion gegen Ziele in Syrien.<ref name="ihs" />

Russischer Überfall auf die Ukraine

Bei dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 starteten die Streitkräfte Russlands am 23. März und 6. April 2022 eine unbekannte Anzahl P-800 Oniks gegen Ziele in der Ukraine. Der Einsatz erfolgte von der fahrzeugbasierten Plattform K-300 Bastion aus der von Russland annektierten Krim.<ref>Eurasiantimes.com: After Hypersonic Weapons, Russia Uses Bastion-P Missiles To Break Ukraine’s Resistance, Destroy Its Morale</ref><ref>Eurasiantimes.com: Russia Claims It Launched Bastion-P Anti-Ship Missiles Against Ground Targets In Ukraine</ref> Am 1. Mai 2022 startete Russland mindestens drei P-800 Oniks gegen einen Flugplatz in der Nähe von Odessa. Der Einsatz erfolgte von der fahrzeugbasierten Plattform K-300 Bastion.<ref>Tvzvezda.ru: Высокоточный удар: кадры пуска ракеты«Оникс» в рамках спецоперации</ref><ref>MoD Russia: The Russian MoD said it launched Oniks missiles from Bastion coastal defense complexes at an airfield near Odesa.</ref> Gemäß Schätzungen sollen mit der fahrzeugbasierten Plattform K-300 Bastion bis Ende April 2023 rund 150 Oniks gegen Ziele in der Ukraine gestartet worden sein.<ref name="csis-ukriane">Csis.org: Putin’s Missile War – Russia’s Strike Campaign in Ukraine</ref> Am 7. Oktober 2023 sollen mit Oniks-Raketen zivile Ziele wie Donauhäfen und ein Altersheim beschossen worden sein.<ref>(übersetzt): Nach dem Angriff auf Groza in der Region Charkow traf eine weitere Rakete im Zentrum von Charkow ein. Am fünfhundertneunzigsten Kriegstag starben ein zehnjähriger Junge und seine Großmutter, Dutzende Menschen wurden verletzt, russisch: После удара по Грозе в Харьковской области еще одна ракета прилетела уже в центр Харькова. Погиб 10-летний мальчик и его бабушка, десятки людей пострадали Пятьсот девяностый день войны. Фотографии. In: Meduza.IO. Abgerufen am 8. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im August 2024 vermeldete die Ukraine, dass Russland seit Kriegsbeginn schätzungsweise 311 Oniks gegen Ziele in Ukraine gestartet haben soll.<ref>Defence-ua.com: Сирський оприлюднив скільки загалом ворог використав ракет та дронів, скільки перехопили й скільки об'єктів уражено</ref>

Verbreitung

Einzelnachweise

<references> <ref name="ihs2">Julian Ryall, Gabriel Dominguez, Neil Gibson: Russia deploys Bal and Bastion-P missile systems to disputed Kuril Islands, says report. In: Janes.com. IHS Jane’s 360, 23. November 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. November 2016; abgerufen am 24. November 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> </references>

Weblinks

Commons: P-800 Oniks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien